Amstetten: »Ohne Glauben verrohen die Menschen«

Klaus KüngGEORG RENNER (Die Presse)
Der St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng zum Fall Josef F.

Die Presse: Nach dem Missbrauchsfall von Amstetten stellt sich wieder die Frage der Theodizee: Wie kann ein allmächtiger Gott das zulassen?
Bischof Klaus Küng: Gott hat den Menschen mit Freiheit ausgestattet. Diese befähigt zum Guten, kann aber auch zum Bösen missbraucht werden. Die schrecklichen Geschehnisse in Amstetten zeigen, zu welchen Untaten eine Perversion führen kann, wenn sie mit Intelligenz und gewissen Fähigkeiten kombiniert ist. Das Leiden Unschuldiger ist hier Folge des Bösen. Es gibt unverschuldete Leiden, die – wie für Hiob in der Bibel – zur großen Prüfung werden.

Die Presse: Viele Beobachter fordern jetzt Strafverschärfung bis zur Wiedereinführung der Todesstrafe. Wie lässt sich die christliche Maxime der Vergebung in so einem Fall anwenden?
Küng: Prinzipiell kann man für alles, das wirklich bereut wird, Vergebung erlangen. Bei derartigen Perversionen stellt sich aber die Frage nach der Zurechnungsfähigkeit: Es kann jemand intelligent und begabt und trotzdem zutiefst gestört sein. So jemand kann sehr gefährlich sein, die Frage der subjektiven Schuldhaftigkeit ist aber nicht einfach. Ich halte das Nachdenken über Prophylaxe für wichtiger als die Verschärfung der Strafe.

Die Presse:Von manchen Medien wird das lange Nicht-Entdecken des Verbrechens auf ein autoritäres System zurückgeführt, das auch im Katholizismus wurzle. Ist das etwas Wahres dran?

Küng: Ich habe nicht den Eindruck, dass es hier ein besonders autoritäres System gibt und noch weniger, dass es im Katholizismus wurzelt. Gerade in Niederösterreich gibt es viele Gemeinden mit einem guten Miteinander. Problematisch ist, dass in letzter Zeit durch Ausbreitung der Pornografie, durch Erotikmessen und die Liberalisierung der Sexualerziehung ein sittlicher Niedergang stattfindet. Vielleicht sind diese Tendenzen auch in die Kirche eingedrungen, sodass Gläubige ihre Widerstandskraft verlieren.

Die Presse:Die Kirche ist vielerorts Katalysator sozialen Zusammenhalts; ist das soziale Netz durch den Rückgang der Kirchenmitgliedschaften gefährdet?
Küng:
In der Tat ist die Erneuerung des Glaubenslebens sehr wichtig. Ohne Glauben wird der Egoismus immer stärker, die Menschen verrohen und vereinsamen.

Die Presse:Gibt es von Ihnen Initiativen, dieses „Aufeinander-Schauen“ zu stärken?
Küng:
Die Pfarrgemeinden müssen Gläubigen Heimat bieten, die Bemühungen in Jugendarbeit und Familienbegleitung intensiviert werden. Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen ist es notwendig, ein Sensorium für Probleme in der Familie zu entwickeln. Dafür hat die Diözese Schulungen durchgeführt; das muss verstärkt werden.

15 Antworten zu “Amstetten: »Ohne Glauben verrohen die Menschen«”

  1. offray Sagt:

    Das Problem ist also nicht die Vergewaltigung von Kindern durch Bischöfe (so viel zum Thema moralische Verkommenheit ohne Gott!), sondern meine unfreundliche Art, diese anzuklagen?

    Bischof Küng bringt den Vorfall in Amstetten mit dem Atheismus in Verbindung. Er nutzt das Leiden dieser Menschen aus, um Atheisten, seine weltanschaulichen Gegner, als potenzielle Kriminelle darzustellen. So etwas machen wir nicht. Wenn eine Straftat verübt wird, die keinen erkennbaren Bezug zur Religion hat, dann behaupten wir auch nicht, sie sei aus religiösen Motiven begangen worden.

  2. Mensch Sagt:

    [Bei "pädophilen Pfaffen und fetten, gestörten Bischöfen" ? Ich bitte Sie um einen konstruktiven Umgangston und das Meiden unsachlichen Inhaltes. Sonst bin ich noch gezwungen, mich nach dem Niveau zu erkundigen.]

    … Sie sind demzufolge davon überzeugt, die Anschauung des Bischofs zu begreifen? Gut. Dann bitte ich Sie freundlicherweise um Aufklärung. Wie kann es sein, dass ein erwachsener und zudem vermutlich gebildeter Mann, diesen Standpunkt vertritt?
    Mir scheint, Sie haben sich spärlich damit befasst. Faulheit oder doch Kurzsichtigkeit?

    “Engstirnige Menschen sind wie Flaschen mit einem engen Hals. Je weniger darin ist, desto mehr Geräusch entsteht beim Ausschütten.” – Jonathan Swift

  3. offray Sagt:

    Wo die “Intelligez” bleibt? Gute Frage. Unsere Ablehnung der Einschätzung des geehrten Herrn Bischof entstammt durchaus nicht unserer Unfähigkeit, sie zu verstehen.

    Zur Frage, ob durch die Liberalisierung der Sexualerziehung ein “sittlicher Niedergang” stattfindet: Nein. Aber ein sittlicher Niedergang findet statt bei verklemmten, pädophilen Pfaffen und fetten, gestörten Bischöfen, die sich an Kindern vergehen. Das Problem: Bei ihnen wurde die Sexualerziehung nicht liberalisiert.

  4. Mensch Sagt:

    Hm.. diese Kommentare schockieren mich zu tiefst! Ich frage mich, wo bleibt die Intelligez und der Sinn für die Wahrheit? Habt ihr euch schon mal die Frage gestellt, warum der “gute Herr Bischof” der Meinung ist, dass duch eine Liberalisierung der Sexualerziehung ein sittlicher Niedergang stattfindet? Das solltet ihr. :-)
    Und bitte… informiert euch zuerst ( zum Beispiel bezüglich Einstellung der Kirche zu Sex usw. ), bevor ihr Kommentare hinterlässt! ;-) Danke

  5. Nach Amstetten: Österreich verschärft Sexualstrafrecht! » Sagt:

    [...] Thema Amstetten: 1 – 2 – 3 – 4 – 5 – 6 – 7 – 8 – 9 – 10 – 11 – 12 – 13 – 14 – 15 – 16 – 17 – 18 – 19 – 20 - 21 – 22 – 23 – 24 – 25 – 26 – [...]

  6. Johannes Sagt:

    Die vom Bischof geäußerte Ablehnung der “Liberalisierung der Sexualität” muss man nicht teilen. Sein Hiob-Zitat hat eine gewisse Tradition, ebenso das schmerzhaft-offene Vortragen des Selben – das funktioniert aber nur, wenn man selbst Mitleiden hat, und es trotzdem sagt. Es ist seltsam abgehoben und distanziert was er da sagt. Seine Profession sollte ihn Besseres sagen lassen, daher kann man gut annehmen, dass er widerwärtig ist. Trotzdem scheinen mir die letzten Kommentare eine andere “Liberalisierung” gut zu heißen als er ablehnt – Stichworte: Anonymisierung, Kommerzialisierung. Eine solche “Liberalisierung” lehne ich ab. Ich glaube auch nicht, dass unsere Gesellschaft dadurch “um einiges friedlicher geworden ist”.

  7. Qoe Sagt:

    Jup, das ist auch meine Meinung.

  8. pjanotta Sagt:

    @Sebastian: Da kann ich dir nur zustimmen. Sehe das ähnlich.

  9. Sebastian Sagt:

    Mal ganz abgesehen von diesem reaktionären “Sex ist böse!”-Gewäsch: Ich kann diesen Topos “Alles wird immer schlimmer” generell nicht mehr hören. Immer wenn solche – natürlich schrecklichen – Einzelfälle von den sensationsgeilen Medien zu mittleren Staatskrisen aufgebauscht werden, hört man immer wieder allerorten wie schlimm doch alles geworden sei, dass früher ja sowieso alles viel besser war, und die Gesellschaft im allgemeinen verroht und wir kurz vor dem entgültigen Untergang des Abendlandes stehen.

    Das Problem ist nur: Das ist absoluter Bullshit! Sowohl Gewalt- wie auch Sexualverbrechen sind seit Jahrzehnten *rückläufig*! Es gibt nicht immer mehr, sondern immer *weniger* Mörder, Vergewaltiger und Kinderschänder. Aber den Medien haben wir den gegenteiligen Eindruck zu verdanken: Das mittlerweile hinter jedem Busch ein Perverser lauert, der entweder uns filletieren oder unsere Kinder vergewaltigen will.

    Ich bin der festen Überzeugung, dass z.B. die ach so schlimme Liberalisierung der Sexualität im allgemeinen (die der gute Herr Bischoff ja für die Wurzel allen Übels zu halten scheint) im Gegenteil dazu beigetragen hat, dass unsere Gesellschaft um einiges friedlicher geworden ist.

  10. Amstetten und Bischöfe | DER MISANTHROP Sagt:

    [...] beliebigen Leuten, die nicht gerade Bischof oder Papst der katholischen Kirche sind. Brightsblog – Amstetten: »Ohne Glauben verrohen die Menschen« [↩] « Klimahysterie und nüchterne Forscher Dieser Eintrag wurde von Benjamin [...]

  11. TheK Sagt:

    *gäääääähn* Wenn die katholischen Kasper nicht nur noch ein einziges Thema (”Sex ist böse wenn der Spass macht!”) kennen würden, wäre das ganze wenigstens etwas spannender. Wobei, eine “Verrohung” in Sachen Gewalt herbeizureden, wo nun genau in der Zeit, wo der Einfluss der Kirche in Europa gegen 0 tendiert und es hier immer friedlicher wird, überfordert wohl auch deren Rhetorik.

  12. [C]Arrowman Sagt:

    blabla Niedergang der Sittlichkeit, ich könnt kotzen…

    Und dann noch der Vergleich mit Hiob, eine Geschichte in der Gott nur um etwas zu beweise einen Menschen der ihm immer treu war alles nimmt um ihn auf die Probe zu stellen; nur um zu beweisen wie achso treu Hiob ist?! Muss ich den Vergleich jetzt so interpretieren das Gott die Opfer von AMsdetten auf die Probe gestellt hat?! Dieser Mann widert mich an.

  13. Gwendolan Sagt:

    Schön aber, dass er sich auf Hiob beruft. Der wurde von seinem Gott nämlich aus absolut sinnlosen und selbstsüchtigen Gründen einer “Prüfung” unterzogen: Gott hatte der Legende nach ja mit Satan gewettet, dass Hiob weiterhin ein treuer Diener bleiben würde, egal ob Gott sein Haus, sein Hof, seine Frau, seine Kinder, seine Rinder und seinen Körper zerstört, vernichtet, tötet und verunstaltet.

  14. Gwendolan Sagt:

    Das ist doch jetzt wieder haartupfgenau der selbe Mist welchen die bei der Kampusch rausgelassen haben?

  15. Sirius Sagt:

    Jaja, die böse “Liberalisierung der Sexualbeziehungen”. Sex ohne Ehe muß ja zwangsläufig zu einem Niedergang der Gesellschaft und zu einer Verrohung der Menschen führen.
    Fälle wie Amstetten sind ja die logische Konsequenz, die sich daraus ergibt.

    Das Einzige, was uns jetzt noch helfen kann ist die Kirche mit ihrem Geschwätz und ihrer Moral. Sobald die Menschen keinen Sex vor der Ehe mehr haben und keine Pornos mehr anschauen wird die Gesellschaft auf einen Schlag beser. Und wenn dann noch alle in die Kirche gehen und brav ihre Kirchensteuern zahlen, dann gibt’s keine Vergewaltigungen mehr, keine Kriege, keine Verbrechen, …

    Hach, wie einfach man sich die Dinge doch machen kann :-)
    Mal im Ernst: Wer das wirklich glaubt hat doch nicht mehr alle Tassen im Schrank!


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