THEOLOGIE DER BEFREIUNG Marx die Grundlage entziehen

dgh

Gerhard Ludwig Müller ist Bischof von Regensburg. Foto: KNA

Sie ist die beste Antwort auf gesellschaftlichen Utopien, die der Religion den Kampf ansagen. Es gibt keine Alternative zwischen dem Wohl im Diesseits und dem Heil im Jenseits, sagt der Regensburger Bischof.

(merkur.de) VON GERHARD LUDWIG MÜLLER

Die Theologie der Befreiung verbindet sich für mich mit einem Gesicht: Gustavo Gutiérrez. 1988 nahm ich mit mehreren Theologen aus Deutschland und Österreich in Lima an einem Kurs teil, den er leitete. Der Ort war das damals schon berühmte Institut Bartolomé de Las Casas. Die Teilnehmer diskutierten hauptsächlich über den Vorwurf einer zu naiven Nähe der Befreiungstheologie zum Marxismus. Wollte man aus dem Christentum eine Art politisches Erlösungsprogramm machen, wobei sogar revolutionäre Gewalt gegen Menschen und Sachen unter bestimmten Umständen toleriert werden sollte? Die Befreiungstheologie stand bei den einen im Verdacht und wurde von anderen dazu herangezogen, terroristische Gewalt im Dienste der gerechten Revolution zu legitimieren.

Das Erste, was Gutiérrez den Teilnehmern beibrachte, war die wichtige Einsicht, dass es hier um Theologie, nicht um Politik geht. Er machte auch den Unterschied von Befreiungstheologie und katholischer Sozialethik in der Linie der großen Sozialenzykliken der Päpste deutlich. Während sich die Sozialethik auf das Naturrecht gründet und mit den Prinzipien der Personalität, Subsidiarität und Solidarität die Grundlage für ein sozial und gerecht angelegtes Gemeinwesen sichern will, handelt es sich bei der Theologie der Befreiung um ein praktisches und theoretisches Programm, das Welt, Geschichte und Gesellschaft im Licht der übernatürlichen Selbstoffenbarung Gottes als Erlöser und Befreier der Menschen verstehen und verändern hilft.

Wie kann man von Gott sprechen angesichts des Leidens der Menschen, der Armen, die ihren Kindern kein Brot zu essen geben können, die keine medizinische Versorgung beanspruchen können, denen die Schulbildung verwehrt bleibt, die vom gesellschaftlichen und kulturellen Leben ausgeschlossen, die als Last und Bedrohung des Lebensstils einiger weniger Reicher empfunden werden?

Und diese Armen sind nicht eine anonyme Masse. Jeder von ihnen hat ein Gesicht. Wie kann ein Christ, ob Priester oder Laie, von Gott und seinem Sohn, der für uns Mensch wurde und für uns aus Liebe am Kreuze starb, reden, wenn ich dem konkreten Armen vor mir von Gesicht zu Gesicht sagen will: Gott liebt dich und deine unverlierbare Würde ist in Gott begründet? Wie wird die biblische Einsicht konkret im individuellen und gemeinschaftlichen Leben der Menschen erfahrbar, wenn die Menschenrechte in der Erschaffung des Menschen nach Gottes Bild und Gleichnis entspringen?

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Eine Antwort zu „THEOLOGIE DER BEFREIUNG Marx die Grundlage entziehen“

  1. yerainbow Sagt:

    Auch bei den allerbesten Absichten: im Karpfenteich wird man immer nur Karpfen finden.
    Keine Wale. Und schon gar keine SChwalben…

    bleiben die Strukturen, wie sie sind, so bleibt auch die Realität, wie sie ist. Mit Religion hat das so gesehen auch erstmal nichts zu tun. Die kommt dann nur noch dazu.


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