Tagesarchiv: November 12, 2012

EKD Schneider: “Staat und Religion nicht trennen!”

Präses Nikolaus Schneider, Bild: wikipedia/public domain

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) wehrt sich gegen eine strikte Trennung von Staat und Religion in Deutschland. „Wir wissen es zu schätzen, in einem demokratischen und religiös neutralen Staat zu leben, der aber bewusst kein laizistischer Staat ist“, sagte der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider am Sonntag auf der Synodentagung im Ostseebad Timmendorfer Strand.

NWZ-ONLINE

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die an diesem Montag auf der Synode als Gastrednerin erwartet wird, bejahte die „positive Neutralität“ des Staates gegenüber den Kirchen. „Das heißt, wir fördern religiöses Leben, wir freuen uns, wenn Kirchen Verantwortung übernehmen“, sagt die CDU-Vorsitzende.

Schneider versicherte in seinem Bericht an die Synode, dass die Christen zusammen mit den jüdischen und muslimischen Mitbürgern „für das Recht auf positive, sichtbare Religionsausübung in der Gesellschaft“ eintreten wollen. Schneider beklagte in diesem Zusammenhang eine „aggressiv religionskritische Haltung“, die sich in den vergangenen Monaten in der Debatte um die rituelle Beschneidung von Jungen gezeigt habe.

Ernst Haeckel: Der deutsche Darwin

Der achte Druck aus Kunstformen der Natur. Er zeigt Desmonema annasethe, deren Tentakel Haeckel an die Haare seiner Frau erinnert hatten. Bild: wikipedia/public domain

Ernst Haeckel ist Mediziner und ein begabter Zeichner. 1862 findet er sein Lebensthema: die Lehre von der Evolution. Mit seinen Bildern und provokanten Thesen macht der Professor die neuen Ideen populär – weit über die Wissenschaft hinaus.

Von Philip StuteDER TAGESSPIEGEL

Vermutlich ist dem jungen Hochschullehrer ein wenig flau im Magen, als er zum Start des Wintersemesters 1862/63 erstmals vor seine Studenten tritt. Ernst Haeckel, gerade 28 Jahre alt, ist erst seit wenigen Monaten Professor extraordinarius und Direktor des Zoologischen Museums an der Universität Jena. Bei seinem Vorlesungsdebüt hat er seinen nervösen Schüttelfrost jedenfalls nur beruhigen können, indem er sich den Kopf eiskalt wusch und einige Gläser Zuckerwasser zu sich nahm.

Für seine neue Vorlesung hat Haeckel ein heikles Thema gewählt, das gerade die wissenschaftliche Welt durcheinanderwirbelt: die revolutionäre Abstammungslehre des englischen Naturforschers Charles Darwin.

Die Zuhörer in Jena erleben den ersten Auftritt eines Mannes, der das Thema seines Lebens gefunden hat.

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Religionen und politische Macht – Gewaltlosigkeit ade!

Tausende Buddhisten gehen im September 2012 gegen die muslimische Rohingya-Minderheit auf die Straße. (Bild: picture alliance / dpa / Man Thar Lay)

In dem Moment, in dem Religionen politische Macht gewinnen, kann ein Primat der Gewaltlosigkeit oftmals nicht aufrechterhalten werden, sagt der emeretierte Theologieprofessor Hermann Häring. Dies zeige sich beispielsweise bei den Vertreibungen von Muslimen durch Buddhisten in Birma.

Hermann Häring im Gespräch mit Philipp GesslerDeutschlandradio Kultur

Ralf bei der Kellen: 2011 endete im südostasiatischen Staat Burma die Herrschaft des Militärs. Und wie so oft nach dem Ende solcher Diktaturen brachen auch hier lange unterdrückte Kämpfe zwischen verschiedenen Ethnien und Glaubensgemeinschaften auf. In den letzten Tagen und Wochen tauchten immer wieder Berichte auf, dass die muslimische Minderheit Burmas von der buddhistischen Mehrheit vertrieben wird. Dass der Buddhismus, der von vielen als eine friedliebende Religion wahrgenommen wird, eine solche gewalttätige Seite haben soll – das zu glauben fällt vielen Menschen schwer. Mein Kollege Philipp Gessler hat sich aus diesem Anlass vor der Sendung mit dem emeritierten Professor für Wissenschaftstheorie und Theologie Hermann Häring unterhalten und wollte zunächst von dem Tübinger Gelehrten wissen, ob wir nun unser Bild vom Buddhismus revidieren müssen.

Hermann Häring: Ja und nein. Ich glaube, wir müssen einfach den Buddhismus auch mal in seiner politischen Realität sehen. In der Regel erleben wir den Buddhismus als Religion, als Fluchtpunkt für Aussteiger, die sich dort in Meditationen flüchten, die eben die Idee der Gewaltlosigkeit, des Sich-Zurückziehens im Buddhismus, des Mitleids kennengelernt haben, aber nicht eben die Frage: Wie realisiert sich Buddhismus jetzt zum Beispiel in einer Kultur, wenn politische Mächte von buddhistischer Herkunft seien? Dann wird das natürlich auch sehr nüchtern.

Philipp Gessler: Gerade der Buddhismus – weil Sie von Nüchternheit sprechen – der Gründerzeit, also aus dem fünften vorchristlichen Jahrhundert, erscheint ja als eine sehr gewaltfreie Religion. Manchen Überlieferungen aus dieser Zeit zufolge sei es den buddhistischen Gläubigen sogar bei Gefahr des eigenen Lebens verboten, einen Angreifer zu töten. Von dieser radikalen Friedlichkeit scheint der Buddhismus der heutigen Zeit ja ziemlich weit weg zu sein, oder?

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Brasilien: Katholische Kirche kollaborierte mit den Putschisten

Ein Held des Widerstands: Kardina Arns (© creative commons )

In Brasilien untersucht eine an die staatliche Wahrheitskommission angegliederte Arbeitsgruppe die genaue Rolle der christlichen Kirchen während der Diktaturzeit. Fest steht: Teile der katholischen Kirche unterstützten den Militärputsch 1964.

Von Thomas Milzdomradio.de

“Wir kennen die Helden der Kirchen im Widerstand, allen voran Dom Evaristo Arns”, erinnerte das Kommissionsmitglied Paulo Sergio Pinheiro im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) an die Rolle des ehemaligen Bischofs von Sao Paulo. “Aber wir wissen auch, dass Teile der katholischen Kirche den Militärputsch von 1964 unterstützten.” Nun gehe es darum, die Fülle von Archivmaterial über die Rolle der christlichen Kirchen zu systematisieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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Vatileaks: “Schuldig wegen Behinderung der Autoritäten”

tagesschau.de

Geheimdokumente waren nicht darin – und doch wurde dem Vatikan-Computertechniker Sciarpelletti der Briefumschlag, der bei ihm gefunden wurde, zum Verhängnis. Er wurde zu Haft auf Bewährung verurteilt. Licht ins Dunkel der “Vatileaks”-Affäre brachte aber auch dieser Prozess nicht.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom

Manchmal hält sich Claudio Sciarpelletti bei dieser Verhandlung die Hände vor das Gesicht, wie um sich abzuschirmen von diesem Prozess, der dem 48-jährigen Computertechniker bisweilen kafkaesk vorkommen muss. Die Tatsache, dass die vatikanischen Ermittler in seiner Schreibtischschublade einen Umschlag mit der Aufschrift “Paolo Gabriele” gefunden hatten, machte ihn zum Mitangeklagten im spektakulärsten Gerichtsverfahren in der Geschichte des Vatikanstaats.

Dabei enthielt der Briefumschlag mit dem Namen des päpstlichen Kammerdieners gar keine Geheimdokumente, so wie man sie massenweise in der Wohnung Gabrieles gefunden hatte. Umso überraschender war das Urteil, das am frühen Samstagnachmittag im kleinen Gerichtssaal des Vatikanstaats verkündet wurde: “Claudio Sciarpelletti ist nach Artikel 125 des Strafgesetzbuches schuldig, weil er die Untersuchungen der Autoritäten behindert hat”, führte Richter Giuseppe Dalla Torre aus. “Er wird zu vier Monaten Haft verurteilt.”

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