Hansjörg Hemminger. – jesus.ch
Kreationismus: Einfluss auf das Bildungssystem
Tübingen. Der Kreationismus hat nach Auffassung von einigen Wissenschaftlern und Theologen die Struktur einer fundamentalistischen Ideologie. Seine Vertreter versuchten zunehmend Einfluss auf das Bildungssystem in Deutschland zu nehmen, sagte der Weltanschauungsbeauftragte der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Hansjörg Hemminger. Auch in Europa wachse die Zahl der Kreationisten, die die biblische Schöpfungsgeschichte wörtlich nehmen und die Evolutionstheorie ablehnen, betonte er bei einem Symposium der Universität Tübingen.
Der Tübinger Theologe Christoph Schwöbel ist der Meinung, Kreationismus sei nicht als “Ausdruck des Glaubens”, sondern als “Ausdruck der Verunsicherung des Glaubens, ja vielleicht sogar des Unglaubens” zu werten. Er forderte eine grosse Koalition aus Natur- und Kulturwissenschaftlern und Theologen, die sich für eine religiös-wissenschaftliche Basisorientierung einsetzt. Der evangelische Theologe Friedrich Schweitzer und der Biologe und Chemiker Sven Gemballa sprachen sich dafür aus, Kreationismus im Schulunterricht zu thematisieren. So könnten die Unterschiede zum biblischen Schöpfungsglauben aufgezeigt werden. Im Biologieunterricht gehe es darum, die Evolutionstheorie darzustellen, aber auch die Grenzen naturwissenschaftlicher Erkenntnis zu zeigen, sagte Gemballa. Gleichzeitig müsse im Religionsunterricht erklärt werden, dass der biblische Schöpfungsbericht kein wissenschaftlicher Bericht sei, sondern “metaphorisch hinsichtlich seines religiösen Gehalts” zu deuten sei.

































































Juni 18, 2008 um 3:28
Der evangelische Theologe Friedrich Schweitzer und der Biologe und Chemiker Sven Gemballa sprachen sich dafür aus, Kreationismus im Schulunterricht zu thematisieren.
Es ist schon ein echtes Problem geworden, unseren kleinen blauen Planeten verstehen zu können. Nun muss man sich auch noch an die ganz kleinen wenden und ihnen beibringen, dass die Welt natürlich nicht flach ist.
Es ist sicherlich kein Problem, Kreationismus in den Schulen zu thematisieren. Ein einfaches “Kreationismus ist doof” reicht vollkommen aus
Weshalb ist es denn so schwer zu akzeptieren, dass Darwins Theorie sich bis heute am besten bewährt hat ? Kreationismus darf meinetwegen im Politikunterricht mal angesprochen werden, aber im Biologieunterricht ist Kreationismus genauso “wichtig” wie die nähere Untersuchung einer weiteren “kondomfreien Rede” des Papstes. Es muss klargestellt werden, dass Kreationisten sich auf falsche Daten stützen. Es muss gesagt werden, dass ihre Berechnungen keinen Sinn ergeben und ihre “Beweise” schon vor Jahrzehnten widerlegt wurden. Es ist eingentlich längst ein in sich eingestürztes Gebäude. Ihre Stützen wurden säuberlich von der Wissenschaft weggesprengt. Sowas lässt sich in einer einzigen Schulstunde (45 min) problemlos den Schülern näher bringen – auch ohne Hausaufgaben
So könnten die Unterschiede zum biblischen Schöpfungsglauben aufgezeigt werden.
Whow ! Der Schöpfungsglaube (Frau entstand aus der Rippe Adams, die Erde wurde in 6 Tagen erschaffen, Sterne wurden im Firmament “gemalt”, …) ist tatsächlich anders als das, was die Satelliten, Mikroskopen und Teleskope entdecken ? Was für eine gottlose Wissensquelle tut sich da bloß auf ! Am Ende will man den Schülern noch beibringen, dass im TV keine kleine Männchen rumlaufen, die allesammt durch das Kabel in der Wand reinlaufen ! Einfach nur lächerlich das ganze
Im Biologieunterricht gehe es darum, die Evolutionstheorie darzustellen, aber auch die Grenzen naturwissenschaftlicher Erkenntnis zu zeigen, sagte Gemballa.
Kreuzungsversuche und Mutationen sind oft genug in Biobüchern durchgekaut worden. Sowas kann ein guter Lehrer in einigen Stunden problemlos an das Kind bringen. Wer gar Bio-LK wählt, wird das ganze gar mit chemischen Formeln belegen können.
Das ganze war Stoff meiner Abiturarbeit – frei von jeglichen Göttern. Das ganze wird auch weiterhin erkennbar und simpel bleiben… lässt man den Kreationismusgedanke einfach dort, wo er herkommt… in der Märchenschublade
Gleichzeitig müsse im Religionsunterricht erklärt werden, dass der biblische Schöpfungsbericht kein wissenschaftlicher Bericht sei, sondern “metaphorisch hinsichtlich seines religiösen Gehalts” zu deuten sei.
Der Religionslehrer muss einfach alle Schöpfungsberichte der Welt gleich behandeln. Der Schüler muss erkennen, dass die Christen eine 6-Tage-Erde besitzen, die Japaner eine Sonnengöttin-Tränen-Welt und im brasilisanischem Regenwald ein Krokodil die Erde erschaffen hat. Und all dies ohne Reagenzglas oder chemischer Formel. Punkt. Der Schüler wird dann – etwas IQ vorrausgesetzt – selbst erkennen, dass die “biblische Schöpfungslehre”, als eine von vielen Lehren, in etwa genauso glaubwürdig ist, wie der Herr der Ringe, James Bonds Abenteuer und das Raumschiff Enterprise, die dorthin reist, wo noch kein Mensch zuvor gewesen ist. Es ist eine Geschichte, ein Märchen, frei von wissenschaftlicher Beweiskraft. Es ist eine nette Story, aber bei weitem nichts, was “untersuchbar” oder gar “belegbar” wäre.
Solange man den Religionslehrer allerdings die Macht gibt, unsere Schüler mit der Hilfe eines jahrtausende alten Biologie-, Erdkunde-, Geschichts- als auch Märchenbuches zu erziehen, wird man weiterhin vor solchen Problemen stehen. Säkularität hin oder her… schon das Reichskonkordat ‘33 und die C(D/S)U reichen aus, um Gehirnzellen zum schmelzen zu bringen.
Das Problem liegt nicht im Kreationismusgedanke allein, sondern in der “Erlaubnis”, die Religion als Wahrheit zu lehren. Kein Drehbuchschreiber stellt sich hin und behauptet, sein geschriebenes Werk ist eine Lehre die befolgt werden müsse. Er wird es nicht wagen und eien Doktrin aufstellen, die auch noch alle “andersdenkende” als minderwertig klassifiziert. Er wird keine näheren Nachforschungen an seinem Drehbuch behindern oder gar per Androhung verbieten.
In unserer Gesellschaft wird allerdings ein Star Trek Drehbuch schon bei den ganz kleinen Kindern als Moralwerk nahe gebracht. Alle Überlegungen über die Existenz von Klingonen oder Tribbles führen zu unmessbaren “Geisterwesen” oder gar gefälschten Geschichten (”Spock war Kapitän der Enterprise”). Und nun will eine Gruppe von Hardcore-Trekkies (Kreat.) ihre Trikorder-Fanstories ebenfalls den Kindern erzählen ? Mit “wissenschaftlicher Logik”, die längst von anderen Wissenschaftlern widerlegt wurden ?
Wie gesagt… ich verstehe diesen Planeten wirklich nicht mehr. Die Lösung ist so nah’, aber wir bleiben blind bis in alle Ewigkeit
Juni 18, 2008 um 3:03
@folgsam
Hemminger weist ja bereits in seiner im Dezember letzten Jahres erschienenen Monographie auf besagte Grenzen naturwissenschaftlicher Erkenntnis hin – o h n e auch nur mit e i n e m Wort präzise zu benennen, worin diese denn nun eigentlich bestehen. Der an einer Stelle erfolgte Hinweis auf ein “Herauspräparieren” kausal-empirischer Teilsysteme genügt einfach nicht, zumal der Aufweis dieser Grenzen durchaus schöpfungstheologische Konsequenzen zeitigt.
Juni 18, 2008 um 2:09
Na ja, da haben die Fundis doch Recht. Die sehen keinen Unterschied zwischen etwas tot oder ganz tot.
Die Kirchen kommen aber nicht auf die Idee, dass das in ihrem System des Glauben immanent vorhanden ist.
Schon bei dem Begriff religiös-wissenschaftliche Basis muss man Schizo sein oder werden.
Oder anders herum wieviel Jesus darf denn im Reagenzglas sein?
Juni 18, 2008 um 1:33
@folgsam
=== schnipp ===
Hä? Sind Kreationisten jetzt vielleicht verkappte Atheisten oder was meint er?
=== schnapp ===
die ‘Verunsicherung des Glaubens’ ist einfach die Erkenntnis, dass einen ein Christentum, das den Kotau vor den Naturwissenschaften so tief macht, dass von der Substanz nicht mehr viel übrig bleibt, nicht durchs Leben trägt.
Dann laufen diese Schäfchen den Amtskirchen davon und wenden sich den fundamentalistisch eingestellten Freikirchen zu.
Kreationisten sind für Menschen wie Hemminger noch rötere Tücher als für uns. Denn die werfen ihm vor, dass er nur ein ‘Christentum light’ vertritt und das ‘wahre Christentum’ verrät.
Juni 18, 2008 um 12:52
“Kreationismus sei nicht als “Ausdruck des Glaubens”, sondern als “Ausdruck der Verunsicherung des Glaubens, ja vielleicht sogar des Unglaubens” zu werten.”
Es gibt imo 2 Sorten Fundis, die Geburtsfundis, die von den Eltern zu Findis erzogen wurden, und die Konvertiten. Letztere haben sich bewusst für das “Fundisein” entschieden.
Um letztere geht es oben, denke ich.
Diese Fundis, waren mal Normalgläubige, die im Verlauf ihres werdens in Glaubenskonflikte kammen, etwa wenn man Naturwissenschaftler ist oder einen anderen Grund zum Zweifeln haben. Diese Leute habe sich dann adfür entschieden ihre Zweifel zu unterdrücken, mit Hilfe einer umso größeren Hingabe gegenüber ihren Glauben. In dem Sinne kann man von einer “Verunsicherung des Glaubens” reden.
Da nun die Gründe zum Zweifeln nicht von allein verschwinden arbeiten einige daran diesen Gründen die Grundlage zu entziehen und durch ihren jeweiligen Glauben zu ersetzen.
Juni 18, 2008 um 12:39
Zitat: “Gleichzeitig müsse im Religionsunterricht erklärt werden, dass der biblische Schöpfungsbericht kein wissenschaftlicher Bericht sei, sondern ‘metaphorisch hinsichtlich seines religiösen Gehalts’ zu deuten sei.”
Wenn man den Theologen falsche Tatsachenbehauptungen nachweist, dann erwidern sie gerne: “Wir haben das ja alles nicht so gemeint.”
Juni 18, 2008 um 12:25
“Sven Gemballa sprachen sich dafür aus, Kreationismus im Schulunterricht zu thematisieren.”
Und im Chemieunterricht wird dann auch noch die Vier-Elemente-Lehre abgehandelt, oder wie? Ich verstehe nicht, was irgendwelche Schöpfungsmythen (es gibt ja nicht nur den christlichen) in naturwissenschaftlichen Fächern zu suchen haben.
Juni 18, 2008 um 11:18
Mich würde interessieren was er unter “Grenzen naturwissenschaftlicher Erkenntnis” versteht.
“Kreationismus sei nicht als “Ausdruck des Glaubens”, sondern als “Ausdruck der Verunsicherung des Glaubens, ja vielleicht sogar des Unglaubens” zu werten.”
Hä? Sind Kreationisten jetzt vielleicht verkappte Atheisten oder was meint er? Er hat schon recht: Wer wirklich Glaubt braucht keinen wissenschaftlichen Rückhalt suchen, insofern haben Kreationisten vielleicht schon ein Problem mit der Festigkeit ihres Glaubens…doch den Sprung den er macht kann ich nicht nachvollziehen.
“Er forderte eine grosse Koalition aus Natur- und Kulturwissenschaftlern und Theologen, die sich für eine religiös-wissenschaftliche Basisorientierung einsetzt.”
Bitte bitte nicht.