Präsi-Viewing als Spektakel

The Laughter of Small White Dogs

Wenn alle Stricke reißen (CC-by-sa-3.0/en by Bill Lewis)

Je weniger Gewicht eine Sache hat, desto größer wird sie zu Beginn der 10er-Jahre offenbar aufgeblasen. Bis auf das formale Recht, seine Unterschrift unter Gesetze zu verweigern, hat das Amt des Bundespräsidenten keinerlei Befugnisse. Eigentlich könnte man diesen ausgabenträchtigen Posten folgenlos einsparen.

Aber nein, es wird ein Riesen-Trara drumherum veranstaltet. Der Fortbestand der schwarzgelben Koalition wird künstlich davon abhängig gemacht. Heiß wird die Idee dabattiert, ob nicht wie anderswo in Europa eine Direktwahl besser wäre. Als wenn dieser teure Redenhalten- und Repräsentier-Job ohne reale Macht das rechtfertigen würde. Ja, geht’s noch?

Die ARD setzt heute am Wahltag noch einen drauf: TV-Direktübertragung und Public Viewing auf Großleinwand vor dem Reichstag in Berlin. Wer soll das sehen wollen? Hat das irgendeinen Unterhaltungs- oder Nährwert? Sollen das Lehrer nutzen, die statt Unterricht lieber mit den Jugendlichen einen Ausflug im Freien verleben möchten? Die Tageszeitung taz hat vier lesenswerte Glossen dazu beigetragen. Den Rest des Beitrags lesen »

Ratlosigkeit und Wut auf FDP

Gesellschaft mit beschränkter Hoffnung

Pfeifen auf der Brücke

Die Entzauberung der schwarz-gelben Koalition in den Augen der Wähler umfasst selbst ihre bisherigen Unterstützer und Anhänger. Das ist als ob eine ökonomistisch orientierte Religion ihre Glaubwürdigkeit und Bindungskraft verloren hätte. Doch statt sich über ihre eigene Desillusionierung und neue Erdung zu freuen und was daraus zu machen, herrschen Selbstmitleid und Wut vor.

Ist das wirklich so überraschend? Wer aus einer schiefgegangenen Verliebtheit oder anderen schweren Träumen aufwacht, reagiert doch meistens eher desorientiert und verärgert. Warum sollten Deutschlands Mittelstands-Lobbyisten da ganz anders, vernunftnäher agieren? Drohen uns gar ungarische (Rechtsruck) oder berlusconische (Ruf nach dem „starken Mann“) Umwälzungen? Muss man sich um die verbliebene Vernunft in Deutschland Sorgen machen? Das Handelsblatt tönt da ganz ungewohnt pessimistisch. Den Rest des Beitrags lesen »

Wahl Dodo des Monats Juni 2010

Dodo des Monats Juni 2010

Die Kandidaten für den Dodo des Monats Juni 2010:

  1. Junge Union(JU) Göppingen, „CDU – stramm Rechts.“
  2. Thomas Schimmel, „Professorale Märchenstunde.“
  3. Ludwig Schick, „Kekse für den schmackhaften Glauben.“
  4. Kultusministerium Bayern, „Bavaristan Zensur.“
  5. Peter Trapp, „Intelligenz-Test für CDU-Politiker.“
  6. Christian Wulff, „Christliche Rechtslastigkeit.“

Die Wahl zum Dodo des Monats Juni 2010 ist bis zum 05.07.2010 18:00 befristet. Danach abgegebene Stimmen werden nicht mehr gezählt.  Mehrfach-Nennungen sind möglich. Der Gewinner wird am 06.07. 2010 mit einer Laudatio gewürdigt.

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Christliche Rechtslastigkeit

Quelle:heise.de

Wulff: Ein Missionar auf dem Weg nach Bellevue?

Christian Wulff pflegt Kontakte zu religiösen Eiferern vom rechten Rand – und befindet sich damit in bester Gesellschaft

Von Silvio Duwetp

Mit der Nominierung Christian Wulffs als Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten haben sich die Spitzen von Union und FDP auf einen farblosen Parteisoldaten und Karrieristen geeinigt, so schreiben selten einmütig die Kommentatoren. Eine glatte Fehleinschätzung, denn Christian Wulff ist offenbar ein Politiker mit einer Mission: Er ist Mitglied im Kuratorium von ProChrist, einem evangelikalen Verein, der mit Massenevangelisationen „Jesus bekannt“ machen will. Zudem fiel Wulff kurz vor seiner Nominierung zum Bundespräsidentenkandidaten mit einer Rede vor dem Arbeitskreis Christlicher Publizisten (ACP) auf. Für den Sektenbeauftragten der evangelisch-württembergischen Landeskirche Hansjörg Hemminger ist die Zeitschrift des ACP „ein Vermittlungsorgan für Extremismus und Fanatismus aus der rechten Ecke, aber auch aus dem Kreis der Sektierer“. Der ACP stelle die Verfassung praktisch ständig in Frage. War Wulffs Abstecher zum ACP ein Fehltritt? Wohl kaum, wie Recherchen von Telepolis zeigen. Doch mit seiner Nähe zu christlichen Fundamentalisten ist Wulff nicht allein.

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Vatikan juristisch belangbar!

Quelle: wikipedia

Vatikan kann in den USA juristisch belangt werden
Oberstes Gericht weist Berufung im Missbrauchsskandal ab

NZZ Online

Als souveräner Staat kann der Vatikan in den USA normalerweise nicht vor Gericht gezogen werden. Doch im Missbrauchsskandal um katholische Priester gilt dies nicht. Das Oberste Gericht bestätigte jetzt die Entscheidung eines Bundesgerichts.

Der Vatikan kann in den USA im Zusammenhang mit Missbrauchsvorwürfen gegen einen Priester zivilrechtlich zur Verantwortung gezogen werden. Der Oberste Gerichtshof in Washington weigerte sich am Montag, eine Berufung des Vatikans anzuhören.

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Was sagen uns die Vuvuzelas?

Vuvuzelas

Vuvuzelas Colors (CC-by/2.0 by Dundas Football Club)

Das Wort, das hängen bleiben wird als Bild dieser WM in Afrika, heißt Vuvuzela. Die bunten Plastik-Tröten sind fast so präsent wie die Fähnchen und sie sind vor allem laut. Daran stört sich so mancher. Es gibt mittlerweile Filter-Apps, die den Hintergrund-Krach m Kopfhörer eliminieren.

In Wirklichkeit steckt – wissenschaftlich unvoreingenommen gesehen – natürlich weit mehr hinter dem sozialpsychologischen Phänomen Vuvuzelas. Einen wirklich guten Text dazu habe ich heute morgen beim Frühstück im DeutschlandRadio Kultur gehört. Den möchte ich auf diesem Blog zur Diskussion stellen.

Er läuft übrigens auf eine nachdenklich-lustige Pointe hinaus. Da es eben kein Witz oder Krimi ist, darf man sie verraten, denn das steigert die Spannung in diesem Fall eher: „wenn wir mit der Vuvuzela Frieden schließen, fühlen wir uns ihrem Lärm weniger ausgeliefert und ersparen uns damit das Folter-Trauma. Wie sagte doch John Cage: „Wenn ein Lärm Sie stört, hören Sie ihm zu.“ Den Rest des Beitrags lesen »

Evolution im Fadenkreuz des Kreationismus

Rezension zu Neukamm, M.; (Hrsg.) (2009) ‘Evolution im Fadenkreuz des Kreationismus. Darwins religiöse Gegner und ihre Argumentation’ Göttingen, Vandenhoek & Ruprecht

(eine überarbeitete Version erschien in Skeptiker 2/2010, 100-102)

Thomas Waschke

Auch 150 Jahre nach dem Erscheinen von Darwins Hauptwerk ist die Kritik an der Evolutionstheorie nicht verstummt. Die naturwissenschaftlich gut ausgebildeten Evolutionsgegner, die hierzulande vor allem in der Studiengemeinschaft Wort und Wissen organisiert sind, greifen die Evolutionstheorie auf zwei Ebenen an. Auf der einen Seite werden Lücken in der Erkenntnis aufgezeigt, die angeblich nur durch übernatürliche Eingriffe geschlossen werden können, woraus dann Forderungen an die Wissenschaftstheorie folgen. Letztendlich geht es um nicht mehr und nicht weniger als um die Deutungshoheit im Bereich der Naturwissenschaften: Ist es statthaft, übernatürliche Mächte in naturwissenschaftlichen Modellen einzusetzen? In einem zweiten Schritt werden diese Wesenheiten dann mit dem Gott einer, meist der christlichen, Offenbarungsreligion, identifiziert. Aus diesem Grund hat die Diskussion auch noch eine eher theologische Ebene (wie soll man sich das Schöpfungshandeln eines Gottes in der Natur vorstellen?), auch wenn das für Naturwissenschaftler wenig relevant sein sollte.

Im Darwin-Jahr 2009 erschien ein Sammelband, dessen Autoren sich das Ziel gesetzt hatten, die Argumentation der religiös motivierten Gegner der Evolutionstheorie (es gibt praktisch keine anders motivierten relevanten Kritiker, welche die moderne Evolutionstheorie ablehnen), zumindest im deutschen Sprachraum, umfassend durch wissenschaftstheoretische und fachwissenschaftliche Argumente zu widerlegen.

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Sollten Skeptiker sich als Atheisten outen?

Nemo

Nemo und der Oktopus (Public Domain)

Intellektuelle Redlichkeit ist ein „weites Feld“. Sie ist ein Grunderfordernis seriöser wissenschaftlicher Arbeit. Aber im gesellschaftlichen Umgang ist sie nicht unbedingt erwünscht und wohlgelitten.

Wer Karrierenachteile in Kauf nehmen müsste, äußerte er sich offen und unzweideutig zu gesellschaftlich umstrittenen Themen, der hält sich oft „klug“ oder „vornehm“ zurück. „Wir alle spielen Theater Die Selbstdarstellung im Alltag“ (The Presentation of Self in Everyday Life, 1959)“ lautete der Titel eines soziologischen Klassikers von Erving Goffman. Image, Pietät und Lügen. So ist es nunmal.

Bedauerlicherweise zählt Atheismus noch immer zu den heiklen Themen. Umso notwendiger sind scharfsinnige, klärende Überlegungen, wie sie der US-Amerikaner PZ Myers in seinem ScienceBlog anstellt.

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Intelligenz-Test für CDU-Politiker

Gastarbeiter von Volkswagen in Wolfsburg, 1973, wikipedia

Peter Trapp, von der Berliner CDU, genauer aus Spandau, welches sich ja nicht zu Berlin rechnet, plädiert für einen Intelligenztest bei zuwandernden Ausländern.

Wir erinnern uns, „Gastarbeiter“ kamen in den 1950er Jahren nach Deutschland. Grundlage waren die Anwerbeabkommen der Bundesrepublik Deutschland mit Italien, Spanien, Griechenland, Türkei, Marokko, Portugal, Tunesien und Jugoslawien. Die deutsche Industrie brauchte Malocher. „Gastarbeiter“ wurden für un-und angelernte Tätigkeit benötigt. Das Dumme an der Sache, die Bedürfnisse Deutschlands ändern sich. Dabei wäre angebracht, es so auch zu formulieren und nicht die Schuld bei den Migranten zu suchen.

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Wulff, ProChrist und die Theologie

Quelle: wikimedia.org

Die Vereinigung „ProChrist“ sei eine fundamentalistische Bewegung, erklärt die Theologin und Journalistin Kirsten Dietrich. Sie hält es für nötig, dass der für das Bundespräsidentenamt kandidierende Christian Wulff seinen Kuratoriumsposten dort aufgibt.

Deutschlandradio Kultur

Frank Meyer: Die Journalistin und Theologin Kirsten Dietrich hat sich mit solchen missionarischen Bewegungen in Deutschland beschäftigt. Sie ist jetzt hier im Studio von Deutschlandradio Kultur. Frau Dietrich, was unternimmt denn „ProChrist“ überhaupt in Deutschland für die Verbreitung des christlichen Glaubens?

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Studie: Freunde statt Religion

Musketiere

Romantisches Bild der Freundschaft (Druck von Maurice Leloir (1851-1940), Public Domain)

Ereignisse wie der unsäglich peinliche G20-“Gipfel“ sind morgen schon vergessen. Die Politiker der „führenden“ Industrienationen der Welt leisten sich sinnlos teure, ergebnis- und folgenlose Treffen in Serie. Eine Regulierung der Finanzspekulation wird es also nicht geben, die nächste „Blase“ darf kommen.

Die wesentlicheren Veränderungen – wie der in der folgenden Studie skizzierte Einstellungswandel – haben keinen kurzlebigen Eventcharakter. Die Frage stellt sich, warum die Medieninhalte – und am allermeisten die der fälschlich so genannten „social media“ Twitter, StudiVZ – fast ausschließlich auf Events setzen.

Ist Neil Postman: „Wir amüsieren uns zu Tode“ über einen Lebensstil, der alles zu Arbeit ODER Unterhaltung macht, doch ernster zu nehmen, als man zuletzt dachte? Oder hat Opaschowskis „Stiftung für Zukunftsfragen“ den realen Trend zutreffend aufgewiesen?

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Glaube im Knast

Im Juli wird im Bochumer Gefängnis Krümmede eine Ausstellung gezeigt über die Frömmigkeit von Häftlingen. Foto: Ingo Otto

Von Hubert WolfDer Westen

Viele Gefängnisinsassen klammern ihre Hoffnung an religiöse Symbole an den Zellenwänden. Der Bochumer Knast zeigt dazu demnächst eine Ausstellung.

Wenn der gut katholische Drogenhändler Helmut K. morgens die Augen aufschlägt, fällt sein erster Blick gottlob auf die Ikonen. Sechs, sieben Postkarten, die Ikonen zeigen, hängen an der Wand seiner acht Quadratmeter Zelle, Weihnachtsgrün dazu, ein Palmsonntagszweig, eine kleine Christusfigur . . . „Das ist für mich eine Hilfe, das ist so eine Hoffnung nach draußen“, sagt der 62-Jährige: „Etwas muss man ja haben, wo man sich dran klammern kann.“ Bei sieben Jahren Haft und anschließender Sicherungsverwahrung.

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Skandal : Razzia gegen katholische Kirche in Belgien

euronews

Das vatikanische Staatssekretariat hat die Polizeiaktion gegen die katholische Kirche in Brüssel scharf kritisiert. Damit sei ein Vertrauensbruch entstanden, schreibt das Staatssekretariat in einer Note. Die „tiefe Verwunderung“ des Vatikans wurde dem belgischen Botschafter beim Heiligen Stuhl auch persönlich mitgeteilt.

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Das Gehirn – ein Unfall der Natur

und der Designer Gottes

Von Wolfgang Schneiderwelt online

Das menschliche Gehirn – die Krone der Schöpfung! Was tragen wir da doch für einen Supercomputer auf dem Hals herum, durchschnittlich nur 1,5 Kilogramm schwer. Solcher verbreiteten Gehirnverehrung tritt das Buch des amerikanischen Neurowissenschaftlers David Linden schon im Titel mit erfrischendem Witz entgegen: „Das Gehirn – Ein Unfall der Natur“.

Das zielt auch auf die Lehre vom „intelligenten Design“. Mit ihr versuchen Kreationisten vor allem in den Vereinigten Staaten der Evolutionsbiologie Boden abzugraben. Die vermeintliche Perfektion der Schöpfung setze demnach notwendig einen Schöpfer voraus. Linden dagegen zeigt, dass das Design des Gehirns alles andere als perfekt ist; angesichts der technischen Mängel und unnötigen Kompliziertheiten erscheint es eher wunderbar, dass es leistet, was es leistet.

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Bavariastan-Zensur

Kultusministerium: Inhalt stimmt zum Teil nicht mit Verfassung überein.

Das bayerische Kultusministerium duldet keine anti-evangelikalen Passagen in einem Schulbuch. Es verwehrt dem Berliner Cornelsen-Verlag die Zulassung des neuen Englischbuchs „Context 21“, wenn es weiter Aussagen enthält, die Evangelikale in den USA in ein sehr schlechtes Licht rücken.

idea.de

Das teilte die Behörde auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea mit. In dem Kapitel „Fundamentalismus in Amerika“ behauptet die Atheistin und Journalistin Susan Jacoby, dass „ein unbestreitbarer, starker Zusammenhang zwischen religiösem Fundamentalismus und einer fehlenden Bildung“ besteht. Kreationismus habe „die öffentliche Bildung in vielen Regionen des Landes nachhaltig beeinflusst“. Er sei ein wichtiger Grund dafür, dass amerikanische Gymnasiasten weniger über die Wissenschaft wissen, als Gleichaltrige in Europa und Asien. Diese Darstellung stimme „teilweise nicht mit den in Artikel 131 der Bayerischen Verfassung formulierten Obersten Bildungsziele überein“, so das Kultusministerium. Diese sind unter anderem Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor religiöser Überzeugung und vor der Würde des Menschen.

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Verschleppung im Kloster Ettal

Kloster Ettal

Kloster Ettal (CC-by-sa/2.0/en by Andreas H?emeier)

Im Kloster Ettal wurden über Jahrzehnte Schüler misshandelt, missbraucht, gequält. Vor vier Monaten kündigten die Mönche an, alle Fälle aufzuklären, doch die Wahrheit sieht anders aus.

Von Bastian Obermayer und Rainer Stadler, SZ Magazin

Seine Vergangenheit am Internat von Kloster Ettal holt Roman Hofer* (Name geändert) am Morgen des 5. März 1999 ein, auf der Bundesstraße B 20 zwischen Straubing und Landau in Niederbayern. Als er den Verkehr im Rückspiegel beobachtet, kann er plötzlich seine Augen nicht mehr kontrollieren, sie rollen zur Seite, sein Puls beginnt zu rasen, er fängt an, heftig zu schwitzen. Auf der Rückbank sitzt sein sechsjähriger Sohn.

»Was passiert mit ihm, wenn ich jetzt sterbe?«, schießt es Roman Hofer durch den Kopf. Er schafft es noch bis zum nächsten Parkplatz und ruft dort den Notarzt. Im Krankenhaus wird er gefragt, ob er schon mal einen Herzinfarkt hatte. »Herzinfarkt, mit 35?«, entgegnet Hofer irritiert, »ich bin Langstreckenläufer, ich trainiere fast jeden Tag!« Nach fünf Tagen EKG und Betablockern wird er entlassen, ohne Diagnose, aber mit dem Rat, einen Psychotherapeuten aufzusuchen. Der hört sich seine Symptome an, dann fragt er: »Junge, wer hat dich in deiner Kindheit ermordet?« Den Rest des Beitrags lesen »

BGH urteilt zur Sterbehilfe

Altenheim historisch 1956

Altenheim (CC-by-sa/3.0/de by Hans Lachmann, Bundesarchiv)

Das Durchschneiden eines Ernährungsschlauchs bei einer komatösen Frau ist legal – wenn dies ihrem Willen entspricht, entschied der Bundesgerichtshof.

Von Christian Rath, taz

KARLSRUHE Der Bundesgerichtshof (BGH) hat die Zulässigkeit passiver Sterbehilfe bekräftigt. Eine Heilbehandlung darf und muss abgebrochen werden, wenn dies dem Willen des Patienten enspricht. Im Konfliktfall darf dabei sogar der Schlauch zur Magensonde durchschnitten werden. Der BGH sprach deshalb den Münchener Anwalt Wolfgang Putz vom Vorwurf des versuchten gemeinschaftlichen Totschlags frei. Den Rest des Beitrags lesen »

J. Gauck: Wenn die DDR zur Berufung wird

Erst Pfarrer dann Inquisitor – Joachim Gauck (NRhZ-Archiv)

Von Franziska SchneiderNeue Rheinische Zeitung

Der Inquisitor

Das Chamäleon und Joachim Gauck haben eines gemeinsam: beide verstehen es, sich der jeweiligen Umgebung anzupassen. Für das Chamäleon ist der Farbwechsel zugleich ein Zeichen der Paarungsbereitschaft, für Gauck ein Zeichen, das Leben nach den Regeln des jeweiligen staatlichen Systems einzurichten.

In der DDR hat er damit persönliche Vergünstigungen genossen; nach dem Anschluss kletterte er eine Stufe nach der anderen höher und schmückte sich mit Ämtern, die sich – nach seinem Verständnis – um die Aufarbeitung der DDR kümmern: bis hin zu seiner jüngsten Nominierung durch SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten – das „höchste Amt im Staate“, wie Gauck selber feststellte.

Joachim Gauck ist einer der wenigen, die es nach 1989 geschafft haben, sich erfolgreich mit dem Etikett DDR zu schmücken, während fast der ganze Rest des Volkes auf die Stasi-Vergangenheit reduziert, ehemalige Genossen jahrelang vor Gericht gezogen wurden und heute noch werden. Meist deshalb, weil sie nach geltenden DDR-Gesetzen handelten, die in den Zeiten des Kalten Krieges im Übrigen auch in der BRD verschärft wurden, wie uns das Sondergesetz zur Einschränkung der Informationsfreiheit zeigt.

Doch wie viele von den damals Demonstrierenden und „Wir sind das Volk!“ Rufenden setzen sich heute noch so intensiv mit der DDR auseinander wie Gauck? Wenige, denn das Wort DDR erweckt – zumindest in den alten Bundesländern – fast nur negative, beinahe schon Mitleidsassoziationen. Den Rest des Beitrags lesen »

Die Domestizierung Gottes

DANIEL DENNETT (68) ist Religionskritiker und Philosoph an der Tufts University in Medford, Massachusetts. Dennett sprach in Berlin auf Einladung des Dahlem Humanities Center der... - Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Religion hat sich in den letzten 100 Jahren mehr geändert, als in den 1000 Jahren zuvor. Der Philosoph Daniel Dennett spricht im Interview über gläubige Menschen, ungläubige Priester und wie man auf Mohammed-Karikaturen reagieren sollte.

Der Tagesspiegel

Herr Dennett, Sie sind Atheist. Warum erforschen Sie ausgerechnet Religion?

Weil sie ein sehr wichtiges Phänomen ist. Wenn wir im 20. Jahrhundert etwas gelernt haben, dann, dass gute Absichten nicht genug sind. Fast jedes Problem, mit dem wir konfrontiert sind, ob das die Verteilung von Reichtum oder Wasser ist oder die Verbreitung von Krankheiten, wird durch religiöse Phänomene verkompliziert. Die muss man verstehen, sonst riskiert man, trotz guter Absichten folgenschwere Fehler zu machen. Religion hat sich in den letzten 100 Jahren mehr geändert, als in den 1000 Jahren zuvor. Und vielleicht wird sie sich in den nächsten 20 noch einmal mehr verändern als in den letzten 100 Jahren.

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Heilen durch „Kraft der Symbole“

Spinnennetz mit Wassertropfen

Schwingungen? (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Was ist mit dem Medizin- und Wissenschaftsjournalisten der Süddeutschen Zeitung, Werner Bartens, los? Jahrelang hat er lesenswerte Artikel geschrieben. Doch das am 18. Juni publizierte Elaborat „Malen nach Schmerzen“ lässt einen die Augen zusammenkneifen. Inhaltlich kann das doch wohl kaum ernst gemeint sein.

Nachdem das esoterische Lobhudeln von obskuren „Schwingungen“ weder ein Aprilscherz noch ein Enzyklopädie-Hoax (Wissenschafts-Scherz) sein kann, guckt man doch eher ratlos. Hat dieser bislang als Profi gehandelte Journalist Grund, sich an seiner Redaktion zu rächen, indem er Unsinniges liefert? Sollte die Rubrik „Leben“, unter der solch parawissenschaftlicher Quack herauskommt, tatsächlich dahin gestrickt sein, mit Esoterik nach Leichtgläubigen zu angeln? Letzteres sind zugegebenermaßen Spekulationen, um sonst Unerklärliches aufzuklären. Was sagen unsere Leser zu diesem Fall?  Den Rest des Beitrags lesen »

Medien und Klimaverschiebung

illconsidered populisms

illconsidered populisms (Grafik: ScienceBlogs)

Naturwissenschaft und ihre Kommunikation das sind – zumal in Deutschland, wo verständliche Sprache keine akademische Tradition hat – zwei Welten. Das ändert sich langsam. Aber hoch komplexe Zusammenhänge wie die drohende Klimakatastrophe sind weiterhin nur schwer vermittelbar.

Das hat mit dem Phänomen „kognitive Dissonanz“ zu tun, der (sozial-)psychologisch bedingten Abwehrhaltung gegen Fakten, die das Publikum nicht mag, weil sie Angst einjagen und Verhaltensänderung verlangen würden. Daher sind die Irrationalismen der selbsternannten „Klimaskeptiker“ für aufgeklärte Sachkenner und Wissenschaftler eine bleibende Herausforderung an ihre Kommunikations-Kompetenz. Den Rest des Beitrags lesen »

Fußball und Glaube

RITUAL: Deutsche Fans halten ihr Bekenntnis hoch – damit die Mannschaft es sieht. Foto: H. Kemme

Glaube und Aberglaube begleiten das Spiel, wecken irrationale Hoffnungen und erklären unerklärbare Siege. Fans und Spieler geben ihrer Sehnsucht Rituale. Die Parallelen zur Religion liegen auf der Hand. Eine Ausstellung in Osnabrück macht sie sichtbar.

VON HERMANN QUECKENSTEDTRheinischer Merkur

Zweimal berührte der Arm Luis Fabianos am vergangenen Sonntagabend im Strafraum den Ball. Dann platzierte der Brasilianer ihn – per Fuß – zum 2:0 im Tor der Elfenbeinküste. Die Frage des Reporters nach dem Spiel schien unvermeidlich: War es wieder die „Hand Gottes“, die das Leder leitete? So hatte Argentiniens „Fußballgott“ Diego Maradona sein Tor gegen England 1986 bei der WM in Mexiko gerechtfertigt, bei dem er den Ball mit ausgestreckter Hand über Englands Torhüter hinweg in die Maschen beförderte. Damals verschaffte Maradonas „göttlicher Fingerzeig“ seinen Landsleuten Genugtuung für die militärische Niederlage 1982 auf den Falklandinseln. Fabiano dagegen beschwichtigte: Sein Tor sei kein Regelverstoß durch absichtliches Handspiel.

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Adam und Eva, Evolution und geschöpfter Blödsinn

Lönnig, Utricularia und die Philippika eines Unbelehrbaren

Prof. Dr. Andreas Beyer & PD Dr. Rudolf A. Jörres - AG Evolutionsbiologie

Im ersten Teil des 9. Kapitels des Buchs „Evolution im Fadenkreuz des Kreationismus“ (2009, Hg. Martin Neukamm, Neukamm 2009, 239-250) widmet sich der Herausgeber der Evolution der Saugfalle der fleischfressenden Pflanze Utricularia vulgaris. (Titel: „Was die Selektion angeblich nicht leisten kann: Diskussion von drei Paradebeispielen“). Er legt darin detailliert dar, warum die evolutive Entwicklung der Saugfalle des Wasserschlauchs Utricularia zwar spannend und nach wie vor eine harte Nuss für die Evolutionsforschung ist, aber mitnichten in ein Argument für einen übernatürlichen Ursprung, ein „intelligentes Design“ umgemünzt werden kann, wie es Dr. W.-E. Lönnig, „Zeuge Jehovas“ und Langzeit-Kreationist, zu zeigen beabsichtigt. Neukamm legt insbesondere anhand zahlreicher intermediate forms dar, warum die Behauptung, höher entwickelte Fallentypen müssten durch eine simultane (und somit äußerst unwahrscheinliche) Synorganisation aller für die Funktion erforderlichen Bauelemente evolviert sein, falsch ist. Nun ist gerade diese Saugfalle W.-E. Lönnigs Lieblingsbeispiel für angebliche Nicht-Evolvierbarkeit komplexer Strukturen, und so hat er, wie nicht anders zu erwarten, im Rahmen eines 190-seitigen (!) Opus geantwortet ( Lönnig 2010). Was ist dazu zu sagen?

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Vom anthroposophischen Kosmos

(© Medienstelle Anthroposophie)

Rudolf Steiner à la carte: Imagekampagne der Medienstelle Anthroposophie startet in Bochum

openPR.de

Anthroposophie auf Citycards: Unter dem Motto „Überraschend anders – Denkanstöße von Rudolf Steiner“ präsentiert die Medienstelle Anthroposophie eine Kampagne, die Neugierde auf einen der großen Denker des 20. Jahrhunderts wecken will.

Seit dem vergangenen Freitag kursieren in Bochum Ideen von Rudolf Steiner an unerwarteten Plätzen: Im Restaurant, an der Uni oder im Theater kann man ihnen dort in Form von Citycards – kostenlosen Postkarten, die an einem Kartenständer aushängen – begegnen. Vom 24. bis 27. Juni findet die öffentliche Tagung der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland zum Thema „Zukunft der Arbeit – Karma des Berufs“ in Bochum statt. Die in Frankfurt am Main ansässige Medienstelle Anthroposophie, ein unabhängiges Portal zu Steiners Ideen, nimmt die Tagung und die RUHR.2010 zum Anlass, erstmals ein Motiv ihrer Imagekampagne für die Anthroposophie im öffentlichen Raum zu platzieren. Zwei Wochen lang werden die Postkarten an 90 verschiedenen Stellen in Bochum verteilt.

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YouPope ist das Wort

Quelle: derstandard.at

Wer glaubt, das vatikanische Kommunikationssystem sei generell langsam, irrt

derStandard.at

Wer glaubt, das vatikanische Kommunikationssystem sei generell langsam, irrt. Keine 24 Stunden vergingen nach dem Tod des portugiesischen Nobelpreisträgers José Saramago, und der Osservatore Romano hatte seinen Nachruf auch schon fertig und mit Wörtern wie „populistischer Extremist“ und „unverbesserlicher  Kommunist“ geschmückt – aber das nur am Rande. Weitaus wichtiger: Es gibt einen „Päpstlichen Rat für die Sozialen Kommunikationsmittel“. Dieser entsendet Botschaften an die Gläubigen („Der Priester und die Seelsorge in der digitalen Welt“) und betreibt den poppigen Vatikan-Webauftritt www.pope2you.net, der Livestreams vom Petersplatz („Pope to you View“) und ausführliches Videomaterial anführt und ganz nebenbei belegt, womit sich Benedikt XVI. in langen Wintermonaten befasst hat, während die halbe Welt erbost auf einen nicht und nicht auftauchenden päpstlichen Eil-Tweet zu den Missbrauchsskandalen wartete.

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Kekse für den schmackhaften Glauben

Quelle: oblaten.org

Feierlichkeiten zum 90-jährigen Bestehen des Oblatenklosters in Kronach – Erzbischof Schick fordert mehr missionarischen Einsatz in der Kirche für die Erneuerung der Gesellschaft

wiesentbote.de

Von einer notwendigen „Erneuerung des Glaubens“ spricht Erzbischof Ludwig Schick anlässlich des Jubiläums zum 90-jährigen Bestehen des Oblatenklosters St. Heinrich in Kronach am Sonntag (20. Juni 2010). „Ohne Glaube an einen guten Gott, ohne Hoffnung und Zuversicht, ohne Liebe und Solidarität kann es nicht gut werden in unserer Gesellschaft in Zukunft“, befürchtet Schick. „Wir brauchen eine Erneuerung unseres gesellschaftlichen Lebens.

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Neapels Erzbischof und die Korruption

Cardinal Crescenzio Sepe, Photograph: Alessandro Bianchi/Reuters

Cardinal Crescenzio Sepe, Photograph: Alessandro Bianchi/Reuters

Der Erzbischof Neapels Crescenzio Sepe steht offiziell im Brennpunkt einer Ermittlung wegen Korruption durch die italienische Staatsanwaltschaft. Die Verwicklung der Regierung Berlusconis sowie des Vatikans in den Immobilienskandal wirft ein Schlaglicht auf die Kumpanei und Pseudo-Moral in den höchsten Kreisen Italiens. Die britische Qualitätszeitung Guardian spricht von „shockwaves through the Italian government„. Den Rest des Beitrags lesen »

„Geheimakte Mixa“

Quelle: BR

Erneut Vorwürfe gegen den zurückgetretenen Augsburger Bischof Walter Mixa: Die Süddeutsche Zeitung berichtet von einer geheimen „Akte Mixa“, die dem Papst vorliege. Darin gehe es um Alkoholmissbrauch und sexuelle Übergriffe. Mixas Anwalt forderte die Offenlegung der angeblichen Quellen.

BR – online

Das bislang geheime Dossier zum Fall Mixa habe Papst Benedikt XVI. bei der Entscheidung über das Rücktrittsgesuch des umstrittenen Bischofs vorgelegen, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Zeugen aus dem engsten persönlichen Umfeld Mixas sprächen darin von Mixa „als schwer alkoholkranken Mann“. Andere Zeugen schilderten homosexuelle Übergriffe des Bischofs in seiner Zeit als Stadtpfarrer, der „am Morgen danach erst zur Beichte ging, ehe er wieder die Messe zelebrierte“, heißt es in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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Evolutionäre Entwicklungsbiologie (Evo-Devo)

Von Martin NeukammAG EvoBio

Die grundlegenden Irrtümer der Studiengemeinschaft ‘Wort und Wissen’

Im Buch „Evolution im Fadenkreuz des Kreationismus“ (Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2009. ISBN 978-3-525-56941-2) befasst sich ein Kapitel mit dem Thema „Evolutionäre Entwicklungsbiologie“ (kurz: Evo-Devo) – eine neuere Disziplin, die Prozesse in der Embryonalentwicklung sowie den Einfluss der daran beteiligten Gene untersucht, um zu verstehen, wie neue Merkmale in der Evolution entstehen. Wie nicht anders zu erwarten, hat die evangelikale Vereinigung Wort und Wissen (W+W) darauf reagiert und es kritisiert. Dabei wird der Eindruck erweckt, Evo-Devo präsentiere über keinerlei Mechanismen zur Erklärung der so titulierten „Makroevolution“, sondern nur „Ideen“ und vage Vorstellungen.

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Der Staat: Fahne und Kreuz!

Der Staat als Verkünder höchster Gewissheiten: Auf dem Schulhof die Fahne - und im Klassenzimmer das Kreuz?

Na, na, na, Herr Safranski!

Vor einem Jahr ist Ralf Dahrendorf gestorben. Die Naumann-Stiftung will zu seinem Andenken alle zwei Jahre eine Debatte abhalten. Den Auftakt machte ein Streit über den Islam und das Grundgesetz mit Necla Kelek und FDP-Generalsekretär Christian Lindner.

Von Patrick BahnersFAZ.NET

Woran ist die Verwestlichung der politischen Kultur Deutschlands abzulesen, die als Lebensleistung der Generation Ralf Dahrendorfs gilt? Unter den Verschiebungen des politischen Vokabulars fällt die Abrüstung des sittlichen Staates ins Auge. Sozialwissenschaftler, die wie der 1929 geborene Dahrendorf nach dem Krieg in England und Amerika studierten, kappten die Verbindung der Staatslehre zu Metaphysik und Theologie, die auch für den Liberalismus in Deutschland charakteristisch gewesen war. Als Essenz „angelsächsischer“ Liberalität galt nun, unter Ausblendung der Idealismusrezeption in der englischsprachigen Welt, ein Staatsverständnis, das die Funktionalität von Normen und Regeln betonte, das Vorläufige, Pragmatische und Äußerliche rechtlicher Setzungen und Vereinbarungen.

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Work-Life Balance und Gender

Sonntag genießen (Leon Wyczółkowski 1852-1936)

Genießen oder Hausarbeit angesagt? (Public Domain)

scienceblogs.com/thusspakezuska (Suzanne E Franks)

Work-life balance: people have been talking about it.

Wait, that’s not right. Women have been talking about it. And have been talked at about it, by some people. Doc Free-Ride has a good round-up of a most recent skirmish of opinions on the topic in the sciencey blogosphere. If you have not been following this, please do give Doc Free-Ride’s post a read.

Where to begin?

Science Careers says all you married ladies with kids should hire housekeepers. And get over it already, will you?

Last year, when Carol Greider, a molecular biologist at Johns Hopkins University School of Medicine, learned that she had won the Nobel Prize in Physiology or Medicine, she was folding the laundry. It was a seemingly trivial detail, unrelated to her science, but it got plenty of play in the press. „Is it true that you were doing laundry when you got that early morning call from Stockholm?“ The New York Times interviewer asked the Nobel laureate in a conversational Q&A. That opening question underscored the fact that women researchers — even the nation’s top women — have domestic responsibilities.

No, I don’t think so. It underscores the fact that the media feel an overwhelming tingly urge they can’t resist to portray scientists who are women as DON’T WORRY THEY’RE WOMEN!! THEY DO HOUSEHOLD CHORES! AND ARE STILL PRETTY! NOT THREATENING TO THE NATION’S MASCULINITY, AT ALL!!!!!!!! ahhhhh! yeah! that’s better.

Anyway, Science Careers is urging you – yes, you, little lady! – to hire yourself a housekeeper. „No doubt some women scientists put a high priority on housework, but they are almost certainly few. For the rest, it might make sense to employ a maid, or whatever you call the male equivalent, to help with the housework.“ Maybe you don’t put a priority on housework, but the world does, and will surely judge you as a failure if your house is dirty, or laundry unfolded, no matter what prize you win. The important thing is, your Nigel is off working as if he has a wife at home to take care of the housework, and if you want to succeed in science, that’s the model you are going to have to adopt. So you’d best hire yourself a wife sooner rather than later. And yes, it’s on your shoulders, because just as the housework is your responsibility, so too is the outsourcing of it. You can’t expect Nigel to help with that, either. No point in trying to critique any of that, or even in trying to talk to Nigel about it.

Well, this incredibly positive message was not universally welcomed. Resulting in a Very Special Message To You Whiny Bitchez For Men, about how I Really Thought All This Was So Obvious I Didn’t Have To Bother Saying Any Of It But Since You Nagged Me Into It, Here’s A Blog Post With A Non-Pology In Which I Explain How I Totes Get Everything About Gender.

„Special“ messages for men, in my opinion, mean something like this: In the normal course of events, you would not have to divert your manly attention from important topics to something so trivial as work-life balance, with all its estrogenic whiff. But on this very special occasion, when the little misses have got their knickers all in a knot, perhaps we can, in our manly magnitude, agree that it might be nice to at least look as if we thought this issue had something to do with us.

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Die UNO in der biblischen Prophetie

Eine russische Ikone des Propheten Daniel, der eine Schriftrolle mit seiner Prophetie hält und auf den „ungebrochenen Berg“. (Dan 2, 34-35 ELB). Aus dem 18ten Jahrhundert. Quelle: wikipedia

Bei manchen esoterischen oder wissenschaftskritischen oder kreationistischen Texten kann man sich nur noch fassungslos fragen, in welcher Welt die Autoren leben. Der Text „Die UNO in der biblischen Prophetie“ (progenesis.ch), in dem die Worte des alttestamentarischen Propheten Daniel auf die Welt in heutiger Zeit angewendet wird, ist ein solcher, und man kann ihn lesen als Zeugnis dafür, was mit Menschen geschieht, die aufgrund fundamentalistisch-dogmatischen Denkens den Realitätsbezug verloren haben.

Prof. Dr. Andreas BeyerFachhochschule Gelsenkirchen

„Progenesis“ gibt sich mit diesem Text (und mit etlichen anderen) unmissverständlich als Teil des protestantischen, bibel-fundamentalistischen Milieus zu erkennen, das sich von den USA kommend in Europa ausbreitet. Das im Auge zu haben ist wichtig, weil der Verein auch beansprucht, wissenschaftliche Argumente gegen die Evolutionstheorie ins Feld führen zu können. Wie wenig es um Wissenschaft geht, und wie sehr um die Verbreitung der bibel-fundamentalistischen Ideologie, beweist hier der Umgang mit dem alttestamentlichen Buch Daniel.

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Fraktionsdisziplin statt Gewissen?

Grundgesetz

Quelle: abgeordnetenwatch.de

Was bedeutet Demokratie in Deutschland? Nicht was wir immer dachten – dass sie gut etabliert vorhanden und wie sie sei. Der Parlamentarismus birgt unangenehme Überraschungen.

Obwohl ich den Begriff „Fraktionsdisziplin“ natürlich schon häufig gehört habe, habe ich mir immer was Logischeres, Netteres, Nachvollziehbareres darunter vorgestellt.  Ohnehin ist das Wort ein grauenhafter Euphemismus (auf Deutsch: Schönfärberei) für FraktionsZWANG. Wer nicht kuscht und gemäß Vorgaben von oben abstimmt, der wird mit Entziehen der Aufstellung zur nächsten Wahl abgestraft. Freiheit des Mandats – bleibt im Halse stecken.

Kein Wunder also auch – angesichts dieser manipultiven Tatsachen – dass die Bundestagsverwaltung einen seit Jahren immer weiter ausgeweiteten PR-Etat besitzt. Auf allen möglichen Regional-Wirtschaftsmessen sind sie mit einem großzügig bemessenen eigenen Messestand vertreten. Ihre Glaubwürdigkeit wird dadurch aber keineswegs gewachsen sein.  Die Messe-Präsentation ist bieder und rundherausgesagt stinklangweilig! Das gilt aber für die im folgenden dokumentierte Info keineswegs.

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Unding muslimischer Humanismus?

Mouhanad Khorchide, Professor für Islampädagogik Uni Münster (Bild: WWU - privat)

Mouhanad Khorchide, Professor für Islampädagogik Uni Münster (Bild: WWU - privat)

DeutschlandRadio Kultur

Mouhanad Khorchide: Der Islam ist keine Gesetzesreligion

(Der neu berufene Professor für islamische Religionspädagogik an der Universität Münster) Mouhanad Khorchide betont den spirituellen Charakter des Islam: „Die Religionen sind da, um die Menschlichkeit in uns hervorzuheben“, sagt der Professor für islamische Religionspädagogik. Weil viele Muslime aber den Islam wie ein juristisches Schema auffassten, sähen sie sich „teilweise im Widerspruch zum Rechtsstaat“.

König: Sie wurden geboren als Sohn palästinensischer Flüchtlinge in Beirut, wuchsen in Saudi-Arabien auf, haben in Österreich Islamwissenschaft und Soziologie studiert, haben auch einen theologischen Abschluss an einem sunnitischen Institut in Beirut gemacht. Sie haben also verschiedene Lesarten des Islam selber miterlebt. Was für eine Vorstellung, was für eine Überzeugung vom Islam haben Sie dabei für sich selber gefunden?

Khorchide: Sehr zentral, dass der Islam keine Gesetzesreligion ist, also, das ist ein zentraler Punkt für mich, weil viele Muslime fassen den Islam so auf, als eine Gesetzesreligion. Es geht nur um Erlaubtes und Verbotenes, es geht nur um Gesetze, die man einfach befolgen soll, sich daran halten soll und es geht am Ende nur darum, ja nicht in die Hölle zu gehen, sondern ins Paradies. Ich glaube, der Islam ist viel mehr als nur Gesetze. Es geht erstens um Spiritualität, um eine Beziehung zu Gott aufzubauen, die auf Liebe, auf Warmherzigkeit basiert, und diese Liebe und Warmherzigkeit muss sich dann widerspiegeln im Handeln des Einzelnen seinen Mitmenschen gegenüber. Auf der anderen Seite geht es auch um Ethik, ethisches Verhalten. Das sind die zentralen Punkte für mich, im Islam genauso wie in jeder anderen Religion, diese spirituelle Dimension, diese ethische Dimension jenseits von Gesetzen.

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