Glaube und Naturwissenschaft ergänzen einander

Peter Hünermann, Quelle: kathweb

Theologe Hünermann eröffnete Ökumenische Sommerakademie im Stift Kremsmünster – Biologe Wuketits: Plädoyer für einen „evolutionären Humanismus“

kathweb.at

Mit einem Plädoyer für das Gespräch von Glauben und Naturwissenschaft eröffnete der Tübinger Theologe em.Prof. Peter Hünermann am Mittwoch, 15. Juli, die 11. Ökumenische Sommerakademie im oberösterreichischen Stift Kremsmünster. Hünermann führte das Verhältnis von Glaube und Naturwissenschaften auf die vorausliegende Frage nach dem Verhältnis von Glaube und Vernunft zurück. So aktuell die Debatte heute erscheine, so sehr habe sie bereits bei Augustinus und bei Thomas von Aquin stattgefunden. Glaube werde hier als Form des zustimmenden Denkens definiert.

Kirchengeschichtlich stelle jedoch das Erste Vatikanische Konzil einen ersten Versuch dar, diesen Kernsatz dogmatisch zu reflektieren. Dabei könne dieses Konzil jedoch nur als „50- Prozent-Lösung“ angesehen werden, so Hünermann. Erst das Zweite Vatikanische Konzil habe durch sein dialogisches Offenbarungsverständnis den Weg geöffnet, dass Glaube und Vernunft als einander ergänzend aufgefasst werden. Heute könne daher das Erste Vaticanum nur mehr vom Zweiten Vaticanum her gelesen werden.

Diese Einsicht sei auch für den Fortgang des Dialogs mit den Lefebvrianern wesentlich, da diese den umgekehrten Weg propagierten, so Hünermann. Die Texte des Zweiten Vaticanums müssten heute als „konstitutionelle Texte der Kirche in der Moderne“ verstanden werden. Während die Lefebvrianer meinen, die Texte des Zweiten Vaticanums seien nur pastoral und nicht dogmatisch, hätten die Konzilsväter erkannt, dass das „aggiornamento“ nur im Dialog mit der Welt gelingen könne und dieser Dialog auch nach einer neuen Text- und Sprachform verlange.

Um die Realisierung des Konzils weiter voranzutreiben, ist es laut Hünermann notwendig, auch die kirchenrechtliche Umsetzung der Konzilsbeschlüsse weiter anzupassen. Das kirchliche Rechtsbuch, der „Codes Iuris Canonici“ von 1983, sei in relativ kurzer Zeit erarbeitet worden. Hier sei eine Anpassung dringend notwendig.

Insgesamt zeigte sich Hünermann jedoch zuversichtlich, dass das Zweite Vaticanum „fest im gesellschaftlichen Bewusstsein verankert“ ist. Dies habe etwa die durchwegs kritische Reaktion auf die Aufhebung der Exkommunikation der lefebvrianischen Bischöfe gezeigt. Es gebe letztlich für die Kirche kein Zurück mehr hinter das im Zweiten Vaticanum erreichte Niveau der Auseinandersetzung zwischen Glauben und säkularem wissenschaftlichen Vernunftdenken.

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7 Antworten zu „Glaube und Naturwissenschaft ergänzen einander“

  1. Yeti Sagt:

    @oolon coluphid bzg. Lücken-Gott:

    Das Schöne am Lücken füllenden Gott ist doch, dass mit jeder Erklärung, die die Wisschenschaft liefert, die Lücken zwar kleiner, aber dafür zahlreicher werden (jede nicht komplett gefüllte Lücke ergibt zwei neue …).

    Irgendwie erinnert mich das an Cantor. Unendlich viele unendlich kleine Lücken zwischen unendlich vielen wissenschaftlichen Erklärungen.

    Y.

  2. theologie-der-vernunft.de Sagt:

    Alle Beteuerungen, dass sich Glaube und Naturwissenschaften bzw. Vernunft ergänzen, wie auch Benedikt XVI. immer wieder beteuert, sind völlig für den Wind, solange nicht die Weltvernunft als das Wesen des christlichen und damit auch des anfänglichen Monotheismus durchdacht und im heutigen Wissen verstanden wird.

    Nachdem sich Glaube bisher auf Geheimnisvolles beschränkte, der Gottesbegriff als Erklärungsgrund für Wissenslücken oder einen ID missbraucht wurde, scheint es unmöglich, das Wissen um das natürliche Werden als schöpfeirsches Wort zu verstehen, über das hinaus es ncihts über einen Gott zu sagen gibt. Gleichzeitig das, was für die evolutionäre Weiterentwicklung der Welt vernünftig ist (ökologisch, ökonomisch, sozial nachhaltig) als schöpferischen Wille zu sehen, sich im Kult dafür zu begeistern, fitt zu machen.

    In Zeiten der Aufklärung müsste eigentlich klar sein, dass die Glaubenswende bzw. all das, was an vielfältigen theologischen Bedeutungsinhalten über Jesus Christus ausgesagt wurde, nur in dem begründet werden kann, was die Griechen Vernunft nannten, aus antikem Monismus abgeleitet und im Rahmen einer Re-form als lebendiges schöpferisches Wort/Vernunft wiederverstanden wurde. Und wer den dogmatischen Kollegen des Papstes über die Schulter schaut, kann in ihren Büchern nachlesen, dass der Chefwissenschaftler der Kirche die philosophisch erfasste schöpferische Vernunft als biblischen und damit historischen Jesus betrachten würde.

    Doch wäre es nicht zu viel verlangt, vom Oberhaupt der Kirche erwarten zu wollen, dass sich nicht nur dogmatisch zur Vernunft bekennt, sondern laut darüber nachdenkt, dass es einen Liebesprediger mit Namen Jesus nie gegeben hätte, die heute in der Wissenschaft gehandelt Vernunft dessen Wesen war und ist?

    Doch wäre es kein Aufgabe für Aufklärer, dazu den Anstoß zu geben, statt nur den unzeitgemäßen und untauglichen Aber-glaube trotzdem zu verneinen?

    Gerhard

  3. chrisagd Sagt:

    Gesülze. Kämen doch solche Leute mal auf den Punkt: Inwiefern ergänzt der Glaube die Naturwissenschaften? Darauf wurde noch nie eine stichhaltige Antwort geliefert. Zugegeben: Das ist auch nicht möglich, weil beides unterschiedliche, einander ausschließende Kategorien sind. Wieso geben die Gläubischen das nicht einfach zu?

  4. yerainbow Sagt:

    Hm….
    Da es eigentlich um Macht und Machterhalt geht, wird der unnütze Gott nicht einfach so verschwinden.

    Immerhin ist er ein Machtkonzentrations-Vehikel, ziemlich nützlich…

    das wird noch viel Streß geben.

  5. Oolon Coluphid Sagt:

    „Die Naturwissenschaften sind keine Bedrohung für den christlichen Glauben“.

    Bestimmt nicht, frag einen Kreationisten der wird das bestätigen. :mrgreen: :lol:

    Die „gemäßigten“ Theologen haben ihren Gott immer geschickt in Lücken von Theorien eingebaut und daraus einen Lückenbüßer gemacht.
    Umso größer das Wissen wird desto kleiner werden die Lücken, folglich schrumpft auch dieser Gott, bis er gänzlich als „Erklärungsversuch“ ausgedient hat.

  6. yerainbow Sagt:

    eine Frage des geistigen Horizonts.
    Nicht mehr, nicht weniger.

    ein Erstklässler kann sich auch nicht vorstellen, daß im Physikbuch der oberstufe was entscheidend anderes steht als in seinem Märchenbuch…

    find ich immer hübsch, wenn jemand zeigt, welches niveau er erreichen kann…

  7. misc Sagt:

    >> „Wo die naturwissenschaftliche Methode ihre Erkenntnisgrenzen überschreite, münde sie letztlich in den Atheismus, wo die Religion hingegen ihren Wahrheitsbegriff auf die kausalen Zusammenhänge ausdehne, liege der Schritt etwa zum „intelligent design“ nahe. Pietschmann: „Daher sind ‘intelligent design’ und Atheismus letztlich das selbe – nur mit umgekehrten Vorzeichen“.“

    Immer die selbe Leier.


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