Warum Stalin die Biologie ändern ließ, “proletarische Biologie”


Nikolai Wawilow, Bild: wikipedia/public domain

Vor 125 Jahren wurde der russisch-sowjetische Genetiker und Pflanzenforscher Nikolai I. Wawilow geboren

Von Martin KochND

In Pawlowsk, unweit von St. Petersburg, befindet sich ein wahrer Schatz der Wissenschaft: die älteste und inzwischen drittgrößte Genbank der Welt. Sie umfasst über 330 000 Kulturpflanzensorten sowie deren Vorformen und wildwachsende Verwandte aus allen Regionen der Erde: Kartoffeln aus Chile, Bohnen aus Nordamerika, Getreide aus Äthiopien. Sowohl für die Züchtung neuer als auch für den Erhalt traditioneller Kulturpflanzen ist das in Pawlowsk gesammelte Saatgut von unschätzbarem Wert, wie folgendes Beispiel zeigt: Als Mitte der 1980er Jahre ein Fadenwurm über große Teile der US-amerikanischen Sojafelder herfiel, ließen sich nirgendwo Sojapflanzen auftreiben, die gegen den Parasiten resistent waren. Allein in Pawlowsk lagerte eine solche Sorte, die sowjetische Forscher ihren Kollegen aus den USA kostenlos zur Verfügung stellten – und das zur Hochzeit des Kalten Krieges!

Den Grundstein für die erste Genbank der UdSSR legte 1926 der Botaniker Nikolai Iwanowitsch Wawilow, der vor 125 Jahren, am 13. (25.) November 1887, als Sohn eines wohlhabenden Tuchhändlers geboren wurde. Nachdem er von 1906 bis 1910 am Landwirtschaftlichen Institut seiner Heimatstadt Moskau studiert hatte, reiste er mehrmals ins westliche Ausland, um seine Kenntnisse auf dem Gebiet der Biologie zu vertiefen.

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Eine Antwort zu “Warum Stalin die Biologie ändern ließ, “proletarische Biologie”

  1. Die russische Biologie und Vererbungslehre unter Stalin wurde einzig durch Trofim Lysenko bestimmt, der als Biologie-Guru und Scharlatan freie Hand hatte. In der kommunistischen Ideologie war Vererbung einzig durch Zucht zu erreichen, Gene waren kapitalistische Täuschungsversuche der überlegenen sozialistischen Kultur. Die wenigen ernsthaften Forscher hatten es extrem schwer, sie bekamen keine Mittel und vor allem keine Anerkennung

    Nach den Aussagen von Lysenko züchtete man aus Weizen Roggen (oder umgekehrt), experimentierte mit unsinnigen Düngermischungen oder trainierte Zitrusbäume für die Kälte Sibiriens in Kühlhäusern. Es wurden riesige Plangen angelegt und erfolgreich Millionen Menschen versorgt (auf nur dem Papier). In Realität speichern Zitrusbäume das Wasser in ihren Blättern. Das friert unter -3°C, die Zellen platzen und das Blatt ist kaputt. Da der Baum jährlich keinen neuen Blätter bildet, ist er damit tot.

    Die riesigen Zitrusplantagen Spaniens beginnen um Valencia. Wenn etwa alle 10 Jahre eine Kaltfront über das Gebiet zieht, sind oft große Plantagen in einer Nacht auf Dauer hinüber, man kann die Bäume nur noch verheizen. Optisch sieht das sehr sehr traurig aus, allerdings sind zu der Zeit keine Touristen da es zu bestaunen.