Archiv der Kategorie: Säkulares

Urteil zu Kopftuch in evangelischem Krankenhaus erwartet

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Das Bundesarbeitsgericht steht vor einem weiterem Kopftuchurteil: Eine muslimische Pflegerin möchte in einem evangelischen Krankenhaus ihr Kopftuch tragen.

evangelisch.de

Am Mittwoch, 24. September, will das Bundesarbeitsgericht (BAG) in Erfurt entscheiden, ob ein kirchlicher Arbeitgeber von einer muslimischen Krankenschwester das Ablegen ihres Kopftuches verlangen kann (AZ: 5 AZR 611/12).

Die Muslimin wollte nach Elternzeit und Krankheit wieder arbeiten gehen, diesmal allerdings nur mit Kopftuch. Die evangelischen Augusta-Kliniken in Bochum lehnten dies ab. Es kam zum Rechtsstreit. Dabei berief sich die Pflegerin auf die im Grundgesetz geschützte Religionsfreiheit und ihr allgemeines Persönlichkeitsrecht. Das Krankenhaus hingegen verwies auf die Hygienevorschriften, die das Tragen privater Kleidung verbieten, sowie auf ihr ebenfalls im Grundgesetz garantiertes kirchliches Selbstbestimmungsrecht.

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Systemischer Rassismus an der Discotür

Einer der Studenten hat fotografiert, wie die Polizei über ihren Freund Haluk hergefallen ist

Hamburger Kiez. Samstagabend. Haluk und seine Freunde von der Uni wollen feiern. Sie kommen nicht weit. An der Discotür ist Schluss. Sie werden nicht reingelassen. Der Ausländeranteil sei zu hoch. Haluk beschwert sich. Die Polizei kommt und macht ihn zum Täter.

MiGAZIN

Hamburger Kiez an einem typischen Samstagabend Anfang September. Haluk (21) hat sich mit Freundinnen und Freunden aus der Uni (alle zwischen 21 und 24) verabredet. Sie möchten feiern, weg vom Prüfungsstress und dem Studenten-Alltag. Gegen 0:30 Uhr stehen sie im Foyer eines Szenen Clubs an der Simon-von-Utrecht Straße. Der Türsteher zögert nicht lange und sagt es geradeaus: „Tut mir leid, ich würde euch gerne rein lassen, aber der Ausländer-Anteil ist schon zu hoch“.

Die Studenten sind überrascht und suchen das Gespräch. Vergeblich. Drei von ihnen haben keinen Migrationshintergrund. Sie trauen ihren Ohren nicht. Sie sind verunsichert und beschämt zugleich. Hätten sie es nicht selbst erlebt, würden sie es nicht glauben. Wären sie doch bloß wegen der Kleidung zurückgewiesen worden, denken sie sich. Auch am „Männeranteil“ liegt es nicht; Haluk ist mit mit vier Frauen und drei Männern unterwegs. Ein Versuch, die Club-Leitung zu überzeugen, endet immer wieder in der Sackgasse. Die Studenten geben auf. Die Nacht ist noch jung und Hamburg groß; es gibt auch andere Discos.

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Taj Hargey öffnet explizit schwulentolerante Moschee

Themenbild: Die Sultan-Ahmed-Moschee mit ihren sechs Minaretten in Istanbul, Bild. wikimedia.org/CC BY-SA 3.0

In der südafrikanischen Metropole Kapstadt gibt es Moslems, seit die Niederländischen Ostindien-Kompanie ihren dort angesiedelten Bauern im 17. Jahrhundert malaiische Arbeitskräfte lieferte. Die mit einheimischen Khoe vermischten Nachkommen dieser Sklaven sprechen heute das aus dem Niederländischen entstandene Afrikaans (das sie im 18. Jahrhundert mit als erste verschriftlichten), haben aber den Islam als Religion über die Generationen hinweg beibehalten.

Von Peter MühlbauerTELEPOLIS

Am Freitag bescherte Taj Hargey vom Muslim Educational Center Oxford (MECO) diesen 166.000 Kapmalaien und den anderen in der Vier-Millionen-Einwohner-Stadt lebenden Moslems eine “offene Moschee” im Stadtteil Wynberg, die sich in dreierlei Hinsicht von anderen islamischen Gebetshäusern unterscheidet: Dort beten Männer gemeinsam mit Frauen, Frauen dürfen vor Männern predigen und Homosexuelle sollen ebenso willkommen wie Heterosexuelle.

Wer Hargey kennt, den überrascht das nur bedingt: 2008 erregte der in Kapstadt geborene Theologe Aufsehen, als er Amina Wadud als Vorbeterin eines gemischtgeschlechtlichen Freitagsgebets in Oxford engagierte. Ein insofern mutiger Vorstoß, als die Amerikanerin in ihrer Heimat für diesen (dort bereits zuvor durchgeführten) Tabubruch Bombendrohungen hinnehmen musste.

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Relativitätstheorie besteht Test

ProteinuhrDeutschen Physikern gelang es an einem Teilchenbeschleuniger, eine der wichtigsten Vorhersagen von Albert Einsteins spezieller Relativitätstheorie zu bestätigen.

Von Daniel LingenhöhlSpektrum.de

Eine der wichtigsten Vorhersagen der speziellen Relativitätstheorie von Albert Einstein ist die Dehnung der Zeit (auch Zeitdilatation genannt): Eine Uhr, die sich bewegt, geht langsamer als eine stationäre Uhr. Und je stärker sich die Uhr der Lichtgeschwindigkeit nähert, desto mehr dehnt sich die Zeit. Nun ist es Physikern um Benjamin Botermann von der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz gelungen, diese wichtige Voraussage so präzise wie noch nie zu bestätigen und mit der Doppelresonanz-Spektroskopie zu messen. An Stelle einer sich bewegenden Uhr verwendeten die Forscher Lithiumionen, die sie auf ein Drittel der Lichtgeschwindigkeit beschleunigten. Dann maßen sie, wie viele Übergänge im Lithium stattfanden, weil Elektronen zwischen den verschiedenen Energieniveaus hin- und hersprangen – die Frequenz dieser Übergänge diente als “Ticken” der Uhr. Als ruhende “Uhr” dienten wiederum Übergänge in Lithiumionen, die nicht beschleunigt wurden.

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Religiöse kämpfen gegen “Vorurteile”

(v.l.) Rolf Schieder und Wolfgang Thierse (SPD) sprachen über die Lage der Religionsgemeinschaften in der deutschen Gesellschaft Foto: pro

In der Gesellschaft wird die Rolle der Religion zunehmend in Frage gestellt. Das haben Vertreter verschiedener Glaubensrichtungen am Montag bei einer Tagung in Berlin erklärt. Muslime, Protestanten, Katholiken, Juden und Freikirchler riefen ihre Glaubensgeschwister deshalb zu mehr gesellschaftlichem Engagement auf.

pro Medienmagazin

In der Gesellschaft gären antireligiöse Vorurteile. Das erklärte der evangelische Theologe Rolf Schieder von der Humboldt-Universität zu Berlin bei der Tagung „Religion ist (nicht) Privatsache“ der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung. Die Beschneidungsdebatte vor zwei Jahren habe ein „enormes Unverständnis“ für religiöse Rituale offenbart. Es herrsche ein „grundlegendes kulturelles Unbehagen“ in Fragen des Glaubens vor. „Religionskonflikte werden zu einem Kulturkampf“, folgerte Schieder. Er kritisierte einen Mangel an religiöser Selbständigkeit in Deutschland. Der Staat kümmere sich in Form des Religionsunterrichts sogar um die religiöse Erziehung. Schieder wünscht sich deshalb eine „Selbstaktivierung der Gläubigen“.

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Are the robots about to rise? Google’s new director of engineering thinks so…

The Terminator films envisage a future in which robots have become sentient and are at war with humankind. Ray Kurzweil thinks that machines could become ‘conscious’ by 2029 but is optimistic about the implications for humans. Photograph: Solent News/Rex

The Terminator films envisage a future in which robots have become sentient and are at war with humankind. Ray Kurzweil thinks that machines could become ‘conscious’ by 2029 but is optimistic about the implications for humans. Photograph: Solent News/Rex

Ray Kurzweil popularised the Teminator-like moment he called the ‘singularity’, when artificial intelligence overtakes human thinking. But now the man who hopes to be immortal is involved in the very same quest – on behalf of the tech behemoth.

By Carole Cadwalladrtheguardian|TheObserver

It’s hard to know where to start with Ray Kurzweil. With the fact that he takes 150 pills a day and is intravenously injected on a weekly basis with a dizzying list of vitamins, dietary supplements, and substances that sound about as scientifically effective as face cream: coenzyme Q10, phosphatidycholine, glutathione?

With the fact that he believes that he has a good chance of living for ever? He just has to stay alive “long enough” to be around for when the great life-extending technologies kick in (he’s 66 and he believes that “some of the baby-boomers will make it through”). Or with the fact that he’s predicted that in 15 years’ time, computers are going to trump people. That they will be smarter than we are. Not just better at doing sums than us and knowing what the best route is to Basildon. They already do that. But that they will be able to understand what we say, learn from experience, crack jokes, tell stories, flirt. Ray Kurzweil believes that, by 2029, computers will be able to do all the things that humans do. Only better.

But then everyone’s allowed their theories. It’s just that Kurzweil’s theories have a habit of coming true. And, while he’s been a successful technologist and entrepreneur and invented devices that have changed our world – the first flatbed scanner, the first computer program that could recognise a typeface, the first text-to-speech synthesizer and dozens more – and has been an important and influential advocate of artificial intelligence and what it will mean, he has also always been a lone voice in, if not quite a wilderness, then in something other than the mainstream.

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Wieso wegen des Islamismus die Religion an sich infrage stellen?

Religion verschwindet nicht aus der modernen WeltIn Europa wächst die Angst vor dem Islam und die Ablehnung alles Religiösen. Klare Differenzierung zwischen den Religionen und Gläubigen tut jedoch not.

Von Gudula WalterskirchenDie Presse

Im Zuge der Debatte um den islamistischen Terror wähnen sich jene im Aufwind, die Religion an sich abschaffen wollen. Angesichts der unglaublichen Brutalität, mit denen die IS-Terroristen unter dem Banner des Islam wüten, werden gleich alle anderen Religionen mit in einen Topf geworfen und verworfen. Da werden Uralt-Argumente wie die Kreuzzüge vorgebracht, deren letzter vor mehr als 600 Jahren (!) stattgefunden hat, und die längst nicht mehr Leitlinie der christlichen Kirchen sind. Sogar das Grüß Gott wollen radikale Atheisten abschaffen.

Die Gleichsetzung mit dem Islamismus ist völlig unzulässig, ebenso die Umkehrung von Tätern und Opfern: Etwa 100Millionen Christen werden derzeit weltweit verfolgt, mehr als alle anderen Anhänger eine Kreuzzüge er Religion. Laut Weltverfolgungsindex trauriger Spitzenreiter ist Nordkorea, gefolgt von Somalia, Syrien und dem Irak. Sie werden vertrieben, vergewaltigt, beraubt, unterdrückt, gefoltert oder gar ermordet. Islam bedeutet wörtlich Unterwerfung, das Gottesgebot steht über allem, „Ungläubige“ haben sich diesem ebenso zu unterwerfen.

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Deutscher Juristentag erteilt “NSU Gesetz” klare Absage

Deutsche Gesetze © MiG

Das NSU Gesetz von Justizminister Heiko Maas löst beim Deutschen Juristentag Kopfschütteln aus. Das sei reine Symbolik, kritisierten Experten das Gesetzesvorhaben.

MiGAZIN

Die Mängellisten in NSU Untersuchungsausschüsseden Berichten der NSU Untersuchungsausschüsse sind lang. Die Sicherheitsbehörden stehen ebenso wie der Gesetzgeber auf der Sollseite. Getan hat sich bis heute allerdings nicht viel. Und das, was als Umsetzung der Empfehlungen der Untersuchungsausschüsse präsentiert wurde, überzeugt nicht.

So haben rund 2.500 Juristen am 70. Deutschen Juristentag den neuen NSU Gesetze von Justizminister Heiko Maas (SPD) eine klare Absage erteilt. Die Pläne des Justizministeriums wurden bei einer Abstimmung von der ganz überwiegenden Mehrheit der Juristen abgelehnt.

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Lebensschutz: Holi Powder statt Holy Shit

1000 Kreuze in Berlin 2008/Quelle: Brights Berlin

1000 Kreuze in Berlin 2008/Quelle: Brights Berlin

In Berlin sorgte ein Marsch der Lebensschützer aus dem Spektrum rechts von der CDU für Proteste.

Von Peter Nowak—TELEPOLIS

Selbst Gottes selbsternannter Stellvertreter gab seinen Segen und schickte ein Grußwort zum Marsch für das Leben, der am Samstag mit dem Motto “Für ein Europa ohne Abtreibung und Euthanasie” zum zehnten Mal durch Berlin gezogen ist. Neben Franziskus schickten auch zahlreiche niedrigere Chargen in der Kirchenhierarchie und Politiker von  CDU/CSU Grußadressen. In der protestantischen Kirche sorgte der Marsch hingegen für Streit.

Dazu mag auch beigetragen haben, dass der Marsch für das Leben schon längst neben christlichen Fundamentalisten das Spektrum rechts von der Union anzieht. Auch Politiker der Alternative für Deutschland gehören zu den Unterstützern. Schließlich streitet die rechtskonservative “Zivile Koalition” nicht nur beim Marsch für das Leben gegen die Abtreibung im europäischen Rahmen. Sie hat in Deutschland Unterschriften für ein schließlich von der EU-Kommission abgelehntes Verbot der Finanzierung von Schwangerschaftsabbrüchen gesammelt. Die Sprecherin der Zivilen Koalition Beatrix von Storch wird als Afd-Europaabgeordnete die Anliegen der Lebensschützer vertreten. Storch wird in ihren Kreisen dafür gefeiert, dass sie in der rechtskonservativen Wochenzeitung Junge Freiheit einen geplanten Auftritt der Künstlerin Conchita Wurst im Europaparlament als überflüssig bezeichnete. Die Junge Freiheit gehört bereits seit Jahren zu den publizistischen Unterstützern der Märsche für das Leben.

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Die Charakteristika der Realitätsverleugnung

Steven Novella, Image: RDF

Realitätsverleugnung ist real. Damit meine ich, dass Realitätsverleugnung eine definierbare intellektuelle Strategie ist, die meist dieselben gemeinsam auftretenden Merkmale aufweist. Ich schrieb vor 12 Jahren zum ersten Mal über Realitätsverleugnung, noch bevor diese Bezeichnung durch die globale Erderwärmung weithin bekannt wurde.

Von Steven NovellaRichard Dawkins-Foundation

Ich wies damals darauf hin, dass gewisse Überzeugungen meist auf denselben irrigen Argumenten beruhen – HIV-Leugnung, Kreationismus (Verleugnung der Evolution), Verleugnung des Holocausts sowie Verleugnung von Geisteskrankheiten. Aktuell würde ich noch die Verleugnung der globalen Erderwärmung und die Verleugnung der Keimtheorie (als Ursache von Krankheiten, Anm. d. Übers.) bzw. der Impfwissenschaft hinzufügen.

Damals bezeichnete ich Realitätsverleugnung als eine Unterkategorie der Pseudowissenschaft, die zwar versucht, sich zur Irreführung der Sprache des Skeptizismus zu bedienen, jedoch den eigentlichen Prozess wissenschaftlicher Skepsis scheut. Darüber hinaus befindet sich die Realitätsverleugnung aber auf derselben Skala wie der Skeptizismus, ohne eindeutige Grenzlinie (ähnlich wie bei Wissenschaft und Pseudowissenschaft). Menschen neigen auch dazu, sich selbst als Messlatte zu verwenden: Jeder, der skeptischer ist als du, ist ein Leugner; und jeder, der weniger skeptisch ist als du, ist ein wahrhaftig Glaubender.

Der Genetiker Sean B. Carroll (nicht zu verwechseln mit dem Physiker Sean M. Carroll) erstellte in seinem Buch „Die Darwin-DNA: Wie die neueste Forschung die Evolutionstheorie bestätigt“ (2008) eine Liste der seiner Meinung nach sechs Hauptkennzeichen der Realitätsverleugnung. Die Liste ist großartig, ich möchte sie im Folgenden näher ausführen:

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Pilgerreise auf dem Darwin-Pfad

Ioan Hefin spricht, verkleidet als Naturforscher Alfred Russel Wallace, zu seinen Anhängern. | © Urs Willmann

Evolution: In London spazierten Naturfreunde 3,8 Milliarden Jahre in die Vergangenheit – zum Ursprung des Lebens

Von Urs WillmannZEIT ONLINE

Meine bisher längste Wanderung ließ sich in Stunden bemessen. Für die heutige sind größere Dimensionen nötig. Ich habe mir 3,8 Milliarden Jahre vorgenommen. Das könnte sich hinziehen. Ich hoffe, die eingepackten Double-Chocolate-Cookies und die Nüsse und Rosinen reichen bis ins Ziel: zum Anfang des Lebens.

Knapp hundert Leute stehen mit mir vor dem Klinkerbau der Chingford Railway Station im Norden Londons. Gemeinsam wollen wir uns auf den menschlichen Zweig des Ancestor’s Trail begeben. Dies ist keine Wanderung im herkömmlichen Sinn, es ist eine Pilgerreise. Aber auch innerhalb der Kategorie Pilgerreise ist es kein gewöhnliches Unternehmen. Es fehlt das religiöse Element, komplett.

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Kirchensteuer: Wer nicht zahlt, soll halt die Kirche verlassen

Katholik Matthias Matussek und Protestant Matthias Kamann im Streitgespräch Foto: Jakob Hoff/bearb. BB

Katholik Matthias Matussek und Protestant Matthias Kamann im Streitgespräch Foto: Jakob Hoff/bearb. BB

Die Kirchenaustritte nehmen zu. Auch weil viele neuerdings merken, dass auch auf Kapitalerträge Kirchensteuer fällig wird. Soll man diese abschaffen? Matthias Kamann und Matthias Matussek streiten.

DIE WELT

Matthias Kamann: Ich weine diesen Leuten keine Träne nach. Kirche ist Gemeinde, und die beruht auch auf finanziellen Gaben. Wer sich daran nicht beteiligen will, soll halt gehen.

Matthias Matussek: Meist garnieren sie aber ihren Austritt mit Unzufriedenheit. Kürzlich sagte mir eine Stadträtin, sie sei wegen Tebartz-van Elst ausgetreten. “Aber Sie sind doch Protestantin”, sagte ich. “Ist doch egal”, sagte sie. Die meisten sind noch nicht ausgetreten, weil sie es vergessen haben, so wie bei einem Zeitungs-Abo. Aber natürlich halte ich die Kirchensteuer für Teufelszeug.

Kamann: Es ist nicht teuflisch, sondern gerecht, den Gemeindebeitrag auf Basis der individuellen Leistungsfähigkeit zu erheben, die sich an der jeweiligen Steuerpflicht ablesen lässt.

Matussek: Kirchensteuer, das ist moderner Ablasshandel. Das ist – zumindest bei uns Katholiken – Sakramente nur gegen Vorkasse. Das halte ich für Perversion. Und Sie als Protestant müssten erst recht Sturm laufen!

Kamann: Wieso Vorkasse? Die Apostelgeschichte lässt keinen Zweifel, dass Christen an die Gemeinde Geld abzugeben haben. Dort müssen Hananias und Saphira sterben, weil sie vom Geld aus dem Verkauf eines Ackers etwas für sich behalten haben.

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The uses and abuses of Charles Darwin

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Darwin-Büste, Naturkundemuseum Berlin, Bild: BB

I’m at the Cambridge University college that Charles Darwin attended before heading off on a ship to change the world’s views about the origin of the species, particularly the evolution of humans.

By Douglas ToddThe Vancouver Sun

Darwin’s theories have been used and abused for many things in the past century or two — to promote racism and defeat racism, promote competition and encourage cooperation, to treat humans as objects and see them as special, to believe humans are machines and to say they have free choice, to attack religion and advance religion (particularly through a movement sometimes known as ‘theistic evolution”).

A conference at Christ’s College in Cambridge, organized by The Faraday Institute for Science and Religion and sponsored by the Templeton Foundation, is actually titled “The uses and abuses of biology.” But quite a bit of it focuses on that revolutionary scientific figure, Darwin (less so on the so-called co-founder of evolution, Alfred Russell Wallace, who was Welsh and had a much less privileged education.)

There are paintings and sculptures of Darwin around the elegant, gated campus, along with paintings of other Christ’s College students, such as the poet John Milton, author of Paradise Lost (written in 1667). The former Archbishop of Canterbury, Rowan Williams, also went here. I’d be lying if I didn’t say I’m impressed by the history. Of course it’s easy to historically impress someone who lives in a province where the earliest standing building is only about 120 years old.)

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Sokratische Demokratie

Büste des Sokrates, römische Kopie eines griechischen Originals, 1. Jahrhundert, Louvre, Paris. Bild wikimedia.org/CC BY-SA 2.5

Der Philosophieprofessor Michael Hampe begeistert sich in seinem Buch Die Lehren der Philosophie weniger an deren Tauglichkeit, sich dem akademischen und öffentlichen Diskurs anzupassen, als an ihrem subversiven Potential. Dieses versucht er unter Rückbesinnung auf Sokrates und mit einem Blick auf Wittgenstein herauszuarbeiten.
Von Reinhard JellenTELEPOLIS

Herr Hampe, welchen Einfluss hat die gesellschaftliche Praxis auf die Philosophien und umgekehrt?

Michael Hampe: “Die Philosophien” im allgemeinen sind eine zu heterogene Gruppe, um die Relevanz der gesellschaftlichen Praxis für sie und die der Philosophie für die jeweilige Praxis einzuschätzen. Es gibt auf der einen Seite in der Philosophie Tätige, die ganz auf die internen professionell-akademischen Probleme ihrer Disziplin, beispielsweise der Modallogik, bezogen sind, keinen Kontakt zu den Einzelwissenschaften pflegen und sich nicht um die gesellschaftliche Praxis kümmern. Sie gehen in der Regel von Modellen der Erkenntnis aus, in denen die konkreten einzelwissenschaftlichen Verfahren und die konkreten gesellschaftlichen Verhältnisse gar keine Rolle spielen. Die Ergebnisse, zu denen die sich in der solchen Idealen des Erkennens bewegende Philosophie kommt, sind wiederum völlig irrelevant für die Einzelwissenschaften und das gesellschaftliche Leben.

Auf der anderen Seite arbeiten Philosophen mit Medizinern, Politikern, Menschenrechts- und Klimaschutzorganisationen zusammen, kümmern sich um die Ethik der Sterbehilfe und der Tierhaltung, Probleme des so genannten gerechten Krieges und möglicher Anreizsysteme zur Verringerung des CO2-Ausstosses. Ob die so konkret arbeitenden Philosophinnen und Philosophen in ihrer Arbeit von allgemeinen Ideologien und abstrakten Doktrinen geleitet werden oder ob ihre Reflexionen vor allem durch ihre Erfahrungen mit den konkreten Problemen gesteuert werden, mit denen sie zu tun haben, kann man nur im Einzelfall entscheiden.

Und zwischen den Formalisten im akademischen Elfenbeinturm und den ganz angewandt arbeitenden Philosophen mit und ohne ideologische oder doktrinäre Scheuklappen gibt es eine Reihe von Abstufungen im Praxisbezug. Es gibt politische Philosophien des Liberalismus, die nichts als eine “philosophische Absegnung” bestimmter gesellschaftlicher Verhältnisse im Spätkapitalismus sind und es gibt philosophische Untersuchungen, wie die von Raymond Geuss, die sehr konkrete politische Entwicklungen, wie beispielsweise das Verhalten von Tony Blair im Irak-Krieg extrem kritisch analysieren, ohne dabei einfach schematisch eine bestimmte praktische oder politische Philosophie, sei es die von Kant oder Mill oder die von Marx oder Adorno einfach zur Anwendung zu bringen.

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„Gott macht Müll“—Altmänner-Riege will Gebärmütter kontrollieren

In den Redebeiträgen betonten die Redner, dass jeder Mensch “Gottes erste Wahl” ist Foto: Friederike Lübke

Etwa 5.000 Menschen haben bei dem „Marsch für das Leben“ in Berlin gegen Abtreibung und Euthanasie demonstriert. Gegendemonstranten störten die Veranstaltung mit Lärm und Sprechchören gegen den christlichen Glauben.

pro Medienmagazin

Grün ist die Farbe des Morgens. Vor dem Bundeskanzleramt in Berlin haben sich mehrere hundert Teilnehmer für den „Marsch für das Leben“ versammelt. Jugendliche, Familien mit kleinen Kindern, Geistliche und Menschen mit Behinderungen halten grüne Luftballons und grüne Plakate in die Luft, auf denen Sprüchen stehen wie „Inklusion statt Selektion“ oder „Abtreibung ist Unrecht“. Der Regen hat gerade erst nachgelassen, die Luft ist schwül. Neben der Bühne warten Polizisten.

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Dodo Bonelli und die “Entmythologisierung” Sigmund Freuds

Raphael_M_BonelliSie ist 186 Zentimeter lang und 83 Zentimeter breit: Die wohl berühmteste Couch der Welt des österreichischen Neurologen, Psychologen und zugleich Kulturtheoretiker Sigmund Freud (1856-1939). Auf ihr hatte Freud fast ein halbes Jahrhundert lang seine Behandlungsmethode – die Psychoanalyse – entwickelt. Sie steht jedoch heute nicht etwa in Wien, wo Freud seine Hauptwerke verfasste und u.a. die Grundlagen der Psychoanalyse erarbeitete, sondern in London, wo Freud vor 75 Jahren, am 23. September 1939, starb.

kathweb

Will man heute Freud angemessen gedenken, so braucht es ein gehöriges Maß an “Entmythologisieren”, zeigt sich der Wiener Psychiater und Leiter der Forschungsgruppe Neuropsychiatrie an der Sigmund Freud Universität Wien, Raphael Bonelli, überzeugt. Das Denkmal muss gestürzt werden, um klarer zu sehen, was man ihm heute tatsächlich alles verdankt. Denn es wäre ebenso vermessen, Freud zum großen Übervater zu stilisieren, wie ihn und seine Beobachtungen und Methoden einfach zu alten Eisen zu legen, so Bonelli im Gespräch mit “Kathpress”.

Besondere Beachtung verdiene dabei laut Bonelli Freuds Verhältnis zur Religion sowie seine ausgeprägte Wissenschaftsgläubigkeit. “Freud hat Religion schlichtweg abgelehnt, sie gar als Pathologie behandelt.” Religion sei für ihn immer “ein Reibebaum” gewesen: “Er hat sie abgelehnt, aber zugleich hat ihn Religion auch fasziniert”. Der Grund für diese Ablehnung sei “schlichtweg der Zeitgeist” gewesen: Es entsprach der Stimmung des ausgehenden 19. Jahrhunderts, dass Technik alles und Religion nichts war. “Darwin hat die Entstehung des Menschen erklärt, alles schien technisch machbar.”

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Graz: Kunstprojekt in Kirche über Entstehung des Weltalls

Entwicklungsphasen des Universums. Bild: NASA, WMAP Science Team/public domain

Entwicklungsphasen des Universums. Bild: NASA, WMAP Science Team/public domain

Ein Kunstprojekt in der Grazer Pfarre St. Andrä soll ab 9. Oktober das Diskursfeld zwischen Glaube und Wissenschaft ausloten. Im Zentrum steht die Komposition “Expansion of the Universe” des jungen Wiener Komponisten Rudolf Wakolbinger, die “die Evolution des Universums akustisch abbildet”, wie es in einer Ankündigung heißt.

kathweb

Die Komposition wird durch eine Klanginstallation aus 216 von der Kirchendecke herabhängenden Lautsprechern in St. Andrä aufgeführt und kann zwischen 10. Oktober und 11. November von den Besuchern der Kirche selbst gestartet werden.

Für den Eröffnungsabend am 9. Oktober haben sich die Initiatoren Pfarrer Hermann Glettler, die Präsidentin der Akademie Graz, Astrid Kury, und Konzertveranstalter Martin Schlögl etwas Kontroversielles zum Thema Weltentstehung einfallen lassen: Glettler trifft ab 20 Uhr auf den deklariert atheistischen Astrophysiker und “Science Buster” Heinz Oberhummer sowie auf den Ordinarius für Physik an der Uni Graz, Arnold Hanslmeier. Nach Kurzvorträgen über deren jeweilige Sicht der Entstehung des Universums wollen die Beteiligten in einen Dialog eintreten.

Glettler und Oberhummer sowie der Grazer Künstler Markus Wilfling begegnen einander auch am 10. November bei der abschließenden Finissage in der Kirche St. Andrä.

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Neil Shubin: Das Universum in dir

Neil Shubin Das Universum in dir Aus dem Englischen von Sebastian Vogel Verlag: S. Fischer, Frankfurt M. 2014 ISBN: 9783100720054 21,99 €

Neil Shubin
Das Universum in dir
Aus dem Englischen von Sebastian Vogel
Verlag: S. Fischer, Frankfurt M. 2014
ISBN: 9783100720054
21,99 €

“Farishs Überschwang ließ mich vergessen, wie absurd es eigentlich war, sich so über die Entdeckung eines Zahnes zu freuen, der nicht viel größer war als ein Körnchen Sand (…) Der winzige Zahn stellt die Verbindung zwischen uns und einer längst vergangenen Welt dar.”

Von Rosana ErhartSpektrum.de

Mit Worten wie diesen beschreibt der amerikanische Paläontologe Neil Shubin, was er auf seiner ersten Forschungsexpedition in die Arktis erlebte. 1986 reiste er als Mitglied eines vierköpfigen Forscherteams in entlegene Winkel Grönlands, um dort nach fossilen Überresten von Organismen zu suchen, die evolutionär zwischen Reptilien und Säugetieren standen. Packend schildert Shubin die Enttäuschungen, die Strapazen und die euphorischen Momente dieses Unternehmens.

Doch dient ihm das nur als Einstieg, um einen ganz großen Wurf zu versuchen. Beginnend bei der Entstehung des Monds vor 4,5 Milliarden Jahren bis zum Aussehen der Welt vor 200 Millionen Jahren unternimmt er einen Streifzug durch vergangene Äonen.

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Antifeministischer Kreuzzug

Fundamentalistische christliche Abtreibungsgegner bei ihrem Marsch im Jahr 2012 Foto: imago/Christian Mang

Radikale Abtreibungsgegner vereinen CDU, AfD und Neue Rechte
Christliche Fundamentalisten finden in Deutschland immer mehr Anhänger. Viele setzen Hoffnungen in die »Alternative für Deutschland«, die den Paragraf 218 verschärfen will.

Von Paul LisztND

Sie sind die jährlichen Großveranstaltungen einer Bewegung, die sich selbst »Lebensschützer« nennt: die Demonstrationen für das Verbot von Abtreibungen. Sie finden in München und Münster oder im Erzgebirge statt, der größte »Marsch für das Leben« jedoch an diesem Sonnabend in Berlin. Bis zu 4000 Teilnehmer waren im vergangenen Jahr in der Hauptstadt unterwegs, Männer, Frauen, Familien mit behinderten Kindern. Sie waren mit Bussen aus der ganzen Republik und aus dem benachbarten Polen angereist. Organisator ist der »Bundesverband Lebensrecht«, eine Dachorganisation von 13 der insgesamt 60 expliziten »Lebensschutz«-Gruppen in Deutschland.

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Why Greenland’s “Dark Snow” Should Worry You

Box and his team are trying to discover what made this year’s melt season so unusual. Photo by Jason Box

The ice in Greenland this year isn’t just a little dark—it’s record-setting dark. Box says he’s never seen anything like it. I spoke to Box by phone earlier this month, just days after he returned from his summer field research campaign.

By Eric HolthausSlate

“I was just stunned, really,” Box told me.

The photos he took this summer in Greenland are frightening. But their implications are even more so. Just like black cars are hotter to the touch than white ones on sunny summer days, dark ice melts much more quickly.

As a member of the Geological Survey of Denmark and Greenland, Box travels to Greenland from his home in Copenhagen to track down the source of the soot that’s speeding up the glaciers’ disappearance. He aptly calls his crowdfunded scientific survey Dark Snow.

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