
Michael Schmidt-Salomon, Bild: Brightsblog
Sind AtheistInnen die besseren Menschen?
Dass „gute ChristInnen“ nicht unbedingt auch „gute Menschen“ sind, ist kein Geheimnis. Gerade diejenigen, die sich besonders stark um eine buchstabengetreue Umsetzung der biblischen Botschaft bemühen, sind selten in der Lage, tolerant und liebevoll auf ihre (oft andersgläubigen) Mitmenschen zuzugehen. Auch die rigorosen Verfechter des Korans und der Thora fallen nicht unbedingt durch ihre grenzenlose Nächstenliebe auf. Selbst der ewig lächelnde Dalai Lama hat – glaubt man den Darlegungen der in der letzten Zeit sich mehrenden Buddhismuskritiker – so manche Leiche im Keller.
Von Michael Schmidt-Salomon
Im Wettstreit um den ultimativen „Gutmenschen-Status“ scheinen die Atheisten dank der Disqualifizierung ihrer religiösen Kontrahenten also auf den ersten Blick gute Karten zu besitzen. Doch sind Atheisten wirklich die „besseren Menschen“, wie so mancher Konfessionslose glaubt? Oder handelt es sich hierbei nur um eine selbstwertdienliche Wahrnehmungsverzerrung? Wäre eine Menschheit, die sich von den jenseitigen Verheißungen der Weltreligionen losgesagt hat, wirklich eine geläuterte, eine bessere Menschheit? Werfen wir, um diese Frage beantworten zu können, einen Blick auf die in konfessionslosen Kreisen gern übersehenen (1) dunklen Seiten der Religionskritik.
Die Kriminalgeschichte des Atheismus
Es gibt sicherlich nicht wenige AtheistInnen, die die „moralische Überlegenheit“ ihres Denkansatzes mit einem schlichten Verweis auf Deschners „Kriminalgeschichte des Christentums“ begründen. Doch: So richtig es auch ist, die frohe Botschaft des Christentums an ihren wenig erfreulichen Früchten zu messen, ein solcher Schuss kann durchaus nach hinten losgehen: Viele AtheistInnen übersehen nämlich allzu gerne, dass zahlreiche „Staatsatheisten“ in der Vergangenheit kaum ein besseres Bild abgaben als z.B. der Initiator des ersten Kreuzzugs, Papst Urban II.
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