Sind Schimpansen Menschen?

Matthew, 26, schaut durch das Glas seines Käfigs in Wien. Er weiß nicht, ob er ein Mensch sein will oder ein Schimpanse. Das könnte einer von vielen Unterschieden sein, die ihn von uns als Menschen trennen. Obwohl Anthropologen sich schwer damit tun, zu definieren, was menschlich ist.

von livescience.com

Die Tierrechtsaktivistin Paula Stibbe will zusammen mit dem Verein „Gegen Tierfabriken“ den Schimpansen Matthew Hiasl Pan zur Person erklären lassen. Anthropologen lehnen dieses Ansinnen ab, obwohl sie nicht genau sagen können, was ein menschliches Wesen eigentlich ist. Nachdem ein Gericht in Wien sich nicht eindeutig auf die Begriffsbestimmung einer Person festgelegt hat, wurde durch Stibbe ein Einspruch beim Europäischen Gerichtshof in Straßburg eingelegt. Wer ist der Träger von Menschenrechten und was ist eine Person nach der Europäischen Menschenrechts-Charta? Das Leben des Schimpansen hängt von dieser Entscheidung ab. Stibbe will erreichen, dass sie als Erzeihungsberechtigte für den Affen eingesetzt wird.

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14 Antworten zu „Sind Schimpansen Menschen?“

  1. Falk Sagt:

    Ihr habt Recht, aus juristischer Sicht geht es um eine andere, einfachere Frage. Da wir aber juristisch (vermutlich) nicht mit den Juristen, die sich mit dieser Frage beschäftigen, mithalten können, und außerdem keine Freunde des Rechtspositivismus sind, können wir die Frage auch gut und gerne den Juristen überlassen.
    Für uns von Belang – und von uns diskutierbar – ist die ethische Frage. Das ist das eigentliche Problem.

  2. jan Sagt:

    @Falk: Das ist aber eine andere Fragestellung bei der es entscheidend auf die Frage ankommt, wieso wir überhaupt Menschenrechte garantieren. Denn nicht aus den Menschenrechten selber, sondern nur aus deren Begründung könnte man dann eventuell auch Rechte für andere Tiere ableiten.

  3. Tom Sagt:

    So Unrecht hat Jan freilich nicht. In dem Verfahren war nicht fraglich, ob die Menschenrechte für Affen gelten *sollten*, sondern ob sie für Affen *gelten*. Diese Einschränkung kann man „humanchauvinistisch“ bezeichnen, das Gericht ist jedoch an das geltende Gesetz (in diesem Falle die Verfassung und EMRK) gebunden. Innerhalb dieses Verfahrens war es dann wohl auch für Anthropologen kein Problem im Sinne einer Negativbeschreibung darzulegen, dass Matthew jedenfalls kein Mensch ist und somit die subjektiven Rechte aus der österreichischen Verfassung nicht für ihn gelten. Diese Entscheidung kann bei „Produkten “ irgendwelcher Gentechniker schon schwieriger werden, aber bei einem Affen oder auch Hund stehen die Gerichte wohl kaum vor Problemen.

    Falks Frage ist dann eine politische Frage: Sollen Menschenrechte auch auf Primaten ausgeweitet werden? Sollen sie für Tiere gelten? Sollen sie für Bakterien gelten? (Gwendolan beantwortet diese Frage anscheinend schon einmal dahingehend, dass zumindest ungeborene Menschen keine Schutzwürdigkeit und Rechte besitzen.) Jeder Grenzziehung haftet insoweit jedoch ein „chauvinistisches“ Element gegenüber den von den Rechten (und Pflichten!) Ausgeschlossenen an.

  4. Falk Sagt:

    @Jan
    Du drückst dich bloß vor dem Problem. Warum die Rechte, die wir Menschenrechte nennen, nur MENSCHENrechte sein sollten und nicht etwa Primatenrechte o.ä. ist ja gerade die Frage. Die kann man nicht beantworten, indem man darauf hinweist, dass Menschenrechte bloß für Menschen gelten. Petitio Principii! (Eule ist ja nicht der einzige, der Fremdwörter kennt…)

  5. Gwendolan Sagt:

    Weder Menschen noch Personen. Aber auf alle Fälle ist ein Schimpanse schützenswerter als irgendwelche menschlichen Föten / Embryonen…

  6. Menschen und Persönlichkeitsrechte für Tiere? « 666 Tage bis Armageddon Sagt:

    [...] und Persönlichkeitsrechte für Tiere? Also für mich hört sich die ganze “Sind Schimpansen Menschen?” Debatte immer etwas nach “wir haben sonst keine Probleme” an. Klar Tierversuche sind [...]

  7. Eule Sagt:

    @Lilith
    Im Kontext transzendentaler Anthropologie sensu K. Rahner beispielsweise ist Personalität/Du-Sein exakt als reditio completa in se ipsum, d. h. als akthafte Selbstgegebenheit oder reflexives (mitbewußtes) Denken – kurzum als bereits besagten Rückstieg in die vorempirischen Bedingungen der Möglichkeit seines Inhaltes definiert. Diese Selbstgegebenheit des Menschen ist deutlich von der sinnlichen Selbstwahrnehmung eines Vogels oder Menschenaffen abzugrenzen. Doch – Hand auf´s Herz – so bedeutsam derartige Überlegungen auch sind, dem geprügelten Pferd, dem Friedrich Nietzsche seinerzeit weinend um den Hals fiel, dürfte diese Geste a l l e s in diesem Moment bedeutet haben…

    P.S.: Magst Du Kubricks „2001 – Odyssee im Weltraum“?

  8. jan Sagt:

    Die Idee der Menschenrechte sind eine rein Art-Interne Garantie des Homo Sapiens. Das mag zwar manchen nicht passen, aber so sind sie nun einmal gedacht. Selbst ein behinderter Mensch mit weniger Fähigkeiten als ein durschnittlicher Schimpanse genießt grundsätzlich die gleichen Menschenrechte wie ein intelligenter Mensch mit IQ 150.

    Natürlich kann man diskutieren, wie man Tiere != Homo Sapiens behandeln sollte, wenn man seinen Mitmenschen solch umfangreiche Rechte zubilligt. Aber aus den Menschenrechten an sich folgt erst einmal keinerlei Verpflichtung für die Behandlung von Tieren != Homo Sapiens.

  9. Lilith Sagt:

    *lach* Ich muss sagen, ich finde Paula Stibbes Vorstoß brilliant. Ich fühle mich herzlich an „The Bicentennial Man“ des großartigen Isaac Asimov erinnert :)

    Die Frage, was eine Person auszeichnet, stelle ich mir, seit ich mich mit Science-Fiction beschäftige. Ist es die Intelligenz? Dann sind geistig Behinderte keine Personen. Macht man es an der Biologie fest? In dem Fall antwortet die Klingonin „Menschenrechte…alleine das Wort ist schon rassistisch!“ Was ist es dann?

    Tatsächlich kommt man nicht umhin, hier ein quasi-religiöses Menschenbild aufzudecken, welches von einer willkürlichen Höherwertigkeit des menschlichen Wesens ausgeht. Der Anspruch einer rationalen und liberalen Ethik wird dadurch verraten.

    Man kann das Ganze amüsanterweise auch umdrehen im Stile von „Planet der Affen“: Mit welchem Recht lässt sich die Verleihung von Persönlichkeitsrechten an Menschen durch höherentwickelte Wesen moralisch begründen? Ist es nicht vielmehr so, dass unsere Ethik sogar *vorsieht*, dass sie uns versklaven und gebrauchen dürfen (als Haustiere, für Experimente oder gar als schmackhafte Mahlzeit)? ;)

  10. wunder Gläubiger Sagt:

    @nickpol: Zitat: „Letztlich können auch künstliche Konstrukte, wie Firmen, Persönlichkeitsrechte haben, also warum nicht auch Affen?“
    Seit wann haben Firmen Persönlichkeitsrechte? Eine „juristische Person“, darauf spielst Du wohl an, hat keinen Bezug zu Menschen- oder Tierrechten.
    Die Frage ist: muss man, wenn man akzeptiert, dass eine Trennung von Mensch und Tier nicht funktioniert, ein neues gemeinsames Recht konzipieren.
    Konsequenterweise ja, aber viel Spaß dabei!

    off topic: was fürs Ego ;-)
    http://www.telegraph.co.uk/news/uknews/2111174/Intelligent-people-%27less-likely-to-believe-in-God%27.html

  11. Falk Sagt:

    Da ist Arrowman direkt auf den Fehler reingefallen, der auch den verlinkten Artikel und leider auch die ganze Debatte durchzieht: Ob Schimpansen Menschen sind oder nicht, ist völlig irrelevant. Es geht darum, ob sie Personen sind.
    Menschenrechte rein auf der Basis der Spezieszugehörigkeit zuzuschreiben, ist ein Fehlschluss, denn aus dem bloßen Menschsein folgt nichts moralisch Relevantes – anderes zu behaupten ist reiner Speziesismus.

    Wenn man nicht sagen kann, was eine Person ist, und dann, warum Menschen Personen sind, Schimpansen (und andere Tiere) aber nicht, dann ist die Begrenzung moralischer Subjekte auf Menschen… speziesistisch. Das ist Humanchauvinismus.

    Ich wäre da also vorsichtig mit vorschnellen Urteilen, wenn man sich nicht schwuppdiwupp ins moralische Abseits stellen will.

  12. nickpol Sagt:

    Die Fähigkeit der Selbstreflexion findet man auch bei Elefanten und Delphinen. Setzt eines voraus, klare Vorstellungen darüber, wie das eigene Aussehen sich darstellt.
    @Arrowman, das beantwortet aber immer noch nicht die Fragen: Wer ist der Träger der Menschenrechte? Und was ist eine Person nach der Europäischen Menschnrechtscharta?
    Letztlich können auch künstliche Konstrukte, wie Firmen, Persönlichkeitsrechte haben, also warum nicht auch Affen?
    Wie definiert sich der Begriff menschliches Wesen? Mit allen sich daraus ergebnden Konsequenzen. So einfach ist es nicht, wie du es darstellst.

  13. Rudi Sagt:

    @Arrowman: Richtig, die Frage ist, ob Affenrechte letztendlich wegen einer gewissen Konsequenz auch für den Schutz des Menschen nützlich sein könnte.

    Um nicht zu sagen: Wer Tiere tötet, tötet auch leichter Menschen – oder umgekehrt : Wer keine Tiere tötet, tötet erst recht keine Menschen.

    Es laufen gegenwärtig spannende Filme auch über die Intelligenz von Vögeln. So können einzelne ältere Affen und Elstern ihr Spiegelbild als Abbild ihrer selbst erkennen, was etwa Kleinkinder bis zum Alter von 14 Monaten nicht möglich ist.

  14. [C]Arrowman Sagt:

    es heißt Menschenrechte nicht Menschenaffenrechte… nuff said.


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