Michel Onfray
von Guido Horst – Die Tagespost Katholische Zeitung für Politik, Gesellschaft und Kultur
Um den Atheismus ist es schlecht bestellt. Wenn das, was Richard Dawkins in seinem Weltbestseller „Der Gotteswahn“ zu bieten hat, Fortentwicklung und aktueller Höhepunkt von über zweihundert Jahren Religionskritik und Gottesleugnung ist, dann kann der gottgläubige Mensch tief durchatmen und getrost davon ausgehen, dass er – und nicht der Atheist Dawkins – auf dem rechten Wege ist. Der Religionsphilosoph Alister McGrath schreibt in seinem Antwort-Buch auf Dawkins: „Als ich ,Der Gotteswahn‘ las, war ich traurig und besorgt zugleich. Wie konnte aus so einem begabten und allgemein verständlichen Naturwissenschaftler, der sich leidenschaftlich für die objektive Betrachtung einer Sache einsetzte, ein dermaßen aggressiver antireligiöser Propagandist werden, der offenkundig alles ablehnt, was seiner Sache nicht dienlich ist? Weshalb werden die Naturwissenschaften dermaßen missbraucht, um einen atheistischen Fundamentalismus zu untermauern?“ (Alister McGrath: Der Atheismus-Wahn, Seite 13) Wer sich mit Dawkins weiter befassen will, dem sei das Buch von McGrath nachdrücklich empfohlen.
“Der atheistische Fundamentalismus will nicht die Kirche eliminieren, sondern Gott selbst”
Aber dennoch: Als „Der Spiegel“ vor nicht allzu langer Zeit eine ganz und gar nicht Augstein-konforme Titelgeschichte über die Religion veröffentlichen wollte, ließ er seinen römischen Korrespondenten Alexander Smoltczyk über das Thema schreiben. Und plötzlich saßen nicht Papst und Vatikan, sondern die Gottlosen auf der Anklagebank. „Der Kreuzzug der Atheisten“ hieß das Stück – und es ist schon etwas dran: So wie damals zur Zeit Jesu, als Gottes Sohn durch die römische Provinz Judäa zog, Dämonen und Teufel im Dauereinsatz waren – die Evangelien berichten von ihrem scharenweisen Auftreten –, so treten auch jetzt, da die Religion Hochkonjunktur hat, die Atheisten auf den Plan. Massiv und weithin vernehmbar, so als würde die Entscheidungsschlacht in Sachen Gott in den ersten Jahren des dritten christlichen Jahrtausends geschlagen. „Wir brauche keinen Gott“ verkündet Michel Onfray in Frankreich, in Italien kämpft die „Union der Atheisten und rationalistischen Agnostiker“ gegen die Kruzifixe in den Schulen. In Deutschland wirbt die Giordano Bruno-Stiftung für „Wissen statt Glaube“ und vertreibt das religionskritische Kinderbuch „Wo bitte gehts zu Gott? fragte das kleine Ferkel“. Das ist keine Massenbewegung, aber eine lärmende und mit viel Unterstützung seitens der Medien wirkende Truppe von Gottesleugnern, die zwar zahlenmäßig eher unbedeutend ist, aber immer damit rechnen kann, auf Buchmessen oder in Talkshows ein Podium geboten zu bekommen.
Über lange Jahre hinweg waren es die Kirchenkritiker, denen die Massenmedien eine bevorzugte Stellung einräumten. Sie polemisierten gegen Papst und katholische Sexualmoral, forderten die Abschaffung des Zölibats und mehr Rechte für Frauen und Laien. Doch der atheistische Fundamentalismus vom Schlage eines Richard Dawkins gibt sich damit nicht zufrieden. Er will nicht die Kirche eliminieren, sondern Gott selbst. Religion sei Privatsache, lautete das Motto der Laizisten und Befürworter einer radikalen Trennung von Kirche und Staat.

































































Oktober 6, 2008 um 1:19
Leider greift die sich verbreitende Kritik an Dawkins antireligiösem Pamphlet zu kurz (auch bei Mc Garth). Anzusetzen wäre viel fundamentaler schon bei seiner gefährlich- vereinfachten Auffassung von Genetik, dem Glauben an das “egoistischen Gen”. Dawkins mag wenn er über Religion spricht wie Sarah Palin klingen, wenn sie über Außenpolitik plaudert, aber viel gefährlicher ist die breite Akzeptanz einer soziobiologischen Weltsicht, die im Lichte moderner Epigenetik und Hirnforschung längst überholt sein müßte. Hier wird Wissenschaft zu Ideologie und keiner merkt´s.
Dezember 4, 2007 um 4:20
Zitat: “Das ist keine Massenbewegung, aber eine lärmende und mit viel Unterstützung seitens der Medien wirkende Truppe von Gottesleugnern, die zwar zahlenmäßig eher unbedeutend ist, aber immer damit rechnen kann, auf Buchmessen oder in Talkshows ein Podium geboten zu bekommen.”
Wie unlängst bei Johannes Baptist Kerner 2-3 bibelgläubige Gottesverteidiger gegen einen wissenschaftlich orientierten Richard Dawkins, das nenn ich die Ausgewogenheit der Medien.
Aber selbst eine solches Zahlenverhältnis der Diskutanten, von denen einer des Deutschen nicht mächtig war, macht den Verbalgotteskriegern noch angst. Wie nervös, ob ihres erbärmlichen geistigen Unterbaus müssen die wohl sein?
Dezember 3, 2007 um 8:26
“So wie damals zur Zeit Jesu, als Gottes Sohn durch die römische Provinz Judäa zog, Dämonen und Teufel im Dauereinsatz waren – die Evangelien berichten von ihrem scharenweisen Auftreten –, so treten auch jetzt, da die Religion Hochkonjunktur hat, die Atheisten auf den Plan”
Atheisten mit Dämonen und Teufel vergleichen, was Besseres haben sie nicht zu bieten.
Dezember 3, 2007 um 5:38
Da hat der Guido einfach was abgekupfert, ohne es verstanden zu haben. Ist halt nur ein Journalist… (Siehe die Berliner Specimina.)
Dezember 3, 2007 um 3:23
[...] wäre da noch Gott spaltet via Das Wüten des atheistischen Fundamentalismus « Wichtelbeitrag – Eine von sehr vielen [...]
Dezember 3, 2007 um 3:12
“Also bitte, Dawkins ist doch weder gemein noch bissig. Er schreibt nur, was aus wissenschaftlicher Sicht vom Glauben zu halten ist.”
Das darfst du auch nicht wörtlich nehmen, Rudi. Das soll bloß bedeuten, auch wir haben einen langen Atem und wie die Tagespost auch zugibt, eine bessere mediale Präsenz. Insbesondere “bissig” soll verdeutlichen, dass Dawkins die Probleme beim Namen nennt und keinen falschen Respekt vor falschen Autoritäten hat.
Dezember 3, 2007 um 2:25
Trotzdem: Wie heißt es bei Asterix? “Alle Mann auf verlorenen Posten” Da sitzen die Deisten und wie immer kann man die, die im Unrecht sind, daran erkennen, dass sie am lautesten schreien.
Dezember 3, 2007 um 2:20
Also bitte, Dawkins ist doch weder gemein noch bissig. Er schreibt nur, was aus wissenschaftlicher Sicht vom Glauben zu halten ist.
Dass das den Religiösen nicht in den Kram passt, ist doch völlig klar.
Die Religionen müssen sich mit eben dieser Dawkins Kritik selbst an die Nase fassen, immerhin versuchen sie doch seit eh und je diejenigen zu verteufeln und auszuschließen, die ihren Erkenntnishorizont der sog. „Glaubenswahrheit“ nicht teilen. Das ist bei evangelischen Christen nicht anders als bei den Katholiken.
Dezember 3, 2007 um 12:42
Das trieft doch nur so vor Doppelmoral. Wenn ein Christ der Meinung ist, dass das Christentum die vollendete Wahrheit und alles andere Irrlehre ist, dann tritt er gegen die Beliebigkeit ein. Stellt sich ein Atheist gegen den Hegemonialanspruch der Kirchen, ist er Fundamentalist. Wenn dir Kirche ihre Propaganda unter’s Volk wirft, dann folgt sie dem Missionsbefehl Jesus’. Wenn Atheisten als Aufklärer tätig werden, sind sie “kämpferisch”. Darum sei gesagt: Einen tollwütigen Hund (B16, katholische Kirche etc.) bekämpft man nicht mit Tierschutzbestimmungen (§ 166 StGB), sondern man hetzt seinen eigenen Hund auf ihn, der noch gemeiner und bissiger ist (Dawkins, Dennet etc.).
Dezember 3, 2007 um 11:14
Als ich “Der Gotteswahn” las, war ich traurig und besorgt zugleich.
Dawkins sollte sich schämen, dass er ernsthaften Menschen Trauer und Sorge bereitet…
Dezember 3, 2007 um 10:54
Dem gibt es nur hinzuzufügen:
Anscheinend machen wir da was richtig
Dezember 3, 2007 um 9:29
außer diffamierungen, nichts neues.
am schönsten fand ich noch das:
“Mit Kirchenkritikern konnte man reden, mit den atheistischen Fundamentalisten kann man das nicht. Die Schwierigkeit besteht darin, dass der Ungläubige nicht den wirklichen Grund seines Unglaubens kennt. [... ] Glauben heißt, die Bedingungen fallen zu lassen, unter denen man glauben würde. Und hier kennt der Fundamentalismus der Atheisten keine Gnade. Er weiß nur, dass er nicht glauben will. Womit das Gespräch mit dem real existierenden Atheismus von vornherein aussichtslos ist.”
Dezember 3, 2007 um 8:32
“Eines aber ist sicher: Die katholische Kirche und der deutsche Papst sind Protagonisten dieser Entwicklung. Je stärker sie sich profilieren, desto wütender werden die Attacken des atheistischen Fundamentalismus auf das Welt- und Menschenbild der Gottgläubigen. Gott ist nicht tot, wie Friedrich Nietzsche einst meinte, sondern er ist lebendiger denn je. Das Wüten der Atheisten ist dazu nur die passende Kontrastmusik.”
Das ist das sprichwörtliche Pfeifen im Walde.
Im Artikel werden, wie üblich, alles alle Argumente der “Gegner” ignoriert und stattdessen die Gegner selber diffamiert. Eine Strategie, die langfristig auf die Urheber zurückfallen wird.
Mir ist in der langen Kontroverse über die Religion immer noch kein ehrliches Argument begegnet, das die Position der Gläubigen objektiv untermauern und die Argumente der Religionskritiver widerlegen kann. Also müssen die Gläubigen sich auf Polemik beschränken.
Das ist auch eine Art Sieg der Vernunft.