Fleisch aus dem Reagenzglas
April 13, 2008 — pjanottavon Thomas Pany auf Telepolis
Wissenschaftler gehen der Frage nach, ob die In-vitro-Produktion von essbarem Fleisch in naher Zukunft ökonomisch lohnenswert sein kann
Gestern ging in Norwegen eine weitgehend unbeachtete Tagung zuende: das
Erste Internationale In Vitro Fleisch Symposium. Von Mittwoch bis Freitag debattierten internationale Forscher Fragen, die um ein großes Zukunftsthema kreisen: Kann die Herstellung von Fleisch im Labor die herkömmliche, in den allermeisten Fällen brutale Fleischproduktion irgendwann ersetzen – und wenn ja, kann sie das zu Preisen, die bezahlbar sind?
Für 1961 wird der weltweite Nachschub an Fleisch auf 71 Millionen Tonnen
beziffert, die Fleischproduktion des letzten Jahres schätzt man auf 284 Millionen Tonnen. Der Pro-Kopf- Konsum hat sich in diesem Zeitraum mehr als verdoppelt und bis zum Jahre 2050 soll sich der weltweite Fleischverbrauch nochmals verzweifachen.
30 Prozent der eisfreien Flächen der Erde werden laut der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (
FAO) direkt oder indirekt für Aufzucht von Tieren, die geschlachtet werden sollen, gebraucht. Die Fleischproduktion soll für insgesamt mehr als ein Fünftel der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich sein,
berichtete die New York Times Ende Januar. Eine japanische Studie, die von der Zeitung zitiert wird, schätzt, dass etwas mehr als 1 Kilo Fleisch ungefähr für die Menge an CO2-Emissionen verantwortlich ist, die ein durchschnittliches europäisches Auto auf etwa 220 Kilometern ausstößt.
Ist das von Wind-oder Sonnenenergie gespeiste Unternehmen, das Laborfleisch herstellt, eine realistische alternative Vision, die einerseits dem Mästen und Morden von Tieren ein Ende setzen könnte und zum anderen die
Energiebilanz deutlich verbessert – oder doch nur Science Fiction?
















April 13, 2008 um 10:13 Uhr nachmittags
“Wenn es für die Menschen schwieriger ist, aus ethischen Gründen auf Fleisch zu verzichten, als einen nachhaltigen Ersatz zu produzieren, dann sei er für den Ersatz…”
Hmm, den Satz verstehe ich nicht - was spräche denn gegen eine künstliche Fleischproduktion? Klingt ja so als sei sie für Singer nur die bessere zweier schlechter Alternativen.
Eine solche Umstellung wäre nicht nur tierethisch geboten, es würde auch dem Klimaschutz helfen und das weltweite Nahrungsproblem mindern. Es dürfte wenig oder nichts geben, das mit geringem Einsatz dermaßen viele Probleme löst oder mindert wie der Verzicht auf totes Tier auf dem Teller. Da aber selbst dieser Minimaleinsatz vielen zuviel ist, wäre eine neue Möglichkeit der Fleischproduktion wohl einer der größten Fortschritte in der - Achtung, ich greife hoch - Geschichte der Menschheit.
Andererseits entstünden durch eine solche Umstellung selbst auch ganz neue ethische Probleme - denn man beraubte zahlreiche Menschen ihrer Existenzgrundlage.
April 13, 2008 um 10:51 Uhr nachmittags
mit ketchup schmeckt alles
April 13, 2008 um 11:18 Uhr nachmittags
Soylent Green lässt Grüßen
April 14, 2008 um 4:59 Uhr nachmittags
Soylent Green? Was hat die künstliche Produktion von Fleisch auf der Grundlage von Stammzellen mit der Tötung von alten Menschen und deren Verarbeitung in Fleischprodukte zu tun?
Vielleicht kann man irgendwann einmal Gehirne im Labor züchten, die könnten einige Kommentatoren hier dringend gebrauchen.
April 15, 2008 um 5:50 Uhr vormittags
>Vielleicht kann man irgendwann einmal Gehirne im Labor >züchten, die könnten einige Kommentatoren hier dringend >gebrauchen.
Oder vielleicht auch Autoren?
April 15, 2008 um 12:21 Uhr nachmittags
Ja, vielleicht. Aber da dein neuer Kommentar genauso frei von Argumenten ist wie der letzte, werden wir das wohl niemals erfahren.
April 17, 2008 um 8:40 Uhr vormittags
Ich befürchte, ich hab’ eine Ahnung wo da die massive Bildungslücke unserer Marionette “Jim Knopf” klafft.
Monsieur Knopf, Ihnen ist schon bewusst, dass es durchaus sowas wie tierische Stammzellen gibt? LOL
Stammzellen hat jedes Tier. Niemand diskutiert darüber, ob man menschliche Stammzellen zur Fleischproduktion verwenden sollte. Hier geht es lediglich darum, dass man nicht extra Tiere züchtet und mästet, nur um sie anschließend wieder zu töten, um Fleisch zu produzieren.
April 22, 2008 um 8:39 Uhr nachmittags
PETA zeigt jetzt auch Interesseam Laborfleisch und setzt ein Preisgeld aus für den ersten kommerziellen Anbieter rentabler in-Vitro Produkte:
http://www.heise.de/tp/blogs/3/106869
April 22, 2008 um 9:40 Uhr nachmittags
“Stammzellen hat jedes Tier. Niemand diskutiert darüber, ob man menschliche Stammzellen zur Fleischproduktion verwenden sollte.”
Weshalb eigentlich nicht? Was spricht denn dagegen? Vieleicht schmeckt das ja?
Juni 2, 2008 um 8:22 Uhr nachmittags
Hier noch ein paar schöne Bildchen zu dem Thema bei Welt-Online:
http://www.welt.de/wissenschaft/article2050641/Mini-Steaks_aus_dem_Labor.html