Archiv der Kategorie: Freidenker

Cat Stevens singt auf seinem neuen Album wieder als Yusuf Islam

Kritiker werfen ihm Gefälligkeit vor, Fans halten ihn für den begnadetsten Singer-Songwriter aller Zeiten. Yusuf Islam, der als Cat Stevens mit Songs wie «Morning has broken» bekannt geworden war, stand wieder im Studio. «Tell’em I’m Gone» ist kein Meisterwerk, doch genaueres Hinhören lohnt sich.

Von Christian WaltherSRF

«I was born in the West End / in the Summer of 48 / above a small café / some people liked to come there and call it night / but for me it was all day»

Dies sind die ersten Zeilen des Stücks «Editing Floor Blues» des neuen Albums von Yusuf. Yusuf? War das nicht …? Doch. Geboren als Steven Demetre Georgiou oberhalb jenes Cafés in London, eroberte Yusuf unter dem Pseudonym Cat Stevens bereits im Alter von 18 Jahren die britischen Charts. Danach zog er sich ein erstes Mal zurück – nur um zu Beginn der 1970er-Jahre umso grösser und bekannter zu werden.

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Jared Diamond: ‘150,000 years ago, humans wouldn’t figure on a list of the five most interesting species on Earth’

Jared Diamond (HiraV – Own work)

Most people would be overjoyed to receive one of the MacArthur Foundation’s annual “genius grants” – around half a million dollars, no strings attached – but when Jared Diamond won his, in 1985, it plunged him into a depression.

By Oliver BurkemanRaw Stroy/The Guardian

At 47, he was an accomplished scholar, but in two almost comically obscure niches: the movement of sodium in the gallbladder and the birdlife of New Guinea. “What the MacArthur call said to me was, ‘Jared, people think highly of you, and they expect important things of you, and look what you’ve actually done with your career’,” Diamond says today. It was a painful thought for someone who recalled being told, by an admiring teacher at his Massachusetts school, that one day he would “unify the sciences and humanities”. Clearly, he needed a larger canvas. Even so, few could have predicted how large a canvas he would choose.

In the decades since, Diamond has enjoyed huge success with several “big books” – most famously, 1997’s Guns, Germs and Steel – which ask the most sweeping questions it is possible to ask about human history. For instance: why did one species of primate, unremarkable until 70,000 years ago, come to develop language, art, music, nation states and space travel? Why do some civilisations prosper, while others collapse? Why did westerners conquer the Americas, Africa and Australia, instead of the other way round? Diamond, who describes himself as a biogeographer, answers them in translucent prose that has the effect of making the world seem to click into place, each fact assuming its place in an elegant arc of pan-historical reasoning. Our interview itself provides an example: one white man arriving to interview another, in English, on the imposing main campus of the University of California, Los Angeles, in a landscape bearing little trace of the Native Americans who once thrived here. Why? Because 8,000 years ago – to borrow from Guns, Germs and Steel – the geography of Europe and the Middle East made it easier to farm crops and animals there than elsewhere.

Whether such satisfying explanations are in fact true is the subject of vicious jousting between Diamond and many anthropologists. They condemn him as a cultural imperialist, intent on excusing the horrors of colonialism while asserting the moral superiority of the west. (One 2013 article, in an ecology journal, was entitled “F**k Jared Diamond”, the asterisks failing to conceal the general tone of the debate.) Diamond strikes back with equal force, calling his critics “idiots”, unscientific timewasters and purveyors of “politically correct blabber”. So it is slightly disconcerting to meet this strident propagandist for capitalism in his faculty office. In person, Diamond is a fastidiously courteous 77-year-old with a Quaker-style beard sans moustache, and archaic New England vowels: “often” becomes “orphan”, “area” becomes “eerier”. There’s no computer: despite his children’s best efforts, he admits he’s never learned to use one.

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Gene oder Lebewesen – wer bringt hier wen hervor?

Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB

Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB

Bibeltreue Christen dementieren sie und amerikanische Schulen verbieten Bücher mit ihr – die Evolutionstheorie ist ein umstrittenes Thema unter Gläubigen und Wissenschaftlern. Natur hat jetzt zwei Aufsätze veröffentlicht, die die Urknall-Theorie erschüttern.

Von Ernst Peter FischerFOCUS ONLINE

In der Fachwelt wird derzeit eine Debatte über die Frage geführt, ob die Theorie der Evolution neu konzipiert werden muss. Ist ein Umdenken der Biologen erforderlich oder kann alles im alten Rahmen bleiben und hat Charles Darwin eigentlich schon alles gewusst?

Die Evolution ist natürlich mehr als irgendeine Idee der Wissenschaft. Sie ist die Basis, auf der das Leben und seine von ihm hervorgebrachten Gestalten verstanden werden, und so lohnt ein Blick auf die gelehrte Diskussion. Dafür gibt es sogar einen noch wichtigeren Grund.

Die Frage, ob die Theorie der Evolution überdacht und neu gefasst werden muss, werden bibeltreue Gegner des biologischen Gedankens gerne hören. Aber sie sollen sich nicht zu früh freuen. Denn was derzeit in der Fachwelt zu dem großen Gedanken von Charles Darwin erörtert wird, könnte zuletzt die Position der Wissenschaft stärken – jedenfalls nach Überzeugung des Berichterstatters.

Atheismus: Ein Besuch in der Kirche der Gottlosen

Foto: The Washington Post/Getty Images In Amerika wächst die Gemeinde der Atheisten

Nur einer von zehn Amerikanern glaubt nicht an Gott. Aber die Gemeinde der Atheisten wächst, sie betreiben sogar schon Kirchen. Ein Abend bei den Gottlosen von New York, inklusive dem Wort “Amen”.

Von Hannes SteinDIE WELT

Im Stone Creek Inn, hatte es geheißen; um sieben Uhr abends; im Hinterzimmer. Als ich ankam, saßen in dem kleinen Raum schon etwa ein Dutzend Leute an verschiedenen Tischen. Fast alle hatten selbst beschriftete Namensetiketten an der Kleidung kleben. Ein freundlicher älterer Herr mit weißem Haarkranz, der Ron hieß, unterhielt sich quer über das Zimmer mit einem anderen älteren Herrn darüber, ob die Beschneidung eines Mannes dessen Sexleben beeinträchtigt.

In dieser offenen Gruppe, die sich regelmäßig in New York trifft, bin ich offenbar richtig, dachte ich, denn für diese Frage interessieren sich doch eigentlich nur Atheisten. Nach mir hatte eine junge schwarze Frau den Raum betreten, deren Namensschild ich nie zu sehen bekam. Sie setzte sich zu Ron an den Tisch, und dann unterhielten die beiden sich darüber, warum es unter jungen schwarzen Frauen verhältnismäßig wenige Atheisten gibt.

Erstens, weil die meisten Schwarzen traditionell und fromm sind; und schwarze Frauen sind es erfahrungsgemäß noch ein bisschen mehr. Sie komme aus Atlanta, sagte die junge Frau, und ihre Familie halte sie naturgemäß für verrückt, habe ihr inzwischen aber vergeben. Dann begann der offizielle Teil des Abends.

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Das Leben ist der Güter höchstes nicht

John Wayne, The Shootist, 1976

John Wayne, The Shootist, 1976

Eine zornige Untersuchung: Was wirklich hinter dem Widerstand gegen die Sterbehilfe steckt. Haltet euch aus unserem Leben heraus, ihr Lebensschützer!

Von Wolfgang BroscheThe European

Der kühne Freitod von Udo Reiter erinnerte mich in seiner lakonischen Konsequenz an einen berühmten Film, den Schwanengesang eines Stars und eines Genres.

Don Siegels „The Shootist“ ist sicher nicht der größte aller Western, aber der erschütterndste. John Wayne, die reaktionäre, raue und zärtliche alte Kanaille, trat mit diesem Film von der Leinwand ab. Er hätte es besser nicht tun können als in der Rolle eines alten Gunman, der seit Wochen von Unterleibsschmerzen geplagt wird. Der Arzt, den er aufsucht, kann ihm nur hilflos die Diagnose Krebs mitteilen und drückt ihm dann ein Fläschchen Laudanum in die Hand. „Hätte ich“, raunt der Arzt, „Ihren Mut, dann wüsste ich, was ich täte, um den mörderischen Schmerzen und dem Verrecken zu entgehen!“

Schnell spricht sich herum, dass der einst gefürchtete Shootist ein todkranker Mann ist. Die Geier warten schon: jüngere Gunmen versammeln sich in der Stadt und warten auf ihre Chance. Wayne schaut sich ein paar Tage in der herbstlichen Stadt um, macht eine letzte Bekanntschaft mit einer stolzen und klugen Witwe, hilft ihr, ihren Sohn wie ein Vater auf den richtigen Lebensweg zu bringen, trinkt die letzten Schlucke Laudanum, die schließlich nicht mehr helfen und bestellt die lauernden Aasgeier in den Saloon.

Es sei sein Geburtstag, sagt er dem Barkeeper, der ihm den letzten Whisky einschenkt, den wolle er feiern. Und er feiert ihn auf seine Art, erledigt die schießwütigen Rotzlöffel, die seine Nachfolge antreten wollen, nebenbei noch ein paar tolldreiste Gangster und wird selbst tödlich getroffen. Noch einmal hat er als Towntamer die Stadt gerettet und ist dabei auf seine Weise gegangen. Das war sein Tod, der Tod als Gunman, der seine Zeit gehabt hat!

John Wayne selbst hatte nicht das Glück, so zu sterben wie in diesem Film. Einmal schon, in den 60ern, hatte er den Krebs besiegt. Ein Jahr nach „The Shootist“ kam er zurück, der Krebs. Man behandelte den Duke zu Tode, schnitt hier und da was weg und der große starke Mann verreckte zwischen Amputationen und Morphium. „Feo, fuerte y formal“ steht auf Waynes Grabstein – er war stolz, er war stark, er hatte Würde … bei all dem Reaktionären, das seine Filme auch hatten, immer ging es in ihnen um die Würde des Individuums. Darum sei ihm dieses Epitaph gegönnt.

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Norwegen: Kirche sucht ein neues Image

Norwegens größte Stabkirche in Heddal. (dpa/picture alliance/Klaus Nowottnick)

Seit 1536 war die evangelisch-lutherische Konfession Staatsreligion in Norwegen. Durch eine Verfassungsänderung im Jahr 2012 wurde die Staatskirche aufgehoben und die Kirchenaufsicht fiel weg. In ihrem Ablösungsprozess vom Staat will die Kirche nun auch ihren Ruf als Moralbehörde loswerden.

Von Ingrid NorbuDeutschlandfunk

Ralf Rückert, Pfarrer aus dem Hessen, hat es wie viele deutsche Geistliche nach Norwegen verschlagen. Seit einigen Jahren beobachtet er dort den Trennungsprozess von Staat und Kirche.

“Im Grunde war es so, dass kirchlicherseits viele die Staatskirche abwickeln wollten. Sicherlich passt es in die norwegische Doktrin einer Gleichbehandlung aller Menschen hinein und es gibt in Norwegen auch Menschen, die der Kirche gegenüber eher nicht nur reserviert, sondern sogar feindlich eingestellt sind, die vielleicht sagen, es ist höchste Zeit, dass die Staatskirche keine Staatskirche mehr ist, aber das Interesse lag eigentlich sehr stark bei der Kirche selbst, die sich vom Staat emanzipieren wollte, während die Politiker da Bedenken hatten, weil sie fürchteten, mit der Aufsicht über die Kirche dann eventuell Teile der Kirche in ein sektiererisches Sondereigenleben hinein zu verlieren. Und die Kirche musste zunächst nachweisen, dass sie bereit ist, die Institution auf einer ganz basisdemokratischen Grundlage zu bilden, bevor der Staat bereit gewesen ist, die Kirche in die Selbstständigkeit zu entlassen.”

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Carolin Kebekus: “Ich kann meine Penisse an einer Hand abzählen”

Bild:kebekus.youtube

Bild:kebekus.youtube

Ihre Karriere begann als Praktikantin bei den “Freitagnacht News”. Jetzt moderiert sie den Deutschen Comedypreis. Wir haben Carolin Kebekus getroffen um über Mett, Männer und Menschenköpfe zu reden.

Von Antje HildebrandtDIE WELT

Hilden, eine verschlafene Kleinstadt bei Düsseldorf. Die Stadthalle bebt, Bier schwappt aus Plastikbechern. Männer mit tätowierten Oberarmen und Frauen mit rustikalem Schuhwerk verlangen lautstark nach “Zugaaabe!” Zwei Stunden lang hat Carolin Kebekus, 34, die Stadthalle gerockt. Fußball, Diätwahn, Schönheitsterror, die katholische Kirche, das sind ihre Themen.

“Pussyterror” heißt diese One-Woman-Show, ein Medley aus Sketchen, und Deutschlands lustigste Frau, Trägerin des Comedy-Preises 2013, spielt alle Rollen selber, vom pubertierenden Teenie bis zum Opa. Eine Powerfrau, zierlich aber zäh, nur 1,64 Meter groß. Nach dem Live-Act sinkt sie in der Garderobe auf einen Stuhl. Zeit für ein Mettbrot – und ein paar Fragen.

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“Linke”-Chef Riexinger: Kirche an ihrem Verhalten messen

Bernd Riexinger, Bild:FB

Bernd Riexinger, Bild:FB

Der Vorsitzende der Linkspartei, Bernd Riexinger, hat die Kirchen zu mehr Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit aufgerufen.

evangelisch.de

“Ich würde erwarten, dass engagierte Kirchenleute Partei ergreifen für die Schwächeren in der Gesellschaft. Über Theologie kann man trefflich streiten, aber das Verhalten in der Gesellschaft wäre für mich ein wesentlicher Maßstab für die Beurteilung der Kirchen”, sagte der Politiker am Montagabend in der Evangelischen Akademie Bad Boll. Widerspruch erntete der “Linke”-Chef vom württembergischen evangelische Landesbischof Frank Otfried July.

July verwies auf zahlreiche diakonische Projekte und mahnte den Parteichef: “Ich würde mir wünschen, dass Sie die Kirchen nicht nur selektiv wahrnehmen.” Auf Riexingers Forderung nach einer strikten Trennung von Staat und Kirche und einer Abschaffung der Kirchensteuer antwortete der Landesbischof, der Parteivorsitzende sei “etwas ideologieverhaftet”: Schließlich gehörten in Baden-Württemberg rund 80 Prozent der Bevölkerung einer christlichen Kirche an. Zudem leisteten die Kirchen entscheidende Beiträge für das Zusammenleben der Gesellschaft.

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Religion und Glaube: 7 Dinge, die nur Atheisten verstehen

Die atheistische Bedrohung

Die atheistische Bedrohung

Atheisten kennen dieses Problem: Kaum sagen sie offen, dass sie nicht an Gott glauben, kommen jede Menge Fragen. Wieso bist du dir so sicher? Was ist, wenn du falsch liegst? Was ist mit dir passiert? Ständig will sie jemand davon überzeugen, dass sie falsch liegen. Und das nervt. Deshalb haben sich die YouTuber von “The Atheist Voice” die gängigsten Vorurteile über Atheisten vorgenommen. Hier stellen sie einiges klar:

The Huffington Post

  1. “Wir haben Moral. Sie kommt nur nicht aus einem heiligen Buch. Ich hoffe, dass die Bibel nicht der einzige Grund ist, warum ihr nicht jeden umbringt, der euch über den Weg läuft.”
  2. “Ich glaube nicht an Gott aber an viele andere Dinge. Es gibt vieles, was meinem Leben Sinn verleiht. Freunde, Familie, meine Arbeit, die ich lebe.”

  3. “Atheisten hassen Gott nicht. Sie glauben nur nicht an ihn. Wir hassen übrigens auch keine Einhörner.”

  4. “Wenn ich falsch liege und es doch einen Gott gibt, wird mir gar nichts passieren. Wieso wäre Gott sauer auf mich, wenn ich nach meinen eigenen Antworten suche, statt alles zu glauben?”

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Der kurdische Widerstand verkörpert das Gute

Kurden-Kämpferinnen, Bild: FOCUS ONLINE/bearb.BB

Kurden-Kämpferinnen, Bild: FOCUS ONLINE/bearb.BB

Die Kurden führen einen Stellvertreterkrieg für den Westen gegen die IS-Barbaren. Sie sind ein ernsthafter säkularer Akteur im Nahen Osten geworden, während die Türkei die Werte des Westens verrät.

Von Andrea SeibelDIE WELT

Gute Kurden, schlechte Kurden. Kaum eine Minderheit, die verfolgt wird, wie es die Kurden besonders in der Türkei erleben mussten, ist rein und ohne Schuld. Gewalt wird zum einzigen Mittel gegen Gewalt und kann zu unheilbaren Verrohungen führen.

Gerade in den Tagen, in denen mit Schlagstöcken und Macheten bewaffnete Kurden sich mit Islamisten auf deutschen Straßen Schlachten lieferten, wurde das klar. Und doch ist diese Minderheit etwas Besonderes, denn die Bürde, die sie bereit scheint, zu tragen, ist enorm.

Nur von amerikanischen Luftschlägen unterstützt, die nicht immer erfolgreich schienen, kämpfen Kurden schon seit Wochen, damit die syrische Stadt Kobani nicht an den IS fällt. Das ist das Gute an den Kurden.

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“Nietzsche war ein politisch unkorrekter Denker”

Friedrich Nietzsche, 1882 (Photographie von Gustav Adolf Schultze) Bild: wikimedia.org/PD

Philosoph Sommer erklärt, warum Nietzsche bis heute aktuell ist

Moderation: Korbinian Frenzel—Deutschlandradio Kultur

Für das politische Tagesgeschäft tauge die Philosophie Friedrich Nietzsches nicht, sagt der Nietzsche-Kenner Andreas Urs Sommer. Doch von dem politisch unkorrekten Denker könne man lernen, eigene Werte in Frage zu stellen.

Korbinian Frenzel: Das mit dem toten Gott, das kennt man, “Gott ist tot”. Friedrich Nietzsche, der deutsche Philosoph, hat ganzen Generationen von Nihilisten und auch von jenen, die sich darin im Aufbrausen in Teenagertagen zumindest mal geübt haben, eine Blaupause geliefert und natürlich noch viel mehr als das.

Sonst gäbe es nicht die Veranstaltung, zu der heute Nietzsche-Kenner aus der ganzen Welt zusammenkommen in Naumburg an der Saale. Ein internationaler Kongress, bei dem der Mann, der den Nietzsche-Preis des Landes Sachsen-Anhalt trägt, natürlich nicht fehlt. Jetzt reden wir mit ihm, Andreas Urs Sommer, der Direktor der Friedrich-Nietzsche-Stiftung. Guten Morgen!

Andreas Urs Sommer: Guten Morgen, Herr Frenzel!

Frenzel: Vor 114 Jahren ist Nietzsche gestorben. Erlauben Sie mir die kleine große Frage zum Auftakt: Warum sollte er uns heute außerhalb des Seminarraums noch interessieren?

Sommer: Er ist ein Philosoph, der durch seine Irritationskraft noch immer irritiert und eben die Leute fasziniert. Wenn Sie Nietzsche lesen, dann sind Sie nicht versetzt in den Seminarraum, sondern Sie sind in unendliche Weiten und unendliche Höhen katapultiert.

Und das ist ein Sog, dem man sich auch heute als Leserin oder Leser nur noch schwer entziehen. Wenn Sie ein Nietzsche-Seminar anbieten, haben Sie die Bude normalerweise voll, aber auch wenn Sie auf der Straße jemanden nach Nietzsche fragen, hat sie oder er dann doch eine Idee zu diesem Philosophen. Er ist ein Philosoph, der sich erstaunlich frisch gehalten hat, weil er ein so großes Irritationspotenzial besitzt.

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Drohung des Bundeskanzleramtes: Wir veröffentlichen den Brief, in dem uns Altmaier mit Strafanzeige droht

Droht Leakern mit Anzeige: Kanzleramtschef Altmaier. Bild: kuxma. Lizenz: Creative Commons BY-SA 3.0.

Unsere Berichterstattung zur weltweiten Totalüberwachung und der Rolle des BND schadet dem Staatswohl. Das behauptet der Chef des Bundeskanzleramtes in einem Brief an den Geheimdienst-Untersuchungsausschuss und droht Leakern mit Strafanzeige. Wir teilen diese Einschätzung nicht – und veröffentlichen den Brief.

Von Andre MeisterNETZPOLITIK.ORG

Heute Mittag haben wir erfahren, dass das Bundeskanzleramt “NSA-Aufklärern” mit Strafanzeige droht. Jetzt liegt uns der Inhalt dieses Briefs vor – den wir selbstverständlich veröffentlichen.

Der Chef des Bundeskanzleramtes Peter Altmaier listet darin vier Pressemeldungen auf, darunter Das große Speichern (Spiegel), Codewort Eikonal – der Albtraum der Bundesregierung (Süddeutsche) und unsere Berichte Aussagegenehmigung: Wir veröffentlichen die Liste an Sachen, die BND-Mitarbeiter dem Parlament nicht sagen dürfen und Internes Protokoll: BND-Präsident und Kanzleramts-Chef hatten “große Sorge” vor Aufklärung zu BND-Aktivität.

Alle vier Berichte berufen sich auf eingestufte Unterlagen – und das Kanzleramt bemängelt, dass diese öffentlich geworden sind. Dass diese Informationen nun der Öffentlichkeit bekannt sind, schade dem “Staatswohl” und “der Außen- und Sicherheitspolitik der Bundesrepublik Deutschland”. Der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses Sensburg sowie Bundestags-Präsident Lammert werden daher aufgefordert, den Ausschuss zu “sensibilisieren”. Gibt es weiterhin Leaks, droht das Kanzleramt mit “Strafanzeige gegen Unbekannt”.

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Auch Atheisten brauchen ein Weltbild

biblische_MoralMit ihrer Kritik an Religionen machen es sich Atheisten oft zu einfach. Statt die Gläubigen zu verunglimpfen, sollten sie ihnen ein eigenes Weltbild entgegensetzen.

Von Jan DieckhöferZEIT ONLINE

Unter Artikeln über die Grausamkeiten der IS-Kämpfer lese ich viele Kommentare, die in der Religion allgemein oder speziell im Islam die Ursache des Übels sehen. Religion sei offensichtlich Unsinn und gehöre abgeschafft, dann werde die Welt besser, meinen die einen. Andere halten dagegen, der Islam werde von den IS-Mördern nur für ihre Zwecke missbraucht. Eigentlich habe islamistischer Terror nichts mit dem Islam zu tun.

Als Atheist neige ich dazu, mich der ersten Gruppe anzuschließen. Ich bin überzeugt, dass es keinen Gott gibt, der mir Regeln vorschreibt, auf die ich mich auch dann berufen kann, wenn ich grausam handle. Voltaire sagt: “Wer Dich dazu bringen kann, Absurditäten zu glauben, kann Dich auch dazu bringen, Gräueltaten zu begehen.” In diesem Sinne wäre die Welt ohne Religion tatsächlich besser, genau wie sie ohne solche Absurditäten wie Nationalismus und Rassenideologie auch besser wäre.

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On the Mechanics of Defamation

Image:RDF

Let me briefly illustrate how this works. Although I could cite hundreds of examples from the past two weeks alone, here is what I woke up to this morning: Some person who goes by the name of @dan_verg_ on Twitter took the most easily misunderstood sentence in The End of Faith out of (its absolutely essential) context, attached it to a scary picture of me, and declared me a “genocidal fascist maniac.” Then Reza Aslan retweeted it. An hour later, Glenn Greenwald retweeted it again.

By Sam HarrisRichard Dawkins-Foundation

That took less than two seconds of their time, and the message was sent to millions of people. I know one thing to a moral certainty, however: Both Greenwald and Aslan know that those words do not mean what they appear to mean. Given the amount of correspondence we’ve had on these topics, and given that I have repeatedly bored audiences by clarifying that statement (in response to this kind of treatment), the chance that either writer thinks he is exposing the truth about my views—or that I’m really a “genocidal fascist maniac”—is zero. Aslan and Greenwald—a famous “scholar” and a famous “journalist”—are engaged in a campaign of pure defamation. They are consciously misleading their readers and increasing my security concerns in the process.

No matter how completely opposed I may have been to another person’s views, I have not behaved like that. I have never knowingly distorted the positions I criticize, whether they are the doctrines of a religion or the personal beliefs of Francis Collins, Eben Alexander, Deepak Chopra, Reza Aslan, Glenn Greenwald, or any other writer or public figure with whom I’ve collided. The crucial boundary between hard-hitting criticism and defamation is knowing that you are misrepresenting your target.

Here is the statement in context (p. 52−53):

The power that belief has over our emotional lives appears to be total. For every emotion that you are capable of feeling, there is surely a belief that could invoke it in a matter of moments. Consider the following proposition:

Your daughter is being slowly tortured in an English jail.

What is it that stands between you and the absolute panic that such a proposition would loose in the mind and body of a person who believed it? Perhaps you do not have a daughter, or you know her to be safely at home, or you believe that English jailors are renowned for their congeniality. Whatever the reason, the door to belief has not yet swung upon its hinges.

The link between belief and behavior raises the stakes considerably. Some propositions are so dangerous that it may even be ethical to kill people for believing them. This may seem an extraordinary claim, but it merely enunciates an ordinary fact about the world in which we live. Certain beliefs place their adherents beyond the reach of every peaceful means of persuasion, while inspiring them to commit acts of extraordinary violence against others. There is, in fact, no talking to some people. If they cannot be captured, and they often cannot, otherwise tolerant people may be justified in killing them in self-defense. This is what the United States attempted in Afghanistan, and it is what we and other Western powers are bound to attempt, at an even greater cost to ourselves and to innocents abroad, elsewhere in the Muslim world. We will continue to spill blood in what is, at bottom, a war of ideas.

There is an endnote to this passage that reads:

We do not have to bring the membership of Al Qaeda “to justice” merely because of what happened on Sept. 11, 2001. The thousands of men, women, and children who disappeared in the rubble of the World Trade Center are beyond our help—and successful acts of retribution, however satisfying they may be to some people, will not change this fact. Our subsequent actions in Afghanistan and elsewhere are justified because of what will happen to more innocent people if members of Al Qaeda are allowed to go on living by the light of their peculiar beliefs. The horror of Sept. 11 should motivate us, not because it provides us with a grievance that we now must avenge, but because it proves beyond any possibility of doubt that certain twenty-first-century Muslims actually believe the most dangerous and implausible tenets of their faith.

The larger context of this passage is a philosophical and psychological analysis of belief as an engine of behavior—and the link to behavior is the whole point of the discussion. Why would it be ethical to drop a bomb on the leaders of ISIS at this moment? Because of all the harm they’ve caused? No. Killing them will do nothing to alleviate that harm. It would be ethical to kill these men—once again, only if we couldn’t capture them—because of all the death and suffering they intend to cause in the future. Why do they intend this? Because of what they believe about infidels, apostates, women, paradise, prophecy, America, and so forth.

Aslan and Greenwald know that nowhere in my work do I suggest that we kill harmless people for thought crimes. And yet they (along with several of their colleagues) are doing their best to spread this lie about me. Nearly every other comment they’ve made about my work is similarly misleading.

Both Aslan and Greenwald are debasing our public discourse and making honest discussion of important ideas increasingly unpleasant—even personally dangerous. Why are they doing this? Please ask them and those who publish them.

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The accused:

fictionThe Atheist Republic “Religion is Fiction” bumper sticker elicited outrage from a visitor. Apparently, even though very few confirmed facts can be found in religious texts or theology, “fiction” is a word simply too outrageous to bear.

Atheist Republic

ewNO said, “i am so offended by this sticker as i saw it i nearly threw up with such disgrace. If someone wants to believe in religion they can don’t tell them it is false or fiction because you might as well say that everything you believe in is fiction to us because we don’t believe in it we respect you not believing in god but don’t bring us down because we do.”

See all our nauseating bumper stickers

Blogger Kaveh Mousavi — Now on Patheos — Describes First-Hand What’s It’s Like To Be an Atheist in Iran

Image: Friendly Atheist

Kaveh Mousavi (a pseudonym) is, according to his online bio,

an atheist ex-Muslim living in Iran, subject to one of the world’s remaining theocracies… He was born at the tenth anniversary of the Islamic Revolution of Iran. He has ditched the Islamic part, but has kept some of the revolutionary spirit.

By Terry FirmaFriendly Atheist

While he was getting his brand new Patheos blog set up, Kaveh wrote a guest post over at Dan Fincke‘s place, in which he describes what it’s like to be an atheist in Iran. As you can imagine, “picnic” and “walk in the park” aren’t in Kaveh’s lexicon.

It shapes your life maybe more than any other thing about you. If you are not a 12-Imam Shiite, you lose most of the opportunities in life. And if you are not a practicing member of one of the four “official” religions, Islam, Christianity, Judaism, and Zoroastrianism, you officially don’t exist. In the forms you have to fill out to get jobs or register for anything, these options are the only four options. According to the Islamic Republic, you have no right to have jobs, study in universities, open a bank account, or live, unless you belong to one of these four religions.

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Salman Rushdie slams ‘Islamophobe’ label: It’s right to be hostile to extremism

Salman Rushdie, (andersphoto / Shutterstock.com)

In a speech denouncing the Islamic extremist group ISIS (the Islamic State in Iraq and Syria) and the “hate-filled rhetoric” of Islamic extremism, author Salman Rushdie warned that the world must come to grips with what he called “a new age of religious mayhem” perpetrated by Muslim fanatics.

By David FergusonRaw Story

U.K. news daily The Telegraph reported that Rushdie was addressing the audience at the PEN/Pinter Prize lecture, where he was honored for his achievements in literature. His 1989 book The Satanic Verses was considered blasphemy by hardline Muslims and as a result, Iran’s Ayatollah Khomeini declared a fatwa on Rushdie’s life, meaning that by the dictates of the Muslim faith, the author must be killed.

Rushdie spent several years in hiding from zealots and fanatics who were out to silence him. Now, he said in his speech at the British Library on Sunday night, he sees young British Muslims being seduced by what he called “jihadi-cool” and worries that they will be used as foot soldiers to the nascent ultra-extremist movement forming in Syria and its neighbor Iraq.

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„Kein Islam ohne Islamismus“

brennender_koranIst der Islam friedlich oder stiftet er zur Gewalt an? Über diese Frage streiten sich der Islamkritiker Hamed Abdel-Samad und die Islamwissenschaftlerin und Religionspädagogin Lamya Kaddor.

Cicero

LAMYA KADDOR legte soeben gemeinsam mit Michael Rubinstein „So fremd und doch so nah – Juden und Muslime in Deutschland“ vor. Sie schrieb auch „Muslimisch, weiblich, deutsch! Mein Weg zu einem zeitgemäßen Islam“ und gab, gemeinsam mit Rabeya Müller, einen „Koran für Kinder und Erwachsene“ heraus. Sie ist Gründungsmitglied und Erste Vorsitzende des Liberal-Islamischen Bundes e. V. und lehrte am „Centrum für Religiöse Studien“ der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

HAMED ABDEL-SAMAD gab im Juli 2014 bekannt, dass er Deutschland nach 19 Jahren verlassen werde: „Deutschland wird immer ungemütlicher für Menschen wie mich. Das ist kein Vorwurf, sondern eine Warnung. Ja, ich bin müde geworden und kann den Druck nicht mehr aushalten.“ Im Sommer 2013 erließ ein ägyptischer Geistlicher einen Mordaufruf nach einem islamkritischen Vortrag Abdel-Samads in Kairo. Der Autor ( u. a. „Der islamische Faschismus“, „Mein Abschied vom Himmel“) habe den Propheten beleidigt

Herr Abdel-Samad, sind Sie eigentlich noch Muslim?
Hamed Abdel-Samad: In einem konfessionellen Sinn gewiss nicht, kulturell schon eher. Ich habe mir den Islam nicht ausgesucht, aber er fließt gewissermaßen durch meine Adern. Ich bekomme ihn nicht los.

Ist es denn überhaupt möglich, aus dem Islam auszutreten?
Lamya Kaddor: Das kommt auf die Perspektive an und wie man einen solchen Austritt versteht. Viele islamische Theologen bejahen dieses Recht, andere lehnen es ab.
Abdel-Samad: Das ist typisch für den Islam. Man findet immer jemanden, der haarklein begründet, warum eine Sache so und nicht anders sein müsse – und man findet jemanden, der das Gegenteil ebenso islamisch begründet.
Kaddor: In allen Religionen gibt es verschiedene Interpretationen. Das ist nichts Besonderes.

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Atheisten rüsten zum Suizid

Gibt es ein Recht auf einen pünktlichen Tod? Bild: Cicero/picture alliance

Ein Lobbybündnis wirbt für die Sterbehilfe. Es sind die gleichen, die früher für die Abtreibung mobil machten: Atheisten. Daran wird deutlich, dass es beim begleiteten Suizid weniger um den Tod als um die Gottesfrage geht.

Von Alexander KisslerCicero

Der brachiale Selbstmord des Udo Reiter war der Auftakt zu einem heißen Herbst des Sterbens. Genauer: der Sterbehilfe, denn um diese wird im November der Deutsche Bundestag ringen. Soll wie bisher alle „Suizidbeihilfe“ straffrei bleiben? Generell oder nur dann, wenn Ärzte sich ihrer ausnahmsweise annehmen? Mit welchen Regularien müssen „Sterbehilfe-Vereine“ rechnen, mit Verbot oder Minderem? Ohne Fraktionszwang wollen die Volksvertreter in diesen schwierigen Fragen ihrem Gewissen folgen.

Seit Anfang dieser Woche machen die Befürworter passiver und indirekter Sterbehilfe mobil. Das „Recht der Ärzte, (…) Suizidwilligen zu helfen,“ stehe unter dem Schutz der Verfassung und dürfe nicht eingeschränkt werden. Auf Bussen und an Bahnstationen wirbt ein „Bündnis für Selbstbestimmung bis zum Lebensende“ für die Losung „Mein Ende gehört mir“ – ein Slogan, so direkt wie einst das Motto der Abtreibungsverbotsgegner.

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