Archiv der Kategorie: Humanismus

Verletzung von Kinderrechten in Deutschland – Wie viel darf´s denn sein?

beschneidung

MOGiS e.V.

“Zu der in § 1631d Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) geregelten Beschneidung von Jungen äußerte sich der ehemalige Marburger Universitätsprofessor Dieter Rössner. Die Regelung sei ein „religionspolitisches Basta“ gewesen. Der Gesetzgeber habe vorschnell gehandelt und die empirischen Hintergründe nicht ausreichend ermittelt.

Dies stellten freilich in der anschließenden Diskussion sowohl der am Gesetzgebungsverfahren beteiligte ehemalige grüne Bundestagsabgeordnete Jerzy Montag als auch der Richter am Bundesgerichtshof (BGH) und Abteilungsreferent Prof. Henning Radtke in Frage. Radtke mahnte insgesamt „etwas mehr Nüchternheit in der Diskussion“ an. Über das elterliche Erziehungsrecht würden irrationale religiöse Gründe rationalisiert, so Dieter Rössner. Die Regelung stehe in eindeutigem Widerspruch zum Recht der Kinder auf eine gewaltfreie Erziehung. Schließlich sei es entwürdigend, wenn aus religiösen Motiven dem Einzelnen für sein ganzes Leben lang eine Kennzeichnung seiner Religionszugehörigkeit beigebracht werde.

Dem wurde aus dem Teilnehmerkreis entgegengehalten, dass auch hygienische Gründe für eine Beschneidung ausreichend sein müssten. Anders als es das Gutachten von Prof. Tatjana Hörnle fordere, müsse die Motivation der Eltern keine tragende Säule von deren Erziehungskonzept sein. Der Gutachterin wurde auch vorgeworfen, sie überspanne die Anforderungen an die Hygiene, wenn sie Beschneidungen nur in Arztpraxen und Operationssälen zulasse. Schließlich machten Ärzte auch Hausbesuche und leisteten eine hygienisch einwandfreie Notversorgung bei Unfällen.

Hinsichtlich der in § 226a StGB unter Strafe gestellten Verstümmelung weiblicher Genitalien sprach sich die Präsidentin des Deutschen Juristinnenbundes Ramona Pisal deutlich gegen die vom vorgelegten Gutachten vorgeschlagene geschlechtsneutrale Formulierung der Vorschrift aus. Frauen und Mädchen seien in besonderer Weise betroffen, hob Pisal hervor. Außerdem plädierte sie für die Anhebung des Strafrahmens. In diesem Kontext betonte Gutachterin Hörnle in Reaktion auf eine Falschmeldung des Berliner Kurier, dass sie nicht die Beschneidung von Mädchen erlauben wolle, sondern sich vielmehr für eine Erhöhung der Strafe ausspreche.”

Man mag sich langsam die Frage stellen, ob es möglich ist, sich mit Verweis auf ein geplantes Jurastudium schon in den unteren Schulklassen vom Biologieunterricht freistellen zu lassen – so absurd sind wieder einmal die Vergleiche, die uns zum Thema Vorhautamputation bei Minderjährigen erreichen – diesmal vom 70. Deutschen Juristentag in Hannover.

Hier ist es allen Ernstes der Hinweis auf eine angebliche “Überspannung der Hygienevorschriften” bei einem Arztpraxenvorbehalt und der Vergleich mit Notversorgung bei Unfällen sowie ärztlichen Hausbesuchen.

Um vorab das eigentlich Selbstverständliche klarzustellen: eine Vorhautamputation ist ein chirurgischer Eingriff und unterliegt damit nach geltenden Vorschriften selbstverständlich dem Vorbehalt, in einer Arztpraxis bzw. Operationssaal ausgeführt zu werden. Des weiteren handelt es sich bei dieser Operation nicht um einen Notfall. Sehr wohl aber gibt es (wie bei jeder Operation) die Gefahr von Komplikationen, die eine Notversorgung erforderlich machen können, die wiederum nur in einer Klinik sicher gewährleistet ist.

weiterlesen

Wenn Dummheit zur materiellen Gewalt wird: Ärzteteam in Guinea ermordet

Elektronenmikroskopische Aufnahme von Ebolaviren, Bild: wikimedia.org/PD

Ein Ärzteteam, das Bewohner in Guinea über Ebola aufklären sollte, ist offenbar getötet worden.

evangelisch.de

Insgesamt acht Leichen seien aus der Sickergrube eines Dorfes nahe der Stadt Nzerekore im Süden Guineas gezogen worden, sagte ein Regierungssprecher am Donnerstagabend in der Hauptstadt Conakry. Er sprach von einem kaltblütigen Mord. Die Täter sind vermutlich Bewohner des Dorfes. Auch drei Journalisten, die die Mediziner begleitet hatten, seien getötet worden. Sie hatten berichtet, von den Dorfbewohnern angegriffen und mit Steinen beworfen worden zu sein, bevor der Kontakt zu ihnen abbrach.

Das Dorf liegt nicht weit vom ersten Ausbruchsort der derzeitigen Ebola-Epidemie entfernt. Die Bewohner machen Ärzte und Politiker mitverantwortlich für die Epidemie. Dem Gesundheitsminister des Landes, Remy Lamah, war es jüngst beim Versuch, in den Ort zu reisen, nicht gelungen, die Straßensperren zu überwinden. Ärzte waren wiederholt angegriffen und vertrieben worden.

weiterlesen

EKD-Ratsvorsitzender: Assistenz beim Suizid muss erlaubt sein

sterbenNach Ansicht des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, darf Hilfe beim Suizid bei der Begleitung Sterbender aus dem engsten Beziehungskreis nicht verboten werden.

evangelisch.de

Man müsse respektieren, “dass Menschen eine Begleitung anbieten, die über die Normen hinausgeht”, sagte Schneider am Donnerstagabend in der ARD-Sendung “Beckmann”. “Die Assistenz beim Suizid, das ist nötig”, ergänzte er. Etwas anderes sei die Tötung auf Verlangen, betonte der Theologe: “Da ist eine Grenze überschritten. Das darf nicht sein.”

Im Bundestag wird derzeit diskutiert, organisierte Formen der Suizidbeihilfe zu verbieten. Damit soll die Arbeit umstrittener Sterbehilfevereine unterbunden werden. Die Assistenz bei der Selbsttötung, etwa durch Überlassung tödlicher Medikamente, ist in Deutschland grundsätzlich nicht verboten. “Das halte ich auch für ganz wichtig”, betonte Schneider. “Wenn Menschen solch eine Entscheidung für sich fällen, dürfen wir sie nicht aus der Gemeinschaft ausstoßen, sondern dann müssen wir wirklich an ihrer Seite sein”, sagte er.

weiterlesen

Schwule Priester, die strippen: Ein Video provoziert die katholische Kirche

In der katholischen Kirche gibt es viele Sünden und Verbote. Scheidung. Selbstmord. Selbstbefriedigung. Blasphemie. Homosexualität. Dieses neue Protestvideo dürfte deshalb Geistliche und streng Gläubige schockieren: Es zeigt einen Priester, der strippt.

The Huffington Post

Der Clip wirbt für den Orthodox Calender, ein Wandkalender mit homoerotischen Bildern. Die Macher wollen auf den Schwulenhass in der orthodoxen Kirche Osteuropas aufmerksam machen. Und auf die Scheinheiligkeit der Geistlichen, die in der Abgeschiedenheit des Priesterseminars ein ausschweifenden Sexleben haben sollen.

weiterlesen

Protest gegen Esoterik an der Volkshochschule Mainz

Bild: svz.de

Bild: svz.de

Esoterische Angebote im Programm der VHS Mainz haben massive Proteste ausgelöst. Anlass war der Kurs „Pendelpraxis“, der versprach: „Mithilfe des Pendels werden Sie in der Lage sein, Ihre Lebensmittel, Medikamente, Kosmetika und mehr auf Verträglichkeit und biologische Qualität zu testen.“

Von Dr. Kai FunkschmidtEvangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW)

Die Kritik kam anfänglich aus Reihen der Gesellschaft zur Wissenschaftlichen Untersuchung der Parapsychologie (GWUP) und weitete sich aus, bis Dutzende empörte Stimmen den „unwissenschaftlichen Unfug“ anprangerten. Neben dem Pendelkurs gerieten auch andere Angebote ins Kreuzfeuer. So bietet die VHS Kurse in Astrologie, Tarot und Wünschelrutengehen, zu Schüßler-Salzen, Erdstrahlen, Tai Chi und Ernährung „auf feinstofflicher Basis“. Die Kritiker weisen im Zusammenhang des Pendelkurses auf die Gefahr hin, dass Menschen womöglich verschriebene Medikamente nach negativem Pendelergebnis nicht einnähmen oder ihren Kindern vorenthielten. Dabei ist die VHS Mainz keineswegs einzigartig. Viele der 924 deutschen VHS bieten Kurse zu esoterischen Themen an.

Die Idee der Volkshochschulen wurde von dem dänischen Pfarrer N.F.S. Grundtvigs Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt, um die Bürger durch Bildung zur Nutzung ihrer demokratischen Mitbestimmungsrechte zuzurüsten. Die einzelnen VHS sind autonom und in der deutsch-föderalen Vielfalt sehr unterschiedlich aufgestellt. Die VHS Mainz gehört zu einer Minderheit: Sie wird zu 80 Prozent aus Teilnehmergebühren finanziert und ist damit besonders auf nachfrageintensive Angebote angewiesen. Der Deutsche Volkshochschul-Verband (DVV) knüpft an Grundtvigs Tradition an, wenn er erklärt, die „Erfolgsgeschichte [der VHS] ist untrennbar verbunden mit gelebter Demokratie. Ihren Bildungsauftrag leiten sie aus den Prinzipien der Aufklärung und den universalen Menschenrechten ab.“

Am 2.9.2014 veröffentlichte die VHS Mainz eine Stellungnahme gegen „einige Personen“, die die VHS „abwerten“. Man sehe sich demnach als „Abbild der pluralen Gesellschaft“, stehe für Offenheit und Toleranz und daher „allen Menschen offen“.

Wichtiger als die Zahl der esoterischen Angebote ist – hier ist den Kritikern Recht zu geben – die Signalwirkung. Was in einer öffentlichen Bildungseinrichtung (teilweise als offiziell anerkannte Weiterbildung) angeboten wird, wird als qualitätsgeprüft und seriös wahrgenommen. Festgeschriebene Kriterien zur Grenzziehung zu inakzeptablen und unseriösen esoterischen Angeboten gibt es seitens der VHS nicht. Man kann daher fragen: Bedeutet die unbestrittene „Offenheit für alle“ auch eine umstrittene „Offenheit für alles“? Sollte sich Weiterbildung wirklich vor allem an der Nachfrage ausrichten und als Abbild der Gesellschaft verstehen? Besteht Bildung nicht gerade im Überwinden von Aberglauben durch wissenschaftliche Methoden und Vernunft? Irritierend ist es, wenn von den Kritisierten derartige Fragen zu den Grenzen des öffentlichen Bildungsauftrags als „Ruf nach Zensur“ geächtet werden. Andererseits ist der meist polemische Duktus der GWUP-Kritiker wenig gesprächsfördernd.

Anders positionierten sich nach ähnlichen Diskussionen im November 2013 die Österreichischen VHS: „Wir haben uns österreichweit ganz bewusst entschieden, eine Esoterik-Richtlinie einzuführen. Wir bieten keine Kurse an, die keinen wissenschaftlichen Hintergrund haben”. Allerdings bindet dies die einzelnen VHS nicht.

Trotzdem wäre es wünschenswert, wenn ein solches Signal für Bildung im Sinne der Aufklärung und des kritisch-analytischen Denkens von den deutschen VHS erginge. Auch aus evangelischer Sicht ist die Trennung von Glaube und Vernunft festzuhalten. Uns ist aufgegeben mit der gottgegebenen Vernunft die Welt zu erfassen. Wer den kategorialen Unterschied zwischen dieser Vernunft und den auf Übernatürliches zielenden Pseudowissenschaften vermischt, verrät nicht nur die Aufklärung, sondern auch die Unterscheidung von Schöpfer und Schöpfung.

Niedersachsen: CDU warnt vor Homosexuellen an Schulen

CDU-Schulexpertin Karin Bertholdes-Sandrock hat Angst um Schüler, die mit Homosexuelle alleine in einem Raum gelassen werden Bild: Wiki Commons / Martin Rulsch / CC-BY-SA-3.0-DECC-BY-SA-4.0

Mit dumpfen Argumenten machen die Christdemokraten Stimmung gegen Aufklärung an Schulen – es wird etwa davor gewarnt, Homosexuelle ohne Aufsicht an Schüler heran zu lassen.

QUEER.DE

In Niedersachsen bringt sich die CDU in Stellung gegen die Pläne der Landesregierung, über sexuelle Vielfalt an Schulen aufzuklären. Rot-Grün hatte einen entsprechenden Antrag (Drucksache 17/1333) bereits im März in den Landtag eingebracht. Damit soll festgelegt werden, dass Homo-, Bi-, Trans- und Intersexualität “an der Schule verbindlich thematisiert werden [muss], um alle Kinder und Jugendlichen bei der Entwicklung ihrer sexuellen und geschlechtlichen Identität zu unterstützen, gegenseitiges Verständnis zu fördern und Diskriminierung durch Ausgrenzung und Mobbing vorzubeugen”.

Die CDU lehnt dieses Ansinnen kategorisch ab. Zwar unterstütze man das Ziel, “zu Toleranz zu erziehen”, erklärte CDU-Schulexpertin Karin Bertholdes-Sandrock gegenüber der “Nordwest-Zeitung”. “Aber Kinder und Jugendliche dürfen auch nicht überfordert werden”, so die Lehrerin. Es sei falsch, Antworten zu Themen zu geben, “die die Kinder gar nicht beschäftigen”.

Für die Politikerin sind Homosexuelle dabei offenbar gefährliche Personen, die in Gegenwart von Schülern immer beaufsichtigt werden müssten: “Auf keinen Fall”, warnte die 62-jährige Landtagsabgeordnete, “kann es sein, dass beispielsweise Schwule und Lesben in den Klassen allein gegenüber den Kindern auftreten”.

weiterlesen

Ethikrat-Vorsitzende für Neufassung des Embryonenschutzgesetzes

justiz_grossDie Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Christiane Woopen, tritt wegen der rasanten Entwicklungen im Bereich der Stammzellforschung für eine Neufassung des Embryonenschutzgesetzes ein.

evangelisch.de

“Es braucht nicht die Stammzellforschung als Einfallstor, um das Embryonenschutzgesetz auf den Prüfstand zu stellen. Aber es ist sicherlich ein Grund mehr, um über dieses Gesetz noch einmal nachzudenken”, sagte sie dem “Kölner Stadt-Anzeiger” (Dienstagsausgabe).

Es heiße etwa im Embryonenschutzgesetz, dass bei der Erzeugung eines Embryos nicht beabsichtigen werden dürfe, ihn auf eine andere Frau zu übertragen, sagte Woopen. Faktisch gebe es aber überzählige Embryonen: “Da stellt sich die Frage, was man mit ihnen machen soll und darf.”

weiterlesen

Juristentag debattiert über islamische Paralleljustiz

Screenshot: BB

Screenshot: BB

Der Umgang mit islamischer Paralleljustiz ist einer der Schwerpunkte beim 70. Deutschen Juristentag, der am heutigen Dienstag in Hannover beginnt.

evangelisch.de

Zur größten Juristentagung Europas werden bis zum Freitag rund 2.500 Rechtsanwälte, Staatsanwälte oder Richter aus ganz Deutschland erwartet. Eines von sechs Fachforen geht der Frage nach, ob als Folge der kulturellen und religiösen Pluralisierung in Deutschland Änderungen im Strafrecht zu empfehlen sind.

Weitere Themen sind unter anderem das Urheberrecht, die Tarifautonomie und die Reform des Föderalismus. Der Kongress wird am Nachmittag mit einer Rede von Bundespräsident Joachim Gauck eröffnet. Auch Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) wird erwartet. Zum Abschluss ist Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) zu Gast bei einem “Forum Europa”.

Belgien: Sexualstraftäter wird Recht auf Sterbehilfe gewährt

justiz_grossIn Belgien hat sich ein Sexualstraftäter das Recht auf assistierten Suizid erstritten: Frank Van Den Bleeken machte geltend, dass er psychisch unheilbar krank und eine Gefahr für die Gesellschaft sei. Er leide im Gefängnis “unerträgliche Qualen”.

SpON

Der Sexualstraftäter Frank Van Den Bleeken sitzt seit mehr als 30 Jahren im Gefängnis, wegen mehrfacher Vergewaltigung und Mordes. Er selbst hält sich für psychisch unheilbar krank – und hat sich das Recht auf ärztlich assistierten Suizid erstritten.

Der Häftling erfülle dafür die rechtlichen Voraussetzungen, sagte sein Anwalt Jos Vander Velpen am Montag im belgischen Fernsehen. “Seit mehreren Jahren wird er von mehreren Ärzten und Psychologen behandelt und ihr Fazit ist, dass er unerträglich leidet.” Van Den Bleeken macht “unerträgliche psychische Qualen” geltend, die er im Gefängnis erleiden müsse.

weiterlesen

Wann reden Merkel und Marx auf Kundgebung „Steh auf. Nie wieder Christenhaß“?

„Nie wieder Judenhass“ – Bild-Zeitung im Juli 2014

„Nie wieder Judenhass“ – Bild-Zeitung im Juli 2014

In Berlin fand am Sonntag unter dem Motto „Steh auf. Nie wieder Judenhass“ eine Kundgebung des Zentralrats der Juden gegen Antisemitismus und für Israel statt. Neben etwa 6.000 Teilnehmern war viel gekommen, was in Deutschland Rang und Namen hat, einschließlich Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx. Die Kundgebung fand vor dem Brandenburger Tor statt, vor dem auch bereits Sympathisanten der Dschihadisten die schwarze Fahne des „Kalifats“ schwenkten.

Von Andreas BeckerKatholisches Magazin für Kirche und Kultur

Das Anliegen ist verständlich. Daß der Zentralrat der Juden eine solche Kundgebung für Israel organisiert ebenso. Dennoch haben die Koordinaten Schönheitsfehler. Die Positionen des Vorsitzenden des Zentralrats, Dieter Graumann sind nachvollziehbar und aus seiner Sicht selbstverständlich. Allerdings verschwimmen die Grenzen zwischen den Interessen Israels und den Interessen der Bundesrepublik Deutschland, daß eine Deckungsgleichheit behauptet und entsprechendes Handeln von der bundesdeutschen Politik eingefordert wird. Eine Forderung der sich, wenn schon nicht die offizielle Politik, so zumindest der gesunde Hausverstand widersetzt. Kritik an der Politik Israels, stellt noch keinen „Angriff“ auf das Judentum per se und noch weniger auf die israelitische Kultusgemeinde in Deutschland dar. Daß der Zentralrat der Juden in Deutschland hier wenig differenziert, läßt sich erklären. Fraglich ist es dennoch. Mit Sicherheit fraglich ist aber, wenn geladene Nicht-Juden aus Politik und Kirchen nicht differenzieren. Letztlich handelte es sich bei der Kundgebung vom Sonntag um die Fortsetzung einer Kampagne der Bild-Zeitung von Ende Juli: Selbes Motto, selbe Akteure. „Stimme erheben. Nie wieder Judenhass“. Merkel und Marx waren schon damals dabei.

weiterlesen

Bilanz der biologischen Sicherheitsforschung in Deutschland: Keine besonderen Risiken bei Gentechnik-Pflanzen

Johanna Wanka, Bundes- ministerin für Bildung und Forschung: Die geförderten Projekte zur Sicherheitsforschung “tragen dazu bei, Grüne Gentechnik verantwortungsvoll und im Sinne des Vorsorgeprinzips nutzen zu können.” (Aus dem Vorwort zur BMBF-Broschüre) Foto: BMBF / Laurence Chaperon

Gentechnisch veränderte Pflanzen zeigen im Vergleich zu konventionell gezüchteten kein höheres Risiko für Umweltbeeinträchtigungen. Seit 1987 hat die Bundesregierung zahlreiche Projekte zur biologischen Sicherheitsforschung finanziert. Zwei Jahre nach dem Ende des vorerst letzten Programms ist nun eine Broschüre erschienen, in dem einige Versuchsreihen mit ihren Ergebnissen vorgestellt werden. Einen Schwerpunkt bilden mehrere Projekte zu gentechnisch verändertem Mais. Obwohl die Wissenschaftler keine Hinweise auf besonderen Umweltrisiken finden konnten, wird Deutschland einen Anbau wohl auch in Zukunft verbieten.

transparenz GENTECHNIK

Insgesamt mehr als 300 Forschungsprojekte zur biologischen Sicherheit hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) seit 1987 gefördert, davon etwa die Hälfte zu gentechnisch veränderten Pflanzen. In den letzten drei Programmen seit 2000 ging es ausschließlich um mögliche Umweltauswirkungen verschiedener gv-Pflanzen, etwa bei Mais, Kartoffeln, Raps, Gerste, Zuckerrüben und Gehölzen. Außerdem wurden neue, präzisere molekularbiologische Methoden weiterentwickelt und unter Sicherheitsaspekten getestet. Die Versuche fanden nicht nur im Labor oder Gewächshaus statt, sondern auch im Freiland. Über 60 Hochschulen und Forschungseinrichtungen haben sich an den Forschungsprojekten beteiligt.

weiterlesen

Scholl-Latour: Wie dreist die westliche Allianz Russland austrickste

scholl_latourIn seinem letzten Buch rechnet die kürzlich verstorbene Reporter-Legende Peter Scholl-Latour mit der Politik des Westens ab. Nach dem Kalten Krieg hätten die USA und ihre Partner die Chance auf einen echten Neustart mit Russland vergeben, indem sie ihre eigenen Versprechen in den Wind schlugen.

Von Linda WursterFOCUS ONLINE

Kurz vor seinem Tod beendete Reporter-Legende Peter Scholl-Latour sein Buch „Der Fluch der bösen Tat“. Auf Basis seiner jahrelangen Erfahrungen und Erlebnisse in den Ländern des Orients analysiert er das Scheitern des Westens – und kommt zu gewohnt kontroversen Schlüssen. In einer Serie fasst FOCUS Online Scholl-Latours Positionen zusammen.

Teil 3: Der Umgang mit Russland nach dem Ende des Kalten Krieges

Er habe keineswegs eine „sentimentale Russland-Vorliebe“ betont Scholl-Latour zu Beginn seiner Ausführungen über Russland. Trotzdem zählt er in seinem Buch die Fehler auf, die der Westen seiner Meinung nach im Umgang mit Russland gemacht hat – und sieht darin einen Teil der Erklärung für das schwierige Verhältnis.

Scholl-Latour verweist zunächst auf die Leistungen des russischen Militärs im Kampf gegen Nazi-Deutschland. Mit dem Vormarsch von Stalingrad bis nach Berlin habe die Rote Armee unter ungeheuerlichen Verlusten die wesentliche Voraussetzung für den Sieg der Alliierten geschaffen. Doch durch die „ideologische oder wie auch immer begründete Verdrängungsstrategie der Atlantischen Allianz“ seien sie nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in die Rolle eines Kriegsverlierers versetzt worden.

weiterlesen

Deepak Chopra: Richard Dawkins is a bad scientist and his arrogance pisses me off

Image: The Raw Story

A new book details the years-long, highly acrimonious feud between self-help guru Deepak Chopra and evolutionary biologist and skeptic Richard Dawkins.

By David FergusonThe Raw Story

According to Salon.com, Tom Roston’s book The Quantum Prophets: Richard Dawkins, Deepak Chopra and the spooky truth about their battle over God, explains that the longstanding rivalry between the two men began at the 2002 TED Conference and culminated in a public debate in 2013. In an interview with Roston, Chopra explained that Dawkins’ “arrogance” continues to bother him.

“With Dawkins, I am just pissed off. I am pissed off by his arrogance and his pretense of being a really good scientist. He is not,” Chopra told Roston. “And he is using his scientific credentials to literally go on a rampage.”

When Roston said that this kind of resentment is surprising coming from a man who purports to teach millions of others the secrets of inner peace, Chopra, surprisingly, agreed.

“I totally agree,” he said. “It’s my last challenge. It may be a very strange psychological issue.”

Roston went on to say that perhaps Chopra’s resentment of Dawkins and his attacks on people of faith around the world is based in the history of their respective countries.

Chopra’s parents grew up under British colonialism, which Chopra called “two hundred years of enslavement.” It instilled in him a mistrust of high-handed British pomp and snobbery and of “these Oxford and Cambridge pseudo intellectuals. India has a habit of aping them. There are more fans of Dawkins in India than anywhere else. It’s the postcolonial hangover.”

Dawkins has accused Chopra of being a swindler whose practice of “mind-body wellness” bilks millions of people around the world by dazzling them with “magical language” and “bullshit.”

The two men debated in Pueblo, Mexico in 2013, both coming away calling themselves the winner.

“I have to let it go,” Choprah told Roston this year. “I have to recognize it. Mexico should have been the finish.”

Watch the debate from Pueblo in 2013, embedded below via YouTube:

Scholl-Latour zur Ukraine-Politik: „Der Schuldspruch war schon gefällt“

scholl_latourIn seinem letzten Buch rechnet die kürzlich verstorbene Reporter-Legende Peter Scholl-Latour mit der Politik des Westens ab. Im Ukraine-Konflikt hält er eine russische Verletzung des Völkerrechts durch die Annexion der Krim keineswegs für ausgemacht – und bewertet Russlands Vorgehen defensiv statt expansiv.

Von Linda WursterFOCUS ONLINE

Kurz vor seinem Tod beendete Reporter-Legende Peter Scholl-Latour sein Buch „Der Fluch der bösen Tat“. Auf Basis seiner jahrelangen Erfahrungen und Erlebnisse in den Ländern des Orients analysiert er das Scheitern des Westens – und kommt zu gewohnt kontroversen Schlüssen. In einer Serie fasst FOCUS Online Scholl-Latours Positionen zusammen.

Teil 2 – Der Konflikt um die Ukraine

Wehmütig erinnert sich der Autor am Anfang seines Buches an das vergangene Jahr, als eine kriegerische Konfrontation auf europäischem Boden nicht vorstellbar erschien. Nun jedoch sei in der Ukraine der „absurdeste Territorialkonflikt“ überhaupt entbrannt.

weiterlesen

Wir müssen streiten, auch mit dem imaginären Freund

Foto: Joachim Fieguth

Ahmad Mansour über Islamismus und Antisemitismus in der muslimischen Community Deutschlands.
Der israelische Palästinenser Ahmad Mansour lebt seit 2004 in Deutschland. Er trinkt gern Tee, aber wartet nicht ab, bis junge Muslime sich radikalisieren.

Von Christina MatteND

Herr Mansour, am kommenden Montag werden Sie mit dem Moses-Mendelssohn-Preis des Landes Berlin ausgezeichnet. Gewürdigt wird damit ihr Wirken für Aufklärung, Toleranz und gegen Antisemitismus in der muslimischen Community Deutschlands. Wenn man weiß, dass Sie ein palästinensicher Israeli sind, horcht man erst einmal auf.
Für Aufklärung, Toleranz und gegen Antisemitismus setze ich mich ein, weil ich in meiner Jugend selbst unaufgeklärt, intolerant und antisemitisch war. Aufgewachsen bin ich in der arabisch geprägten Kleinstadt Tira bei Tel Aviv. In der Schule war ich gut, ein bisschen ein Streber, weshalb ich schwer Anschluss an Gleichaltrige fand. Deshalb war ich sehr froh, als der Imam mich auswählte und sagte: Komm zu uns. Zu uns, das waren die Muslimbrüder. Dort fand ich junge Leute mit den selben Interessen wie ich, den selben Zielen. Wir trafen uns in der Moschee, spielten zusammen Fußball, fuhren zu großen islamischen Veranstaltungen in andere Städte. Damals war ich 13.

Von welchen Zielen sprechen Sie?
Zunächst, aus dem Elternhaus rauszukommen und den Koran zu studieren. Langsam wurde die Ideologie zu unserem Ziel: Leute zu missionieren, Frauen in ihre Schranken zu weisen, den Islam zum Sieg zu führen und zu einer politischen Macht zu machen. Das war keine rein religiöse, sondern eine politisch orientierte Gruppierung. Für mich eine Zeit, in der ich gegen meine Eltern rebellieren konnte, ein Ziel hatte – und sehr glücklich war.

weiterlesen

Fleisch vom Fließband – Massentierhaltung und die Folgen

Foto: epd-bild/ Christian Mühlhausen/landpixel

Eine schleichende Industrialisierung geht auch durch Brandenburgs Landwirtschaft. Die Tierhaltung in immer größeren Ställen ist längst Teil der globalen Turboproduktion von Billigfleisch geworden. Wohin entwickeln sich unsere Dörfer und Landschaften? In einem „Aktionsbündnis Agrarwende Berlin-Brandenburg“ fordern viele Menschen, Tierschutz-, Umwelt- und ökologische Anbauverbände ein Umdenken. „OZON unterwegs“ untersucht, welche Folgen die Sojaimporte, die Fleischexporte, der Antibiotikaeinsatz und die Stickstoffemissionen haben.

OZON Unterwegs/RBB

Hähnchen vom Fließband

Der Brandenburger Landwirt Tobias Winnige öffnete „OZON unterwegs“ seine vor zwei Jahren bei Seelow gebaute Hähnchenmastanlage. Er ist Partner der holländischen Mastgesellsellschaft „Plukon“. Alle 42 Tage werden hier 300.000 gerade geborene Küken eingestallt. Gezüchtet zum ständigen Fressen mit einer durchschnittlichen Gewichtszunahme von 50 Gramm pro Tag. Während der Dreharbeiten war Tobias Winnige zufrieden. Er musste diesmal keine Antibiotika einsetzen.

Turbofleisch im Weltgetriebe

Schlachtreife Masthähnchen sind heute in Alter und Knochenbau „Kinder“ mit dem Gewicht ausgewachsener Hühner. Die BUND-Agrarexpertin Reinhild Benning spricht von Qualzucht, wenn Tieren das Sättigungsgefühl abgezüchtet wird, schnell vor allem viel Brustfleisch wachsen muss. Francisco Mari hat mit seinem Buch „Das globale Huhn“ die Folgen dieses Fleischwahns untersucht: den gigantischen Sojaanbau in Südamerika, den Export zehntausender Tonnen von Geflügelresten nach Afrika.

weiterlesen

Intoleranz: Wenn Religion Angst macht

Pro-Köln-Anhänger demonstrieren am 8.5.2009 in Leichlingen. Pro Köln wendet sich unter anderem gegen den Bau von Moscheen in Deutschland. (dpa / picture alliance / Rolf Vennenbernd)

Die US-amerikanische Philosophin Martha Nussbaum untersucht in ihrem neuen Buch die Hintergründe der neuen religiösen Intoleranz. Ihr Fokus liegt auf Europa und den USA, wo sie eine zunehmende, irrationale Angst vor dem Islam, aber auch anderen Religionen wie dem Judentum ausmacht.

Von Kersten KnippDeutschlandfunk

In diesen Wochen jagen Kämpfer der Terrororganisation “Islamischer Staat” Hunderttausende sogenannter “Ungläubiger” vor sich her: Jesiden, Christen, Schiiten und teils auch jene Sunniten, die ihrer extremistischen Lesart der Religion nicht folgen wollen. Mit kaum für möglich gehaltener Brutalität gehen die Terroristen gegen ihre Opfer vor: Sie durchkämen ganze Landstriche, vertreiben deren dort seit Jahrhunderten, wenn nicht Jahrtausenden ansässigen Bewohner, enteignen sie, stellen sie vor die Wahl, sich entweder zu radikalen Spielformen des sunnitischen Islams zu bekennen oder die Gegend zu verlassen. Tausende dieser “Ungläubigen” ereilt ein noch schlimmeres Schicksal: Sie werden auf oft bestialische Weise getötet. Die fast schon vergessene “Enthauptung” hat durch die Berichterstattung über den “Islamischen Staat” im deutschen Sprachgebrauch inzwischen wieder eine prominente Position eingenommen. Die religiöse Intoleranz feiert unter der Herrschaft der Terrororganisation “Islamischer Staat” kaum mehr für möglich gehaltene Triumphe.

weiterlesen

Käßmann: Land ohne Armee ist eine Utopie

Margot-KässmannDie evangelische Theologin Margot Käßmann hat der Behauptung widersprochen, sie habe die Abschaffung der Bundeswehr gefordert.

evangelisch.de

Für sie sei es eine Utopie, in einem Land ohne Armee zu leben, sagte sie dem in Bielefeld erscheinenden “Westfalen-Blatt” (Freitagsausgabe). Die frühere EKD-Ratsvorsitzende machte zugleich deutlich, dass es auch weiter Utopien geben müsse.

“Ich träume davon, dass es eine Welt ohne Krieg geben kann. Ich habe die Utopien von gerechten Beziehungen zwischen Arm und Reich und Männern und Frauen. Wenn es das nicht mehr gibt, dann bewegt sich nichts mehr. Dann haben wir nur noch eine Politik des  Pragmatismus, die einen Schritt geht und dann den nächsten”, sagte   die frühere hannoversche Landesbischöfin, die heute als EKD-Botschafterin für das 500. Reformationsjubiläum 2017 wirbt.

weiterlesen

Keine Genitalverstümmlung: Jungen und Mädchen haben ein Recht auf körperliche Unversehrtheit!

beschneidungDer Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte ist empört über den Vorstoß der Berliner Rechtswissenschaftlerin Tatjana Hörnle, die die Legalisierung der Klitorisvorhautbeschneidung und anderer Formen der Genitalverstümmelung rechtfertigt. Hörnle wird ihre These auf dem 70. Deutschen Juristentag (16. bis 19. September 2014 in Hannover) vertreten.

Kinder-& Jugendärzte im Netz

Dr. Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte: “Hörnle argumentiert, wenn die Vorhaut der Jungen amputiert werden dürfe, müsse auch die Beschneidung der Klitorisvorhaut erlaubt sein. Eine solche Argumentation, bei der frei nach dem Motto “Gleiches Recht für alle” körperliche Gewalt an Mädchen durch Gewalt an Jungen gerechtfertigt wird, ist an Zynismus kaum noch zu überbieten. Kinder haben verfassungsmäßig garantierte Rechte, zu diesen Rechten gehört das Recht auf Schutz vor Gewalt. Die Resolution der Vereinten Nationen erlaubt keine Art von Beschneidungen an Mädchen und Frauen. Ist ein Arzt an einem solchen Eingriff beteiligt, so kann dieser auch standesrechtlich belangt werden.

Wir müssen uns dafür einsetzen, dass Jungen und Mädchen gleichermaßen vor Genitalverstümmelung geschützt werden. Weder Tradition noch Religion dürfen dazu führen, dass an den Genitalien von minderjährigen nicht einwilligungsfähigen Mädchen oder Jungen ohne medizinische Indikation herumgeschnitten wird. Menschenrechtsverletzungen bleiben Menschenrechtsverletzungen, auch wenn sie aus rituellen Gründen begangen werden. Es ist Zeit, dass das 2012 erlassene “Beschneidungsgesetz” novelliert wird. Der Gesetzgeber muss dafür sorgen, dass rituelle Verstümmelungen uneingeschränkt weder an Mädchen, noch an Jungen vorgenommen werden dürfen. “

Hamas may break taboo and seek to negotiate with Israel, leader says

Hamas official Moussa Abu Marzouq (photo credit: YouTube image grab)

In a dramatic political about-face, a senior Hamas official said that his movement may seek to negotiate with Israel, claiming that Islamic faith does not prohibit such contacts.

By Elhanan MillerThe Times of Israel

Moussa Abu Marzouk, deputy head of Hamas’s political bureau, told Palestinian Al-Quds TV on Wednesday that Hamas may be forced to negotiate with Israel, since the vast majority of Gaza Strip residents demand it.

“From the point of view of Sharia (Islamic law), nothing prevents negotiations with the occupation. Just as you negotiate with it using weapons, you can negotiate using words,” Abu Marzouk said. “I believe that if things continue as they are now, Hamas may not have a choice. I say this in all honesty, [negotiations] have become a quasi-popular demand at the moment among all people in the Gaza Strip. Hamas may find itself forced to adopt this policy.”

Abu Marzouk noticeably struggled to articulate his movement’s new position, a reversal of earlier stances which forbade direct contact with Jerusalem.

read more