Archiv der Kategorie: Protestantismus

Juristentag debattiert über islamische Paralleljustiz

Screenshot: BB

Screenshot: BB

Der Umgang mit islamischer Paralleljustiz ist einer der Schwerpunkte beim 70. Deutschen Juristentag, der am heutigen Dienstag in Hannover beginnt.

evangelisch.de

Zur größten Juristentagung Europas werden bis zum Freitag rund 2.500 Rechtsanwälte, Staatsanwälte oder Richter aus ganz Deutschland erwartet. Eines von sechs Fachforen geht der Frage nach, ob als Folge der kulturellen und religiösen Pluralisierung in Deutschland Änderungen im Strafrecht zu empfehlen sind.

Weitere Themen sind unter anderem das Urheberrecht, die Tarifautonomie und die Reform des Föderalismus. Der Kongress wird am Nachmittag mit einer Rede von Bundespräsident Joachim Gauck eröffnet. Auch Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) wird erwartet. Zum Abschluss ist Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) zu Gast bei einem “Forum Europa”.

Wann reden Merkel und Marx auf Kundgebung „Steh auf. Nie wieder Christenhaß“?

„Nie wieder Judenhass“ – Bild-Zeitung im Juli 2014

„Nie wieder Judenhass“ – Bild-Zeitung im Juli 2014

In Berlin fand am Sonntag unter dem Motto „Steh auf. Nie wieder Judenhass“ eine Kundgebung des Zentralrats der Juden gegen Antisemitismus und für Israel statt. Neben etwa 6.000 Teilnehmern war viel gekommen, was in Deutschland Rang und Namen hat, einschließlich Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx. Die Kundgebung fand vor dem Brandenburger Tor statt, vor dem auch bereits Sympathisanten der Dschihadisten die schwarze Fahne des „Kalifats“ schwenkten.

Von Andreas BeckerKatholisches Magazin für Kirche und Kultur

Das Anliegen ist verständlich. Daß der Zentralrat der Juden eine solche Kundgebung für Israel organisiert ebenso. Dennoch haben die Koordinaten Schönheitsfehler. Die Positionen des Vorsitzenden des Zentralrats, Dieter Graumann sind nachvollziehbar und aus seiner Sicht selbstverständlich. Allerdings verschwimmen die Grenzen zwischen den Interessen Israels und den Interessen der Bundesrepublik Deutschland, daß eine Deckungsgleichheit behauptet und entsprechendes Handeln von der bundesdeutschen Politik eingefordert wird. Eine Forderung der sich, wenn schon nicht die offizielle Politik, so zumindest der gesunde Hausverstand widersetzt. Kritik an der Politik Israels, stellt noch keinen „Angriff“ auf das Judentum per se und noch weniger auf die israelitische Kultusgemeinde in Deutschland dar. Daß der Zentralrat der Juden in Deutschland hier wenig differenziert, läßt sich erklären. Fraglich ist es dennoch. Mit Sicherheit fraglich ist aber, wenn geladene Nicht-Juden aus Politik und Kirchen nicht differenzieren. Letztlich handelte es sich bei der Kundgebung vom Sonntag um die Fortsetzung einer Kampagne der Bild-Zeitung von Ende Juli: Selbes Motto, selbe Akteure. „Stimme erheben. Nie wieder Judenhass“. Merkel und Marx waren schon damals dabei.

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AfD – die christliche Alternative für Deutschland?

Bild: Ziko van Dijk (CC BY SA 3.0)

Bild: Ziko van Dijk (CC BY SA 3.0)

Nach ihrem Erfolg bei der Europawahl 2014 zieht die Alternative für Deutschland (AfD) in zwei weitere Landtage ein: Thüringen und Brandenburg. Ist die AfD eine Partei für konservative Christen? Aussagen von AfD-Mitgliedern zur Familien- und Migrationspolitik decken sich mit Überzeugungen Evangelikaler. Doch wo verläuft die Grenze zu rechtsnationalem Gedankengut?

Von Thomas Klattevangelisch.de

Es sei eine bösartige Unterstellung der Medien, die Alternative für Deutschland nicht nur als evangelikal, sondern gleichzeitig als rechtsnational bezeichnen zu wollen, sagt der Parteivorsitzende Bernd Lucke*. “Wir haben Grundsatzbeschlüsse der Partei, dass wir uns von jeder Form der Ausländerfeindlichkeit oder Islamfeindlichkeit oder des Antisemitismus abgrenzen. Das wird einfach nicht zur Kenntnis genommen.”

Lucke wehrt sich auch gegen Behauptungen, wie sie etwa in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung aufgestellt wurden, dass seine Partei ein Sammelbecken für Evangelikale sei. Er selbst gehört der reformierten Kirche in Hamburg an, die wiederum eine Gliedkirche der EKD ist. Seine AfD sei die Partei der Vernunft und des gesunden Menschenverstandes in der Mitte der Gesellschaft.

Ist die AfD zunächst nur zur Rettung des Euro gegründet worden, so ringt sie nun um ein Parteiprogramm, das alle gesellschaftlich-politischen Themen umfasst. Die AfD in ihren vielfältigen und zum Teil widersprüchlichen Äußerungen politisch einzuordnen, fällt von außen immer noch schwer.

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Lieberknecht: Mit Bibelversen gegen die AfD

Christine Lieberknecht will Regierungschefin in Thüringen bleiben – im Landtag hat sie eine knappe Mehrheit, Rot-Rot-Grün aber auch Foto: Michael Panse, flickr | CC-BY-ND 2.0

Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) hat für den Ausgang der Wahl gebetet. Im pro-Gespräch verrät sie außerdem, welcher Bibelvers ihr gegen die Alternative für Deutschland hilft. Die Fragen stellte Moritz Breckner

pro Medienmagazin

pro: Frau Lieberknecht, haben Sie für den Wahlausgang gebetet?

Christine Lieberknecht: Ich habe gebetet, dass Gott die Bürger Thüringens die richtige Entscheidung treffen lässt. Denn es lag in der Hand der Bürger, und es lag in Gottes Hand. Die heutige Tageslosung passt zum Wahlergebnis: „Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat; lasset uns freuen und fröhlich darinnen sein“.

Warum sollte Bodo Ramelow, der Kandidat der Linkspartei, aus Ihrer Sicht nicht Ministerpräsident werden?

Thüringen braucht Stabilität und Verlässlichkeit, und das ist am ehesten gegeben, wenn CDU und SPD ihre bereits in den vergangenen Jahren erfolgreiche Arbeit fortsetzen. Eine instabile Dreier-Konstellation aus Linkspartei, SPD und Grünen beinhaltet viele Risiken. Die CDU ist die stärkste Partei, wir haben den Regierungsauftrag.

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Religiöser Fundamentalismus: Der Charme der Dogmen

Bild: nationalreview.com

Bild: nationalreview.com

Theologe über die Anziehungskraft des religiösen Fanatismus

Ulrich Engel im Gespräch mit Philipp GesslerDeutschlandradio Kultur

Klare Ansagen und unverrückbare Wahrheiten: Religiöser Fundamentalismus wird für immer mehr junge Menschen attraktiv. Die monotheistischen Religionen selbst sind Teil dieses Problems, sagt der Theologe Ulrich Engel – und liefert eine ungewöhnliche Lösung.

Philipp Gessler: Vor etwas mehr als 350 Jahren fand im Berliner Schloss Cölln an der Spree, dessen Nachfolgebau heute wieder aufgebaut wird, das sogenannte Berliner Religionsgespräch statt. Es sollte dazu dienen, in den Territorien des Großen Kurfürsten eine Glaubensspaltung zu mildern, die das spätere Preußen zerriss: da die Lutheraner, hier die Reformierten, beides protestantische Konfessionen zwar, aber sich spinnefeind. Unter anderem der große geistliche Dichter Paul Gerhardt nahm daran teil. Aber das Ganze scheiterte grandios, die Herren Theologen gingen ohne Einigung auseinander. Am Dienstag dieser Woche fand auf Einladung unter anderem auch dieses Senders erneut ein Berliner Religionsgespräch statt, hochkarätig besetzt und das erste dieser Gespräche, die nun zweimal jährlich stattfinden sollen. Das Thema dieses Mal: “Religion und Assimilation”. Mit einem der Podiumsteilnehmer wollte ich das Diskutierte nach der Veranstaltung in der Akademie der Wissenschaften am Gendarmenmarkt noch ein wenig vertiefen. Es ist Ulrich Engel, Professor der Theologie, Dominikaner und Direktor des in Berlin angesiedelten Instituts Marie-Dominique Chenu. Chenu war ebenfalls Dominikaner und einer der Wegbereiter des Zweiten Vatikanischen Konzils. Meine erste Frage an Ulrich Engel war, ob es nicht ein schlechtes Omen sei für die Berliner Religionsgespräche, wenn man dafür einen Namen wähle, der erinnere an ein Berliner Religionsgespräch, das 1662/63 schrecklich gescheitert sei.

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EKD-Theologe Gundlach beklagt Verdrängung der Religionen

Das Kreuz mit den Religionen

Das Kreuz mit den Religionen

Der Vizepräsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Thies Gundlach, beklagt eine zunehmende Verdrängung von Religion aus der Öffentlichkeit.

evangelisch.de

Auch in Deutschland verlagerten sich religiöse Themen immer stärker in den Bereich des Privaten und Intimen, sagte er am Wochenende bei einer Tagung in Schwerte. “Wir reden untereinander schneller über Sex als über Religion.”

Gleichzeitig würden existenzielle Fragen wie Geburt und Tod, Sinn- und Beziehungsfragen mehr und mehr als religiöse Themen erkannt, äußerte Gundlach weiter. Die Erwartungen an die Qualität pastoraler Arbeit würden höher. “Es ist immer selbstverständlicher, dass Kirchenmitglieder etwa Gottesdienste zur Trauung oder zur Taufe nach eigenen Wünschen mitgestalten wollen”, sagte der Theologe. Er empfahl der Kirche neue, überraschende Orte, Formen und Liturgien. Auch müsste die Kirchenmitglieder, die in “Halbdistanz” zur Kirche stünden, gewürdigt werden.

For Those Praying for Protection Against the Islamic State…

Cartoonist Michael Leunig points out the irony:

Image: Friendly Atheist

Gesundheit in christlicher Geiselhaft

Hermann Gröhe, Bild: wikimedia.org/CC-BY-SA-3.0-de/Laurence Chaperon

Gesundheitspolitik in Deutschland wird leider unter religiösen Prämissen gestaltet, vor allem wenn Politiker ihre Glaubensinhalte zur politischen Maxime erheben. Planung, Organisation, Steuerung und Finanzierung des Gesundheitssystems ist Aufgabe der Gesundheitspolitik. In Gesetzen und Verordnungen werden die Beziehungen von Verbänden der Krankenkassen, der Krankenhausträger, der Ärzte und Apotheker und der Pharmaindustrie ausgehandelt und geregelt. Der Bürger, Subjekt der Gesundheitspolitik, sollte Nutznießer der politischen Ausgestaltung des Gesundheitsbereichs sein. Die Realität ist eine andere.

Politiker, christliche Moralapostel, egal ob evangelisch oder katholisch, beeinflussen die Gesundheistpolitik mit ihren, teils bigotten, religiösen Vorstellungen. Das geht soweit, dass man Gesundheitspolitik mit dem Strafgesetzbuch verwirklicht. Der mündige Bürger wird kriminalisiert. Gottgefälliges Saufen ist legal, Rauchen ebenso, ökonomische Zwänge, Lobbyismus und jede Menge Geld stehen dahinter. Drogenpolitik ist Gesundheitspolitik die mittels Strafgesetzbuch verwirklicht wird. Über die Unsinnigkeit dieses Konstrukts bestehen seitens der Politik keine Einwände. Politik wird unsinnig. Jeder Erwachsene sollte selbst entscheiden können, ob und welche Drogen er einnehmen will, ohne dafür kriminalisiert zu werden. Die Entmüdigung der gesellschaftlichen Individuen ist signifikant und auf Dauer betrachtet nicht von Erfolg gekrönt.

Geht es um Sexualität und mögliche Folgen ist es ganz aus, obskure moralische Vorstellungen finden Eingang in den Prozess politischer Willensbildung. Ein Beispiel, die Pille-danach. In den meisten europäischen Ländern ist die Notfallkontrazeption rezeptfrei zu haben. Selbst Spanien verweigert sich nicht vernünftiger Gesundheitspolitik. Die Widerstände in Deutschland sind groß, aber nicht weil man Frauen schützen will.
Die Pille danach gilt als das Verhütungsmittel für den Notfall: Nicht nur, wenn das Kondom versagt hat, sondern auch, wenn eine Frau vergewaltigt wurde. Bisher ist das Medikament auf der Basis von Levonorgestrel in Deutschland verschreibungspflichtig. Kritische Situationen in Sachen Verhütung, ob nun nach einer Vergewaltigung, dem Versagen des Kondoms, werden verwaltunsgrechtlich mit dem Rezept geregelt.
Seit mindestens 2003 tobt nun eine Debatte um die Entlassung der Pille-danach aus dem rechtlichen Strafvollzug. Bereits 2010 kam die Weltgesundheitsorganisation zu dem Schluss, dass das Präparat ohne ärztliche Beratung eingenommen werden kann.
Den Bundesrat wollten Länderpolitiker aus der SPD und den Grünen im Frühjahr 2013 nutzen, um die Rezeptfreiheit der Pille danach endlich zu erreichen. Die Regierungen von Baden-Württemberg (Grüne/SPD) und Nordrhein-Westfalen (SPD/Grüne) bereiteten einen entsprechenden Antrag für die rezeptfreie und kostenlose Abgabe von Levonorgestrel vor. Im November stimmte der Bundesrat mehrheitlich für diesen Antrag. Die Bundesregierung wurde darin aufgefordert, eine entsprechende Verordnung zu erlassen.

CDU-Gesundheitsminister Gröhe lehnt ab, Kerl der er ist, maßt er sich an über die Befindlichkeiten von Frauen zu entscheiden. Frauen bevormundend, schränkt er deren Rechte, auf der Grundlage seiner religiösen Überzeugungen ein. Notlagen interessieren ihn nicht.
Im April legte das Bundesgesundheitsministerium dem Bundesrat erneut eine Verordnung vor, in der die Anerkennung von Rezepten aus anderen EU-Mitgliedstaaten geregelt wird. Der Bundesrat hatte diese Umsetzung einer EU-Richtlinie daran gebunden, dass die Frage der Pille danach ebenfalls neu geregelt wird, und die Verordnung deshalb seit November 2013 blockiert. Diese Blockade hob der Gesundheitsausschuss des Bundesrates im Mai auf. Jedoch schob der Bundesrat mit der Mehrheit von elf Ländern sofort einen neuen Antrag zu Levonorgestrel nach.

Mit der derzeitigen Bundesregierung und dem christlichen Gewühl in den Gebärmüttern dürfte eine Änderung in absehbarer Zeit nicht möglich sein.
Zumal noch wirtschaftliche Aspekte eine nicht unbedetende Rolle spielen. Laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte wird in Deutschland pro Jahr 400 000 mal die Diagnose »Notfallkontrazeption« gestellt. Allein für die Beratung können die Ärzte in diesem Fall 7,19 Euro abrechnen, kombiniert mit einer Untersuchung dann 11,45 Euro. Unter dem Strich könnte bei Rezeptfreiheit zumindest ein Teil der bisher gesicherten 2,9 Millionen bzw. 4,6 Millionen Euro wegfallen.
Gesundheit ist Ware, moralische Wertigkeiten, zumal noch christlich determiniert, die Verpackung zur Entmündigung der Bürger, hier der Frauen.

Ebenso bigott ist die von Gröhe geführte Debatte zum Thema Sterbehilfe. Religiöse Dogmen werden politisch festgeschrieben, getreu dem Motto, weil ich die Macht habe und die moralischen Voraussetzungen lege ich fest, wie gestorben wird. Die Menschen haben eigene und vor allem andere Vorstellungen, wie auch durch Umfragen belegt ist. Die politischen Gottesknechte berührt das nicht. Gesundheitspolitik unter christlicher Zwangsverwaltung.

„Antisemitismus ist Gotteslästerung“

Bei einer Demonstration vor dem Brandenburger Tor in Berlin … Foto: pro

In Berlin haben Prominente aus Kirche und Politik Antisemitismus scharf verurteilt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nannte die jüngsten antijüdischen Proteste in Deutschland einen „ungeheuren Skandal“, Protestant Nikolaus Schneider zeigte sich selbstkritisch.

pro Medienmagazin

Tausende waren am Sonntag dem Aufruf des Zentralrats der Juden in Deutschland gefolgt, und hatten vor dem Brandenburger Tor gegen Antisemitismus demonstriert. Zu den Rednern der Kundgebung „Steh auf! Nie wieder Judenhass“ gehörten neben der Bundeskanzlerin und dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, der Regierende Bürgermeister Berlins, Klaus Wowereit (SPD), der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, und der Präsident des World Jewish Congress, Ronald S. Lauder.

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Antisemitismus: Eskalation der Feindseligkeit

Bild: brightsblog

Bild: brightsblog

Im Windschatten teils inakzeptabler Entscheidungen der israelischen Regierung hat sich alter Judenhass neu formiert. Für viele sind die „Zionisten“ ein willkommenes Feindbild.

Von Joachim FrankFrankfurter Rundschau

Die Metaphorik scheint identisch zu sein, und doch hat sich die Tonalität geändert, seitdem das politische, gesellschaftliche und kulturelle Establishment in Deutschland 2000 zum „Aufstand der Anständigen“ gegen Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus blies. Es war die typische Rhetorik in den frühen Jahren der Ära Schröder-Fischer: immer auf dem kühnen Höhenflug, immer ein bisschen zu vollmundig, immer eine Spur zu viel Testosteron. Und bei genauem Hinhören doch seltsam blutleer, unbeteiligt.

Heute, 14 Jahre später, ruft der Zentralrat der Juden wieder zu einer Demonstration: „Steh auf!“, heißt es diesmal, schon aktiver, direkter, drängender. Und dann: „Nie wieder Judenhass.“ Das fasst Erfahrungen drastisch ins Wort, die Juden in Deutschland – und anderswo – in jüngster Zeit als zunehmend beängstigend wahrnehmen: ungebremste Verbalattacken, offene Feindseligkeit bis zu angedrohter und verübter Gewalt. Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats und gemeinhin ein distinguierter Mann, hat daraufhin von der schlimmsten Zeit seit der Nazi-Ära gesprochen.

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Christen-Fundis wollen Macht über die Gebärmütter

Die Linke will Abtreibung als Frauenrecht etablieren Foto: pro

Kurz vor dem diesjährigen „Marsch für das Leben“ macht die Linke gegen Abtreibungsgegner mobil. Aber wie ticken eigentlich die Gegner der Gegner? pro war bei einer Informationsveranstaltung der Partei dabei.

Von Anna Lutzpro Medienmagazin

In einer Woche werden Christen und Konservative mit weißen Holzkreuzen schweigend durch die Straßen Berlins ziehen. Vier- bis fünftausend Abtreibungsgegner kommen regelmäßig im September zusammen, um darauf aufmerksam zu machen, dass sich jährlich laut Statistischem Bundesamt über hunderttausend Frauen dazu entscheiden, ihre Schwangerschaft vorzeitig abzubrechen. Doch die Lebensrechtler sind nicht allein. Gegendemonstranten gibt es jedes Jahr, 2013 kamen Hunderte aus dem Umfeld eines „Bündnisses für sexuelle Selbstbestimmung“ zusammen. Dabei bleiben die Gegner der Abtreibungsgegner nicht immer friedlich. Immer wieder haben sie den Demonstranten in den vergangenen Jahren zum Beispiel gewaltsam Kreuze entrissen und in die Spree geworfen.

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Jugend-TV – Rechte Esoterik für den Nachwuchs

Ein mal täglich verbreiten die Macher von jugend-tv.net kindgerechte Verschwörungstheorien. Quelle: Screenshot jugend-tv.net

Die Kamera ist auf ein blondes Mädchen gerichtet. Von ihrer Moderationskarte liest sie die Nachricht des Tages vor und nutzt dabei kindgerechte Sprache. Die minderjährigen Zuhörer*innen werden bei „Jugend-tv“ mit „du“ angesprochen, die Informationen sind gerne einmal „voll krass“. Was zunächst über die Aufmachung wie das engagierte Jugendprojekt eines Lokalsenders wirkt, ist aber das Projekt eines fundamentalistischen Predigers aus der Schweiz. Auf jugend-tv.net wird antisemitische und homophobe Hetze ebenso wie Verschwörungstheorien „kindgerecht“ verpackt.

Von Marc LatschNetz-gegen-Nazis

So berichtet denn auch das Mädchen im oben genannten Video, wie Schulen mit ihrem Aufklärungsunterricht homosexuelle Propaganda betreiben und angeblich Kinder zur Gleichgeschlechtlichkeit erziehen. Jugend.tv bietet auf seiner Website und auf YouTube  eine Vielzahl Filme, sie sind voller problematischer bis offen demokratiefeindlicher Inhalte. Der Nachwuchs lernt hier sämtliche Spielarten der verschwörungstheoretischen Szene kennen und soll so bereits in frühen Jahren die „Lügen des Mainstreams“ kritisch hinterfragen.

Revisionismus, Verschwörungstheorien und Antisemitismus aus Kindermündern

Auf jugend-tv.net begegnet den Zuschauerinnen alles, was sie  auch auf den verschiedenen Portalen und Blogs rechter Verschwörungstheoretikerinnen finden  – bloß wird es vorgetragen von etwa 8- bis 20-Jährigen. In einem Video erklärt der Moderator die „Wahrheit“ über den Ukraine-Konflikt – und zieht dabei Parallelen zwischen den Jahren 1939 und 2014. Hierbei vollbringen die Moderatoren das Kunststück, Adolf Hitler und Wladimir Putin auf eine solche Art zu vergleichen, dass es so  klingt, als hätten beide längst den Friedensnobelpreis verdient.

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Diakonie und ver.di erzielen mit Tarifvertrag Durchbruch

Bild: tilly

Bild: tilly

Nach monatelangen Verhandlungen haben sich die Gewerkschaft ver.di und die Arbeitgeber der evangelischen Diakonie in Niedersachsen auf einen Tarifvertrag für rund 37.000 Beschäftigte geeinigt.

evangelisch.de

Es sei ein “Durchbruch” gelungen, teilten ver.di und der Diakonische Dienstgeberverband Niedersachsen am Freitag in Hannover mit. Der Vertrag soll am kommenden Freitag offiziell unterzeichnet werden. Dann wollen beide Partner auch Details der neuen Regelung bekanntgeben.

Die Verhandlungen seien “zum Teil schwierig, aber konsensorientiert” verlaufen, hieß es. Diakonie und Gewerkschaft hatten sich im Juni 2013 im Grundsatz auf Tarifgespräche geeinigt und im vergangenen März eine Vereinbarung für eine Sozialpartnerschaft unterzeichnet.

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Sarah Palin: ‘I owe America a global apology because John McCain should be our president’

Sarah Palin grüßt "Die Freiheit"Appearing on Thursday night’s edition of Hannity, former vice presidential nominee and party crasher Sarah Palin issued a “global apology” to America because her 2008 running mate, Sen. John McCain, is not the President of the United States.

By Tom Boggioni—The Raw Story

Invited on by host Sean Hannity to share her reaction to President Barack Obama’s ISIS speech, the former half-term governor of Alaska criticized the president for previously saying ISIS could be “managed,” saying, “No, Barack, you manage your golf foursome perhaps, you don’t manage a threat like this, you destroy the threat.”

“To claim last night, also, our president saying ISIS is not Islamic, um, ISIS says they’re Islamic,” Palin continued. “They are so full of deception that America should be concerned with the policies that are going on. And, as I watched the speech last night, Sean, the thought going through my mind is ‘I owe America a global apology. Because John McCain, through all of this, John McCain should be our president.’ He had the advice, today, still giving it to Barack Obama, and he will not listen to it, about the residual forces that must be left behind in order to secure the peace in Iraq that we had fought so hard for.”

Discussing the cities in Iraq currently held by ISIS, Palin added, “That triangle, of course, the foundation in the region of their power, for it to be taken over by the bad guys, that could have been avoided had Barack Obama listened to the best military advice, and that was ‘Barack, you have to leave that residual force in order to continue what it is we are doing.’ We don’t have to have combat troops over there at that time, but that residual force in order to secure….but, no, and now here we are saying, uh, well, it’s going to take boots on the ground to win this thing, and yet, we’re not going to send boots on the ground? We’re going to contract this thing out when there is no mightier power than the red, white, and blue?”

Asked by Hannity if ISIS is trying to create their vision of am Islamic caliphate in the Middle East, Palin agreed and warned that the US is next.

“Sean, it’s not just a vision that’s so obvious, it’s an articulated mission that they’re on,” she excitedly replied.”That is the caliphate, that is a takeover of the region, and guess what? We’re next on the hit list.”

Watch the video below uploaded to YouTube by Maria Navarro:

Arabische Christen buhen gegen Israel

Ted Cruz gilt vielen Beobachtern als möglicher Präsidentschaftskandidat für die Wahlen 2016 Foto: Gage Skidmore, flickr | CC-BY-SA 2.0

Der amerikanische Senator Ted Cruz hat bei einer Rede vor arabischen Christen zur Solidarität mit Israel aufgerufen – und wurde dafür ausgebuht. Der Politiker wurde wütend und legte nach.

pro Medienmagazin

Die erste Konferenz der im Frühjahr gegründeten Lobbygruppe „Zur Verteidigung der Christen“ (IDC) sollte in Washington D.C. auf die Verfolgung christlicher Minderheiten in der arabischen Welt aufmerksam machen. Hunderte Katholiken, Orthodoxe, Evangelikale und andere Christen mit arabischem Hintergrund nahmen Teil, um zu diskutieren und sich zu vernetzen. Zu den prominenten Rednern von Seiten der Politik zählte der republikanische Senator Ted Cruz aus Texas.

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Intoleranz: Wenn Religion Angst macht

Pro-Köln-Anhänger demonstrieren am 8.5.2009 in Leichlingen. Pro Köln wendet sich unter anderem gegen den Bau von Moscheen in Deutschland. (dpa / picture alliance / Rolf Vennenbernd)

Die US-amerikanische Philosophin Martha Nussbaum untersucht in ihrem neuen Buch die Hintergründe der neuen religiösen Intoleranz. Ihr Fokus liegt auf Europa und den USA, wo sie eine zunehmende, irrationale Angst vor dem Islam, aber auch anderen Religionen wie dem Judentum ausmacht.

Von Kersten KnippDeutschlandfunk

In diesen Wochen jagen Kämpfer der Terrororganisation “Islamischer Staat” Hunderttausende sogenannter “Ungläubiger” vor sich her: Jesiden, Christen, Schiiten und teils auch jene Sunniten, die ihrer extremistischen Lesart der Religion nicht folgen wollen. Mit kaum für möglich gehaltener Brutalität gehen die Terroristen gegen ihre Opfer vor: Sie durchkämen ganze Landstriche, vertreiben deren dort seit Jahrhunderten, wenn nicht Jahrtausenden ansässigen Bewohner, enteignen sie, stellen sie vor die Wahl, sich entweder zu radikalen Spielformen des sunnitischen Islams zu bekennen oder die Gegend zu verlassen. Tausende dieser “Ungläubigen” ereilt ein noch schlimmeres Schicksal: Sie werden auf oft bestialische Weise getötet. Die fast schon vergessene “Enthauptung” hat durch die Berichterstattung über den “Islamischen Staat” im deutschen Sprachgebrauch inzwischen wieder eine prominente Position eingenommen. Die religiöse Intoleranz feiert unter der Herrschaft der Terrororganisation “Islamischer Staat” kaum mehr für möglich gehaltene Triumphe.

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Käßmann: Land ohne Armee ist eine Utopie

Margot-KässmannDie evangelische Theologin Margot Käßmann hat der Behauptung widersprochen, sie habe die Abschaffung der Bundeswehr gefordert.

evangelisch.de

Für sie sei es eine Utopie, in einem Land ohne Armee zu leben, sagte sie dem in Bielefeld erscheinenden “Westfalen-Blatt” (Freitagsausgabe). Die frühere EKD-Ratsvorsitzende machte zugleich deutlich, dass es auch weiter Utopien geben müsse.

“Ich träume davon, dass es eine Welt ohne Krieg geben kann. Ich habe die Utopien von gerechten Beziehungen zwischen Arm und Reich und Männern und Frauen. Wenn es das nicht mehr gibt, dann bewegt sich nichts mehr. Dann haben wir nur noch eine Politik des  Pragmatismus, die einen Schritt geht und dann den nächsten”, sagte   die frühere hannoversche Landesbischöfin, die heute als EKD-Botschafterin für das 500. Reformationsjubiläum 2017 wirbt.

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Wer hinter “Jugend-TV.net” steckt

In der bislang aktuellesten Folge führt der 22-jährige Kai-Stephan die jungen Zuschauer durch eine Sendung von “Jugend-TV.net”. Dort wird Ebola mit der Grippe vergleichen – und erschreckend verharmlost.© Screeshot/www.jugend-tv.net

Das Online-Format “Jugend-TV” sendet täglich Judenhetze, Verschwörungen und homophobe Wirrungen. Dahinter steckt ein selbsternannter Prediger mit rechts-konservativem Gedankengut.

Von Katharina Grimmstern.de

Mitte der Woche war das Video noch online, inzwischen haben es die Verantwortlichen von der Seite geräumt. Der Beitrag hatte auf Facebook für Empörung gesorgt. “Coming Out – die manipulierte Identitätsfindung” gab Schulen und Lehrern die Schuld daran, dass Homosexualität zu einer “Mode” erhoben worden sei. Dass sie Jugendliche mit ihrer homo-freundlichen Auffassung in die selbige drängen würden.

Das Netz ließ nicht lange auf sich warten und bescherte der Seite zumindest einen so gewaltigen Shitstorm, dass das Video aus dem Netz verschwand. Doch Ruhe ist nicht eingekehrt.

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Rap gegen den Glauben

In einem Video bei Kickstarter.com erklärt der Rapper Baba Brinkman, auf welche Botschaft es ihm ankommt: Religionen sind Aberglaube, der offenbar einen evolutionären Vorteil darstellte Foto: kickstarter.com / pro

Der Glaube an Gott basiert nicht auf einer existierenden höheren Macht, sondern hat sich als evolutionärer Vorteil mit dem Menschen entwickelt. Das ist die These vieler Evolutionswissenschaftler. Nun will ein Rap-Album diese Botschaft populärer machen.

pro Medienmagazin

Der kanadische Rapper Baba Brinkman hat auf der Crowdfunding-Plattform „Kickstarter“ versucht, Geld zur Finanzierung seines neuen Albums zusammenzubekommen. Das neue Album soll „The Rap Guide to Religion“ (Die Rap-Erklärung von Religion) heißen und die Botschaft vermitteln: Religion hat sich mit der Evolution des Menschen entwickelt und wird irgendwann überflüssig werden. Am Mittwoch lief die Frist für die Finanzierung aus und der Rapper kann sich freuen: das Soll von 20.000 Dollar ist sogar übertroffen worden.

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A Debate on School Prayer Between an Expert and an Idiot

The Lubbock Avalanche-Journal in Texas published a debate on the topic of school prayer in today’s paper. On one side, they have Arnold Loewy, the Chair of Criminal Law at Texas Tech School of Law.
On the other side, they have Donald May who wouldn’t know the law if it were spelled out right in front of him. Which it is.

By Hemant MehtaFriendly Atheist

Arnold Loewy (left) and Donald May, Image: Friendly Atheist

Let’s start with the sensible Loewy:

How, you might ask, can removing prayer from school possibly be good news for religious people? Well, in the first place, the Court did not remove prayer, it only removed school-sponsored prayer. There is a huge difference. Students are free to pray in school anytime they wish so long as they don’t disturb the class in doing so. So, if a group of two, 10 or 100 want to meet at school during lunch, recess, before or after school, or at any other free time and offer a prayer, they are free to do so.

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