Hauptrednerin beim Hessischen Pfarrertag in der Petrusgemeinde war gestern die frühere Kultusministerin Karin Wolff (r.). (Foto: Schepp)
Gießen (kw). Glaube und Naturwissenschaften sollten im »vernünftigen Dialog« bleiben. Dabei müssten beide Ebenen unterschieden werden. Wenn Kreationisten die biblische Schöpfungslehre zur Wissenschaft erklären, sei das ein »Auswuchs«. Das sagte die frühere hessische Kultusministerin Karin Wolff gestern beim Hessischen Pfarrertag in der Gießener Petrusgemeinde.
»Ist Religion ein «normales Unterrichtsfach»?« Ja und nein, lautete die Antwort der ehemaligen CDU-Bildungspolitikerin, die einst selbst evangelische Religionslehrerin war. Im vergangenen Jahr erregte Wolff bundesweit Aufsehen mit der Forderung, die Schöpfungsgeschichte auch im Biologieunterricht zum Thema zu machen. Gestern stellte sie noch einmal klar, natürlich dürfe die Schilderung aus der Bibel nicht als sachlicher Bericht über die Entstehung der Welt verstanden werden, wie es manche fundamentalistischen Christen tun. »Der Kreationismus hat kein Recht, sich wissenschaftlich zu nennen und in dieser Kategorie ernstgenommen zu werden.« Genauso wenig sei es berechtigt, aus dem Wissen über die Evolution abzuleiten, der Atheismus sei bewiesen, sagte Wolff, die seit 1992 der Synode – dem Parlament – der Landeskirche angehört.
Der umfassende Bildungsauftrag der Schule bedeute aber, dass die Fächer sich nicht voneinander isolieren dürften. Glaube und Naturwissenschaft sollten in Religion wie in Biologie voneinander unterschieden und zugleich aufeinander bezogen werden, wie es auch eine neue »Orientierungshilfe« der Evangelischen Kirche in Deutschland vorschlage. In Biologie gehe es in erster Linie um das Verstehen. Man könne aber durchaus »fragen: Was hat Menschen einst bewegt, die Schöpfungsgeschichte so aufzuschreiben?« Im Religionsunterricht gehe es um das Staunen, den »Sinn« und die »Richtung« des Lebens über das Irdische hinaus. Wie in anderen Fächern auch müssten unterschiedliche Erkenntnisse mit eigener Urteilsbildung der Schüler verknüpft werden; insofern sei Religion ein »normales Fach«. In der Debatte des letzten Jahres seien nach ihrem Empfinden nicht beide Seiten mit der gleichen »Sprachfähigkeit« dargestellt worden, kritisierte Wolff. Es gebe längst einen »vernünftigen Dialog«; davon sei kaum die Rede gewesen. Man dürfe Religion und Biologie nicht über die »Karikaturen« Kreationismus und Sozialdarwinismus definieren.

































































Juli 1, 2008 um 3:36
Wie kann Religion ein normales Unterrichtsfach sein? Bereits aufgrund der Vielzahl der Religionen und deren Unterschieden zueinander ist dies überhaupt nicht möglich! Denn gemäß dem Gleichheitsgrundsatz müßte es ja dann für jede Religion inkl. jeder Sekte einen eigenen Unterricht geben. Und es müßte dann auch Unterricht für neopaganistische Gemeinschaften, also z.B. Asatru und andere neuheidnische Bewegungen, auf dem Lehrplan mit aufgenommen werden. Ebenso Unterricht für Satanisten. Und natürlich auch für Scientologen!
Und für Atheisten müßte es ja dann auch athiistischen Unterricht geben.
Wie sollte das alles durchführbar sein?
Und was würde wohl Frau Wolff von solch einer Forderung halten?
Frau Wolff geht es als CDU-Politikerin doch lediglich um eine Stärkung des sich in diesem Land wie eine Seuche immer mehr ausbreitenden christlichen Fundamentalismus! Und dies aus ganz pragmatischen Überlegungen: die auf diese Weise systematisch verblödeten Kinder kann man dann als Erwachsene leichter dafür gewinnen CDU zu wählen. Einfach nur deshalb, weil das C für “christlich” steht.
Juni 20, 2008 um 9:32
Frau Wolff hat eindeutig aus der Vergangenheit gelernt und sehr vorsichtig argumentiert.
Das ändert jedoch nichts daran, dass sie wieder mal die Deutungshoheit über die Welt der Religion zuschanzen will.
Im übrigen ist es ausgesprochen niedlich, dass “atheismus nicht bewiesen” sei. Das zeigt zumindest ganz klar das in meinen Augen etwas naive Weltbild von Frau Wolff.