AFP
Nach der Serie von Anschlägen auf nigerianische Christen an den Weihnachtstagen hat Unionsfraktionschef Volker Kauder eine klare Reaktion der Muslime auf Christenverfolgung in vielen Ländern gefordert. Kauder kündigte im Deutschlandfunk zudem eine Reise in das afrikanische Land im kommenden Jahr an. Bei einem Bombenanschlag auf eine Koranschule im Süden Nigerias wurden mindestens sieben Menschen verletzt.
Der Islam dürfe nicht schweigen, sondern müsse sich überall in der Welt als eine friedfertige Religion darstellen, sagte Kauder im Deutschlandfunk. Der CDU-Politiker kündigte an, sich im neuen Jahr in Nigeria selbst ein Bild zu machen. Auch werde er sich dafür einsetzen, dass das Thema Christenverfolgung sowohl von der UN-Vollversammlung als auch vom Europarat behandelt werde. Im Gespräch mit den Mittwochszeitungen der WAZ-Gruppe verwies Kauder auch auf die schwierige Lage der Christen im Irak und im indischen Bundesstaat Orissan.
Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) sprach sich im „Tagesspiegel“ gegen religiöse Interpretationen der Gewalttaten aus. Man solle lieber fragen, wem diese Angriffe auf Kirchen in Nigeria nutzten, sagte der ZMD-Vorsitzende Aiman Mazyek. Sie nutzten nicht dem Islam, sondern jenen, die kein Interesse an der Stabilität des ölreichen Landes hätten.
Nach der Anschlagsserie an den Weihnachtstagen hat der Präsident der Vereinigung der Christen Nigerias, Ayo Oritsejafor, im Falle erneuter Anschläge eine „angemessenen Antwort“ angekündigt. „Die christliche Gemeinschaft auf nationaler Ebene wird keine andere Wahl haben, als auf angemessene Weise zu antworten, wenn es weitere Angriffe auf unsere Mitglieder, unsere Kirchen und unseren Besitz gibt“, sagte Oritsejafor am Mittwoch kurz vor einem Treffen mit Staatspräsident Goodluck Jonathan.

Quelle: DERWESTEN
Freiwilliges Gemeindegeld soll Arbeit der Protestanten vor Ort unterstützen. Ev. Kirchenkreis verzeichnet positive Resonanz.
Im Ev. Kirchenkreis Hattingen-Witten sinkt die Zahl der Gemeindeglieder. Die Höhe der Zuweisungen an die Gemeinden dagegen steigt, ist aber begrenzt. Um Finanzlücken auszugleichen, wurde ein freiwilliges Gemeindegeld beschlossen. Das Wunder ist: Es funktioniert.
Kirchenstatistiken zufolge zahlt in beiden großen Konfessionen nur noch knapp ein Drittel der Mitglieder Kirchensteuern. Keine Abgaben müssen beispielsweise Hausfrauen, Rentner, Arbeitslose, Schüler oder Studenten entrichten – wer keine Steuern zahlt, zahlt auch keine Kirchensteuer. Von diesen Gemeindegliedern hat der Kirchenkreis ein freiwilliges Gemeindegeld erbeten – die Höhe bleibt jedem selbst überlassen.
Schwangere Frau (Bild: Stock.XCHNG / Elliott McFadden)
Bundesfamilienministerin Kristina Schröder möchte die künstliche Befruchtung stärker finanziell fördern. Doch auch aus den Reihen der Union kommt Kritik – unter anderem, weil die christlichen Kirchen der künstlichen Befruchtung skeptisch gegenüberstehen. In der Theologie wird das Thema kontrovers diskutiert.
Von Rainer Brandes – Deutschlandfunk
Die lehramtliche Meinung der katholischen Kirche ist eindeutig. Sie lehnt jede Form der künstlichen Befruchtung bei Menschen ab. Die Grundlagen dieser Lehre finden sich in der Instruktion „Donum Vitae“. Diese lehramtliche Erklärung hat die Glaubenskongregation des Vatikans 1987 herausgegeben. Ihr damaliger Vorsitzender war Kardinal Joseph Ratzinger, der heutige Papst Benedikt der Sechzehnte. Kerngedanke des Dokumentes ist die Einheit von sexueller Liebe und Zeugung, erklärt der Freiburger katholische Moraltheologe Eberhard Schockenhoff.
„Die katholische Kirche geht in ihren Lehräußerungen davon aus, dass die Liebe der Eltern und das sexuelle Zusammensein der Eltern und die Zeugung eines Kindes zusammengehören, weil nur auf diese Weise gewährleistet sei, dass das Kind auch tatsächlich als Frucht der Liebe, als Geschenk der Liebe der Eltern und nicht als Produkt eines technisch-medizinischen Eingriffes dann zur Welt kommen kann.“
Demnach äußert sich die Liebe Gottes in der körperlichen Liebe von Mann und Frau. Diese strikte Ablehnung der künstlichen Befruchtung unter Berufung auf die Einheit von Liebe und Sexualität stößt allerdings auch innerhalb der katholischen Kirche auf Kritik, vor allem bei gläubigen Ehepaaren, die auf natürliche Weise keine Kinder bekommen können.
Papst Benedikt XVI. hält seine Rede im Deutschen Bundestag - sein Auftritt dort war nicht unumstritten. (Bild: AP / Markus Schreiber)
Von Gottfried Bohl – Deutschlandfunk
Nach den Missbrauchsfällen von 2010 ging es 2011 für die Kirchen vor allem um die Rückgewinnung ihrer Glaubwürdigkeit. Der Papst kam nach Deutschland und sprach erstmals vor dem Parlament – und Muslime beruhigten christliche Gemüter.
Bischof Franz Josef Bode: „Ich meine, es wäre ein sehr spannendes Jahr gewesen. Es stand ja sehr im Zeichen der Aufarbeitung der Erschütterung des Jahres vorher. Wir haben den Dialogprozess angefangen und wir haben den Papstbesuch erlebt, der viele, viele Menschen ermutigt hat zum Glauben, aber auch zum Nachdenken über viele Fragen.“
Die katholische Kirche in Deutschland blickt zurück auf ein ereignisreiches Jahr, berichtet der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode. Nach der Missbrauchskrise 2010 ging es 2011 zunächst einmal darum, neue Glaubwürdigkeit zu gewinnen. Es gab Gesten der Reue, schärfere Regeln zur Prävention, wissenschaftliche Untersuchungen der Missbrauchsfälle und auch Zahlungen an Opfer. Gänzlich überwunden ist das Trauma damit natürlich noch lange nicht, räumt der Münchner Kardinal Reinhard Marx ein:
„Das ist nicht einfach erledigt durch ein paar schöne Worte. Das ist klar, das ist ein langer Prozess. Deswegen braucht man weiterhin Dialogmöglichkeiten und Wege – sowohl im eigenen Bistum wie auch in der Kirche in Deutschland, in der katholischen Kirche in Deutschland. Das ist immer wieder ein mühsamer Weg.“

«Wir haben akzeptiert, dass die Politiker vor den Finanzmärkten eingeknickt sind»: Der Philosoph David Richard Precht. Bild: AFP
Richard David Precht, Philosoph und Bestsellerautor, sieht in der Ausdünnung des Mittelstandes eine grosse Gefahr für unsere Gesellschaften.
Von Guido Kalberer – Tages Anzeiger
Was sind aus Ihrer Sicht die grossen Fragen 2012?
Der Sprengstoff liegt heute darin, dass unser System zwar legal ist, aber an Legitimität eingebüsst hat. Die Finanzkrise bedroht viel mehr als nur die Wirtschaft. Die Macht der Banken entstand seinerzeit dadurch, dass wir bereit waren, in den fetten Jahren Macht an sie zu delegieren. Wir haben akzeptiert, dass unsere Politiker vor den Finanzmärkten eingeknickt sind, weil die Banken mit Abwanderung drohten. Das wird sich nicht mehr wiederholen. Heute ist das Ganze sehr fragil geworden. Dabei haben wir vorderhand noch das Glück, dass in keinem westeuropäischen Land die Leute kollektiv ihre Spareinlagen verloren haben. Wenn das passieren sollte, wird es enormen politischen Unmut geben. Die entscheidende Frage wird sein, ob dieser Unmut genutzt wird, um das System demokratischer zu gestalten oder um Populisten an die Macht zu bringen.

dpa
In der Bethlehemer Geburtskirche sind Priester zweier orthodoxer Konfessionen aufeinander losgegangen.
Der Friede des Herrn war nicht mit ihnen. Auch vom heiligen Geist scheint so mancher Priester der griechisch-orthodoxen sowie der armenisch-orthodoxen Kirche in Bethlehem nicht gerade erleuchtet zu sein.
Während eines Kirchenputzes in der Bethlehemer Geburtskirche droschen Gottesmänner beider Konfessionen mit Besenstielen aufeinander ein. Palästinensische Sicherheitskräfte mussten die aufgebrachten Kutten-Krieger trennen.
Beide Gruppen warfen sich gegenseitig vor, die Priester der jeweils anderen Konfession seien in ihren Bereich eingedrungen. Die beiden orthodoxen Kirchen teilen sich die Kirche über der Grotte, in der Jesus Christus geboren sein soll, mit der katholischen Kirche. Die Bereiche sind genau aufgeteilt und werden eifersüchtig von den Priestern gehütet.

Kirchen in Sambia setzen fragwürdige Prioritäten Bild: Jun Acullador / flickr / cc by-nd 2.0
Im bitterarmen Sambia fordern die katholische und evangelische Kirche, dass der Staat lieber auf westliche Entwicklungshilfe verzichten solle als auf die Verfolgung von Schwulen und Lesben.
Wie der „Catholic News Service“ meldet, haben sich neben der katholischen Kirche auch die Anglikaner und evangelikale Kirchen dagegen ausgesprochen, die Gesetzgebung gegenüber sexuellen Minderheiten – wie von westlichen Ländern gefordert – zu lockern. Anlass für die harsche Reaktion der Kirchen war eine Anfang Dezember gestartete Initiative der USA, mit der weltweit Homo-Rechte gefördert werden sollen (queer.de berichtete). Auch europäische Länder haben angekündigt, ihre Entwicklungshilfe an die Einhaltung von Menschenrechten für Schwule und Lesben zu koppeln.
Offene Kritik am Papst ist selten – gerade in Italien. Doch der angesehene Vatikan-Experten Politi findet in seiner gerade erschienenen kritischen Papst-Bilanz klare Worte. Er nennt Benedikt XV. einen „sanften Spalter“, der ständig neue Konflikte schaffe und Antworten schuldig bleibe.
Von Tilmann Kleinjung – ARD-Hörfunkstudio Rom
„Es hat in Benedikts Amtszeit so viele Krisen gegeben wie selten zuvor in der Kirchengeschichte“, sagt der Vatikanexperte Marco Politi. Der Journalist, der 20 Jahre für die italienische Tageszeitung „La Repubblica“ aus dem Vatikan berichtete, hat in Italien ein Buch über die aus seiner Sicht glücklose Amtsführung Benedikts XVI. veröffentlicht. Der Titel: „Joseph Ratzinger: Krise eines Pontifikats“ (auf italienisch:“Crisi di un papato“). Bestes Beispiel dafür sei die Deutschlandreise des Papstes im Herbst. Auf die Sorgen und Bedürfnisse der Menschen sei Benedikt nicht eingegangen. „Es war ein einziger Monolog.“
So etwas gibt es selten in Italien: offene Kritik am Papst. Vielleicht liegt es an seiner engen Beziehung nach Deutschland, dass Politi sich traut, von der „Krise eines Pontifikats“ zu schreiben. Der 64-Jährige hat eine deutsche Mutter und ist einige Jahre in München zur Schule gegangen. Mit dem Papst verbinden ihn seine Muttersprache und das letzte Interview vor der Papstwahl, das Kardinal Ratzinger ausgerechnet Politi gab. Er habe Ratzinger damals als freundlichen, zugewandten Gesprächspartner erlebt, aber bestimmt in seinen Auffassungen. „Er ist ein sanfter Spalter“, sagt Politi über Ratzinger. „In Italien ist die Hälfte der Katholiken nicht mit ihm einverstanden. Das wollte ich in meinem Buch erklären.“

Symbolfoto (Gedenkveranstaltung gegen Gewalt und Rassismus im historischen Sitzungssaal des Wiener Parlaments im Mai 2011); Bild: Wiener Zeitung
Politparolen wie „Daham statt Islam“, Brandreden gegen eine „muslimische Mehrheit“ sowie alltägliche Abwertungen und Klischeedarstellungen von MigrantInnen in Medien zeugen von einer fremdenfeindlichen Grundstimmung in Österreich, die rassistischen Diskriminierungen Vorschub leisten und damit alltagstauglich machen.
Wie ist es möglich, dass in Österreich rassistische Denk- und Handlungsweisen auch von der Politik legitimiert werden und dass Rechtsextremismus, Populismus und Rassismus ineinander greifen, sich gegenseitig verstärken und dadurch untrennbar sind? Darüber diskutieren im Rahmen des ZARA:Talk die Journalistin Corinna Milborn, Karl Öllinger, (Plattform „stoppt die rechten“, und Nationalratsabgeordneter Die Grünen) sowie Univ. Prof. Mag. Dr. Reinhold Gärtner von der Universität Innsbruck.
Der ZARA:Talk findet am Montag, dem 23. Jänner 2012, um 19:00 Uhr in der Hauptbücherei am Gürtel, Urban-Loritz-Platz 2a, 1070 Wien, statt.
Das Gespräch wird außerdem aufgezeichnet und zu einem späteren Zeitpunkt auf dem Community-Sender Okto ausgestrahlt. Zusätzlich ist er über die Internetplattform http://www.ichmachpolitik.at als Video abrufbar.

idea.de:Verwüstung nach einem Bombenanschlag auf eine Kirche in Kirkuk. Foto: dpa
Die Anschläge auf Kirchen in Nigeria am ersten Weihnachtsfeiertag haben das Schicksal verfolgter Christen in vielen Ländern der Welt erneut in den Fokus der Weltöffentlichkeit gerückt. Mit am härtesten trifft es die Christen im Irak, die dort seit fast 2.000 Jahren zuhause sind.
Schätzungen zufolge ist höchstens die Hälfte der beim Einmarsch der USA und ihrer Verbündeten im Jahr 2003 im Land lebenden eine Million Christen geblieben. Der Grund: Islamische Terroristen wollen den Irak von Christen „säubern“. Als Folge hat eine Fluchtwelle ins Ausland und in das nordirakische Kurdengebiet eingesetzt, wo Christen vor Übergriffen besser geschützt sind. Einem Bericht des ARD-Hörfunkstudios Amman (Jordanien) zufolge sind gegenwärtig zwei Millionen der insgesamt 29 Millionen Iraker im eigenen Land auf der Flucht.

Tausende Israelis protestieren in Beit Schemesch bei Jerusalem gegen religiösen Fanatismus und Geschlechtertrennung.© Menahem Kahana/AFP/Getty Images
In Israel haben mehrere Tausend Menschen gegen den Fanatismus ultraorthodoxer Juden protestiert. Sie wollen sich nicht deren Lebensstil aufzwingen lassen.
Mehrere Tausend Israelis haben in der Stadt Beit Schemesch bei Jerusalem gegen religiösen Fanatismus demonstriert. Menschenrechtsgruppen hatten zu der Kundgebung in der Stadt, in der viele ultraorthodoxe Juden leben, aufgerufen. Auch Staatschef Schimon Peres hatte seine Landsleute aufgefordert, sich an der Demonstration zu beteiligen.
Die Demonstranten trugen Schilder mit den Aufschriften „Befreit Israel von religiösem Zwang“ und „Bewahrt Israel davor, zu Iran zu werden“. Auslöser für die Proteste ist unter anderem der eskalierende Streit um die von ultraorthodoxen Juden geforderte Geschlechtertrennung in der Öffentlichkeit.

Stets mit dem wichtigsten Element des Sieges gefeiert: einem ganz himmlischen Glas Champagner. Bild: reuters
Elementarteilchenforschung: Ein tolles Jahr mit dem Europäischen Kernforschungszentrum Cern neigt sich dem glücklichen Ende zu.
Von Kriki – taz
Rechtzeitig zum Jahreswechsel machen die verrückten Wissenschaftler vom Cern wieder auf sich aufmerksam. Cern – das ist diese Riesenforschungsanlage bei Meyrin im Schweizer Kanton Genf, die manche für den nächsten Weltuntergang verantwortlich machen, weil dort Elementarteilchen aufeinandergejagt werden.
Und dabei ist es passiert: Stellt euch vor, sie haben dort das Gottesteilchen gesehen, das flüchtige Higgs-Boson. Na gut, „gesehen“ ist eher im übertragenen Sinne zu verstehen, aber man kann mit „etwa 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit sagen, dass das Higgs-Boson existiert“, konstatiert die taz.
Die skeptischere Spiegel-Online-Redaktion sprach nur von einer 95-prozentigen Wahrscheinlichkeit, aber das ist ja auch schon unwahrscheinlich wahrscheinlich. Als richtiger Beweis gilt in der Physik aber erst eine Wahrscheinlichkeit ab 99,9999 Prozent. Früher war für einen Beweis noch die 100-Prozent-Wahrscheinlichkeit erforderlich, aber beim letzten physikalischen Konzil wurden die Grenzen etwas gelockert.

Rüdiger Lohlker, wienerzeitung.at
Von Stefan Beig – Wiener Zeitung
Im Westen gilt „Scharia“ als Schreckgespenst. Doch was bedeutet der Begriff?
Rüdiger Lohlker: Es gibt mehrere Bedeutungen. Das islamische Recht im ältesten Sinn meint die Auseinandersetzung der Rechtsgelehrten mit der Beurteilung der menschlichen Handlungen durch Gott. Da wir nicht genau wissen, was Gott im Sinn hat, müssen wir versuchen, es zu verstehen. Eine andere Bedeutung hat Scharia, wenn sie als Parole verwendet wird, um islamisches Recht einzuführen.
Scharia hat für Muslime auch eine rein lebenspraktische Bedeutung?
Ja. Natürlich kann man auch Scharia als Vorstellung des richtigen Lebens enger und weiter sehen. Entweder bleibt man eng am Buchtstaben, um zu bestimmen, was erlaubt und was verboten ist, oder man sucht auch den Geist hinter dem Buchstaben.
Das Weihnachtsfest bietet nach Ansicht der traditionalistischen Piusbruderschaft „treffliche Anknüpfungspunkte“ für einen neuen Dialog mit dem Islam. Auch der Koran erwähne die Jungfrauengeburt Mariens und die Existenz Jesu, sagte der deutsche Distriktobere der Gemeinschaft, Franz Schmidberger, bei seiner Weihnachtsansprache in Stuttgart.
Eine wesentliche Differenz zwischen Islam und katholischer Kirche liege allerdings im Gottesbegriff, betonte der Distriktobere. Der Islam schließe eine Gottessohnschaft Jesu aus: „Deshalb kennt der Islam auch das Weihnachtsgeheimnis nicht, denn wenn Gott nicht dreifaltig ist, dann kann das Kind in Bethlehem auch nicht die menschgewordene, zweite Person sein“, so Schmidberger. Genau diese „klare Unterscheidung“ eröffne aber eine „hervorragende Gelegenheit, den Diskurs mit dem Islam einzuleiten“.

Zeichnung der Schlacht bei den Thermopylen, ©Hulton Archive
Steven Pinkers optimistisches Buch „Gewalt“ behauptet, die Welt sei friedlicher geworden. Aber hat der Mensch tatsächlich gelernt, sich selbst zu kontrollieren?
Von Eva Illouz – ZEIT ONLINE
An Steven Pinkers wuchtigem neuen Buch Gewalt gibt es vieles zu bewundern. Zum einen wird seine zentrale These, der zufolge wir aufgrund eines Rückgangs der Gewalt in besseren Zeiten leben als je zuvor, in ihrer Gewagtheit Konservative wie postmoderne Untergangsapostel gleichermaßen ärgern.
Dass jemand so unerschütterlich wie unmissverständlich an der Idee des moralischen Fortschritts festhält, ist zwar nicht neu. Erfrischend unmodisch aber ist es allemal. Hinzu kommt, dass uns das Buch auf eine atemberaubende Bildungsreise mitnimmt, durch Moralphilosophie, Geschichte, Statistik, Soziologie, Anthropologie, Neurowissenschaften, Evolutionsbiologie, Kognitionspsychologie und Spieltheorie. Alle diese Disziplinen werden mit leichter Hand ins Feld geführt, um zu beweisen, dass Ihr und mein Risiko, durch die Gewalttat eines Fremden oder Nachbarn ums Leben zu kommen, aufgrund beträchtlicher Veränderungen unserer Denk- und Gefühlsmuster erheblich gesunken ist.
Ronald Dworkin (2008), Foto: wikipedia
Wenn der US-Rechtsphilosoph Ronald Dworkin von Religion spricht, versteht er darunter nicht einen Glauben an einen Gott, sondern ein offenes Nachdenken über die Bedeutung des Lebens. Jeder sei zwar frei, an einen Gott zu glauben, aber keiner könne behaupten, dass sein Glaube der richtige sei, lautet Dworkins Botschaft der Toleranz.
Von Stefan von Bergen – Berner Zeitung
Herr Dworkin, feiern Sie eigentlich Weihnachten?
Ronald Dworkin: Ja. Meine Frau hat ein Haus auf dem Land, in dem sich an Weihnachten die ganze Familie trifft.
Sie verfechten die Ansicht, eine Religion brauche keinen Gott. Warum feiern Sie dann den Tag, an dem Gottes Sohn geboren wurde?
Wenn Sie im Winter mit ihrer Familie feiern wollen, ist Weihnachten dafür offenbar ein geeigneter Tag. Ich weiss, dass Weihnachten als religiöses Datum behandelt wird, aber für mich und viele andere ist es das nicht.
Was bleibt von Weihnachten ohne seine religiöse Bedeutung? Dann ist sie doch bloss noch ein entweihtes, kommerzielles Event.
Nein, sie wurde durch eine gesellschaftliche Konvention als Familientag auserkoren. Weihnachten hat sich vom religiösen Hintergrund gelöst. Gerade Weihnachten zeigt, dass man auch ohne Gott religiös sein kann. Denn religiös zu sein heisst auch, seine Aufmerksamkeit auf die grossen Fragen des Lebens zu lenken….

Bei seinem letzten Besuch in Deutschland hat Papst Benedikt XVI. klar gemacht, dass Frauen in der katholischen Kirche keine Ämter übernehmen sollen
Papst Benedikt XVI. hat in seiner Weihnachtsbotschaft zu Versöhnung und Frieden in der Welt aufgerufen. Einen besonderen Blick widmete er den Regionen im Nahen Osten und Afrika, sowie dem südostasiatischen Staat Birma.
Für Benedikt XVI. ist es bereits das siebte Weihnachtsfest als Papst – und zehntausende Gläubige waren am Sonntagvormittag (25.12.2011) auf den Petersplatz gekommen, um dabei zu sein, wenn der inzwischen 84-Jährige von der Loggia des Petersdoms aus wieder seine Weihnachtsbotschaft verkündet. Darin mahnte das Oberhaupt der katholischen Kirche dringend, die Friedensverhandlungen in Israel wieder aufzunehmen.
Eindringlich forderte er ein Ende der Gewalt in Syrien, „wo schon so viel Blut vergossen worden ist“. Im Hinblick auf die weiteren Revolten in der arabischen Welt bat Benedikt XVI. um „neue Kraft beim Aufbau des Allgemeinwohls“. Er würdigte zudem die demokratischen Entwicklungen im südostasiatischen Birma (Myanmar). Dort müssten Dialog und Zusammenarbeit zu „gemeinsamen Lösungen“ führen. Mit Blick auf die anhaltenden Konflikte in Afrika äußerte sich der Papst besorgt über mangelnde Stabilität.

Der ICF (International Christian Fellowship) spricht vor allem junge Leute an. (icf-biel.ch)
Die evangelikalen Kirchen ziehen jeden Sonntag zweimal so viele Gläubige an wie die traditionellen protestantischen Gotteshäuser. Olivier Favre, Soziologe und Pastor einer Neuenburger Freikirche, analysiert den Mechanismus dieses globalen Erfolgs.
Von Samuel Jaberg – swissinfo.ch
Am Anfang des 20. Jahrhunderts waren es 52 Millionen, heute sind es fast eine halbe Milliarde: In einem Jahrhundert haben die Evangelikalen die Welt erobert. Und ihr fulminanter Aufschwung dürfte nicht so bald zu Ende gehen.
Die Begeisterung ist universell und wirft einen Schatten auf die traditionellen Kirchen auf allen Kontinenten. Die Evangelikalen öffnen dem Christentum aber auch neue Horizonte. Die Zahl der konvertierten Chinesen der letzten Jahre beläuft sich schätzungsweise auf knapp 100 Millionen.
Nichts bringt christliche Fundamentalisten mehr auf die Palme als Homosexualität. Woher diese Homophobie kommt (in der Bibel steht nichts davon) ist rätselhaft. Trotzdem: Homosexualität ist eine Krankheit, die man heilen kann. Davon sind Evangelikaner felsenfest überzeugt. Folgende Beiträge des Deutschen Fernsehens zeigen, wie christliche Homoheiler versuchen, das Schwulsein zu vertreiben.

Bild: welt.de
Laut dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch wird Weihnachten immer mehr auf den Konsum reduziert. Die Sinnentleerung des Weihnachtsfestes stößt bei der Katholischen Kirche zunehmend auf Kritik.
Die katholische Kirche beklagt eine zunehmende Sinnentleerung des Weihnachtsfestes. „Wenn der Schwerpunkt oder der ganze Sinn von Weihnachten auf Geschenke gelegt und Konsum reduziert wird, ist das eine Fehlentwicklung“, kritisierte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, in der „Neuen Ruhr/Neuen Rhein Zeitung“.
Dass die eigentliche Weihnachtsbotschaft ansprechend sei, sehe man jedoch an den gut besuchten Weihnachtsgottesdiensten. „Ich bin mir sicher, dass der Besuch der Christmette für manchen Anlass ist, die eigene Beziehung zu Gott wieder zu vertiefen“, sagte Zollitsch.
Bild: wikipedia
Religionsgemeinschaften – und als solche gelten in Deutschland bisher Kirchen, nicht Moscheegemeinden – haben weitgehende Rechte im staatlichen Bildungssystem. So geht Artikel 7, der Artikel des Grundgesetzes, der das Schulsystem bestimmt, schon im zweiten Absatz auf den Religionsunterricht ein.
Absatz 3 bestimmt ihn zum „ordentlichen Lehrfach“öffentlicher Schulen – „Reli“ ist damit das einzige Schulfach, das Verfassungsrang genießt. Praktisch bedeutet der Rang als ordentliches Fach, dass man etwa mit einer Sechs in Religion sitzenbleiben kann. Gleichzeitig garantiert Artikel 7 das Recht der Kirchen, den Unterricht selbst zu gestalten: Er werde „unbeschadet des staatlichen Aufsichtsrechts“.
.. „in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt“, heißt es dort. In der Praxis bestimmen Religionsgemeinschaften nicht nur über den Lehrstoff, sondern auch übers Lehrpersonal. Religionslehrer werden zwar vom Staat bezahlt.

Die "Crystal Cathedral", eine Megakirche in Kalifornien, Foto: WELT ONLINE
In den USA haben „Megakirchen“ trotz kritischer Stimmen viel Zulauf. Eine neue Studie bescheinigt den von amerikanischer Popkultur geprägten Kirchen weiter Wachstumschancen.
Von Konrad Ege – WELT ONLINE
In der US-amerikanischen Kirchenwelt wird kontrovers diskutiert über die Zukunftsfähigkeit eines umstrittenen, aber gegenwärtig offenbar erfolgreichen Gemeindemodells. Es geht um die rund 1600 so genannten Megakirchen, Gemeinden mit mehr als 2000 Mitgliedern.
Udo Lindenberg bei der Präsentation der Ausstellung "Udo. Die Ausstellung" auf Schloss Neuhardenberg. (Bild: picture alliance / dpa)
Von Kirchen- und Konfessions-Zugehörigkeit hält Rocklegende Udo Lindenberg nicht viel. Eine Buddhastatue steht trotzdem auf seinem Nachttisch. Und eine eigene Version der Weihnachtsgeschichte hat Lindenberg auch geschrieben.
Von Sabine Kleyboldt – Deutschlandfunk
Ich mache Lieder über das ganze Leben, mit allem, was dazugehört: Krieg und Frieden, die Ursachen der Kriege, der Armut, des Elends, Somalia, Darfur …
Udo Lindenberg schaut weit über seine Hutkrempe hinaus. Das zeigt auch die neue Ausstellung im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe. Seit fast vierzig Jahren beleuchtet der inzwischen legendäre Punkrocker das Weltgeschehen mit seinen kritischen Texten – politisch, gesellschaftlich und – religiös.
Ich interessiere mich natürlich für Religion, nicht, weil ich jeden Tag „Halleluja“ … und so was alles. Aber ich sehe den religiösen Fanatismus, ich sehe, wie Leute eben nicht ins Gespräch kommen, um sich friedlich abzusprechen auf dem kleinen blauen, zerbrechlichen Planeten, und den Frieden endlich mal hinzukriegen nach all den Jahrhunderten, eine Katastrophe nach der anderen.
Lindenberg, Mitinitiator von Aktionen wie „Rock gegen Rechts“ , sieht vor allem das politische Potenzial von Religion. Ihm kommt es darauf an, dass die verschiedenen Weltanschauungen ihren Beitrag leisten zur so gerne von ihm beschworenen „Bunten Republik Deutschland“. Hier zeigt Udo Lindenberg geradezu Parallelen zum Weltethos-Konzept des Theologen Hans Küng.

Bei seinem letzten Besuch in Deutschland hat Papst Benedikt XVI. klar gemacht, dass Frauen in der katholischen Kirche keine Ämter übernehmen sollen
Eberhard Schockenhoff ist Professor für Moraltheologie in Freiburg und einer der renommiertesten Vertreter seines Fachs. Johannes Adam hat mit ihm über Erscheinungsbild und Außenwirkung der katholischen Kirche gesprochen.
Von Johannes Adam - Badische Zeitung
BZ: Herr Schockenhoff, der Papstbesuch in Deutschland war für viele ein Ereignis. Die in diesen Besuch gesetzten und zum Teil überzogenen Hoffnungen, etwa bei der Ökumene oder dem Kommunionempfang wiederverheirateter Geschiedener, aber wurden fast alle enttäuscht. Hinterher herrschte eine Leere, war es, als seien Kirche und Gesellschaft in ein Loch gefallen. Sehen Sie das auch so?
Eberhard Schockenhoff: Dass es überzogene Hoffnungen im Vorfeld gab, ist sicher richtig. Allerdings gab es auch realistische Erwartungen, die durchaus erfüllbar gewesen wären. Diese Hoffnungen wurden enttäuscht, weil der Papst auf dem Gebiet der Ökumene und der wiederverheirateten Geschiedenen keine Bewegung gezeigt hat. In der Ökumene wurde die Frage gestellt, wie es sich in konfessionsverschiedenen Ehen verhält. Es ist immerhin so: Zwei getaufte Christen, ein evangelischer und ein katholischer, sind durch die Ehe verbunden, die ja nach katholischem Verständnis ein Sakrament ist. Somit ist der evangelische Teil gleichsam schon in der sakramentalen Ordnung der katholischen Kirche. Es ist gar nicht so einfach zu begründen, warum er dann von der Kommunion ausgeschlossen werden soll, auch wenn beide Kirchen noch immer unterschiedliche Vorstellungen von dem haben, was Einheit bedeutet. Das ist das grundsätzliche Problem, das einer generellen Abendmahlsgemeinschaft im Weg steht. Nach katholischer Auffassung gehört die sichtbare Einheit zum Verständnis der Kirche hinzu. Nach evangelischem Verständnis ist zur Einheit ausreichend, dass Kanzeltausch und Mahlgemeinschaft möglich sind. Dann können die Kirchen auch nach dem Modell der versöhnten Verschiedenheit getrennt nebeneinander existieren. Trotz dieser Differenzen wäre realistisch erwartbar gewesen, dass bei konfessionsverschiedenen Ehen die katholische Kirche selber einen ersten Schritt tut.

In der Ausgabe 1/2012 der "Spektrum der Wissenschaft" dreht sich das Titelthema um "Vernunft und Glaube" Foto: "Spektrum der Wissenschaft" / www.christian-tapp.de
Normalerweise beschäftigen sich die Artikel des Magazins „Spektrum der Wissenschaft“ mit handfesten naturwissenschaftlichen Themen wie Weltraum, Klima, Bakterien, Materialforschung und Teilchenphysik. In der Ausgabe 1/2012 kommt jedoch ein Theologe zu Wort, auf acht Seiten, und noch dazu ein Prof. Dr. Dr., der über das Verhältnis zwischen „Vernunft und Glaube“ referiert.
Prof. Dr. phil. Dr. rer. nat. Christian Tapp ist Juniorprofessor für Philosophisch-Theologische Grenzfragen in der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum und Leiter der Emmy-Noether-Nachwuchsforschergruppe „Infinitas Dei“ (Die Unendlichkeit Gottes). Sein Leitartikel „Vernunft und Glaube“ ist ein acht Seiten langer Versuch, erst ein Spannungsfeld zwischen Glaube und Vernunft, zwischen Religion und Wissenschaft, aufzuzeigen, um es dann als nicht wirklich stark zu relativieren.

Quelle: roadfinder.org
(Keine) Gewalt in christlichen Familien
Eltern züchtigen ihre Kinder und geben dafür fromme Gründe an. Der Beitrag „Kinder schlagen im Namen Gottes“ auf „NDR-Info“ hat sich mit religiös motivierter Gewalt auseinandergesetzt und gleichzeitig zu einem Rundumschlag gegen evangelikale Christen ausgeholt.
Drei Beispiele aus der christlichen Szene nehmen die NDR-Autoren Christian Baars und Angelika Henkel zum Anlass, um das Thema Prügel in christlichen Familien unter die Lupe zu nehmen und mit einigen nicht ganz neuen Fakten zu ergänzen. Schon Ende der 90er-Jahre habe eine Bundestags-Kommission zu sogenannten Sekten und Psychogruppen festgestellt, dass in christlich-fundamentalistischen Gemeinden eine „mitunter deutliche Befürwortung disziplinierender, körperlicher Züchtigungen“ verbreitet sei.
Die Bibel als Rechtfertigung für Schläge?