„Gene können nicht egoistisch sein“ – ein Gespräch mit dem Bio-Philosophen Prof. Dr. Hans Werner

Hans Werner Ingensiep, Prof. habil. phil. Dr. rer. nat. Dipl. biol., Quelle:Uni Duisburg
Ingensiep über das Wesen und die Grenzen des Darwinismus, aufrecht gehende Würmer und Glück als Antriebsfaktor.
DER WESTEN
Wenn wir in diesem Jahr Darwin feiern, was feiern wir dann eigentlich?
Ingensiep: Einen Kult! Für die Naturwissenschaftler ist Darwin Kult, eine Identifikationsfigur, die, wie Kopernikus oder Galilei, ein neues Weltbild eingeläutet hat. Dabei wird vergessen, dass auch Darwin Mitstreiter und Vorläufer hatte wie Lamarck oder sogar Empedokles. Er versammelte neues Wissen und verband die längst verbreitete Evolutionstheorie mit dem Gedanken der natürlichen Selektion. Daher war er nicht der Begründer der Evolutionstheorie, sondern der Selektionstheorie. Außerdem tut der Kult um das Genie Darwin so, als sei alles, was er gesagt hat, klar bewiesen. Was man so nicht behaupten kann. Naturwissenschaftler halten Darwins Theorie für wahr und empirisch, zumindest nicht widerlegt. Aber manche Geistes- oder Kulturwissenschaftler würden entgegnen, es sei Ideologie, die in die Natur hineinprojiziert wird. Beispielsweise eine Projektion des Kampfs ums Dasein im viktorianischen Kapitalismus auf die organische Natur, wie Marxisten meinten.
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