Tagesarchiv: November 7, 2012

Käßmann, Merkel, Luther und jede Menge Bullshistic

Während sich die Kanzlerin zum Glauben bekennt und die Ex-Bischöfin für Stimmung sorgt, fragt sich die EKD, was man über die Reformation sagen könnte

Von Matthias KamannDIE WELT

Merkel hält ihre erste offizielle Rede vor einer EKD-Synode. Sie erhofft sich vom Reformationsjubiläum 2017 “missionarische Impulse”

Das evangelische Kirchenparlament sucht immer noch nach einer klaren theologischen Botschaft für die Feierlichkeiten in fünf Jahren

Das war mal ein Einzug: Nicht Popmusik vom Band wie bei Parteitagen, sondern Martin Luthers Choral “Nun freut euch, lieben Christen g’mein” erklang, gesungen von den 120 Synodalen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), begleitet von Posaunen, als Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montag die Synodentagung in Timmendorfer Strand besuchte. Von Synodenpräses Katrin Göring-Eckardt (Grüne) begrüßt “im Kreis Ihrer Glaubensgeschwister”, setzte die Pastorentochter und CDU-Vorsitzende zu Anfang ihrer ersten offiziellen Rede vor einer EKD-Synode zunächst eine ironische Spitze: “Man ist ja heute froh”, sagte Merkel, “wenn man von Kirchenseite freundlich behandelt wird.”

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R.Dawkins: Zeitreise zu den Urahnen des Menschen

4000 Jahre altes Skelett eines Steinzeitmenschen (Bild: picture alliance / dpa / Armin Weigel)

In seinem wunderbar abwechslungsreich illustrierten Jugendbuch vermittelt der Welterklärer Richard Dawkins den aktuellen Wissensstand über den Urknall, den Aufbau der Materie sowie die Entstehung der Arten. Ein spannendes Jugendbuch, das auch Erwachsenen hilft, veraltetes Schulwissen zu entstauben.

Von Michael LangeDeutschlandradio Kultur

Wie entstand das Universum? Woher kommt die Menschheit? Gibt es außerirdische Lebewesen? Seit es Menschen gibt, wollen sie die Welt um sich herum verstehen. Da unseren Vorfahren die Mittel fehlten, um diese Rätsel zu lösen, ersannen sie zahlreiche Mythen, die ihnen halfen, die Natur um sich herum zu erklären. Richard Dawkins stellt den zahlreichen Überlieferungen verschiedener Kulturen die Antworten der Wissenschaft gegenüber.

Er will deutlich machen, dass die naturwissenschaftliche Wirklichkeit die Welt nicht entzaubert, sondern ihr einen neuen “wahren” Zauber verleiht. In seinem wunderbar abwechslungsreich illustrierten Jugendbuch vermittelt der Welterklärer Dawkins anschaulich und kompetent den aktuellen Wissensstand über den Urknall, den Aufbau der Materie sowie die Entstehung der Arten. Dabei widmet er sich auch typischen Kinder- und Alltagsfragen, die die meisten Wissenschaftler links liegen lassen, wie: “Warum geschehen schlimme Dinge?” oder “Was ist ein Wunder?”

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SPD-Politikerin jammert vom “Hass” auf die Christen

Kerstin Griese, MdB – Foto: Thomas Kretschel

Wie kann die evangelische Kirche der verbreiteten Gottvergessenheit und einem zunehmend aggressiven Atheismus wehren? Die SPD-Bundestagsabgeordnete Kerstin Griese (Foto) erklärte auf der EKD-Synode, sie erlebe in ihrem politischen Alltag teilweise eine äußerst aggressive Haltung gegen jegliche Religion.

EANN.de

Wie kann die evangelische Kirche der verbreiteten Gottvergessenheit und einem zunehmend aggressiven Atheismus wehren? Darüber wurde am 4. November während der EKD-Synode in Timmendorfer Strand bei Lübeck diskutiert. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Kerstin Griese erklärte, sie erlebe in ihrem politischen Alltag teilweise eine äußerst aggressive Haltung gegen jegliche Religion. Dieser „Hass“ sei besonders in der Debatte um die Beschneidung von muslimischen und jüdischen Jungen aus religiösen Gründen eskaliert bis hin zum Argument, Muslime und Juden sollten doch Deutschland verlassen, wenn sie ihre männlichen Kinder beschneiden wollten. Teilweise träten Atheisten missionarischer auf als Christen, so Griese. Sie wünsche sich, dass die evangelische Kirche noch offensiver gegenüber Religionslosen für den christlichen Glauben und seine Werte eintreten. Sie müsse ihre gesellschaftliche Bedeutung erläutern und stärker für die Freiheit eintreten, glauben zu dürfen.

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Religionsfreiheit als Gegenleistung für Integration

Cover: Springer VS
Buchcover: ”Religion im Fokus der Integrationspolitik“

Heidelberger Wissenschaftlerin untersucht die Bedeutung von Religion für staatliche Integrationspolitik

Universität Heidelberg

Die rechtliche Integration neu hinzugekommener Religionsgemeinschaften – in der Regel muslimische Gruppierungen – wird in Deutschland häufig indirekt von der gesellschaftlichen Integrationsbereitschaft ihrer Mitglieder abhängig gemacht. Muslime können sich in der öffentlichen Diskussion um Integration zwar Gehör verschaffen, allerdings wird ihnen diese Möglichkeit nur dann zugestanden, wenn sich die Betroffenen auf die vorherrschende Interpretation einlassen, dass bei Muslimen in Deutschland ein generelles Integrationsdefizit vorliege. Zu diesem Ergebnis kommt eine Dissertation zur Bedeutung von Religion für staatliche Integrationspolitik, die die Soziologin Christine Brunn an der Universität Heidelberg vorgelegt hat. Die Wissenschaftlerin hat für ihre Untersuchung zahlreiche Regierungsdokumente ausgewertet.

Die Soziologin vergleicht in ihrer Dissertation anhand dieser Dokumente den Umgang aktueller Migrationspolitik mit Religion in Deutschland, Frankreich und dem Vereinigten Königreich. „Dabei zeigt sich einerseits, dass trotz eines vereinigten Europas der Umgang der Staaten mit Religion immer noch sehr nationalstaatlich geprägt ist“, erläutert Brunn. „Zugleich wird deutlich, dass die ‚Entdeckung’ von Religion für Integrationspolitik weder pauschal eine Anerkennung noch eine Instrumentalisierung von Religion ist.“ Kennzeichnend für Deutschland ist laut Brunn, dass es zwar einerseits ein starkes Grundrecht auf Religionsfreiheit gibt, andererseits aber vor allem muslimische Religionsgemeinschaften als „Integrationsagenturen“ gesehen werden – das heißt, dass von ihnen ein Nutzen für die Gesellschaft erwartet wird. „Dieses ambivalente Verhältnis erweist sich als sehr spannungsreich“, betont die Wissenschaftlerin.

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