Tagesarchiv: November 22, 2012

Micha Brumliks Vorhaut-Zentrismus und die GBS

Plakat der Giordano Bruno Stiftung. Bild: dpa

Es geht der Giordano Bruno Stiftung weder um Toleranz noch Humanität
Wofür steht Giordano Brunos Name?

Von Micha Brumlik - taz

Noch nie sind auf eine meiner Kolumnen so viele Reaktionen, etwa einhundert, eingegangen wie auf den Beitrag vom 2. Oktober, in dem ich pointiert behauptet hatte, dass die Antibeschneidungskampagne der Giordano Bruno Stiftung in Berlin dem Geist ihres Namensgebers entspreche: Giordano Bruno (1548 bis 1600) war ein erklärter Judenhasser und wurde deshalb von den völkischen Antisemiten, nicht zuletzt von Adolf Hitler, andächtig verehrt.

Nun wäre es gewiss zu simpel, eine bruchlose Kontinuität zwischen einem uns kaum noch zugänglichen Denker des 16. Jahrhunderts und jenem für das „Zeitalter der Extreme“ (E. Hobsbawm), das 20. Jahrhundert, typischen Massenmörder Adolf Hitler herzustellen; gleichwohl sind zwei Fragen zu klären: Wie dachte der abtrünnige Mönch des 16. Jahrhunderts politisch, und was bringt eine für Toleranz und Geistesfreiheit eintretende Organisation heute dazu, sich nach ihm zu benennen?

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Kentucky: Ein Jahr Gefängnis für die Ungläubigen

Kentucky, das Land der Hinterwäldler. Ländlich, rauhe, bergige Landschaften, einsame Straßen. Kräftige, einfältige Burschen und gottesgläubige Mädels. Soweit die Klischees. Witze über Kentucky gibt es in den USA reichlich, wer mit seinem Auto im Straßengraben gelandet ist, sollte nichts weiter tun als warten. Wenn 4 kräftige Burschen erscheinen, jeder mit einem Six-Pack bewaffnet, sollte man ihnen das Abschleppseil überlassen. Es ist die Rettungsmannschaft. Mit purer körperlicher Kraft wird der Wagen aus dem Graben gezogen, anschließend kann man beruhigt seine Fahrt fortsetzen. Soweit der etwas kräftige Humor.

Atheisten haben es jedenfalls in dem gottesfürchtigem Bundestaat äußerst schwer, droht ihnen doch, wegen Unglaubens, die strafrechtliche Verfolgung. Das Homeland Security-Gesetz fordert von den Einwohnern
des Landes anzuerkennen, dass die Sicherheit aller vom allmächtigen Gott abhängt. Wer diese Anerkennung verweigert, kann mit bis zu 12 Monaten Gefängnis bestraft werden.

Obwohl das Gesetz deutlich gegen das First Amendement der Verfassung der Vereinigten Staaten verstösst, verweigerte das Oberste Gericht des Bundesstaates Kentucky die Überprüfung auf die Rechtmäßigkeit, in Bezug auf die Verfassung der USA. Die Trennung von Staat und Kirche sind im Hillibilly-Country de facto aufgehoben. Edwin Kagin, Justitiar der amerikanischen Atheisten sagt es deutlich: “Dies ist eine der ungeheuerlichsten und atemberaubend verfassungswidrigen Handlungen eines Landtages, dass ich je gesehen habe.”

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Österreich: Verfassungsschutz ermittelt gegen kreuz.net

Screenshot Brightsblog

Anzeige gegen unbekannt bei Staatsanwaltschaft Wien erstattet

derStandard.at

Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BVT) geht in Österreich gegen die radikale, homophobe und antisemitische Website kreuz.net vor. Man habe bei der Staatsanwaltschaft Wien Anzeige gegen unbekannt wegen Verhetzung und Wiederbetätigung erstattet, bestätigte ein Sprecher des Innenministeriums einen Bericht im Ö1-“Mittagsjournal” über laufende Ermittlungen in Österreich. Zuvor war bereits die Staatsanwaltschaft Berlin gegen kreuz.net aktiv geworden.

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Orthodoxe Kirche: Russischer Künstler will klagen, wenn kein Gottesbeweis erfolgt

Vasiliy Melnichenko will russisch-orthodoxe Kirche wegen Betruges verklagen, da sie ihren Teil des Vertrages nicht erfüllt habe. Bild: humanist-news

In Omsk, Russland wird derzeit über den Künstler Vasiliy Melnichenko gesprochen. In einem Interview mit dem Magazin “Echo Moskvy” droht er der russisch-orthodoxen Kirche mit einer Klage. Wenn diese die Existenz Gottes nicht beweisen könne, dann will er die Verantwortlichen wegen Betruges anzeigen.

Humanist News

“Einst wurde ich in der Kirche um 10 Rubel getauft. Als Gegenleistung wurde mir Beistand durch einen von Gott entsandten Engel versichert. Über mir und meinen Verwandten hätte die schützende Hand Gottes weilen sollen. Daran hatte ich geglaubt und über 15 Jahre lang ging ich in die Kirche um dafür zu beten. Ich habe gespendet, ich habe in den Kirchen eingekauft. Pro Jahr zahlte ich 400 Dollar an die Kirche. Aber statt Glück, Schutz und Gesundheit erhielt ich nur Krankheit und Probleme”, beschwert sich Vasiliy Melnichenko.

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Potsdam mangelt es an religiöser Sensibilität

Bild: Susann Hiller, Reisen durch Brandenburg

Potsdam verteidigt frühen Start des Weihnachtsmarkts
Die Stadt Potsdam hat ihre Entscheidung verteidigt, die vorzeitige Öffnung des historischen Weihnachtsmarkts zu genehmigen. Veranstalter und Händler hatten beantragt, den Markt in diesem Jahr bereits am 22. November zu eröffnen – und damit vor der Adventszeit.

rbb-nachrichten

Stadtsprecher Stefan Schulz sagte dem rbb am Dienstag, man habe keine rechtliche Möglichkeit gesehen, den Antrag abzulehnen. Der Verweis auf religiöse Traditionen reiche nicht aus. Am Totensonntag bleibe der Markt jedoch wegen des kirchlichen Feiertags geschlossen.

Die evangelische und die katholische Kirche hatten scharf kritisiert, dass der Weihnachtsmarkt der Landeshauptstadt in diesem Jahr bereits mehrere Tage vor Beginn der Adventszeit eröffnet wird.

Es zeuge von mangelnder Sensibilität der Stadtverwaltung gegenüber religiösen Traditionen, dass sie “den Weihnachtsrummel bereits im November aktiv unterstützt”, sagte Stadtkirchenpfarrer Simon Kuntze der “Märkischen Allgemeinen Zeitung”.

Die Adventszeit beginnt erst nach dem Ende des Kirchenjahres am Totensonntag – in diesem Jahr am 25. November. Die meisten Weihnachtsmärkte in der Region öffnen am 26. November.