Tagesarchiv: November 21, 2012

Ein Militärpfarrer und der Ritt auf dem Ochsen

Ein Militärpfarrer (Romantext-Indochinakrieg, 1953)

Fünfzehn Tage lang an der Spitze der Vorhut, war Miros jeden Augenblick darauf gefasst, auf eine Mine zu treten, oder, als wir den Dschungel durchquerten, in eine Fallgrube zu stürzen und aufgespießt zu werden. Er weigerte sich, wie sonst üblich, diesen gefährlichen Job abwechselnd anderen zu überlassen.

“Hier kann ich wenigstens nicht in einen Hinterhalt geraten”, sagte er nicht ohne Ironie. “Du in der Mitte, beim Stab, bist viel mehr gefährdet als ich da vorn. Und ich habe sogar einen geistlichen Beistand. Der Pfarrer war ein paar Mal vorn bei mir, um, wie er sagte, nach dem Rechten zu sehen. Ein Geistlicher müsse überall präsent sein. Ich habe ihn gefragt, ob es nicht genüge, dass der liebe Gott allgegenwärtig ist. ´Le bon Dieu`, habe ich gesagt.” “Der gute Gott.” “Ja. Der Pfarrer hat meine Ironie nicht bemerkt, vielleicht auch nicht bemerken wollen, denn er hat darauf geantwortet: ´Die meisten von euch wissen das nicht oder denken nicht daran, und ich muss bezeugen, dass niemand vor ihm verloren ist.`
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Caritas und Diakonie: Selbsterfindung mit Staatsknete

Der Deutsche Caritasverband besteht aus 900 lokalen Organisationen, dazu gehören auch der Malteser-Hilfsdienst und Bahnhofsmissionen.
Altenpflege und Krankenhäuser betreibt die Caritas an 5000 Standorten. Die Marktanteile sinken tendenziell.
Werkstätten für Behinderte gehören ebenso zu den klassischen Einrichtungen.
Flüchtlingshilfe ist ein relativ neuer Bereich, wegen des geringen kirchlichen Bezugs intern umstritten.
Bild: obs

Ob Kita-Ausbau, Ganztagsschule oder Altenpflege – in den Wachstumsfeldern des Sozialstaats spielen die kirchlichen Wohlfahrtsträger Caritas und Diakonie die entscheidenden Rollen. Unter dem Deckmantel der Gemeinnützigkeit haben sie ein expansives Perpetuum mobile konstruiert: Sie erfinden sich selbst immer neue Aufgaben, der Staat gibt das Geld.

Von Konrad FischerWirtschaftswoche

Wenn Hans-Georg Liegener neue Märkte erschließt, dann macht er dazu ein verdrießliches Gesicht. Das bereitet vielleicht weniger Freude, als Rohbauten zu taufen oder mit noblen Füllfederhaltern Verträge zu unterzeichnen. Aber so sind nun mal die Regeln des Geschäfts. Wer hier erfolgreich sein will, braucht den Trauerblick.

“Dass viele Menschen heute ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen können, macht uns traurig und betroffen”, sagt Liegener. Er leitet die Caritas Krefeld, das Sozialunternehmen der katholischen Kirche am Niederrhein. Neben ihm sitzen ein Umweltminister, ein Herr von der Verbraucherzentrale und einer vom Energieversorger. Durch die Energiewende steigen die Preise für Strom, und jeden der vier betrifft das Folgeproblem der steigenden Zahl von säumigen Stromzahlern irgendwie. Den Mann von den Stadtwerken kosten sie Umsätze, der Verbraucherzentrale bescheren sie übervolle Sprechstunden und dem Umweltminister politischen Ärger. Und Herrn Liegener von der Caritas?

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Bornholm: Homophobe Wikinger-Christen

Bild: ndr.de

Aus Protest, gegen die Anerkennung der gleichgeschlechtlichen Ehe, gründen Evangelikale eine neue Gemeinde auf Bornholm.

65 Mitglieder der lutherischen Mission und der lutherischen Missions Jugend protestieren auf dieses Art und Weise gegen das Ritual der Schwulen-Ehe.

Mit eigenen Gottesdiensten grenzt man sich deutlich von der Stamm-Kirche ab. Die hat es in Dänemark ohnehin schwer, Werbespots im Fernsehen fordern den Bürger auf, aus der Kirche auszutreten und die freiwerdenden finanziellen Mittel an gemeinnützige, soziale Einrichtungen zu spenden. Viele Dänen spenden trotzdem an die Kirche, zur Restauration alter Gebäude und der Kirchen selbst. Saturierte Pfaffen wie in Deutschland gibt es nicht.

Denmark – In protest of wedding ritual for gays, Bornholm has a new congregation

BAG: Kirchliche Arbeitnehmer dürfen streiken

Foto: DAPD

Bundesarbeitsgericht lockert kirchliches Streikverbot
Mitarbeiter in kirchlichen Einrichtungen dürfen künftig unter bestimmten Umständen für bessere Arbeitsbedingungen streiken. Das entschied das Bundesarbeitsgericht am Dienstag in Erfurt.

FRANKENPOST

Ausgeschlossen bleiben Arbeitskämpfe der deutschlandweit rund 1,3 Millionen Mitarbeiter bei den Kirchen und Wohlfahrtsverbänden aber, wenn Arbeitnehmer und Arbeitgeber eine Einigung unter sich finden. Allerdings müssen künftig bei diesem sogenannten Dritten Weg anders als bisher die Gewerkschaften eingebunden werden. Sowohl kirchliche Arbeitgeber wie Gewerkschaften feierten das Urteil als Sieg.

Bislang waren bei Diakonie und Caritas – den kirchlichen Wohlfahrtsverbänden – Arbeitskämpfe verboten. Dumpinglöhne und Leiharbeit im Sozialsektor hatten aber vor allem die Diakonie in Verruf gebracht. Geklagt hatten nun kirchliche Arbeitgeber, die der Gewerkschaft Verdi und dem Marburger Bund den Aufruf zum Streik untersagen lassen wollten.

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Plakative Ikone von Putin und Medwedew aus Ausstellung verbannt

Foto: picture-alliance/ dpa/RIA_NOVOSTI

Macher in russischem St. Petersburg dementieren Druck von außen

DIE WELT

Ein als religionsfeindlich eingestuftes Plakat, auf dem eine Ikone mit den Gesichtern von Russlands Präsident Wladimir Putin und Regierungschef Dmitri Medwedew zu sehen war, ist aus einer Kunstausstellung in St. Petersburg entfernt worden. Die Ausstellungsmacher selbst hätten das Poster wenige Stunden nach der Eröffnung der Schau am Montag als “nicht korrekt” erachtet und verbannt, sagte die Sprecherin der betroffenen Galerie, Valentina Wassiliewa, der Nachrichtenagentur AFP. Druck von außen habe es nicht gegeben.