Bringt Religion Frieden?

masterpress/Rainer Klotz

Bei den Theaterbegegnungen in Worms diskutierten unter anderem (von links) Karl Kardinal Lehmann, Maxim Biller und Hellmuth Karasek. Foto: masterpress/Rainer Klotz

Hochkarätig besetztes Podium diskutiert bei Nibelungenfestspielen

Von Rotraut Hock-Mainspitze

WORMS Es gibt Fragen, die beantworten sich von selbst: “Bringt Religion Frieden?” Hellmuth Karasek, der bei den Theaterbegegnungen im Rahmen der Wormser Nibelungenfestspiele eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion moderierte, hätte nach seinem kurzen Rückblick auf die Geschichte ganz einfach “Nein” sagen können – niemand hätte ihm widersprochen. Der Mainzer Kardinal Lehmann differenzierte immerhin und erinnerte, dass Religionskriege auch oft dazu gedient haben, soziale oder nationale Konflikte zu verschleiern. Grundsätzlich aber liege es im Selbstverständnis aller Religionen, auf ihrem Wahrheitsanspruch zu bestehen. Freilich nicht mit dem Mittel der Gewalt: Die Geschichte zeige, wie verheerend die Folgen sind, wenn missionarischer Eifer in Fanatismus umschlägt.

Zustimmung bei dem ZDF-Journalisten Kamran Safiarian, der auf den politisierten Islamismus der Gegenwart verwies. Nach seiner Einschätzung müsse der Islam, der nach dem Wortlaut des Korans keineswegs eine militante Religion sei, noch einen Prozess der Aufklärung durchlaufen, den das Christentum im Zeitalter der französischen Revolution schmerzhaft hinter sich gebracht habe. Heute, so setzte der Schriftsteller Maxim Biller den Gedanken fort, sei es zumindest in der westlichen Gesellschaft Grundkonsens, jedermanns Glauben zu respektieren – was freilich nur zum Frieden führen könne, wenn sich alle daran halten. Kardinal Lehmann erinnerte, dass das II. Vatikanische Konzil die Religionsfreiheit “mit großem Ernst” herausgestellt habe – was deshalb nicht bedeute, dass Menschen, die in ihrer Religion “Hilfe zum Leben” gefunden haben, dies nicht auch “weiter erzählen” dürften.

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3 Antworten zu “Bringt Religion Frieden?”

  1. Max Headroom Sagt:

    @Olaf: Da kann ich nur zustimmend mit dem Kopf nicken :)

    Religion ist ein Hobby, ein “Glaube”, welches eben ein Gruppenzugehörigkeitsgefühl (Whow, langes Wort!) erzeugt. Der Schützenverein da hinten als auch die Freiwillige Feuerwehr kennen dieses Gefühl ebenfalls. Die “Computerfreak” kennen dies als beliebte Demo-Parties und Clan-Treffen der Online-Zocker. Dieses Gefühl verbindet die Menschen mit einer gemeinsamen Tätigkeit.

    Und hierbei wird leider auch manche Grenze überschritten, die eigentlich friedvoll bestehen bleiben sollte. Es gibt zwar unterschiedliche Spiele-Clans, doch die treffen sich zum gemeinsamem Wettstreit im Netz und fechten es als “Player vs. Player” aus. Jede Demo-Gruppe, die mehr von sich hält, wird auf einer Party im Wettbewerb zu anderen stehen müssen. Sporter, die sich “überlegener” fühlen, werden dies in der Olympiade beweisen müssen. Die Feuerwehr kann sein Werk gegenüber anderen durch die Zahl der erfolgreichen Einsätze belegen. Und wenn der andere Schützenverein behauptet, die besseren Schützen zu besitzen, wird er eben auf dem nächstem Fest unter’m Tisch gesoffen… äh… im Wettbewerb es Zielschiessens geschlagen ;)

    Religionen behaupten, das Leben – das anfassbare Leben – durch mystische Rituale und Zauberformeln um eine eine überirdische Existenzebene bereichern zu können. Sie “erklären” das Leben nach dem Tode, die Wiedergeburt, Engelserscheinungen, Dämonen, Gut und Böse auf der Welt, spastische Bewegungen und den plötzlichen Kindstod. Teilweise bedingt durch das Mangelwissen in der Wissenschaft haben sie damit einige Ängste der Menscheit auf “Geister” verlagert und dem Menschen dadurch (im realem Leben) einige Probleme von den Schultern genommen. Das hilft, das beruhigt… das ist schön.

    Und dann gibt es den Wahrheitsanspruch. Und dazu auch noch Gewaltandrohungen. Regeln und Verbote schüren das Zusammenheitsgefühl – dicht gefolgt durch Strafen, die einerseits den Verlust der “Zaubereien”, Ausstoß aus der Gemeinschaft oder gar körperliche Gewalt beinhaltet. Dies wird ausgeweitet auf andere Gebiete, die von diesem “Geist” noch nicht erfasst wurden. Trifft man dabei auf “Gegner-Religionen” wird leider die große Kampfeskeule ausgepackt und seine Position notfalls durch Mord und Todschlag gefestigt. Auch dies ist schon Realität gewesen bzw. mancherorts immer noch alltäglich.

    Was uns fehlt ist eine Religions-Olympiade ! Ein Wettstreit, bei dem Geister, Dämonen oder einfach nur die Heiligen gegeneinander antreten. Ob es die lebenden sind, die sich in einer gigantischen Schlammschlacht gegenseitig auspeitschen, oder ob es die Toten “Überwesen” sind, die die Kartenspieler im Stile von “Pokemon” oder “Quartett” spielt, ist hier noch zu entscheiden.

    Natürlich ist Doping verboten ! Keine Hostie sollte gegessen und keine Taufe im Ganges sollte vor dem Spiel stattfinden ! Und wehe, die Buddhisten werden kurz vor dem Spiel als junger Spund wiedergeboren, dies wird mit einer Zeitstrafe von 20 Jahren Streckban… äh… Strafbank bestraft.

    Oder… man setzt sich zusammen in einer Diskussionsrunde und betrauert den Mangel des friedlichen Zusammenlebens….als ob dies für die Hausfrau in Köln-Kalk wirklich von Nützen wäre ;)

    Manchmal frage ich mich, ob die Leute einfach keine Lust haben, sich von mystischem Aberglaube mal zu trennen. Wenn ich schon Zeilen lese wie “Gerade das “bestialische” 20.Jahrhundert habe gezeigt, wohin es führt, wenn sich der Mensch an die Stelle Gottes setzt.”, dann frage ich mich ernsthaft, ob die Person ein Geschichtsbuch gelesen hat oder ob er einfach nur polemisch wirken wollte.
    Um den Gedanken Sobols aufzunehmen fordere ich parallel zu seinem “(..)dass die “Botschafter”, von den alten Propheten bis zu den neuen Predigern, nicht wichtiger genommen würden als der Gott, den sie verkünden.”, dass Märchenschreiber wie Hans Christian Andersen nicht wichtiger genommen werden wie die Geschichten, die sie erzählen. Ups, das ist ja schon der Fall ! dann bitte den letzten Absatz streichen. Ich habe ja vergessen, dass Andersen keinen Wahrheitsanspruch für sich beanspruchte.

    Heute sind wir ja schon soweit gekommen, dass entweder zu den Waffen gegriffen wird (”ungebildetes Pöbel”) oder mit pseudowissenschaftlichen Thesen um sich geworfen wird (”Intelligend Design”), hauptsache es wird was auf den Tisch geklatsch, mit der das Zusammenheitsgefühl dazu genutzt werden kann, andere “nicht dazugehörende” von der Wahrheit zu überzeugen. Ist ja auch klar, tagtäglich bespritzen die Feuerwehrmänner andere Menschen auf der Strasse die sich weigern, 5 Euro zu spenden oder zu grüßen. Und was die Sportschützen mit einem machen, wenn man was gegen Waffen sagt, will ich gar nicht wissen ! Mein Leben ist mir schon teuer genug, da benötige ich wirklich keine Not-OP zwecks Entfernung der Kugeln ;)
    Auch habe ich vergessen, dass Demoprogrammierer gefälligst durch steuerliche “Erleichterungen” unterstützt werden sollen. Schließlich sorgen sie, dass unsere Kinder nicht in der Drogenszene sitzen oder unter einer Brücke schlafen, sondern mit geistiger Arbeit beschäftigt werden. Spiele-Clans sorgen für sportliche Tätigkeiten und sollten ebenfalls gefördert werden, denn der Staat benötigt dann ja keine zusätzliche Sportprogramme mehr und das Gewaltpotenzial gegenüber (lebenden) Personen wird gesenkt. Man verflucht ja das Sprite, die Spielfigur, und nicht mehr den Nachbarn. Teure Waffensysteme würden durch Mäuse und Tastaturen ersetzt und die Welt könnte viel friedvoller sein.

    Spätestens jetzt sollte man mir die enge Jacke wieder anziehen. Es ist zwar nicht kalt, aber ich leide wohl an geistigem Hirnfrost ;)

    Sch(m)erz beiseite…
    Im kurzen Text der News war nichts besonderes drinne, was ich schon vorher wusste. Diese “hochkarätige Runde” hätte genausogut in irgendeinem Wohnzimmer stattfinden können. Auf die Frage: “Bringt Religion Frieden ?” gab es nur altbekanntes, diesmal durch die Karasek-Moderationsküche zubereitet und mit Lehmann-Gewürz gespickt ;)
    Lehmann brachte ein bisschen Verschleierung in’s Gespräch, distanzierte sich aber natürlich von kirchlicher Gewalt. Die Geschichte ist Geschichte und wird natürlich nicht wiederholt werden. Es ist egal, ob ihr Erlöser-Jesus “rein zufällig” in einem “Bibel-Camp” als Symbolfigur gewaltbereiter Christen gegen Abtreibung und Freitod ausgenutzt wird. Lieber schnell auf den Islamismus ausweichen und die fehlende Aufklärung aufzeigen. Dabei frage ich mich, wann der Buddhistmus, der Shintoismus oder der Hindu die Aufklärung durchgemacht hat. Einige besitzen ebenfalls Gewaltansätze wie Fanatismus, wenn auch im sehr sehr geringem Ausmaß.
    Was machen “Großreligionen” wie Islam und Christentum anders, dass sie dieses große Gewaltpotenzial besitzen, das selbst in einer Podiumsdiskussion keine befriedigende Antwort auf eine solch eine einfach Frage bringen kann ?
    Ist es die Anzahl der Gläubiger ? Die Verstrickung mit der Führungselite ? Ich weiss es nicht… wurde ja auch nicht zur Diskussion eingeladen ;)

  2. Olaf Sagt:

    Ja die Reduktion von Religioen auf die Geschichet von Religionskriegen einzelner Religionen ist wohl etwas simpel.
    Andererseits ist die Fragestellung natürlich auch sehr schwer.
    Inneerhalb EINER Religion ist wahrscheinlich durch Konsens und “Gruppenzusammengehörigkeit” die Frage eher mit -ja – zu beantworten. Aber ich kenne wirklich nur wenige Religionen die andere Religionen wirklich friedlich akkzeptieren

  3. 1000sunny Sagt:


    hätte nach seinem kurzen Rückblick auf die Geschichte ganz einfach “Nein” sagen können

    Da meint er wohl die Geschichte der Monotheismen. Es gibt auch Weltreligionen, die haben sich sehr lange friedlich verbreitet. Und verbreiten sich immer noch friedlich. Während wir also die Waffen gegen den Islam zücken, treibt schon die halbe Welt Yoga und meditiert Zen.


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