Archiv der Kategorie: Kultur

Plantu: Französischer Papst-Karikaturist freigesprochen

Die Überschrift lautet: Pädophilie: Der Papst nimmt Stellung – der Junge sagt: “Hört auf euch ficken zu lassen, geht lieber am Sonntag wählen! (Es handelte sich damals um Regionalwahlen in Frankreich)

Urteil: Keine Aufstachelung zu Hass. Ein Pariser Strafgericht urteilte, die Darstellung ziele nicht darauf, die Katholiken oder Kleriker generell zu brandmarken.

kath.net

Der wegen einer Papst-Karikatur angeklagte französische Zeichner Plantu ist vom Vorwurf der Aufstachelung zu Hass freigesprochen worden. Ein Strafgericht in Paris urteilte am Dienstag laut französischen Medienberichten, die Darstellung ziele nicht darauf, die Katholiken oder Kleriker generell zu brandmarken. Der Karikaturist habe lediglich auf die seiner Meinung nach unangemessene Reaktion der Kirche auf Missbrauchsvorwürfe hingewiesen.

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Jüdische Gemeinde ehrt die “Toten Hosen”

tote_hosen_tempelDie Düsseldorfer Punkrock-Band “Die Toten Hosen” und der Musikprofessor Thomas Leander werden am heutigen Mittwoch mit der Josef-Neuberger-Medaille der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf ausgezeichnet.

evangelisch.de

Die Musiker werden für ihre gemeinsamen Veranstaltungen zum Thema “Entartete Musik” im vergangenen Jahr geehrt. Darüber hinaus würdigt der Preis das jahrzehntelange Engagement der “Toten Hosen” gegen Rassismus.

Mit der Neuberger-Medaille zeichnet die Jüdische Gemeinde Düsseldorf jährlich nichtjüdische Personen für ihre Verdienste um die jüdische Gemeinschaft aus. Zu den früheren Preisträgern gehören Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der ehemalige Bundespräsident Johannes Rau (SPD).

Konvivialistisches Manifest: Zusammenleben für die Zukunft

John Lennon & Yoko Ono at the first day of their Amsterdam Bed-In. Bild: wikimedia.org/CC-BY-SA-3.0-nl

In einem Manifest fordern 40 Intellektuelle – darunter Eva Illouz, Chantal Mouffe und Eve Chiappello – Fürsorge und Maßhalten im globalen Maßstab.

Von Tim Kaspar Boehmetaz.de

Die romanischen Sprachen haben es in manchen Dingen leichter. Ein lateinischstämmiges Wort wie „convivialisme“ klingt dort viel weniger akademisch als im Deutschen, denn „conviver“, aus dem sich der Begriff herleitet, bedeutet im Französischen schlicht „zusammenleben“. Und um genau diese Frage geht es dem Konvivialismus, der auf eine Gruppe Intellektueller um den Pariser Soziologen Alain Caillé zurückgeht.

Rund 40 Autoren und Autorinnen – darunter Eva Illouz, Chantal Mouffe, Edgar Morin oder Yann Moulier-Boutang, stehen hinter dem „konvivialistischen Manifest“, das jetzt als Büchlein erschienen ist. Mit ihrem Text bringen sie dringende Fragen auf den Punkt: „Wie mit der Rivalität und der Gewalt zwischen den Menschen umgehen? Wie sie dazu bewegen, zusammenzuarbeiten, um sich weiterzuentwickeln, wobei jeder das Beste von sich selbst gibt, sodass es möglich wird, einander zu widersprechen, ohne einander niederzumetzeln? Wie lässt sich die heute grenzenlose und potenziell selbstzerstörerische Anhäufung von Macht über Mensch und Natur verhindern?“

 

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“Sunday Assembly”: Atheisten feiern den Zufall

“Sunday Assembly” heißen weltweite Treffen von Atheisten, die einem Gottesdienst ähneln. Einen Ableger der Londoner Muttergemeinde gibt es nun auch in Berlin Foto: pro

Rund 150 Menschen haben sich am Sonntag erstmals zu einem atheistischen Gottesdienst in Berlin getroffen. „Sunday Assembly“ nennt sich die betont gottlose Gemeinschaft. Ihr Motto: „Lebe besser, hilf öfter, staune mehr“ – und das alles ohne Religion.

pro Medienmagazin

„Heute gibt es kostenlose Umarmungen“, sagt Sue Schwerin von Krosigk zur Begrüßung und drückt einen Gast an sich. In wenigen Minuten wird sie zu den rund 150 Gästen im Berliner „Orange Lab“ sprechen, einem hippen Veranstaltungsort nahe des Tiergartens. Sie wird erklären, wie das Leben zu einem besseren werden kann. Wie wichtig es ist, einander zu helfen. Und dass sie es liebt, im Alltag inne zu halten und wie ein Kind über die Schönheit der Welt zu staunen. Manche würden das predigen nennen. Schwerin von Krosigk nicht. Denn mit dem christlichen Glauben ihrer Jugend hat sie längst abgeschlossen. Der Gedanke der Gemeinschaft hingegen gefällt ihr. Deshalb hat sie gemeinsam mit einer Hand voll Mitstreitern die erste „Sunday Assembly“ in Berlin organisiert: ein Treffen für all jene, die gerne singen, über das Leben nachdenken und zugleich auf einen Gottesglauben verzichten möchten. Dabei gleicht „Sunday Assembly“ vielen, vor allem freikirchlichen Gottesdiensten bis ins Detail. Nur, dass Gott selbst darin keinen Platz haben soll.

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Ist Religion nur ein Abfallprodukt?

Carlin_ReligionReligiöse Vorstellungen finden sich zu allen Zeiten in allen Kulturen. Wissenschaftler glauben, dass sich diese Tatsache mithilfe der Evolutionstheorie erklären lässt.

Von Rolf Maag20min Online

Religionen sind in vieler Hinsicht merkwürdige Phänomene. Sie erfordern den Glauben an übernatürliche Wesen wie Götter und Dämonen, für deren Existenz es keinerlei überzeugende Belege gibt. Ausserdem verlangen sie von ihren Anhängern, dass sie Rituale praktizieren, die scheinbar völlig sinnlos sind.

Dennoch sind bisher keine völlig religionslosen Kulturen bekannt. Kann es sein, dass sich in der Evolution des Menschen auch ein Sinn für Religiosität entwickelt hat? Genau das behaupten mehrere Theorien, die in den letzten beiden Jahrzehnten entstanden sind.

Anpassung oder Abfallprodukt?

Unter den Forschern haben sich zwei Lager herausgebildet: Die Adaptionisten sehen in der Religion eine Anpassung, die ihren Anhängern einen Vorteil im Kampf ums Überleben bietet. Ihre Gegner meinen, sie sei ein Abfallprodukt einer anderen Anpassungsleistung, das sich dann verselbständigt hat.

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Stephen King Has A ‘Tendency To Believe In Intelligent Design’

Stephen King, Image:HUFFPOST Live/Screengrab:BB

Stephen King, Image:HUFFPOST Live/Screengrab:BB

For Stephen King, life is too perfect for it to be a random occurrence.
The famed horror author said in a HuffPost Live interview Wednesday that humans being alive, the way nature works and our planet supporting life is too much to think that there was no help from a supreme being.

By Chris BranchHUFFPOST Religion

“The very construction of the world and the fact that we seem to be the only blue-populated planet in the universe — and we’ve been looking for quite a while now, at least since the late 50s —it makes you have to believe that if we happened by accident, it would make winning the lottery look like flipping a coin,” King told host Josh Zepps. “It’s so complex. So I have a tendency to believe in intelligent design.”

King doesn’t align himself with any organized religion, which he says ultimately leads to someone “putting a gun in your hand” or trying to wrong others of a different religion than your own. But he seems optimistic about the prospect of a creator leading the way through life.

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It’s Official: Religion Doesn’t Make You More Moral

Das Kreuz mit den Religionen

Das Kreuz mit den Religionen

A recent study comparing views on morality of religious and non-religious people found something surprising: Religion doesn’t make our everyday lives more moral.

By Elizabeth PicciutoTHE DAILY BEAST

Suppose you actually do have an angel over your shoulder telling you the right thing to do. That angel probably wouldn’t tell you anything you didn’t already know. A recent study in Science aimed at uncovering how we experience morality in our everyday lives suggests that religious people are no more moral—or immoral—than non-religious people. Whether or not we believe that divine precepts give us guidance, our behavior is remarkably similar.

The fact that atheists are apparently as moral as believers will be counterintuitive to some. In Fyodor Dostoevsky’s The Brothers Karamazov, Dmitri Karamazov famously worries, “But what will become of men then…without God and immortal life? All things are lawful then, they can do what they like?”

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Sokratische Demokratie

Büste des Sokrates, römische Kopie eines griechischen Originals, 1. Jahrhundert, Louvre, Paris. Bild wikimedia.org/CC BY-SA 2.5

Der Philosophieprofessor Michael Hampe begeistert sich in seinem Buch Die Lehren der Philosophie weniger an deren Tauglichkeit, sich dem akademischen und öffentlichen Diskurs anzupassen, als an ihrem subversiven Potential. Dieses versucht er unter Rückbesinnung auf Sokrates und mit einem Blick auf Wittgenstein herauszuarbeiten.
Von Reinhard JellenTELEPOLIS

Herr Hampe, welchen Einfluss hat die gesellschaftliche Praxis auf die Philosophien und umgekehrt?

Michael Hampe: “Die Philosophien” im allgemeinen sind eine zu heterogene Gruppe, um die Relevanz der gesellschaftlichen Praxis für sie und die der Philosophie für die jeweilige Praxis einzuschätzen. Es gibt auf der einen Seite in der Philosophie Tätige, die ganz auf die internen professionell-akademischen Probleme ihrer Disziplin, beispielsweise der Modallogik, bezogen sind, keinen Kontakt zu den Einzelwissenschaften pflegen und sich nicht um die gesellschaftliche Praxis kümmern. Sie gehen in der Regel von Modellen der Erkenntnis aus, in denen die konkreten einzelwissenschaftlichen Verfahren und die konkreten gesellschaftlichen Verhältnisse gar keine Rolle spielen. Die Ergebnisse, zu denen die sich in der solchen Idealen des Erkennens bewegende Philosophie kommt, sind wiederum völlig irrelevant für die Einzelwissenschaften und das gesellschaftliche Leben.

Auf der anderen Seite arbeiten Philosophen mit Medizinern, Politikern, Menschenrechts- und Klimaschutzorganisationen zusammen, kümmern sich um die Ethik der Sterbehilfe und der Tierhaltung, Probleme des so genannten gerechten Krieges und möglicher Anreizsysteme zur Verringerung des CO2-Ausstosses. Ob die so konkret arbeitenden Philosophinnen und Philosophen in ihrer Arbeit von allgemeinen Ideologien und abstrakten Doktrinen geleitet werden oder ob ihre Reflexionen vor allem durch ihre Erfahrungen mit den konkreten Problemen gesteuert werden, mit denen sie zu tun haben, kann man nur im Einzelfall entscheiden.

Und zwischen den Formalisten im akademischen Elfenbeinturm und den ganz angewandt arbeitenden Philosophen mit und ohne ideologische oder doktrinäre Scheuklappen gibt es eine Reihe von Abstufungen im Praxisbezug. Es gibt politische Philosophien des Liberalismus, die nichts als eine “philosophische Absegnung” bestimmter gesellschaftlicher Verhältnisse im Spätkapitalismus sind und es gibt philosophische Untersuchungen, wie die von Raymond Geuss, die sehr konkrete politische Entwicklungen, wie beispielsweise das Verhalten von Tony Blair im Irak-Krieg extrem kritisch analysieren, ohne dabei einfach schematisch eine bestimmte praktische oder politische Philosophie, sei es die von Kant oder Mill oder die von Marx oder Adorno einfach zur Anwendung zu bringen.

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Graz: Kunstprojekt in Kirche über Entstehung des Weltalls

Entwicklungsphasen des Universums. Bild: NASA, WMAP Science Team/public domain

Entwicklungsphasen des Universums. Bild: NASA, WMAP Science Team/public domain

Ein Kunstprojekt in der Grazer Pfarre St. Andrä soll ab 9. Oktober das Diskursfeld zwischen Glaube und Wissenschaft ausloten. Im Zentrum steht die Komposition “Expansion of the Universe” des jungen Wiener Komponisten Rudolf Wakolbinger, die “die Evolution des Universums akustisch abbildet”, wie es in einer Ankündigung heißt.

kathweb

Die Komposition wird durch eine Klanginstallation aus 216 von der Kirchendecke herabhängenden Lautsprechern in St. Andrä aufgeführt und kann zwischen 10. Oktober und 11. November von den Besuchern der Kirche selbst gestartet werden.

Für den Eröffnungsabend am 9. Oktober haben sich die Initiatoren Pfarrer Hermann Glettler, die Präsidentin der Akademie Graz, Astrid Kury, und Konzertveranstalter Martin Schlögl etwas Kontroversielles zum Thema Weltentstehung einfallen lassen: Glettler trifft ab 20 Uhr auf den deklariert atheistischen Astrophysiker und “Science Buster” Heinz Oberhummer sowie auf den Ordinarius für Physik an der Uni Graz, Arnold Hanslmeier. Nach Kurzvorträgen über deren jeweilige Sicht der Entstehung des Universums wollen die Beteiligten in einen Dialog eintreten.

Glettler und Oberhummer sowie der Grazer Künstler Markus Wilfling begegnen einander auch am 10. November bei der abschließenden Finissage in der Kirche St. Andrä.

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Vom Menschen zum Monstrum

Die Erbsündelehre beschränkt den Kreis der Erlösungskandidaten: Tag des Jüngsten Gerichts als Flachrelief an der Fassade des Doms von Orvieto in Umbrien. Foto: imago

Der Philosoph Peter Sloterdijk über den zerborstenen Generationenvertrag, die Erbsünde sowie den Unterschied zwischen einer naiven und sentimentalen Moral.

Interview Michael HesseFrankfurter Rundschau

Herr Sloterdijk, Sie bezeichnen die Menschen der Moderne in Ihrem Buchtitel als „Die schrecklichen Kinder der Neuzeit“. Hinter dem Gedanken der „schrecklichen Kinder“ steckt die Figur der Abtrünnigkeit, das Losreißen von den Eltern. Was hat dieser Bruch mit der Tradition bewirkt?
Ich beschreibe die Moderne als ein umfassendes anti-genealogisches Experiment. Dieses gründet in dem Umstand, dass es keine kulturellen Automatismus mehr gibt, der auf gesicherte Weise von Großeltern zu Kindern zu Enkeln führt. Vielmehr könnte in jedem genealogischen Intervall die ganze Kette reißen. Für die Moderne ist typisch, dass sich das Intervall zwischen Eltern und Kindern bei jeder Wiederholung etwas weiter aufspreizt.

Eltern und Kinder werden einander immer unähnlicher?
Unvermeidlich, auch weil die Lebenswelten sich so rasch verändern. Die Moderne lässt keinen anderen Befund zu. Die herkömmliche Orientierung am Wissen der Alten geht fast völlig verloren, das Alter verliert seine Autorität. Damit beginnt das Zeitalter der immer unähnlicheren Kinder. Manchmal hat man den Eindruck, in einem einzigen generation gap könnte die Welt untergehen. Man staunt, dass die Welt trotz allem noch da ist.

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Veganes Leben: “Ernährung ist keine reine Privatsache”

Bild: Wikimedia Commons/alfa88papa (CC-BY-SA 3.0)

Bild: Wikimedia Commons/alfa88papa (CC-BY-SA 3.0)

Passen Sport und Veganismus wirklich zusammen? Ja, sagt Katrin Schäfer, die ein Blog über Laufen und vegane Ernährung schreibt. Im Gespräch mit achim-achilles.de erklärt sie, warum der Verzicht auf tierische Produkte erstrebenswert sein sollte.

SpON

SPIEGEL ONLINE: Frau Schäfer, wir leben in einer Hochphase des Veganismus. Gleichzeitig wird das Thema in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. Warum ist das so?

Schäfer: Essen ist ein emotionales Thema. Ernährung hat viel mit Gewohnheiten zu tun und gibt unserem Leben Stabilität. Wenn man jemandem rät, dass er kein Fleisch mehr essen sollte, fühlt dieser sich angegriffen, schließlich stellt man seine Gewohnheiten infrage. Die Menschen scheuen sich vor solchen tiefgreifenden Veränderungen und nehmen dann eine Abwehrhaltung ein.

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EKD-Ratsvorsitzender: Assistenz beim Suizid muss erlaubt sein

sterbenNach Ansicht des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, darf Hilfe beim Suizid bei der Begleitung Sterbender aus dem engsten Beziehungskreis nicht verboten werden.

evangelisch.de

Man müsse respektieren, “dass Menschen eine Begleitung anbieten, die über die Normen hinausgeht”, sagte Schneider am Donnerstagabend in der ARD-Sendung “Beckmann”. “Die Assistenz beim Suizid, das ist nötig”, ergänzte er. Etwas anderes sei die Tötung auf Verlangen, betonte der Theologe: “Da ist eine Grenze überschritten. Das darf nicht sein.”

Im Bundestag wird derzeit diskutiert, organisierte Formen der Suizidbeihilfe zu verbieten. Damit soll die Arbeit umstrittener Sterbehilfevereine unterbunden werden. Die Assistenz bei der Selbsttötung, etwa durch Überlassung tödlicher Medikamente, ist in Deutschland grundsätzlich nicht verboten. “Das halte ich auch für ganz wichtig”, betonte Schneider. “Wenn Menschen solch eine Entscheidung für sich fällen, dürfen wir sie nicht aus der Gemeinschaft ausstoßen, sondern dann müssen wir wirklich an ihrer Seite sein”, sagte er.

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20. Todestag: „Popper ist gerade nicht in Mode“

Sir Karl Popper (1980), Bild: wikimedia.org/PD

„Karl Popper ist gerade nicht in Mode.“ – Dieses Fazit zieht Josef Mitterer, Philosoph an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt und inzwischen im Ruhestand, anlässlich des 20. Todestages des Philosophen im Gespräch mit der APA. „Das heißt aber nicht, dass er unbedeutend geworden ist“, so der Popper-Experte. Denn der Begründer des kritischen Rationalismus wirke vor allem in seinen Begriffen nach.

Tiroler Tageszeitung

„Inzwischen spricht man ohne weitere Erklärung von der Falsifizierbarkeit, Trial and Error oder der Annäherung an die Wahrheit“, meinte Mitterer. Die Begriffe Poppers seien inzwischen derart im alltäglichen Sprachgebrauch verankert, dass man Popper gar nicht mehr zitieren müsse. Wenn es um die Aufarbeitung oder Weiterentwicklung von Poppers Werk gehe, sei der Philosoph allerdings derzeit eher „out“. Viele Leerstellen in der Bearbeitung – etwa des Nachlasses – gebe es aber ohnehin nicht mehr, erklärte Mitterer.

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Das Schweigen der Lämmer

Bild: DW, bearb.:BB

Bild: DW, bearb.:BB

In der Süddeutschen Zeitung vom 11.09. gab es einen interessanten Beitrag von David Ranan mit dem Titel ´Das Schweigen der Diaspora`. Ranan schrieb: „Ist es also Sache des Zentralrats der Juden in Deutschland, Israels Politik, deren Handlungen und Feldzüge zu verteidigen? Oder sollte er nicht vielmehr deutlich machen, dass die Vertretung der deutschen Juden eben kein Ansprechpartner sein kann in Fragen, die Israel betreffen“?

Von Abi MelzerDER SEMIT

Selbst diese harmlose Bemerkung, die man nicht einmal als Kritik verstehen kann, rief Henryk M. Broder auf die Barrikaden. Man fragt sich verwundert, was ihn dazu bewegt hat, jemanden, den er offensichtlich nicht kennt, wegen seiner von Broders Ideologie abweichenden Meinung, so zu beleidigen. Er beeilte sich auch der “Achse des Guten”, das wie folgt zu kommentieren: “Wo findet die SZ nur immer wieder ihre nützlichen Idioten?” Er muss aber aufpassen, dass nicht er selbst zum nützlichen Idioten der israelischen Propaganda wird. Solche zynischen und hämischen Kommentare sind zwar sein Markenzeichen, es wird aber der Tag kommen, an dem sie wie ein Bumerang auf ihn zurückfallen werden. Ich warte darauf und hoffe es, dies noch zu erleben, dass die führenden deutschen Zeitungen und Zeitschriften nichts mehr von diesem zionistischen Zyniker und, nach eigenen Worten, “reaktionären” annehmen.

Ich bin jederzeit bereit, die Meinungsfreiheit meines Gegners zu verteidigen, aber einen anderen Journalisten als „nützlichen Idioten“ zu bezeichnen, hat mit Meinungsfreiheit nichts mehr zu tun. Es ist eine Herabwürdigung und Diffamierung Andersdenkender und wenn diesem Treiben per Gesetz keine Grenzen gesetzt werden, dann sollten wir es tun, und Broder ignorieren und isolieren und ihm vor allem keine Bühne für seine Giftpfeile mehr geben. Broder jedenfalls handelt seit Jahren nach seinem Motto: Warum sachlich, wenn es auch persönlich geht. Er zieht es vor, so oft es geht, persönlich zu antworten und die Kritiker israelischer Politik, die er immer auch als persönliche Feinde betrachtet, unter der Gürtellinie zu treffen. Broder, so verstehe ich seine Rolle, die er seit mehr als zehn Jahren in diesem Land spielt, ist die ebenfalls eines „nützlichen Idioten“. Da stellt sich zwangsläufig die Frage: Cui bono?

Broder ist schon lange ein einzigartiges Phänomen in der deutschen Presselandschaft. Kein anderer Journalist kann und darf sich das leisten, was Broder sich leistet. Er genießt Narrenfreiheit.

Er hat nach seinem Schulabschluss 1966 versucht, Rechtswissenschaften, Soziologie, Volkswirtschaftslehre, Erziehungswissenschaften, Statistik und Sozialpsychologie zu studieren, hat aber überall vorzeitig abgebrochen. Im Durchschnitt hat er also jedes Fach vier Monate studiert, inklusiv Semesterferien.

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Vorbild Mohammed

Von Kurt Westergaard

Von Kurt Westergaard

Wenn im Namen des Islam Grausamkeiten begangen werden, heißt es immer,die Terroristen pervertierten eine friedliche Religion. Stimmt das wirklich?

Von Leon de WinterDIE WELT

Langsam werden wir in eine Diskussion gezogen, die wir vermeiden wollten. Es ist eine Diskussion, die die westliche Welt eigentlich seit der Aufklärung mehr oder weniger beerdigt hatte. Jetzt ist sie wieder da mit voller Wucht. Die industrielle Revolution gab uns die Werkzeuge, um Herr unseres eigenen Schicksals zu werden, und trotz schlimmster Rückfälle in die Barbarei während des 20. Jahrhunderts schritten wir voran zu Individualisierung, Säkularisierung, Wohlstand. Auf dem Weg ist uns die Vorstellung abhanden gekommen, dass wir wachsam und entschlossen sein müssen, wenn wir die Werte und Überzeugungen bewahren und aufrechterhalten wollen, die uns voran gebracht haben. So entstand die Idee, dass wir keine Feinde mehr haben. Wir konnten uns leisten, unentschlossen zu sein. Aber wir gingen noch weiter. Beschämt von den Massakern des 20. Jahrhunderts begannen wir, an den Ideen der Aufklärung zu zweifeln, die uns so weit gebracht hatten.

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Rap gegen den Glauben

In einem Video bei Kickstarter.com erklärt der Rapper Baba Brinkman, auf welche Botschaft es ihm ankommt: Religionen sind Aberglaube, der offenbar einen evolutionären Vorteil darstellte Foto: kickstarter.com / pro

Der Glaube an Gott basiert nicht auf einer existierenden höheren Macht, sondern hat sich als evolutionärer Vorteil mit dem Menschen entwickelt. Das ist die These vieler Evolutionswissenschaftler. Nun will ein Rap-Album diese Botschaft populärer machen.

pro Medienmagazin

Der kanadische Rapper Baba Brinkman hat auf der Crowdfunding-Plattform „Kickstarter“ versucht, Geld zur Finanzierung seines neuen Albums zusammenzubekommen. Das neue Album soll „The Rap Guide to Religion“ (Die Rap-Erklärung von Religion) heißen und die Botschaft vermitteln: Religion hat sich mit der Evolution des Menschen entwickelt und wird irgendwann überflüssig werden. Am Mittwoch lief die Frist für die Finanzierung aus und der Rapper kann sich freuen: das Soll von 20.000 Dollar ist sogar übertroffen worden.

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Das Judentum als Einbildung

Buchdeckel (Ausschnitt) einer antisemitischen Schrift, die 1940 in Frankreich unter der Naziherrschaft erschien. Bild: www.bridgemanart.com

Buchdeckel (Ausschnitt) einer antisemitischen Schrift, die 1940 in Frankreich unter der Naziherrschaft erschien. Bild: http://www.bridgemanart.com

Antisemitismus funktioniert unabhängig davon, was Juden tun. Das zeigt ein hervorragendes Buch.

Von Beat MetzlerBasler Zeitung

Molotowcocktails gegen Synagogen, ­geplünderte Koscherläden, «Juden ins Gas»-Parolen – in der Folge des Gaza­kriegs fegte eine Welle des Antisemitismus durch Europa. Der Konflikt hatte die Hassausbrüche ausgelöst. Die Ursachen dafür lagen anderswo.

Ein ähnlicher Reflex spielte bei der Affäre um Geri Müller, hinter der Kommentatoren eine «jüdische Verschwörung» witterten. Schliesslich standen zwei Juden im Verdacht, Müller zu schaden. In Wahrheit handelte es sich um einen gewöhnlichen politischen Streit. Als die CVP mithalf, Christoph Blocher als Bundesrat zu stürzen, wäre niemand auf die Idee gekommen, von einer «christlichen Verschwörung» zu reden.

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Knockout für Pazifisten?

Bild: nationalreview.com

Bild: nationalreview.com

Die “Natur des Menschen” wird gegen Kritiker der Militärpolitik ins Feld geführt.

Von Arno KlönneTELEPOLIS

Werbende Botschaften für die Beteiligung der Bundesrepublik an Waffengängen out of area liegen derzeit im Trend – bei der politischen Prominenz und den meisten Medien jedenfalls. Die Akzeptanz dafür beim Publikum hält sich immer noch sehr in Grenzen. Da werden diskursive Verstärker benötigt, denn friedensbewegte “Altlasten” sind zu entsorgen. In der F.A.Z., die sich seit längerem einer solchen Aufräumarbeit eifrig annimmt, publizierte nun zu diesem Zwecke das Redaktionsmitglied Christian Geyer einen Beitrag “Pazifismus – ein Abgesang”, rechtzeitig zu einem Erinnerungstermin, dem 1.September.

Geyer stellt erleichtert fest, dass von einer kriegsgegnerischen Bewegung hierzulande derzeit nichts zu bemerken sei. “Pazifismus, einst ein Straßenfüller”, sei offenbar “zu einem Ideologem von vorgestern” geworden, zumindest “mucke er nicht auf”, und ehemalige Verkünder der Devise “Frieden schaffen ohne Waffen” hätten sich in zaghafte Befürworter von Waffenlieferungen und militärischen Hilfeleistungen verwandelt. Derartigen Halbherzigkeiten will Geyer ein Ende machen. Sein schlagkräftig gemeinter (freilich ernährungswissenschaftlich nicht gerade versierter) Vergleich: “Es ist mit dem Pazifismus wie mit dem Vegetarismus. Ein bisschen geht nicht.” Ein pazifistisches Politikmuster sei “nur rein oder gar nicht zu haben.”

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Manipulation und: Selbsttäuschung: Die Macht der Fremdsteuerung

Rainer Sachse Manipulation und Selbsttäuschung Verlag: Springer Berlin, Berlin 2014 ISBN: 9783642548239 19,99 €

„Manipulieren” heißt, einen Menschen zu etwas zu veranlassen, was er eigentlich nicht möchte. Der Begriff war ursprünglich nicht negativ behaftet (lat. manipulus, „etwas in der Hand haben”, übertragen „Kunstgriff”), wird heute aber oft mit unmoralischem Verhalten in Verbindung gebracht.

Von Ruth LachmuthSpektrum.de

Rainer Sachse, Leiter des Instituts für Psychologische Psychotherapie (IPP) in Bochum, vermittelt in seinem Buch einen fundierten Einblick in Formen der Manipulation und entsprechende Abwehrstrategien. Er erläutert wesentliche Aspekte des Beeinflussens Anderer sowie der Selbsttäuschung.

Schnell wird klar: Wir alle manipulieren ständig und werden manipuliert, meist aber in harmloser Form und überwiegend unbewusst. Dieses Verhalten sei verbreitet und normal, schreibt Sachse, es könne sogar als soziale Kompetenz betrachtet werden. Entscheidend sei die Dosis. Manipulation werde dann zum Problem, wenn sie zu häufig eingesetzt werde oder ernsten Schaden bewirke.

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Wann ist Selbsttötung christlich vertretbar?

In seinem Buch „Glücklich sterben?“ schreibt der katholische Theologe Hans Küng, dass er den Zeitpunkt seines Todes selbst wählen möchte Foto: Muesse / Verlag Piper | CC-BY 3.0

Darf ein gläubiger Mensch seinem Leben ein Ende bereiten, wenn er es aufgrund von Krankheit und Leid nicht mehr erträgt? Oder verachtet er damit Gottes Geschenk des Lebens? Der katholische Theologe Hans Küng möchte den Freitod wählen und erklärt sich in einem Buch.

Von Jörn Schumacherpro Medienmagazin

Der Theologe Hans Küng, der einerseits als Mitbegründer der Stiftung Weltethos, andererseits wegen seiner Kritik an der Katholischen Kirche bekannt wurde, hat vor einigen Jahren öffentlich gemacht, dass er an Parkinson erkrankt ist. Der 86-jährige in der Schweiz geborene Priester und Buchautor hat schon früher in Vorlesungen seine Meinung geäußert, jeder Mensch solle sein Leben selber beenden können, wenn es für ihn unerträglich geworden sei.

Nun hat er in dem Buch „Glücklich sterben?“, das im Verlag Piper erschienen ist, seine Entscheidung begründet, selbst den Zeitpunkt seines Todes angesichts der fortschreitenden Krankheit wählen zu wollen. Im Buch ist die Abschrift eines Interviews abgedruckt, das Küng mit der Journalistin Anne Will führte, und das die ARD am 20. November 2013 ausstrahlte. Der Theologe erklärt darin: „Ich weiß, dass mein Leben sich vollendet hat, dass ich weiter keine Aufgaben mehr zu erfüllen habe, dass es einfach Zeit ist. […] Ich möchte so sterben, dass ich noch voll Mensch bin und nicht nur reduziert auf ein vegetatives Dasein. Oder wie mein Freund Walter Jens eigentlich auf die Kindheit zurückgeführt.“

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