Tagesarchiv: November 15, 2012

Beschneidung: Ethikratsvorsitzende Woopen will religionsselektive Normen

Christiane Woopen, Bild. ethikrat.org

Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Christiane Woopen, hat sich für ein Kinder-Veto bei der rituellen Beschneidung muslimischer Jungen ausgesprochen. Muslimische Kinder, die anders als jüdische in aller Regel erst später beschnitten würden, müssten nach ihrem Einverständnis gefragt werden, sagte Woopen dem Nachrichtenmagazin “Focus”. “Und wenn ein Kind deutlich macht, dass es nicht will, dann müssen die Eltern davon ablassen.”

YAHOO! Nachrichten

Eine Mehrheit des Ethikrates hatte sich für das geplante Beschneidungsgesetz ausgesprochen, allerdings nur, wenn medizinische Standards erfüllt werden. Die Bundesregierung will am kommenden Mittwoch den Gesetzentwurf zur Beschneidung von Jungen beschließen. Er sieht vor, die Beschneidung unter bestimmten Voraussetzungen zu erlauben. Eine Ausnahmeregelung soll greifen, wenn das Kindeswohl gefährdet ist – etwa bei Blutern. In der Regel soll die Beschneidung von Ärzten vorgenommen werden. Innerhalb der ersten sechs Monate nach der Geburt kommen dafür auch spezielle Beauftragte von Religionsgemeinschaften in Frage.

Die Neuregelung soll die Verunsicherung nach dem Urteil des Landgerichts Köln beseitigen. Das Gericht hatte im Mai Beschneidungen von Jungen aus rein religiösen Gründen als strafbare Körperverletzung gewertet. Die Entscheidung war von jüdischen und muslimischen Verbänden scharf kritisiert worden.

Wider die Sonderstellung der Kirchen

Ingrid Matthäus-Maier (Bild: WikiCommons/CC BY-SA 3.0)

Konfession und Recht Streiks sind verboten bei den Kirchen, die Putzfrau darf nicht Atheistin sein. „Religiöse Diskriminierung“ im Land erregt Unmut.

Tilman Toepfer – Main Post

Am 20. November entscheidet das Bundesarbeitsgericht in Erfurt über Grundsätze des kirchlichen Arbeitsrechts, urteilt, ob bei Kirchen und deren Wohlfahrtsverbänden Caritas und Diakonie ein generelles Streikverbot zulässig ist. Natürlich ist es das nicht, macht Ingrid Matthäus-Maier (67) acht Tage vor dem Termin in Würzburg klar.

Die ehemalige SPD-Spitzenpolitikerin und Bankenchefin hält im Hörsaal II der Alten Universität ein fulminantes Referat. Rhetorisch brillant, inhaltlich stringent. Es geht ihr nicht nur um „die religiöse Diskriminierung am Arbeitsplatz“. Es geht ihr um die Sonderstellung der Amtskirchen in diesem Land. Ingrid Matthäus-Maier spricht über „Die Trennung von Kirche und Staat in Deutschland: Grundgesetz und Verfassungswirklichkeit.“

Grundgesetz? Artikel 140 der Verfassung verweist auf Artikel der Weimarer Reichsverfassung. Matthäus-Maier hat den Zuhörern der Ringvorlesung „Religionsfreiheit und ihre Grenzen“ Kopien der einschlägigen, nach wie vor gültigen Bestimmungen mitgebracht. Es besteht keine Staatskirche, heißt es da. „In Wirklichkeit bestehen zwei Staatskirchen“, sagt die frühere Richterin und beginnt mit der Anklage gegen einen Staat und die Parteien in Regierungsverantwortung. Die ignorierten seit langem die Verfassung und verletzten ihre Pflicht zur weltanschaulichen Neutralität.

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Starpianist Fazil Say greift türkische Regierung an

Fazil Say, Bild: last.fm

Der international bekannte Pianist Fazil Say hat die türkische Regierung für den gegen ihn laufenden Strafprozess wegen Islam-Beleidigung verantwortlich gemacht.

Von Fred DufourOTZ.de

Der international bekannte Pianist Fazil Say hat die türkische Regierung für den gegen ihn laufenden Strafprozess wegen Islam-Beleidigung verantwortlich gemacht. Man wolle ihn anderthalb Jahre ins Gefängnis stecken, damit er an Allah glaube, sagte der Künstler dem Nachrichtensender CNN-Türk. Die ganze Welt lache über das Verfahren. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 42-jährigen vor, über den Kurznachrichtendienst Twitter islamfeindliche Kommentare verbreitet und damit religiöse Hetze betrieben zu haben.

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Amerikanische Humanisten starten “Kinder ohne Gott” Kampagne

Bild: humanist.news

Für Kinder und Jugendliche die nicht an Gott glauben wollen, hat dieAmerican Humanist Association eine neue Website online gestellt: KidsWithoutGod.com.

Humanist News

Die neue Website bietet zahlreiche Informationen für humanistisch, atheistisch und anti-traditionalistisch denkende Kinder, jenseits des Aberglaubens. Themen der Website sind Religion an Schulen, Wissenschaft, Diskriminierung und Sexualität. “Wenn Kinder bereits zweifeln und Aberglauben und Übersinnlichem gegenüber kritisch eingestellt sind, dann ist es an der Zeit ihnen eine Online-Ressource anzubieten, auf der sie sich selbst informieren können”, erklärt der Vorsitzende der American Humanist Association, Roy Speckhardt. “Vielleicht sind das sogar Kinder aus traditionell religiösen Familien, oder aus Familien wie jener von Präsident Barack Obama, dessen Mutter säkulare Humanistin war”, ergänzt Speckhardt.

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Schwangere stirbt, weil Irland “katholisch” ist

Bild: humanist news

Am Sonntag, den 28. Oktober 2012 verstarb die 31-jährige Savita Halappanavar in einem irischen Krankenhaus an den Komplikationen während ihrer Schwangerschaft. Der Mann der verstorbenen Schwangeren ist überzeugt, seine Frau würde noch leben, hätten sie die Möglichkeit eines Schwangerschaftsabbruchs erhalten.

Humanist News

Die Zahnärztin aus Indien erkundigte sich mehrmals, ob sie die Schwangerschaft abbrechen könnte, da ihre Schmerzen immer unerträglicher wurden und sie eine Fehlgeburt ihres Kindes vermutetet, erzählt ihre Familie. Das Krankenhaus lehnte ab, da bereits das Herz des Fötus schlug, teilte ihr Mann der BBC mit. Dass ein Schwangerschaftsabbruch trotz des hohen Risikos für die Mutter abgelehnt wurde, erklärten Verantwortliche des Krankenhauses mit den Worten, “Irland ist ein katholisches Land”.

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München: Exorzismus auf Teufel komm raus

Exorzismus-Klinik in Fafe, Portugal. Bild: diePresse.com

Offiziell hat die Münchner Erzdiözese keinen Exorzismusbeauftragten, doch ein Ansprechpartner einer geistlichen Gemeinschaft erhält jährlich 300 Anfragen von Menschen, die sich für besessen halten. Sogar einen akuten Fall soll es in München geben: Ein Kampfsportler winde sich wie unter heftigen Schlägen, nun wolle man ihm von der katholischen Kirche helfen lassen.

Von Franziska BrüningSüddeutsche.de

Den Teufel trifft man auf der Bühne im Theater, beim Fasching oder in Filmen wie “The Rite – Das Ritual” mit Anthony Hopkins, der 2011 in den deutschen Kinos lief. Die wenigsten – abgesehen von Satanisten – glauben aber wirklich an ihn. Um so erstaunlicher ist, dass das personifizierte Böse in vielen Religionen, etwa bei Katholiken, orthodoxen Christen oder im Islam noch immer eine Rolle spielt. So wurde sogar Lehrern der privaten evangelischen Lukas-Schule in Laim jüngst vorgeworfen, Schülern mit dem Teufel gedroht zu haben.

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Ehrenmorde haben nichts mit Islam zu tun

Frauenrechte achten: Plakat gegen Ehrenmorde
Foto: Terre des Femmes / Heymann Schnell
bundesregierung.de

Für den Osnabrücker Islamwissenschaftler Bülent Uçar haben sogenannte Ehrenmorde keine religiöse Motivation. Außerdem fordert er, dass der Islam in Deutschland den Status einer Körperschaft öffentlichen Rechts bekommt.

Neue Osnabrücker Zeitung

Vor dem Hintergrund des Prozesses am Landgericht Osnabrück sagte Uçar: „Nicht im Islam liegen diese Taten begründet, sondern in einer archaisch-patriarchalischen Gesellschaftsstruktur.“ Er rief dazu auf, genau zwischen religiösen und kulturellen Hintergründen zu differenzieren. Vergleichbare Fälle aus den vergangenen Jahren seien zumeist ähnlich strukturiert gewesen. „Das sind keine religiös geprägten Handlungen“, sagte der Professor, der das Institut für islamische Theologie an der Universität Osnabrück leitet. Er fügte hinzu: „Solche Taten werden sehr oft islamisiert. Wenn so etwas in der Mehrheitsgesellschaft geschieht, spricht man von einem Familiendrama. Bei Fällen aus einem muslimischen Umfeld ist sofort von Ehrenmord die Rede.“

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