Archiv der Kategorie: Ökonomie

Die spirituellen Fallschirmjäger des Vatikan

Kloster Thalbach, Bregenz, Bild: wikimedia.org

Eine Frau sucht im Kloster des Ordens “Das Werk” Geborgenheit. Sie findet sektenartige Strukturen, wird sexuell missbraucht und ein Opfer religiösen Fundamentalismus.

Von Kai Biermann – ZEIT ONLINE

Manche reisen nach dem Abitur in die Welt, manche suchen sich eine Lehrstelle, viele studieren. Klara geht ins Kloster. Es ist das Jahr 2003. Der Krieg im Irak hat gerade begonnen, in Österreich regiert zum zweiten Mal die FPÖ mit, Arnold Schwarzenegger wird Gouverneur in Kalifornien. Für Klara ist das alles fernes Rauschen. Viel lauter ist eine Stimme in ihr, die sagt, sie sei berufen. Klara ist neunzehn Jahre alt.

Sie ist in Süddeutschland aufgewachsen, mit sechs Geschwistern und der Überzeugung, dass die Kirche Halt und Trost gibt. “Seit ich sechzehn war, wollte ich Nonne werden”, sagt sie. Heute will sie davon erzählen, um andere zu warnen. Es war ein Wunsch, an dem sie fast zugrunde ging.

weiterlesen

Rückgang des Glaubens? Keine Bewegung ohne Gegenbewegung

Das Kreuz mit den Religionen

Das Kreuz mit den Religionen

Auch die Kirchen bleiben von Mitgliederschwund nicht verschont. Die Menschen sind selbstbestimmter und eigenverantwortlicher geworden. Doch Wertebewusstsein und einen tiefen Sinn für Zusammenhalt hat die nachwachsende Generation sehr wohl.

Von Gerd AppenzellerDER TAGESSPIEGEL

Seit 1993 hatte er die Zeitung abonniert, aber nach 21 Jahren packte ihn der Zorn und er kündigte den Bezug des Tagesspiegels. Er habe, schrieb er vor kurzem, „die Tendenz, christliche Positionen zu unterstützen, mit wachsendem Misstrauen zur Kenntnis genommen“. Das Fass zum Überlaufen brachte für ihn eine Doppelseite, auf der Volontäre der Evangelischen Journalistenschule ihre Projektarbeit über Glauben und Unglauben in Berlin vorstellten.

Es war die einzige Kündigung deswegen. Aber die Reaktion eines West-Berliner Lesers spiegelt ein Phänomen wieder, das die jungen Journalisten entdeckt hatten: In den östlichen Stadtbezirken hat sich die Zahl der Christen in den letzten 20 Jahren von einem niedrigen Niveau aus verdoppelt, im Westteil ist sie von einem weit höheren Ausgangspunkt um 30 bis 50 Prozent zurückgegangen.

weiterlesen

Orthodoxe Kirche: Patriarchen liefern sich Krieg der Worte

Der Kiewer Patriarch Filaret sagt, der russische “Feind” sei zum Scheitern verurteilt. Quelle: ap

Von wegen österlicher Friede: Während hierzulande Christen zur Mäßigung aufrufen, beten die höchsten Repräsentanten der orthodoxen Kirchen in der Ukraine und in Russland für den Sieg der jeweils eigenen Seite.

Handelsblatt

Auch die Osterfeiern haben keinen Frieden zwischen der Ukraine und Russland gebracht: Der Kiewer Patriarch Filaret beschwor am Samstag in seiner Osterbotschaft die Hilfe Gottes bei der “Wiederauferstehung” der Ukraine und versicherte, der russische “Feind” sei zum Scheitern verurteilt. Der Moskauer Patriarch Kirill rief dagegen die Gläubigen in der Christ-Erlöser-Kathedrale auf, dafür zu beten, dass das “Heilige Russland” nicht zerstört werde.

weiterlesen

„Ja, Kirche nervt!“

Pastor Martin Vetter: “Es ist tatsächlich große Kunst, die alten Inhalte auf heutige Erfahrungen zu übertragen.” Foto: Emse

Immer mehr Menschen geht die Kirche auf den Geist. Pastor Martin Vetter findet das gut.

Flensburger Tageblatt

Die Kirche verliert stetig Mitglieder. Woran liegt das?
Das hat unterschiedliche Gründe. Bei jüngeren Leuten liegt es sicher daran, dass sie nicht mehr so intensiv religiös aufwachsen wie einst die ältere Generation – die noch viel in der Kirche ist. Hinzu kommt, dass die mittlere Generation oft sehr im Beruf eingebunden ist, vielleicht noch ein Hobby pflegt und das Wochenende zum Ausschlafen braucht. Bei den Schülern haben sich die Schulzeiten verändert. Das sind strukturelle Punkte, die Bindung abschwächen. Übrigens haben alle traditionellen Institutionen wie Parteien, Sportvereine oder Gewerkschaften rücklaufende Mitgliederzahlen.

weiterlesen

Marketing: Apple Maps zeigt Nessie

Für seinen Kartendienst musste Apple viel Kritik einstecken. Doch jetzt ist der Beweis vollbracht, dass das Maps-Programm fürs iPhone oder iPad einen riesigen Vorteil gegenüber der Konkurrenz hat: Man kann damit das Monster von Loch Ness sehen.

SpON

Screenshot Reinhold Leinfelder

Screenshot Reinhold Leinfelder

Screenshot Reinhold Leinfelder

Screenshot Reinhold Leinfelder

Dodo Mixa zieht Vergleich von Jesus und Tebartz-van Elst

Quelle: HFR

Quelle: HFR

Ein Ex-Bischof spendet dem anderen Ex-Bischof Trost – passend zu Ostern. Walter Mixa muntert Franz-Peter Tebartz-van Elst mit den Worten auf, auch “Jesus war ungerechtem Urteil und Spott ausgesetzt”.

DIE WELT

Der ehemalige Augsburger katholische Bischof Walter Mixa (72) empfindet großes Mitleid mit seinem Amtsbruder Franz-Peter Tebartz-van Elst (54). “Ich kann mir gut vorstellen, dass sich mein bischöflicher Mitbruder ganz aktuell in einem Gemütszustand großer Verlassenheit und Traurigkeit befindet”, sagte Mixa mit Blick auf den früheren Limburger Bischof in einem Interview der “Bild am Sonntag”.

Da helfe der Glaube und das Wissen darum, dass “Jesus Christus selbst, der ohne Sünde gewesen ist, dennoch ungerechtem Urteil und dem Spott der Menge ausgesetzt war”, sagte Mixa.

weiterlesen

“Servicekirche für die individuelle Religion”

HSV-Fan-Friedhof, Bild: abendblatt.de

Kirche zur Taufe, Beerdigung auf dem Friedhof des Lieblingsvereins. Spiritualität brauchen alle, glaubt Theologe Wilhelm Gräb. Die Kirchen sollten die Religion freigeben.

Ein Interview von Friederike SchröterZEIT ONLINE

ZEIT ONLINE: Als Fan von FC Schalke 04 oder dem HSV kann man sich seit einigen Jahren auf speziellen Fan-Friedhöfen bestatten lassen, seit Kurzem gibt es in Berlin einen Friedhof nur für Lesben. Was hat das noch mit Religion zu tun?

Wilhelm Gräb: Enorm viel. Da will sich eine Gemeinschaft auf engem Raum verbunden wissen, noch über den Tod hinaus. Eine Gruppe von Menschen, die zusammen die gleiche Lebensform oder einen bestimmten Lebensinhalt geteilt hat. Wir Menschen suchen die Gemeinschaft, wir können ohne Beziehungen, Kooperation und Kommunikation nicht leben. Das gilt auch in der heutigen sogenannten individualisierten Gesellschaft.

weiterlesen

Theologe Klaus Berger warnt: Christentum bricht zusammen!

Klaus Berger, Bild: wikimedia.org

Emeritierter Neutestamentler übt Grundsatzkritik an historisch-kritischer Exegese und ihrem starken Einfluss auf das Christentum. Das Problem der Kirche bestehe nicht in vermeintlich verkrusteten Strukturen, sondern in einem religiösen Burn-out.

kath.net

„Die Christentümer des Westens“ werden „aus eigener Schwäche zusammenbrechen“, weil man das Glaubensbekenntnis durch das Gebot der Toleranz ersetzt habe. „Retten kann uns nur, wenn wir den Zumutungen Jesu eine Chance geben“, erklärt der Theologe Klaus Berger (Foto), emeritierter Professor für Neues Testament der Universität Heidelberg und Autor des vielbeachteten Buches „Die Bibelfälscher“. Eine bloße Modernisierung der Kirchen löse „das Problem nicht“, warnte Berger, „denn dieses besteht nicht in vermeintlich verkrusteten Strukturen, sondern in einem religiösen Burn-out“.

weiterlesen

Odenwaldschule unter Kinderporno-Verdacht

Odenwaldschule Goethehaus, Bild: wikimedia.org

Der reformpädagogischen Odenwaldschule im südhessischen Heppenheim droht ein neuer Skandal: Ein Lehrer steht im Verdacht, Kinderpornos gesammelt zu haben.

evangelisch.de

Die Staatsanwaltschaft Darmstadt habe bei der Durchsuchung seiner Wohnung auf dem Internatsgelände entsprechendes Material sichergestellt, bestätigte die Schule am Samstag. Der Lehrer sei fristlos gekündigt worden.

Nach einem Bericht des “Mannheimer Morgens” waren die Ermittler durch einen Hinweis der australischen Polizei auf den Mathematik-, Physik- und Chemielehrer aufmerksam geworden. Demnach soll die Internet-Adresse dort im Zuge von Ermittlungen gegen einen internationalen Kinderporno-Ring aufgetaucht sein. Odenwaldschüler seien nicht betroffen, heißt es in der schriftlichen Erklärung der Schule. Der Lehrer sei seit 2011 in dem Internat beschäftigt gewesen.

weiterlesen

Kauder fordert von Türkei mehr Religionsfreiheit

Homo_KauderDie Türkei muss aus Sicht von Unionsfraktionschef Volker Kauder insbesondere Christen mehr Religionsfreiheit gewähren.

Süddeutsche.de

So wie Muslime in Deutschland Moscheen errichten, müssten Christen in der Türkei ihre Kirchen bauen dürfen, sagte der CDU-Politiker der «Rheinischen Post». Die Türkei sei von der europäischen Wertegemeinschaft noch weit entfernt, solange sie sich weigerte, Religionsfreiheit zu garantieren. Die Europäische Union müsse in diesem Punkt gegenüber Ankara noch deutlicher werden.

Bullshistic: Sterbehilfe-Ein ungeheurer Einbruch in Kultur des Lebens in Europa

Anton Losinger, Bild: augsburger-allgemeine.de

Augsburger Weihbischof Losinger äußert in seiner Karfreitagspredigt massive Kritik an der Entscheidung der belgischen Abgeordnetenkammer, Sterbehilfe für Minderjährige zuzulassen.

kath.net

Weihbischof Anton Losinger  hat heute Nachmittag während der Karfreitagsliturgie im Hohen Dom zu Augsburg über den Umgang des Menschen und unserer Gesellschaft mit Leben und Tod gepredigt. Die Entscheidung der belgischen Abgeordnetenkammer, Sterbehilfe für Minderjährige zuzulassen, sei “ein ungeheurer Einbruch in die Kultur des Lebens mitten auf europäischem Boden”. Im Alphabet des Evangeliums sei das Kreuz Jesu die Liebe, die den Tod aufhalte. “Es ist diese ungeheure und unbegreifliche Entäußerung Gottes, die Hingabe des Sohnes, die maßlos liebevolle Zuwendung an die Menschheit, die den Tod abwendet”, so Weihbischof Losinger. Der Karfreitag, der Blick auf das Kreuz, setze uns als getaufte Christen in die Nachfolge des Gekreuzigten. Losinger ist seit 2005 Mitglied des Deutschen Ethikrates.

weiterlesen

Tanzverbot: Es geht ums Prinzip

Mini-Demo: Piraten gegen das Tanzverbot. Foto: Monika Müller

Kaum jemand kommt am Karfreitag zur Demonstration gegen das Tanzverbot. Offenbar sehen viele Frankfurter keine Notwendigkeit mehr im Protest gegen die kirchlich motivierte Einschränkung.

Von Alicia LindhoffFrankfurter Rundschau

Um 14 Uhr war die Demonstration gegen das Tanzverbot angekündigt. Um 14.10 Uhr stehen am Karfreitag noch immer nur zehn Menschen neben dem weißen Brunnen in der Mitte der Zeil, der als Treffpunkt dienen sollte.

Alle zehn gehören zum Umfeld der Frankfurter Piratenpartei, die zum Protestzug aufgerufen hatte. Überrascht sind sie über die – freundlich ausgedrückt – geringe Resonanz nicht. Zum einen sei die Organisation nicht gut gelaufen und die Ankündigung erst einen Tag vor der geplanten Demo verschickt worden, sagt Pressesprecher Christian Hufgard.

weiterlesen

Berlin – Religion und die Großstadt

Bild: RBB

An Feiertagen wie Weihnachten oder Ostern sind – auch in Berlin – die Kirchen voll, aber der Trend geht eigentlich in eine andere Richtung: Die großen Kirchen verlieren Mitglieder, die Gemeinden schrumpfen. Ursula Voßhenrich hat mit der Kulturanthropologin Victoria Hegner darüber gesprochen, inwiefern die Großstadt die Religion prägt – und wie Formen des Glaubens in der Stadt sichtbar werden.

rbb-online.de

Ist Berlin eine religionsferne Stadt?

Wenn man sich die großen Religionen anschaut, wahrscheinlich schon. Gerade das Christentum verliert sehr viel, die Austritte übersteigen die Eintritte. Aber wenn man sich jenseits der monotheistischen Glaubenssysteme bewegt, dann tut sich eine ganz große Vielfalt auf.

In den letzten Jahren sind vor allem sakrale Gebäude nicht-christlicher Religionen in Berlin entstanden, zum Beispiel Moschee-Bauten in Kreuzberg wie das Maschari Center oder die Ahmadiyya-Moschee in Heinersdorf. Vor ein paar Monaten eröffnete ein großer Hindu-Tempel in Britz. Was bedeutet das für eine Stadt, wenn solche großen religiösen Zentren entstehen?

Die Sichtbarkeit von Religion ist mittlerweile zu einem symbolischen Kapital von Städten aufgestiegen, das sich auch touristisch gut verkauft. Solche sichtbaren Gebäude machen die Stadt attraktiver und ziehen natürlich auch Menschen an, die hineinschauen wollen. Andererseits profitieren umgekehrt auch kleinere Gemeinschaften wie beispielsweise die Hindus von der Stadt. Die werden hier wirksam sichtbar, weil Menschen über diese Gebäude darauf aufmerksam werden.

weiterlesen

Norwegen reguliert Vorhautbeschneidung

Beschneidungsbesteck, Bild: wikimedia.org

Der norwegische Gesundheitsminister Bent Høie hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, der regelt, dass Vorhautbeschneidungen künftig nur noch in Kliniken und Arztpraxen und von dafür ausgebildeten und staatlich lizenzierten Personen durchgeführt werden dürfen. Diese Regelung soll sowohl für Kinder als auch Erwachsene gelten.

Von Peter MühlbauerTELEPOLIS

Høie, der der Konservativen Partei angehört und mit einem Mann verheiratet ist, orientiert sich in diesem Entwurf an der Rechtslage im benachbarten Schweden, wo seit 2001 ähnliche Einschränkungen gelten. Dort erhalten auch rituelle Beschneider, so genannte “Mohalim”, eine Lizenz, wenn sie ausreichend Fachkunde nachweisen. In Deutschland erlaubt der Absatz 2 des 2012 neu in das Bürgerliche Gesetzbuch aufgenommenen Paragrafen 1631d religiösen Zeremonienmeistern, die keine Ärzte sind, Beschneidungen nur in den ersten sechs Monaten nach der Geburt.

Anlass für den norwegischen Gesetzentwurf war unter anderem eine Forderung des Krankenschwesternverbandes: Dessen Vorsitzende Astrid Grydeland Ersvik wollte medizinisch nicht notwendige Vorhautbeschneidungen vor dem 15. oder 16. Lebensjahr ganz abschaffen, um die körperliche und seelische Unversehrtheit von Zustimmungsunfähigen zu schützen. Außerdem sieht sie Knaben diskriminiert, wenn die Vorhautbeschneidung erlaubt, aber die Schamlippen- und Klitorisbeschneidung verboten ist.

weiterlesen

Heidelberg testet neue Feiertagsregelung

Heidelberg, Bild: wikimedia.org

Seit Mitternacht wird in Heidelberg eine neue Feiertagsregelung getestet.

Deutschlandradio Kultur

Die Absprache zwischen der Kommune, den Kirchen und den Disco-und Clubbesitzern sieht unter anderem vor, dass am gesamten Karfreitag, sowie an Allerheiligen und am Totensonntag keine Tanzveranstaltungen stattfinden. Zum Ausgleich dürfen Diskotheken beispielsweise am Karsamstag öffnen – was bislang in Baden-Württemberg verboten war. Bürgermeister Wolfgang Erichson erklärte, mit der Einigung räumten die Kirchen ein, dass man auch an Ostern oder Weihnachten tanzen könne, während die Club-und Diskothekenbetreiber respektierten, dass es auch stille Feiertage gebe.