Wissenschaftler sind keine Esoteriker


Martin Sack, Doktorand am Departement Mathematik (Bild: Peter Rüegg / ETH Zürich)

Am Samstag hatte ich Prüfungsaufsicht. Dort hat mich einer von euch gefragt, wie detailliert er seine Antworten aufschreiben muss. Ich habe nur wiederholt, was auf unseren Deckblättern steht: «Notieren Sie alle Zwischenresultate und Lösungswege!» Dahinter verbirgt sich für mich ein wissenschaftlicher Grundsatz.

Von Martin SackETH Life

Im ersten Semester an der ETH mussten wir unsere erste Übung überhaupt in Geometrie abgeben. Mein Blatt kam mit vielen Kommentaren und Korrekturen versehen zurück. Aus ihnen stach ein Satz heraus: «Das ist kein Beweis.» Der Assistent führte dann in der Übungsstunde aus, was er unter einem Beweis versteht. Ein Beweis müsse einen anderen überzeugen, dass die Schlussfolgerungen, die man gezogen hat, richtig sind. Das klingt zunächst seltsam. Mathematik beruht schliesslich auf Logik. Wenn etwas richtig ist, gibt es nichts zu deuten. Es bleibt richtig, auch wenn ein anderer zweifelt. Darin liegt aber die Krux: Wir betreiben Wissenschaft nicht, um sie unseren Zimmerpflanzen mitzuteilen.

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4 Antworten zu Wissenschaftler sind keine Esoteriker

  1. Wissenschaft ist die Kunst der Korrektur alter irrtümer.
    Wer feste Gewißheit sucht, findet die an einem anderen Portal. Dort aber frei von Evidenz.

    Man kann nicht alles haben.

  2. Ich hatte immer Schwierigkeiten, mathematische, also auch geometrische Beweise als Beweise anzuerkennen.
    Ein technischer Beweis ist einfach. Ein paar Formeln lassen mich annehmen, wie oder ob überhaupt es funktionieren wird und die physikalische Realisierung zeigt dann, dass es wirklich so ist. Oder auch nicht.

    Das Funktionieren von etwas das auf den Formeln basiert ist der Beweis, dass richtig gerechnet wurde. Selbst für Vorgänge, die sich wesentlich mehr Menschen nicht erschließen gibt es Beweise, die entweder beachtet und verstanden werden können, oder ignoriert werden müssen, um gegen Dinge wie die Evolution zu “argumentieren”.

    Bei mathematischen Beweisen dreht sich alles irgendwie im Kreis. Die zugrunde liegende Logik liegt sich selbst zugrunde und baut auf sich selbst auf. Das klingt zu sehr nach “Ich habe Recht. Wenn ich also sage, dass ich Recht habe, dann habe ich Recht, weil ich Recht habe. q.e.d.” oder auch “Die Bibel ist wahr weil drin steht, dass sie wahr ist.” (Was übrigens nicht drin steht. Ich hab nachgesehen und Kreationisten gefragt.)

    Ich hoffe, hier gehen jetzt nicht zu viele Mathematiker an die Decke. :)

  3. Martin Sack wird vermutlich nicht Opfer religiotischer Bauernfänger, sofern er nicht frühkindlicher religiotischer Indoktrination ausgesetzt war. Aber auch dann hat er gute Chancen dem Teufelskreis zu entkommen. Er scheint ein helles Kerlchen zu sein. :)

  4. Wissenschaft ist eine Ergebnis offene Methodologie des Zweifels, sie nutzt Theorien, Tests, Hypothesen, Fakten und Fossilien wieder und immer wieder auf der Suche nach begründbaren Erklärungen für eine allen Beteiligten frei zugängliche und beliebig nachprüfbare Realität.

    Esoterik ist schlicht nicht nachprüfbarer Hokus-Pokus, trotzdem bezeichnen sich viele der Adepten als Wissenschaftler. Das haben mit den Religoten gemeinsam, die nach einem Bibelstudium von 4 – 8 Wochen in den USA einen Dr. Titel bekommen und dann Spezialisten in zig wissenschaftlichen Diziplinen sind – siehe der Religionsclown Kent Hovind, derzeit wegen Betrug, Insolvenzschwindel und Steuerbetrug im Gefängnis

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