Archiv der Kategorie: Umwelt

Dem Ursprung des Sternenstaubs auf der Spur

NASA photo showing shock wave from star known as Kappa Cassiopeiae / Bild: Reuters

Wenn es im All staubt, entstehen Winde. Astrophysiker der Universität Wien haben ein neues Modell entwickelt, um Sternenstaub zu erforschen.

Von Alice GrancyDie Presse

Wir alle sind aus Sternenstaub, heißt es. Tatsächlich stammen wesentliche Elemente des menschlichen Körpers aus dem Inneren von Sternen. Sternenstaub ist insgesamt wichtiger Bestandteil der Materie unseres Sonnensystems. Ein Blick in den Sternenhimmel ist aber nicht nur ein Blick in die Entstehungsgeschichte des Menschen und der Erde. Kosmischer Staub ist zentral für die Evolution des Universums: Er ist für den Massenverlust sonnenähnlicher Sterne bedeutsam und damit für deren weitere Entwicklung.

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Menschenaffen: Unsere haarigen Vettern

Martha Robbins, Christophe Boesch Menschenaffen Aus dem Englischen von Eva Schweikart Verlag: Hirzel, Stuttgart 2013 ISBN: 9783777622323 24,90 €

“Ich war verschwitzt, dreckig, nass und völlig außer Atem. Das Frühstück aus Bohnen und Kartoffeln lag noch schwer im Magen, obwohl wir bereits zwei Stunden unterwegs waren. Wie auf einer Achterbahn ging es in einem fort bergauf und bergab in den sich scheinbar endlos hinziehenden Hügeln des Bwindi-Impenetrable-Nationalparks in Uganda.”

Von Andreas JahnSpektrum.de

Hautnah lässt uns Martha Robbins an ihrer Feldforschung teilnehmen. Genau das ist die Intention des Buchs “Menschenaffen”, das die Verhaltensforscherin vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie zusammen mit ihrem Kollegen Christophe Boesch herausgegeben hat. In elf Kapiteln beschreiben zehn Primatenforscher, was sie erlebten, während sie in den Regenwäldern Afrikas nach Schimpansen, Bonobos und Gorillas suchten. Aus ihren gesammelten Tagebucheinträgen ist ein spannendes Dokument geworden, das die “Begegnungen mit unseren nächsten Verwandten” wiedergibt.

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Nieder mit dem Osterhasen – es lebe das Bilby!

Bilby, Bild: wikimedia.org

Australien sucht ein neues Mottotier für Ostern, weil der Hase ein europäischer Import ist. Das heimische Bilby soll den Osterhasen ersetzen. Und das langnasige Tier hat gute Chancen.

Von Michael Lenzevangelisch.de

Bitsy ist ein besserwisserisches Bilby. Sie lebt an einem Billabong (Wasserloch) im staubigen australischen Outback. Bitsy könnte eine so nette Zeitgenossin sein, wäre sie bloß nicht so dominant. Immer will sie der Boss sein, drängt jedem unerbetene Ratschläge auf. Die Possums raunzt Bitsy an, sie sollten ihre Babys bitte in einem Beutel statt auf dem Rücken tragen. Fledermäuse, findet sie, sollten gefälligst Federn haben und Kakadus lieber singen als kreischen. Dann aber wundert sich Bitsy mit völligem Unverständnis, warum sich die Dinge nicht so ändern, wie sie es gerne hätte.

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Meereswärmekraftwerke: Genügend Energie für die ganze Welt

Bild: 4ever.eu

Sonnenenergie aus dem Meer: Die Sonne heizt beständig das Oberflächenwasser des Ozeans auf – doch in der Tiefe ist es kalt. Mit den richtigen Kraftwerken ließen sich daraus Tausende Megawatt Strom gewinnen, ohne dass die Ozeanströmungen aus dem Tritt gerieten. Bild: 4ever.eu

Saubere Energie aus dem Meer: Durch Ozeanwärme ließe sich der Energiebedarf der Menschheit voll decken. Ein erstes Großkraftwerk soll zeigen, ob die Technik schon reif ist. Doch vor allem bei den Umweltfolgen fischen Forscher noch im Trüben.

Von Karl UrbanSpektrum.de

Jules Vernes hatte zuerst über sie fabuliert. Im Roman “Zwanzigtausend Meilen unter’m Meer” spricht sein Kapitän Nemo über Elektrizität, die sich aus verschiedenen Tiefen des Ozeans gewinnen ließe. Der Physiker Jacques-Arsène d’Arsonval lieferte 1881 die technische Grundlage, deren Umsetzung aber noch fast einhundert Jahre auf sich warten ließ. Zwischenzeitlich unternahm nur der Erfinder Georges Claude einige erfolglose Versuche, Energie aus der Meereswärme zu gewinnen.

Erst als 1973 der Ölpreis um über 70 Prozent stieg, regte das Industriestaaten wie die USA zu enormen Investitionen in erneuerbare Energien an. Was in Kalifornien Wind und Sonne lieferten, sollte im Bundesstaat Hawaii das Meer bereitstellen. Die Inselkette liegt in tropischen Breiten und das Oberflächenwasser wärmt sich hier besonders auf – beste Voraussetzungen für Ocean Thermal Energy Conversion, kurz OTEC.

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Erdbeben: Alle warten auf den großen Knall

Tektonische Platten (Bild: United States Geological Survey/Public Domain)

Tektonische Platten (Bild: United States Geological Survey/Public Domain)

In vielen Regionen der Welt steht die Erdkruste unter gewaltiger Spannung: Ein großes Beben scheint nur noch eine Frage der Zeit. Forscher setzen auf Überwachungsstationen, um früher warnen zu können.

Die Welt – Pia Heinemann

Ein Bison hinter dem anderen trabt den Highway entlang. Eine lange Bison-Schnur stürmt dem Auto entgegen. Die Kamera wackelt, Rinder schütteln sich, blähen die Nüstern. “Die Tiere scheinen etwas Gewaltiges und Tödliches zu spüren”, unkte YouTube-Blogger Tom Lupshu vergangene Woche. Tiere hätten viel feinere Sinne als der Mensch.

In den sozialen Netzen wurde Lupshus Video ein Hit – zusammen mit der Theorie, dass die Bisons den Ausbruch des Supervulkans erahnten. Schließlich stammt das Video aus dem Yellowstone-Nationalpark. Und unter diesem liegt eine riesige Magmakammer.

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The Real Darwin Fish: Why creationists hate Tiktaalik

Roger Smith, left, and Neil Shubin examine a fossil.Photo courtesy PBS

We all know the Darwin fish, the car-bumper send-up of the Christian ichthys symbol, or Jesus fish. Unlike the Christian symbol, the Darwin fish has, you know, legs.

By Chris MooneySlate

But the Darwin fish isn’t merely a clever joke; in effect, it contains a testable scientific prediction. If evolution is true, and if life on Earth originated in water, then there must have once been fish species possessing primitive limbs, which enabled them to spend some part of their lives on land. And these species, in turn, must be the ancestors of four-limbed, land-living vertebrates like us.

Sure enough, in 2004, scientists found one of those transitional species: Tiktaalik roseaea 375-million-year-old Devonian period specimen discovered in the Canadian Arctic by paleontologist Neil Shubin and his colleagues. Tiktaalik, explains Shubin on the latest episode of the Inquiring Minds podcast, is an “anatomical mix between fish and a land-living animal.”

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EU-Kommission plant Maulkorb für Lebensmittelkontrolleure

Bild: US Department of Agriculture (Public Domain)

Bild: US Department of Agriculture (Public Domain)

Unter dem Deckmantel einer Verbesserung der Lebensmittelsicherheit bereitet die Europäische Kommission einen „Maulkorb“ für Kontrollbehörden vor: Relevante Informationen könnten demnach nicht mehr an die Verbraucher weitergereicht werden, da eine umfassende „Geheimhaltungspflicht“ eingeführt werden soll. Das Europaparlament debattiert am Montag (14. April) über den Entwurf zur Novellierung der EU-Kontrollverordnung.

Foodwatch

Nach dem Pferdefleischskandal des vergangenen Jahres hatten die EU angekündigt, künftig für mehr Transparenz in der Lebensmittelkette zu sorgen, die Lebensmittelüberwachung zu verbessern und ein „Frühwarnsystem“ einzurichten, um Lebensmittelbetrügern das Handwerk zu legen. Der aktuelle Entwurf der Kontrollverordnung wird genau das Gegenteil bewirken und trägt die Handschrift der Lebensmittelindustrie.

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Years of Living Dangerously (Dokumentarserie über den Klimawandel)

Years of Living Dangerously ist eine 9-teilige Doku-Serie des US-Senders Showtime zur Klimakrise. Die erste Folge wurde am 13. April 2014 ausgestrahlt und ist als Online-Stream verfügbar.

Executive Producer der Serie sind u.a. James Cameron, Jerry Weintraub und Arnold Schwarzenegger. Die Folgen zeigen berühmte Hollywood Schauspieler die als sog. “Korrespondenten” in den USA und weltweit von den Ursachen und Folgen der globalen Erwärmung berichten. Dabei sprechen sie sowohl mit Experten (Klimaforschern) als auch normalen Bürgern die von den Auswirkungen der Klimakrise bereits betroffen sind. Unter den Korrespondenten sind Harrison Ford, Matt Damon, Jessica Alba, Don Cheadle, America Ferrera, Arnold Schwarzenegger, Lesley Stahl, Mark Bittman, Ian Somerhalder, Olivia Munn und Michael C. Hall. Als wissenschaftliche Berater der Serie arbeiten zahlreiche international anerkannte Klimaforscher, u.a. Joseph Romm und Heidi Cullen als “chief science advisors” sowie Michael Oppenheimer, Prof. James E. Hansen der ehemalige Leiter des NASA Goddard Institute for space studies, Prof. Michael E. Mann dessen bekannte ” Hockeystick Kurve” zu den Grundlagen der Klimaforschung zählt und weitere. Auch bekannte Umweltaktivisten wie die Primatenforscherin Jane Goodall und Greenpeace international Geschäftsführer Kumi Naidoo sind beratend für die Serie tätig. (wikipedia)

Offizielle Webseite, Showtime Webseite

Studie über Klimaskeptiker wegen Klagedrohungen zurückgezogen

klimawandel

Psychologen weisen anhand von Onlinebeiträgen nach, dass Klimaskeptiker zu Verschwörungstheorien neigen. Wegen angeblicher Verleumdung wird der Befund nun nicht veröffentlicht.

Tages-Anzeiger

Es waren nur wenige, die mit einer Verleumdungsklage drohten. Doch das reichte den Herausgebern der Open-­Access-Plattform «Frontiers in Psychology»: Sie zogen den entsprechenden wissenschaftlichen Beitrag zurück und entfernten ihn aus dem Internet. Die offizielle Begründung der Herausgeber lautet unter anderem: «Der gesetzliche Kontext ist ungenügend klar.»

Die Drohungen waren von Exponenten der Klimaskeptiker ausgesprochen worden. Diese akzeptieren den wissenschaftlich anerkannten Befund nicht, dass der Klimawandel durch das Verhalten des Menschen verursacht wird und dadurch ein Risiko für die Gesellschaft besteht. Im zurückgezogenen Artikel fühlten sich verschiedene Skeptiker in ihrer Persönlichkeit angegriffen.

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Die zurückgezogene Studie als PDF.

Klimawandel lässt Ozeane saurer werden

Bild: Wikimedia Commons/Cien (CC-BY-SA 3.0)

Bild: Wikimedia Commons/Cien (CC-BY-SA 3.0)

Eine unsichtbare Veränderung hat die Meere befallen: Das Treibhausgas CO2 lässt das Wasser saurer werden, Kalkschalen lösen sich auf. Forscher sprechen von einem der größten Umweltprobleme der Welt.

Spiegel online – Axel Bojanowski

Das Problem ist gewöhnlich unsichtbar. Doch im Herbst 2011 blieben an der Westküste der USA die Netze der Austernfischer plötzlich leer. Was war geschehen? Der pH-Wert, ein Maß für den Säuregehalt, lag erheblich niedriger als sonst, das Meerwasser war saurer geworden. Tiefenwasser war an die Küste geströmt. Das haben die Austern nicht vertragen.

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Wanderheuschrecken: Die biblische Plage

Historische Wanderheuschreckenbekämpfung Die gefräßigen Sechsbeiner brachten es zu einer der großen biblischen Plagen – und bedrohen bis heute die Ernten in einem breiten Gürtel quer durch Afrika und bis nach Indien. © Brehms Thierleben. Allgemeine Kunde des Thierreichs, Neunter Band, Vierte Abtheilung: Wirbellose Thiere, Zweiter Band: Die Niederen Thiere. Leipzig, Verlag des Bibliographischen Instituts, 1887 / public domain

Heuschreckenschwärme können ganze Landstriche kahl fressen und schrecken Landwirte seit Jahrtausenden – selbst bis nach Europa können sie sich in Einzelfällen verirren. Langsam kommen Biologen hinter die Geheimnisse der vielbeinigen Kollektive.

Von Kerstin VieringSpektrum.de

Die Luft ist voller Insekten – ein wimmelnder Teppich, der einem Gruselfilm Ehre machen würde, legt sich über die Landschaft. Und wenn er sich wieder hebt, ist von der Vegetation oft nicht viel übrig geblieben. Heuschreckenschwärme sind berüchtigt für ihren gewaltigen Appetit. Wenn sich die Tiere in Massen zusammenrotten und auf Wanderschaft gehen, fressen sie mitunter ganze Landstriche kahl. Schließlich kann so ein Schwarm aus bis zu einer Milliarde Insekten bestehen, die insgesamt rund 1500 Tonnen Gewicht auf die Waage bringen. Schon ein Bruchteil davon genügt, um die Ernte ganzer Dörfer zu vernichten. Nach Schätzungen der Welternährungsorganisation FAO vertilgt eine Tonne Heuschrecken am Tag so viel Nahrung wie 2500 Menschen.

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Der grüne Konservative

Roger Scruton Grüne Philosophie Aus dem Englischen von Elisabeth Liebl Verlag: Diederichs, München 2013 ISBN: 9783424350845 26,99 €

Im Vorwort nimmt der Autor, Publizist und Philosoph an der University of Oxford, deutlich Stellung zu seinem Vorhaben: “Meine Absicht ist es, die Umweltfrage als Ganzes in all ihren Verästelungen anzugehen. Daher ziehe ich sowohl Philosophen als auch Psychologen und Wirtschaftsfachleute zu Rate. Ich verlasse mich auf Ökologen ebenso wie auf Historiker.”

Von Wolfgang SchlottSpektrum.de

Diesem breiten Untersuchungsansatz widmet sich Scruton in elf Kapiteln. Er geht von der Feststellung aus, dass die Umweltbewegung in jüngerer Zeit “sowohl von Unterstützern als auch von Gegnern als ‘irgendwie links’ angesehen wird, nämlich als eine Protestbewegung für die Unterschichten der Gesellschaft und gegen Big Business, Konsum und die Strukturen sozialer Macht”. Gegen dieses Bild wehrt sich der Autor, indem er einen alternativen Begriff von “Heimat” entwickelt, wobei er sich auf Dokumente der Umweltbewegung in westlichen Ländern stützt. Linksgerichtete Umweltschützer, schreibt er, verknüpften konservatives Denken gewöhnlich mit freiem Unternehmertum und mit der Plünderung unseres Planeten zwecks kurzfristiger Gewinnmaximierung. An diesem polar ausgerichteten Denken seien die Konservativen selbst schuld, weil sie sich auf die simple Unterteilung zwischen individueller Freiheit einerseits und staatlicher Kontrolle andererseits beschränkt hätten. Doch konservatives Denken und Umweltschutz, so Scruton, gehörten von Natur aus zusammen.

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Ernährungsstudien: Mediale Luftnummern

Zwiebeln, Bild: wikimedia.org

Welche Ernährung welchen Krankheiten vorbeugen, darüber gibt es viele Studien. Doch meist halten diese Untersuchungen nicht, was die Medienberichte versprechen. Bei näherer Betrachtung erweisen sich die vollmundigen Versprechungen als Luftnummern.

Von Ulrike GebhardtSpektrum.de

Ernährungsthemen stehen hoch im Kurs. Wer im Wartezimmer ein paar Zeitschriften durchblättert, wird sich kaum retten können vor Tipps. Mit der richtigen Kost, so der Tenor, schlägt das Herz kräftiger, die Haut wird straffer, die Haare fülliger und die Immunabwehr schlagkräftiger. Meist gibt es hierbei jedoch ein kleines Problem: Die präsentierten Neuigkeiten sind aus dem Zusammenhang gerissene Einzelergebnisse. “Die Medien wollen immer gern fundamentale Aussagen machen und stellen Einzelergebnisse groß heraus”, bemängelt Katja Schneider von der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Die Ernährungswissenschaftlerin und ihre Kollegen verfolgen einen komplett anderen Ansatz. Sie versuchen mit Hilfe der Ernährungsökologie dem vielschichtigen Thema gerecht zu werden (Interview siehe unten).

Doch was sind das eigentlich für Einzelstudien, die hinter den Schlagzeilen stehen, und welche Aussagekraft haben sie? Drei Beispiele zeigen die Kluft zwischen Forschungsergebnis und Berichterstattung.

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Märchen, Sagen, Fantasy – Noahs Sintflut ist eine von vielen

Die Arche Noah in den Croniques de Burgues (vor 1407). Bild: public domain

Seit gestern dürfen wir im Kino Noah als vegetarischen Helden bewundern, der die Tierwelt selbstlos vor der großen Flut retten. Die Menschen möchte er aussterben lassen, sie sind ihm nicht gut genug für die neue Welt. Sie haben die vorsintflutliche Natur zerstört, bis sie schließlich nichts anderes zu Essen fanden als Menschenfleisch.

Von Thomas GrüterTELEPOLIS

Der Regisseur Darren Aronofsky (Black Swan) hat am Drehbuch mitgeschrieben und die Erzählung bildgewaltig in Szene gesetzt. Nichts wurde dem Zufall überlassen, sogar die paarweise heraneilenden Tiere generierte das renommierte amerikanische Spezialeffektstudio Industrial Light and Magic im Computer. Effekte erzählen aber keine Geschichte, und Aronofsky hat sich gar nicht erst die Mühe gemacht, den wahren Hintergrund der vielen Flutmythen oder gar die theologische Bedeutung der Noah-Geschichte zu thematisieren. Dabei könnte er damit eine sehr viel originellere Geschichte erzählen als mit seinem finsteren Öko-Helden in einer perfekt animierten Fantasy-Welt (siehe Filmkritik von Rüdiger Suchsland: Wer sündigt, hat den Tod verdient!).

Nahezu alle Völker kennen Flutlegenden. Der römische Dichter Ovid berichtet, dass Jupiter, erzürnt über die Sittenlosigkeit der Menschen, die Erde unter Wasser setzt: “Alles war Meer und dem Meer fehlte jegliche Küste”. Nur ein tugendhaftes Ehepaar überlebte: Deucalion und Pyrrha. Sie strandeten im griechischen Parnassgebirge unweit des Heiligtums von Delphi. Einem Orakelspruch folgend, warfen sie Steine über ihre Schulter, die daraufhin zu Menschen wurden und die Erde neu bevölkerten. Im Parnassgebirge findet man versteinerte Abdrücke von Meerestieren, was diesen Mythos inspiriert habe könnte.

Das Volk der Azteken im heutigen Mexiko glaubte, dass die Menschen des vorangegangenen Zeitalters der vierten Sonne in einer großen Flut zugrunde gegangen seien. Das ist durchaus bemerkenswert, denn die Aztekenhauptstadt Tenochtitlán, die heutige Stadt Mexiko, liegt auf 2300 Metern Höhe!

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Evolution: Wie das Leben laufen lernte

Dreidimensionale Bewegungsanalyse eines grünen Leguans am Computer: Virtuelle Knochenmodelle werden auf die echten Röntgenschatten angepasst, um komplexe Bewegungsabläufe exakt zu erfassen.Foto: Daimler und Benz Stiftung/Oestergaard

Dreidimensionale Bewegungsanalyse eines grünen Leguans am Computer: Virtuelle Knochenmodelle werden auf die echten Röntgenschatten angepasst, um komplexe Bewegungsabläufe exakt zu erfassen.Foto: Daimler und Benz Stiftung/Oestergaard

Eine Fährte in die Vergangenheit: Bionik als Schlüssel zum Verständnis, wie die Welt vor 300 Millionen Jahren auf die Beine kam

idw-Pressemitteilung

Ein Blick, weit zurück in der Zeit: Der Thüringer Wald im Perm, lange bevor die ersten Dinosaurier auf der Bildfläche erscheinen. Im Uferbereich eines Gewässers hinterlässt eine rund einen Meter lange Echse ihre Fußabdrücke. Und damit einen Schatz für die Wissenschaft. „Dass Fährten versteinern und sich über einen solch langen Zeitraum erhalten, ist an sich noch nichts Ungewöhnliches“, stellt der Zoologe und Evolutionsbiologe Dr. John A. Nyakatura fest. „Doch das wirklich Außergewöhnliche an dieser Spur ist: Wir können sie einem Skelettfund zuordnen. So wissen wir, wie jenes Tier aussah, das seine Fußabdrücke damals im Schlamm hinterließ.“

Jena, 300 Millionen Jahre später: Gefördert von der Daimler und Benz Stiftung macht sich Postdoktorand Nyakatura mit einem Team junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern daran, das Bewegungsprinzip von Orobates pabsti, so der lateinische Name der Echse, zu entschlüsseln. „Mithilfe eines biometrischen Roboters können wir die Fortbewegung dieses Schlüsselfossils rekonstruieren. Die Verwendung einer neuartigen Laufmaschine liefert uns dabei nicht nur Erkenntnisse über das untersuchte Exemplar, sondern wir können aus unseren Forschungen auch allgemeingültige Prinzipien zur Evolution der Bewegung bei Landwirbeltieren ableiten.“

Ein Schlüsselfossil ist die thüringische Echse deshalb, weil sie noch vor der stammesgeschichtlichen Abzweigung von Dinosauriern, Schlangen, Schildkröten und Synapsiden (woraus sich schließlich die Säugetiere entwickelten) steht. Bislang diagnostizierten Paläontologen anhand von erkennbaren Muskelansatzstellen an Skeletten oder den Proportionen von Extremitäten ausgestorbener Tierarten, wie diese sich fortbewegten. Doch derartige Einschätzungen besaßen oft subjektiven Charakter und waren durch Vorannahmen beeinflusst. Nyakaturas Team hingegen integriert bei seiner aktuellen Untersuchung mehrere neuartige methodische Ansätze. Zunächst unterziehen die Jenaer Forscher verschiedene heute lebende Tiere einer eingehenden Bewegungsanalyse. Mit Hilfe einer europaweit einzigartigen digitalen Hochgeschwindigkeits-Röntgenanlage am Institut für Spezielle Zoologie und Evolutionsbiologie der Universität Jena werden dabei feinste skelettale Bewegungen sichtbar gemacht, die sonst unter Haut und Muskeln verborgen bleiben.

Sehr genau untersucht wurden etwa die motorischen Fähigkeiten eines Rippenmolchweibchens der Gattung Pleurodeles waltl („Lotte“ lebt im Aquarium des Instituts und begleitet das Forschungsprojekt von Beginn an). Ihr Bewegungsmuster kann der Salamander-Roboter „Pleurobot“ bereits exakt imitieren. Entwickelt wurde „Pleurobot“ von Dr. Konstantinos Karakasiliotis im BioRob Labor der École Polytechnique Fédéral in Lausanne. Nyakatura betont: „Mit den Mitteln, die mir durch das Stipendium der Daimler und Benz Stiftung zur Verfügung stehen, entwickeln wir nun gemeinsam mit unserem Schweizer Kollegen einen neuen Roboter, der exakt die Spuren erzeugt, die auch Orobates vor 300 Millionen hinterließ. Wir können so durch gezielte experimentelle Veränderungen am neuen Orobates-Roboter Kenntnisse darüber erlangen, welche Bewegungen der Echse überhaupt tatsächlich möglich waren – und welche nicht. Und es lassen sich diejenigen Kräfte messen, die beim Gehen auf den Untergrund übertragen wurden und Drehmomente berechnen, die in den Gelenken wirksam waren. Unser Ziel ist es, den ständigen und bis heute andauernden Wandel des Lebens nachvollziehbar zu machen.“

Durch diese neue interdisziplinäre Kombination verschiedener wissenschaftlichen
Methoden sowie durch die exakte Wiederholbarkeit und Abwandlung der Experimente beim den Einsatz des neuen Roboters sind künftig Form-Funktions-Zusammenhänge erkennbar, wie sie allein bei der Untersuchung von Skeletten ausgestorbener Tierarten bislang nicht möglich waren.

Eine Bilddatenbank mit hochauflösenden Fotos zum Forschungsprojekt finden Sie unter

http://www.daimler-benz-stiftung.de/cms/presse/presse-informationen.html

Die Bildunterschriften sowie der Copyright-Vermerke sind unterlegt.

Rückfragen bitte an:
Dr. Johannes Schnurr
Presse und Medien
Tel.: 0 62 03-10 92 0
mobil: 0176-216 446 92
E-Mail: schnurr@daimler-benz-stiftung.de

Daimler und Benz Stiftung
Impulse für Wissen – die Daimler und Benz Stiftung verstärkt Prozesse der Wissensgenerierung mithilfe zielgerichteter Stimuli. Sie konzentriert sich auf die Förderung junger Wissenschaftler, fachübergreifende Kooperationen sowie Forschungsinhalte aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen. Ihr jährlicher Förderaufwand beträgt derzeit etwa drei Millionen Euro. Mit einem Vermögen von rund 125 Millionen Euro zählt die operativ tätige Stiftung zu den großen wissenschaftsfördernden Stiftungen Deutschlands.