
Quelle: commonsensatheism.com
Der Biologe und Schriftsteller Richard Dawkins über sein Buch „Die Schöpfungslüge“, eine gefährdete Bildung und abergläubische Politiker
freiepresse.de
Freie Presse: Herr Dawkins, warum hat es die Evolutionstheorie so schwer?
Richard Dawkins: Ernst Meyer*, einer der Väter des Neodarwinismus, schlägt als Erklärung den Essenzialismus vor. Das ist die Vorstellung, dass alle reellen Dinge nur fehlerhafte Annäherungen an perfekte ideelle Vorlagen sind. Jedes wirklich gezeichnete Dreieck ist nicht perfekt, stellt also eine quasi „fehlerhafte“ Variante des idealen Dreiecks dar. So kann man sich aber die Tier- und Pflanzenwelt nicht vorstellen: In Wahrheit sind beispielsweise alle lebenden Kaninchen eigene, gültige Wesen, die sich mit der Zeit ändern. Sie sind keine unperfekten Versionen eines Ideal-Kaninchens. Das ist eine Erklärung dafür, warum Evolution so schwer zu fassen ist. Ich bin allerdings nicht ganz so überzeugt von dieser Idee. Ich denke, Menschen sind generell sehr beeindruckt von der schieren Komplexität der lebenden Welt. Weil nun aber viele komplexen Dinge wie Fernseher oder Handys selbstverständlich einen Designer haben, denken sie naiverweise, dass alles, was komplex ist, einen Designer haben muss. Es brauchte erst einen Darwin um zu begreifen, dass das nicht der Fall sein muss.
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