Die Wahrheit im Diesseits etablieren
März 14, 2008 — nickpol| Karl Marx - wikipedia |
Er bleibt eine Versuchungen für das linke Denken: Vor 125 Jahren ist Karl Marx gestorben
Von Johannes Seibel
Die SPD sollte ihren Karl Marx mal wieder lesen. Die Linkspartei tut dies schon längst. Dann würde die SPD merken: Echte Linke halten Agenda 2010 und Hartz IV nicht allein für sozial ungerecht. Nein, sie halten sie für den typischen sozialdemokratischen Verrat an der Emanzipation des Menschen überhaupt – seit dem Gothaer Programm der SPD von 1875. Eine echte Linkspartei verachtet bis heute die Sozialdemokratie für dieses (klein)bürgerliche Verständnis von gesellschaftlichem Engagement als permanenter Reformpolitik. Für sie ist das eine überlebte Gestalt der Geschichte, die bestenfalls als „Komödie“ enden kann, wie Karl Marx 1843 in seiner Frühschrift „Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie“ feststellt. Er hätte damit das gegenwärtige hessische Lustspiel meinen können. Aber ganz so lustig meinte Marx dies 1843 nicht: „In Deutschland kann keine Art der Knechtschaft gebrochen werden, ohne jede Art der Knechtschaft zu brechen. Das gründliche Deutschland kann nicht revolutionieren, ohne von Grund aus zu revolutionieren.“ Karl Marx als einer der Väter der totalen Mobilmachung der Moderne – das hat seine Wirkung in Deutschland und der Welt nicht verfehlt.
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Nicht nur die SPD, auch Christen sollten Marx nicht für erledigt halten. Auch sie sollten zumindest die Frühschrift „Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie“ lesen. Sein Satz dort von der Religion als „Opium des Volkes“ mag platt und überholt klingen und sein – aber er entfaltet heute wieder Attraktion.
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Es sollte Christen nicht mit den Achseln zucken lassen, welche Gedankengirlanden Marx dort um einen solchen Satz drapiert. Beispielsweise solche: „Die Kritik der Religion enttäuscht den Menschen, damit er denke, handle, seine Wirklichkeit gestalte wie ein enttäuschter, zu Verstand gekommener Mensch.“ Oder: „Es ist also Aufgabe der Geschichte, nachdem das Jenseits der Wahrheit verschwunden ist, die Wahrheit des Diesseits zu etablieren.“ Oder: „Es ist zunächst die Aufgabe der Philosophie, nachdem die Heiligengestalt der menschlichen Selbstentfremdung entlarvt ist, die Selbstentfremdung in ihren unheiligen Gestalten zu entlarven. Die Kritik des Himmels verwandelt sich damit in die Kritik der Erde, die Kritik der Religion in die Kritik des Rechts, die Kritik der Theologie in die Kritik der Politik.“ Und schließlich: „Die Kritik der Religion endet mit der Lehre, dass der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei, also mit dem kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.“
Christen können an solchen Sätzen von Karl Marx ablesen, dass die neuen Atheisten von der Giordano-Bruno-Stiftung bis zu Richard Dawkins geradezu herausfordern, sich des eigenen harten Kerns des Glaubens zu vergewissern. Es geht um letzte Fragen, die die Marx-Lektüre stellt – um Wahrheit, Vernunft, Wirklichkeit, Selbstentfremdung, den Skeptizismus als Geburtshelfer der Humanität. Es geht um die Frage, was der Mensch sein soll, und wie der Mensch sich selbst verwirklicht, um die besten Möglichkeiten seines Menschseins zu erreichen. Es geht darum, klar zu machen, was passieren kann, wenn der Mensch sich selbst der höchste Maßstab ist – der Mensch dann eben auch des Menschen Wolf (Thomas Hobbes) oder der Mensch des Menschen unbarmherziger Ankläger (Odo Marquard) werden kann, wenn die Kritik der Politik keinen anderen Schuldigen als den Menschen selbst kennt. Es geht schlicht um die Frage des Heils des Menschen.
















März 14, 2008 um 11:54 Uhr vormittags
Och, der Marx. Den brauchen wir doch wirklich nicht.
März 14, 2008 um 2:40 Uhr nachmittags
Also ich finde ihn ganz lesenswert, leider bin ich zu einer Anschaffung des Kapitals noch nicht gekommen.
März 14, 2008 um 4:22 Uhr nachmittags
Der Schinken liest sich schwergängig wie die Bibel…
März 14, 2008 um 4:24 Uhr nachmittags
Das Kaptial ist aber im Gegensatz zur Bibel etwas fundiertes und hat hinsichtlich der Kapitalismuskritik nichts an Aktualität eingebüsst.
März 14, 2008 um 9:06 Uhr nachmittags
Abgesehen davon, dass es den Kapitalismus des ausgehenden 19. Jahrhunderts nicht mehr gibt…
März 14, 2008 um 9:36 Uhr nachmittags
@derautor
Der Leninismus oder Stalinismus gingen im Gegensatz von Marx von diesem Kapitalismus des 19 Jahrhunderts aus.
Lenin sah im Imperialismus das Endstadium des Kapitalismus, darauf baut er auch seine Kriegstheorie auf. Marx hingegen sah den Imerialismus nicht als Endstadium, als Endstadium sah er einen globalisierten Weltmarkt. Mit allem was ihn heute auch wirklich ausmacht Zinsen, Börse etc.
Ob man nun wirklich mal eine klassenlose Gesellschaft realisieren könnte weiß man nicht. Aber seine Analyse und “Phrophezeihungen” in Sachen Wirtschaft war er nur genia. In der Philosophie oder sogar liberalen Ökonomie wird er hoch angesehen.
Das kann ich nur empfehlen:
http://www.amazon.de/Das-Kapital-Karl-Marx/dp/3897003600/ref=sr_1_6?ie=UTF8&s=books&qid=1205526698&sr=8-6
März 14, 2008 um 10:10 Uhr nachmittags
Ups ich sehe gerade das Buch gibts garnicht mehr zukaufen! Schade aber in der Unibib. müsste es vorhanden sein.
März 14, 2008 um 10:28 Uhr nachmittags
Ups aber ab November gibt’s das wieder:
http://www.amazon.de/Kapital-Eine-Streitschrift-Reinhard-Marx/dp/3629021557