Fleisch aus dem Reagenzglas

von Thomas Pany auf Telepolis

Wissenschaftler gehen der Frage nach, ob die In-vitro-Produktion von essbarem Fleisch in naher Zukunft ökonomisch lohnenswert sein kann

Gestern ging in Norwegen eine weitgehend unbeachtete Tagung zuende: das [extern] Erste Internationale In Vitro Fleisch Symposium. Von Mittwoch bis Freitag debattierten internationale Forscher Fragen, die um ein großes Zukunftsthema kreisen: Kann die Herstellung von Fleisch im Labor die herkömmliche, in den allermeisten Fällen brutale Fleischproduktion irgendwann ersetzen – und wenn ja, kann sie das zu Preisen, die bezahlbar sind?

Für 1961 wird der weltweite Nachschub an Fleisch auf 71 Millionen Tonnen [extern] beziffert, die Fleischproduktion des letzten Jahres schätzt man auf 284 Millionen Tonnen. Der Pro-Kopf- Konsum hat sich in diesem Zeitraum mehr als verdoppelt und bis zum Jahre 2050 soll sich der weltweite Fleischverbrauch nochmals verzweifachen.

30 Prozent der eisfreien Flächen der Erde werden laut der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft ([extern] FAO) direkt oder indirekt für Aufzucht von Tieren, die geschlachtet werden sollen, gebraucht. Die Fleischproduktion soll für insgesamt mehr als ein Fünftel der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich sein, [extern] berichtete die New York Times Ende Januar. Eine japanische Studie, die von der Zeitung zitiert wird, schätzt, dass etwas mehr als 1 Kilo Fleisch ungefähr für die Menge an CO2-Emissionen verantwortlich ist, die ein durchschnittliches europäisches Auto auf etwa 220 Kilometern ausstößt.

Ist das von Wind-oder Sonnenenergie gespeiste Unternehmen, das Laborfleisch herstellt, eine realistische alternative Vision, die einerseits dem Mästen und Morden von Tieren ein Ende setzen könnte und zum anderen die [extern] Energiebilanz deutlich verbessert – oder doch nur Science Fiction?

mehr…

10 Antworten zu “Fleisch aus dem Reagenzglas”

  1. Falk sagt:

    “Wenn es für die Menschen schwieriger ist, aus ethischen Gründen auf Fleisch zu verzichten, als einen nachhaltigen Ersatz zu produzieren, dann sei er für den Ersatz…”
    Hmm, den Satz verstehe ich nicht - was spräche denn gegen eine künstliche Fleischproduktion? Klingt ja so als sei sie für Singer nur die bessere zweier schlechter Alternativen.

    Eine solche Umstellung wäre nicht nur tierethisch geboten, es würde auch dem Klimaschutz helfen und das weltweite Nahrungsproblem mindern. Es dürfte wenig oder nichts geben, das mit geringem Einsatz dermaßen viele Probleme löst oder mindert wie der Verzicht auf totes Tier auf dem Teller. Da aber selbst dieser Minimaleinsatz vielen zuviel ist, wäre eine neue Möglichkeit der Fleischproduktion wohl einer der größten Fortschritte in der - Achtung, ich greife hoch - Geschichte der Menschheit.
    Andererseits entstünden durch eine solche Umstellung selbst auch ganz neue ethische Probleme - denn man beraubte zahlreiche Menschen ihrer Existenzgrundlage.

  2. [C]Arrowman sagt:

    mit ketchup schmeckt alles

  3. Jim Knopf sagt:

    Soylent Green lässt Grüßen

  4. derautor sagt:

    Soylent Green? Was hat die künstliche Produktion von Fleisch auf der Grundlage von Stammzellen mit der Tötung von alten Menschen und deren Verarbeitung in Fleischprodukte zu tun?

    Vielleicht kann man irgendwann einmal Gehirne im Labor züchten, die könnten einige Kommentatoren hier dringend gebrauchen.

  5. Jim Knopf sagt:

    >Vielleicht kann man irgendwann einmal Gehirne im Labor >züchten, die könnten einige Kommentatoren hier dringend >gebrauchen.

    Oder vielleicht auch Autoren?

  6. derautor sagt:

    Ja, vielleicht. Aber da dein neuer Kommentar genauso frei von Argumenten ist wie der letzte, werden wir das wohl niemals erfahren.

  7. pjanotta sagt:

    Ich befürchte, ich hab’ eine Ahnung wo da die massive Bildungslücke unserer Marionette “Jim Knopf” klafft.

    Monsieur Knopf, Ihnen ist schon bewusst, dass es durchaus sowas wie tierische Stammzellen gibt? LOL

    Stammzellen hat jedes Tier. Niemand diskutiert darüber, ob man menschliche Stammzellen zur Fleischproduktion verwenden sollte. Hier geht es lediglich darum, dass man nicht extra Tiere züchtet und mästet, nur um sie anschließend wieder zu töten, um Fleisch zu produzieren.

  8. pjanotta sagt:

    PETA zeigt jetzt auch Interesseam Laborfleisch und setzt ein Preisgeld aus für den ersten kommerziellen Anbieter rentabler in-Vitro Produkte:

    http://www.heise.de/tp/blogs/3/106869

  9. Gwendolan sagt:

    “Stammzellen hat jedes Tier. Niemand diskutiert darüber, ob man menschliche Stammzellen zur Fleischproduktion verwenden sollte.”

    Weshalb eigentlich nicht? Was spricht denn dagegen? Vieleicht schmeckt das ja? :D

  10. pjanotta sagt:

    Hier noch ein paar schöne Bildchen zu dem Thema bei Welt-Online:

    http://www.welt.de/wissenschaft/article2050641/Mini-Steaks_aus_dem_Labor.html

Eine Antwort hinterlassen