Sexueller Missbrauch – Wie Bischöfe versuchen, die Taten von Priestern zu verschleiern

Zu diesem Thema wird heute in der ARD um 21.45 im Rahmen der Sendung Panorama ein Bericht gezeigt. Die Online-Ausgabe der lokalen Mainpost schreibt dazu:


Vorwürfe gegen den Bischof: “Panorama”: Sexuelle Übergriffe sollten verschleiert werden

Schwere Vorwürfe gegen das Bistum Würzburg werden ein junger Mann und seine Familie in einem Beitrag desBischöfe ARD-Magazins “Panorama” am heutigen Donnerstagabend erheben. Sie sagen, der 22-Jährige sei vom Lohrer Dekan missbraucht worden und der Bischof habe versucht, die Taten zu verschleiern.

Der Dekan hat im November Suizid begangen. Ein Jahr lang soll der damals 17-Jährige von dem Priester zu sexuellen Handlungen genötigt worden sein. “Ich musste mich ausziehen, er hat mich zum Oralverkehr gezwungen”, beschreibt der heute 22-Jährige die Taten in “Panorama”.

Ein Gespräch mit dem Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann sei nicht hilfreich gewesen, sagt der junge Mann, der laut “Panorama” anonym bleiben will. “Ich kann mich noch erinnern, dass er mir geraten hat, von einer Anzeige Abstand zu nehmen, damit das nicht so aufgewirbelt wird und nichts an die Öffentlichkeit gelangt.”

In Vertretung des in Urlaub weilenden Bischofs erklärt Generalvikar Karl Hillenbrand, dass sofort ein kirchenrechtliches Verfahren gegen den Dekan eingeleitet worden sei. Dabei soll sich der Verdacht gegen den 55-Jährigen erhärtet haben. Dem Vorwurf, der 22-Jährige sei zum Schweigen gedrängt worden, mochte Hillenbrand laut “Panorama” nicht entgegen treten. In einer Pressemitteilung des Ordinariats betont der Generalvikar nun, der Bischof habe nicht versucht, “sexuelle Übergriffe eines Geistlichen” zu verschleiern. Auch habe die Diözese dem jungen Mann ein “Therapieangebot” gemacht, das dieser aber abgelehnt habe. Laut Bistumssprecher Bernhard Schweßinger hat die Diözese dem 22-Jährigen einen Aufenthalt im Recollectio-Haus des Klosters Münsterschwarzach offeriert, wo auch Missbrauchs-Opfer psychologische Hilfe finden.

Wie im November berichtet, hatte der 22-Jährige die Justiz eingeschaltet. Die Ermittlungen wegen “Nötigung zu einer sexuellen Handlung” wurden beendet, nachdem sich der Dekan am 11. November 2006 von einem Zug überrollen ließ. Damals war der 55-Jährige bereits auf eigenen Wunsch unter anderem “wegen persönlicher Schwierigkeiten aufgrund einer Anzeige” in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden.

“Im Todesfall wird die Akte sofort geschlossen”, erklärt dazu der Würzburger Leitende Oberstaatsanwalt Clemens Lückemann auf Anfrage.

3 Antworten zu “Sexueller Missbrauch – Wie Bischöfe versuchen, die Taten von Priestern zu verschleiern”

  1. nickpol Sagt:

    Ach nee, der arme Junge wird durch die Medien mißbraucht. Jetzt mal Butter bei die Fische, der Mißbrauch durch einen Geistlichen ist die Ursache, für alles folgende, die Medien reflektieren die Wirkung, sie mißbrauchen den Jungen nicht. Es ist diese verdammte bigotte, moralisch verwerfliche Haltung der katholischen Kirche zu solchen Dingen.

  2. Ateo devoto Sagt:

    Hat sich mittlerweile alles als heiße Luft entpuppt:
    http://www.br-online.de/bayern-heute/artikel/0708/16-wuerzburger-bischof/index.xml
    Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen liefen zum Zeitpunkt des Gespräches längst, und Msgr. Hofmann hat dem jungen Mann lediglich den Rat gegeben, nicht vorschnell an die Öffentlichkeit (nicht zum Staatsanwalt) zu gehen, und einen anderen Rat kann man in einer solchen Situation nicht geben, wenn man auch nur den geringsten Verantwortungssinn besitzt. Was passieren kann, wenn man mit solchen Erlebnissen vorschnell an die Öffentlichkeit geht, sieht man hier: Man kann in die Hände verantwortungsloser Journalisten fallen, die einen für ihre höchst eigene Agenda instrumentalisieren und so zum zweitenmal missbrauchen. Der arme Junge.

  3. wahoonie Sagt:

    schön auch, was noch auf der seite von Panorama steht: “…habe der Bischof ihm nahe gelegt, mit niemandem über die Sache zu sprechen und von einer Anzeige Abstand zu nehmen, damit nichts an die Öffentlichkeit gelangt. Der zuständige Generalvikar verteidigt das Vorgehen des Bischofs. Er habe korrekt gehandelt und sofort ein kirchenrechtliches Verfahren eingeleitet.”

    die jungs von den katholen meinen wirklich noch, sie würden über oder außerhalb der staatlichen gerichtsbarkeit stehen. dieser hochmut ist mehr als dreist!

    btw. danke für den tv-hinweis!


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