Schlagwort-Archive: Beschneidung

WORLDWIDE DAY OF GENITAL AUTONOMY

Am 7. Mai jährt sich zum ersten Mal die Verkündung des Urteils des Kölner Landgerichtes, das auch die “Beschneidung” von Jungen als strafbare Körperverletzung bewertete und damit eine heftige, bis heute anhaltende Debatte auslöste.

IBKA

Für diesen Jahrestag möchte der Facharbeitskreis Beschneidungsbetroffener im MOGiS e.V., alle UnterstützerInnen der Forderung nach einem zweijährigen Moratorium vom Juli des vergangenen Jahres und des schließlichen alternativen Gesetzentwurfes einladen, eine Demonstration zu Ehren der Rechte aller Kinder weltweit auf genitale Selbstbestimmung unabhängig von Geschlecht, Herkunft und Religion gemeinsam durchzuführen – dort, wo die Debatte einen ihrer wichtigsten Impulse erfuhr:

am 7.5. 2013 um 11 Uhr am Landgericht KÖLN
Die Website der Aktion

Die genehmigte Route der Demonstration:

Die Auftaktkundgebung findet um 11 Uhr auf der Fläche zwischen den Gehwegen und dem Treppenaufgang zum Haupteingang des Amts/Landgerichts Köln, Luxemburger Strasse 101, statt.

Der Weg des Demonstrationszuges führt über die Luxemburger Straße, Pfälzer Straße, Barbarossaplatz, Neue Weyerstraße, Rothgerberbach, Blaubach, Hohe Pforte, Hohe Straße, Gürzenichstraße, Große Sandkaul, Marspfortengasse, Sporergasse und Am Hof zur abschließenden Kundgebung auf dem Roncalliplatz (gegen 13 Uhr).

Unterstützt und initiert von:

Facharbeitskreis Beschneidungsbetroffener im MOGiS e.V. – Eine Stimme für Betroffene
Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ) – alle kinder- und jugendärztlichen Verbände in Deutschland
TERRE DES FEMMES e.V.
TABU e.V.
(I)NTACT e.V.
Zentralrat der Ex- Muslime
pro familia Nordrhein-Westfalen
Internationaler Bund der Konfessionslosen und Atheisten
AK Kinderrechte der Giordano-Bruno-Stiftung
Beschneidungsforum.de

Beschneidungs-Propaganda: „Mazel Tov!“ – lege artis? Es darf gezweifelt werden

Foto: Georg Moritz

Zwischen Sushi, koscherem Wein und Klezmer: Wir waren zu Gast bei der Beschneidung von Mendel, dem Sohn von Rabbi Yehuda Teichtal.

Von Claudia KellerDER TAGESSPIEGEL

Sie haben die schwarzen Anzüge aufgebügelt und schicke Blusen und Röcke angezogen. Denn heute ist ein Festtag. Heute wird der Sohn von Rabbiner Yehuda Teichtal beschnitten. 400 Gäste sind um kurz nach 14 Uhr in die Münstersche Straße in Wilmersdorf gekommen, Freunde, Bekannte, Verwandte, Rabbiner aus Deutschland und Polen. Sie alle drängen nun in die Synagoge. Vorne auf dem Toratisch breitet Menachem Fleischmann, der Mohel, Scherchen aus und ein silbernes Messer. Fleischmann ist aus Israel eingeflogen, seit 36 Jahren ist er professioneller jüdischer Beschneider.

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Shereen el Feki: Gustave Flaubert fickte sich sozusagen nilaufwärts

Shereen el Feki: “Sex und die Zitadelle. Liebesleben in der sich wandelnden arabischen Welt” (Aus dem Engl. von Thorsten Schmidt. Hanser, Berlin. 415 S., 24,90 €)

Shereen el Feki hat ein Buch über Sex in den arabischen Ländern geschrieben. Von der Ehe bis zur männlichen Prostitution verrät es dem Westen sämtliche Geheimnisse des islamischen Geschlechterlebens.

Von Necla KelekDIE WELT

Im Frühjahr 2011 spürte der deutsche Schriftsteller Navid Kermani auf dem Tahrir-Platz in Kairo die revolutionäre “Zärtlichkeit der Massen”. Nun wird fast täglich über sexuelle Übergriffe, Grabscher und Vergewaltigungen vom Ort der arabischen Freiheit berichtet. Die Journalistin und Immunologin Shereen el Feki, in Kanada aufgewachsene Tochter eines Ägypters und einer walisischen Mutter, ist in tausendundeinem Tag vom Tahrir-Platz aus durch Ägypten, dem Maghreb und Mittleren Osten gereist, um herauszufinden, ob und wie sich vor und nach dem Sturz der Despoten das Verhältnis der Männer und Frauen zueinander verhält und verändert hat. Es ist eine Anamnese des Zustands der Sexualität in der islamischen Welt, wie sie so bisher unbekannt war.

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Gott soll mir gefallen. Sonst darf er nicht existieren!

Bild: heise.de

Ab und zu werden sie in der Öffentlichkeit geführt, ja: So ging es vor einigen Jahren in den deutschen Feuilletons um die Rechtfertigungslehre. Es gibt in den Medien auch den Platz und Fachleute: Die Wochenzeitung Die Zeit etwa hat ein Ressort namens Glauben und Zweifeln, auch bei den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalten finden sich entsprechende Sendeplätze.

Von Ulrike HeitmüllerTELEPOLIS

Aber es ist doch wenig. Angesichts der Tatsachen, dass eine Partei in der Regierung sitzt, die sich “christlich” nennt, und dass das Christentum gelegentlich als, nun ja, “einheimische” Religion ins Feld geführt wird, vor allem gegenüber dem Islam: Da sollte man eigentlich mehr – vielleicht nicht wünschen, aber doch erwarten. Oder?

Ein widersprüchlicher Befund: Irgendwie ist Religion da, im öffentlichen Leben. Aber irgendwie auch nicht: Eine seltsame, schwer fassbare Ambivalenz. Das Ganze wird noch widersprüchlicher, wenn man weiter drüber nachdenkt. Drei Fragen stellen sich:

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Kirche und Evangelikale sollen enger zusammenrücken

Eine führende Repräsentantin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Pröpstin Annegret Puttkammer. Foto: idea/Rösler

Angesichts einer zunehmenden Skepsis gegenüber Religion in der Gesellschaft sollten die Volkskirche und die evangelikale Bewegung enger zusammenrücken.

idea.de

Dafür hat sich eine führende Repräsentantin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Pröpstin Annegret Puttkammer (Herborn), ausgesprochen. Nach ihren Worten ist ein „Grundverdacht“ gegenüber allem spürbar, „was religiös ist“. Das habe sich zum Beispiel in der Debatte um die Beschneidung jüdischer und muslimischer Jungen gezeigt, sagte die 49-jährige Theologin am 6. Februar bei einem Besuch der Evangelischen Nachrichtenagentur idea in Wetzlar. Sie ermunterte Evangelikale, in gesellschaftspolitischen Fragen Stellung zu beziehen: „Wir dürfen uns nicht in unsere Hauskreise zurückziehen.“ Christen könne es nicht egal sein, wenn Menschen etwa unter Zuglärm im Rheintal oder unter Fluglärm im Rhein-Main-Gebiet litten.

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“Religionen sind ja keine Anleitung zum guten Leben”

foto: standard/cremer Konrad Paul Liessmann fordert verpflichtenden Ethikunterricht für alle und nicht nur als “Restfach” für Religionsabmelder.

Philosoph Konrad Paul Liessmann über das gute Leben und den rechten Glauben, weltliche Gesetze und göttliche Offenbarung

Interview | Lisa NimmervollderStandard.at

STANDARD: Österreich schleppt das Thema Ethikunterricht seit 1997 als Schulversuch mit, und noch immer gibt es keine politische Entscheidung, ob und wenn ja, in welcher Form Ethikunterricht eingeführt werden soll. Was sagt uns dieses Gezerre über dieses Land und sein Verhältnis zur Religion?

Konrad Paul Liessmann: Wir können den Ethikunterricht offensichtlich nur im Zusammenhang mit Religion und Religionsunterricht diskutieren. Ursprünglich wollte man etwas für die Schüler tun, die sich von Religion abmelden und in dieser Zeit keinen Unterricht haben, eine schulorganisationstechnische Maßnahme. Da kam die Idee des Ethikunterrichts, der sich in anderen Ländern aus ganz anderen Überlegungen durchgesetzt hat. Mittlerweile wird so diskutiert, als gälte: Entweder haben Menschen eine Religion, dann sind sie moralisch gefestigt, oder sie haben keine, dann brauchen sie Ethikunterricht. Das sehe ich anders.

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Deutscher Bundestag: Dodo des Monats Dezember 2012

Dodo des Monat Dezember 2012

Dodo des Monat Dezember 2012

bundestag_zirkumzisionIm Jahr 2012 unserer Zeitrechnung, Monat Dezember, feierte der demokratisch-freiheitliche Maoismus, im deutschen Parlament, fröhliche Urständ. Aus einer nicht näher zu verifizierenden Quelle wurden auf der Grundlage uralter, will sagen archaischer Rituale, gesetzliche Normative begründet.

Cédric Poyet

In vorislamischer Zeit wurden sowohl Männer wie auch Frauen der Beschneidung unterzogen. Die Beschneidung der Männer wird im arabischen “hitân” , der Frauen hingegen als “hafd” bezeichnet. Obwohl es im Qur’an kein Ayat (Vers) über die Beschneidung exisitiert, wird es als Symbol der Muslime anerkannt.
Nach der Überlieferung beschnitt als erster Mensch der Prophet Ibrahim (Abraham) im Alter von 80 Jahren sich selbst:

Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete, daß der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, sagte: “Abraham, Allahs Friede auf ihm, vollzog für sich die Beschneidung, als er im Alter von achtzig Jahren war, und bediente sich dazu der Axt.” [BUCHARI:780]

Da auch die Juden Abraham als ihren Stammesvater anerkannten , folgten sie dem Beispiel des Propheten und führten auch die Beschneidung durch. Dies änderte sich nicht bis zum Propheten Isa (Jesus). Die Christen indessen interpretierten unglücklicherweise unter hitan, die Säuberung des Herzens, und führten keine Beschneidungen mehr durch.

Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete, daß der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, sagte: “Zur Fitra (bei Erschaffung des Menschen) gehören fünf Dinge: Die Beschneidung, das Abrasieren der Schamhaare, das Kurzschneiden des Schnurrbarts, das Schneiden der (Finger- und Fuß-) Nägel und das Auszupfen der Achselhaare.” [BUCHARI:1216]

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UN-Experte Heiner Bielefeldt: „Freiheit ist kein Freibrief“

Heiner Bielefeldt ist UN-Sonderberichterstatter. (Cornelius Wachinger)

Für den UN-Experten Heiner Bielefeldt ist Beschneidung kein trivialer, aber ein Identität stiftender Eingriff.

Von Cornelia Breuer-IffWZ newsline

Überall auf der Welt werden Menschen wegen ihrer religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen verfolgt, misshandelt und unterdrückt. In Deutschland ist die Freiheit des Glaubens im Grundgesetz garantiert. Der Sonderberichterstatter der Uno für Religions- und Weltanschauungsfreiheit ist derzeit ein Deutscher. Wir sprachen mit Heiner Bielefeldt über Knabenbeschneidung, Religionskritik und Islamunterricht an Schulen.

Herr Professor Bielefeldt, wer ist der größte Feind der Religionsfreiheit?

Heiner Bielefeldt: Weltweit gesehen? Der Hass. Hass, der sich einerseits aus Verachtung, andererseits aus Angst speist. Die schlimmsten Übergriffe sind unglaubliche Hassausbrüche.

Unionsfraktionschef Volker Kauder hat dieser Tage hingegen gezielt den Islamismus als Bedrohung der Religionsfreiheit weltweit gegeißelt.

Bielefeldt: Die Religionsfreiheit wird von ganz vielen Seiten bedroht. Die Vorstellungen von einer natürlichen Täterreligion oder einer natürlichen Opferreligion kommen einem bei meiner Arbeit abhanden. Es ist naiv zu glauben, man könne in die heiligen Bücher schauen und daraus dann die Welt erklären. Solche simplen Zuordnungen möchte ich auflösen. Es gibt Hindu-Fanatismus in Indien, im Iran werden Anhänger der Bahai grausamst verfolgt, und es gibt gewaltbereite Buddhisten. Natürlich spielt der politische Islam eine Rolle, und mit Blick auf Ägypten sorge ich mich um die Kopten, aber auch um atheistische Blogger.

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Die Macht der Religionen

napoleon_religionWie frei ist, darf und sollte die Religionsausübung in einem Staat sein? Wo liegen in der Auslegung des eigenen Glaubens und der eigenen Überzeugung die Grenzen der Religionsfreiheit, wo endet das Grundrecht auf Meinungsäußerung und religiös motiviertes Handeln?

Von Christoph MöllersDeutschlandfunk

Autor Christoph Möllers ist Verfassungsrechtler an der Humboldt-Universität zu Berlin.

I. Von der Distanz zum eigenen Glauben

Die Freiheit der Religion gilt als altes Grundrecht. Schon die englischen Pilger auf ihrem Weg nach Amerika beriefen sich auf sie. Der deutsche Staatsrechtler Georg Jellinek plädierte in einem berühmten Buch im Jahre 1895 gar dafür, dass man sie als das historisch erste Grundrecht verstehen müsse. Dies bleibt eine umstrittene These; unbestritten dürfte dagegen sein, dass alles, was wir heute wie selbstverständlich zur Freiheit der Religion zählen, vergleichsweise neu und durchaus voraussetzungsreich ist: Dass sich ein Einzelner auf seine Religionsfreiheit berufen kann, und zwar gänzlich unabhängig davon, welcher Religion er angehört, wäre den meisten Europäern noch im 19. Jahrhundert sehr seltsam vorgekommen.

Schließlich spielen sich die meisten Religionen in einer Gemeinschaft ab, über deren Vorstellungen kein Einzelner verfügen können soll. Rechte aus Religion waren zunächst Rechte einer religiösen Gemeinschaft darauf, in ihrer – auf den Innenraum beschränkten – Praxis vom Staat unbehelligt zu bleiben. Das Recht eines Einzelnen auf öffentliche religiöse Präsenz war davon nicht umfasst.

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Jüdischer Zentralrat kündigt neue Qualitätsstandards bei Beschneidung an

bundestag_zirkumzisionNachdem der Deutsche Bundestag die Universalität der Menschenrechte auf dem Altar der Religionen geopfert hat, genau am 12.12.2012, kündigt nun Generalsekretär Stephan Kramer vom Zentralrat der Juden in Deutschland neue Qualitätsstandards bei Beschneidungen von Jungen an.

Inwieweit der Zentralrat religiöse Weisungsbefugnisse oder Kompetenzen hat, wäre extra zu Hinterfragen.
Von Januar 2013 an soll eine zertifizierte Zusatzausbildung für jüdische Beschneider angeboten werden. Ob sich rituelle Beschneider daran halten bleibt abzuwarten. Die Brit Mila selbst wird in Gen 17,10–14 wie folgt beschrieben:

„Das ist mein Bund zwischen mir und euch samt deinen Nachkommen, den ihr halten sollt: Alles, was männlich ist unter euch, muss beschnitten werden. Am Fleisch eurer Vorhaut müsst ihr euch beschneiden lassen […] Alle männlichen Kinder bei euch müssen, sobald sie acht Tage alt sind, beschnitten werden.“

Das ist das geoffenbarte Wort Gottes, für orthodoxe Juden zählt das und nichts anderes. Die Brit Mila ist eines der 248 Gebote der Mitzwot, den 613 einzelnen Pflichten des Judentums. Bibelfundamentalismus und nichts anderes. 200 Jahre nach der Haskala sanktioniert das deutsche Parlament voraufklärerische Rituale.

Es geht nicht um Qualität, es geht um das Recht auf körperliche Unversehrtheit, welches deutsche Politik ganz in die Hände der erziehungsberechtigten Eltern legt. Glück ist, dass bisher bei der christlichen Taufe noch kein Täufling ersoffen ist. Man ahnt, schränkt man jüdische Rituale ein, sind als nächstes die christlichen Rituale, deren Rechtsstatus hinterfragt würde, an der Reihe. Die Zustimmung zur Beschneidung ist politisch und juristisch betrachtet das kleinere Übel.

«Wir sind es der Gesellschaft und auch uns selbst schuldig, die Diskussion mit den Kritikern zu führen», sagte Kramer. Er hoffe, dass «wir dann irgendwann einen Status quo erreichen, mit dem wir nicht nur alle leben können, sondern der uns höchstmögliche Qualitätsstandards sichert».

Da Kramer seinerzeit von einem konstitutiven Recht auf Beschneidung sprach, ist sein Diskussionangebot pure Heuchelei zu nennen. Da gibt es eben nichts mehr zu diskutieren. Solange Religionsgemeinschaften archaische Riten praktizieren, sind diese zu kritisieren. Und zwar solange, bis der Wille zur Veränderung von den Religionsgemeinschaften selbst ausgeht. Ob nun Beschneidung im Judentum oder Islam, es betrifft wehrlose Kinder, deren Widerspruch nicht gehört werden kann.
Und ich bezweifle dass der Zentralrat der Juden in Deutschland für die Sephardim und Chassidim sprechen kann. Das ist ungefähr so, als wenn der Papst in Rom Bischöfe der evangelischen Kirchen benennen und einsetzen würde.

Ich denke, dass ich das folgende Zitat nicht weiter zu kommentieren habe.

„Eine hypothetische Frage: Ich werde dabei erwischt, wie ich, ein Mann von siebenundfünfzig Jahren, einem männlichen Baby am Penis lutsche. Wut und Ekel würden mir entgegenschlagen. Aber selbstverständlich habe ich eine Erklärung zur Hand: Ich bin ein Mohel und wurde bestellt, eine Beschneidung vorzunehmen. Meine Autorität beziehe ich aus einem Text des Altertums, der mir aufträgt, den Penis des kleinen Jungen in die Hand zu nehmen, die Vorhaut ringsum einzuschneiden und die rituelle Handlung zu beenden, indem ich den Penis in den Mund nehme, die Vorhaut absauge und die amputierte Haut samt einem Mundvoll Blut und Speichel ausspucke. Diese Praxis ist bei den meisten Juden nicht mehr üblich, weil sie unhygienisch ist und zudem unangenehme Assoziationen weckt, doch die chassidischen Fundamentalisten, die bis heute auf einen Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem hoffen, führen sie noch durch. Sie betrachten den primitiven Ritus des Peri’ah Metsitsah als Teil des ursprünglichen und unzertrennlichen Bundes mit Gott. Im Jahr 2005 wurde in New York bekannt, dass sich mehrere kleine Jungen bei dem von einem siebenundfünfzig Jahre alten Mohel durchgeführten Ritual mit Genitalherpes angesteckt hatten, an dem mindestens zwei Kinder starben. Unter anderen Umständen hätte sich das Gesundheitsamt durch diese Nachricht dazu veranlasst gesehen. das Ritual zu verbieten, ….“ Weiter zu lesen in:

Hitchens Christopher: „DER HERR IST KEIN HIRTE“ ISBN: 978-3-453-620036-0 Seite 67 ff.

Beschneidung: Weg mit den Menschenrechten

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Bild: turkishpress.de

Gedicht zur Abschaffung der Menschenrechte für Jungen in Deutschland:

Wetzt das Messer, singt ein Lied,
Ab die Vorhaut von dem Glied.
Kinder können sich nicht wehren,
darum müssen sie uns ehren.

Wir verstümmeln, wir beschneiden
Recht und Vorhaut; allen beiden
muss man hier den Garaus machen,
denn wir steh’n auf solche Sachen.

Und ihr Schreien hilft so wenig,
denn wer festhält, ist der König.
Wir bestimmen, was hier Recht.
Wer dagegen ist, ist schlecht.

Gründe sind uns ganz egal,
der Verstand, der kann uns mal.
Bist Du für ein intaktes Glied,
so bist Du gleich Antisemit.

Von U.Dunkel

Vatikan muss Tradition der Beschneidung respektieren

Gerhard L. Müller links im Bild

Gerhard L. Müller links im Bild

Gerhard Ludwig Müller, Präfekt der Glaubenskongregation, bezeichnet die Beschneidung als jüdische und islamische Tradition, “die wir respektieren müssen”.

Die Presse.com

Der Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation, Kurienerzbischof Gerhard Ludwig Müller, hat Kritik an der Beschneidung von Buben aus religiösen Gründen zurückgewiesen. “Bei einer Beschneidung geht es weder um Verstümmelung noch ist es ein Eingriff in die Menschenrechte”, sagte Müller in einem Interview mit dem Münchner Nachrichtenmagazin “Focus”. Es handle sich um eine jüdische und islamische Tradition, “die wir respektieren müssen”.

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Jerome Segal: “Als Jude sage ich, Beschneidung ist barbarisch”

IN WIEN WAGEN JUDEN NICHT, SICH ÖFFENTLICH GEGEN BESCHNEIDUNG AUSZUSPRECHEN. Jerome Segal, Universitätsdozent in Wien und Assistenzprofessor an der Pariser Sorbonne, ist Jude, Atheist und Beschneidungsgegner.

CHANGE TV

Seine Söhne ließ er nicht beschneiden, denn für ihn wäre dies ein “grausamer und barbarischer Akt”. Auch andere Thora-Vorschriften, etwa Todesstrafe bei Ehebruch, werden nicht mehr angewendet. Für die Beschneidung gibt es das jüdische “Brit Schalom” Ritual, das in Israel und den USA immer häufiger angewendet wird, hier wird Beschneidung nur symbolisch durchgeführt. In Wien hingegen sei der soziale Druck in der israelitischen Kultursgemeinde dermaßen hoch, dass niemand es wage, sich öffentlich gegen Beschneidung zu äußern. Wer seine Buben nicht beschneiden lässt, verheimlicht dies, aus Sorge, dass ihnen beispielsweise der Besuch einer jüdischen Schule in Wien verwehrt wird.

Woelki: “Verständnis für Religion ist geschwunden”

Rainer Maria Kardinal Woelki, Erzbischof von Berlin (2011) Bild: wikipedia/Botulph

Rainer Maria Kardinal Woelki, Erzbischof von Berlin (2011) Bild: wikipedia/Botulph

Berliner Erzbischof Rainer Maria Woelki: «Es fehlt die Einsicht, dass Menschen aus religiösen Gründen Dinge tun, die nichtreligiöse Menschen nicht tun würden».

kath.net

Der Berliner Kardinal Rainer Maria Woelki hat mit Blick auf die Beschneidungsdebatte ein schwindendes Verständnis für religiöse Motive kritisiert. «Es fehlt die Einsicht, dass Menschen aus religiösen Gründen Dinge tun, die nichtreligiöse Menschen nicht tun würden», sagte Woelki in einem Interview der in Dortmund erscheinenden Fachzeitschrift «Amosinternational» (Heft 4). Dies gelte auch für die Lebensform als Priester und Ordensangehöriger, die Taufe kleiner Kinder sowie Speise- und Gebetsvorschriften.

Hintergrund der Debatte ist das Urteil des Landesgerichts Köln, das die Beschneidung eines Jungen als unzulässige Körperverletzung bewertet hatte. Inzwischen hat die Bundesregierung eine gesetzliche Neuregelung der Beschneidung auf den Weg gebracht.

Das Strafrecht muss sich zurückhalten

dpa

Die Beschneidung von Jungen soll gesetzlich geregelt werden. Gleich zwei Entwürfe wurden dazu nun dem Bundestag vorgelegt – sie unterscheiden sich stark. Doch nur ein Gesetz ist das richtige: Das, welches nicht massiv in das Judentum eingreift.

Von Heribert PrantlSüddeutsche.de

Es gibt Handlungen, die eigentlich gefährlich sind, aber von der Gesellschaft nicht missbilligt werden; sie gelten als üblich und sind oft von Tradition getragen. Strafbarkeit kommt daher nicht in Betracht; im Strafrecht wird das auch unter dem Stichwort “Sozialadäquanz” diskutiert.

Bis vor Kurzem konnte man annehmen, dass die Beschneidung – die im Judentum und im Islam zum Bekenntniskanon gehört – sozial adäquat, also strafrechtlich unverdächtig ist. Das Urteil des Landgerichts Köln vom Mai hat gezeigt, dass das nicht so ist. Weil Gläubigen und Ärzten die dadurch entstandene Rechtsunsicherheit nicht zugemutet werden kann, ist ein Gesetz nötig.

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Opfer: Beschneidung wird nicht hinterfragt


„Warum hatte ich dieses Recht nicht“, fragt Önder Özgeday.Foto: Ingo Otto

Önder Özgeday leidet darunter, dass er als zehnjähriges Kind beschnitten wurde. Erst später merkte er, was ihm genommen wurde. Ein Betroffenen-Verein beklagt: Im Gesetzgebungsprozess würden die Opfer nicht gehört. Das Thema würde in der Öffentlichkeit bagatellisiert.

Von Andreas EichhornWAZ

Önder Özgeday kann sich noch gut an den Tag erinnern, an dem er beschnitten wurde. Damals war er zehn. Es war eine kleine Arztpraxis, der türkische Arzt hatte schon viele aus seinem Bekanntenkreis beschnitten. Er musste sich ausziehen, bekam eine Schürze umgebunden, damit er nicht alles mitansehen musste. Denn da er nur örtlich betäubt wurde, bekam er alles bewusst mit. „Da war viel Blut – und die ärztliche Assistentin hat verschreckt geguckt“, erinnert er sich.

Auf dem Heimweg kamen die Schmerzen. Schmerzen, die mit der Zeit nachließen und ihn dennoch bis heute heimsuchen. Heute ist Önder Özgeday 29 und studiert Sozialwissenschaften. In den Wochen nach der Operation musste er jeden Tag ein Pulverbad nehmen. Dennoch entzündete sich sein Glied und es dauerte Monate, bis es endlich abheilte.

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Beschneidung: Ethikratsvorsitzende Woopen will religionsselektive Normen

Christiane Woopen, Bild. ethikrat.org

Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Christiane Woopen, hat sich für ein Kinder-Veto bei der rituellen Beschneidung muslimischer Jungen ausgesprochen. Muslimische Kinder, die anders als jüdische in aller Regel erst später beschnitten würden, müssten nach ihrem Einverständnis gefragt werden, sagte Woopen dem Nachrichtenmagazin “Focus”. “Und wenn ein Kind deutlich macht, dass es nicht will, dann müssen die Eltern davon ablassen.”

YAHOO! Nachrichten

Eine Mehrheit des Ethikrates hatte sich für das geplante Beschneidungsgesetz ausgesprochen, allerdings nur, wenn medizinische Standards erfüllt werden. Die Bundesregierung will am kommenden Mittwoch den Gesetzentwurf zur Beschneidung von Jungen beschließen. Er sieht vor, die Beschneidung unter bestimmten Voraussetzungen zu erlauben. Eine Ausnahmeregelung soll greifen, wenn das Kindeswohl gefährdet ist – etwa bei Blutern. In der Regel soll die Beschneidung von Ärzten vorgenommen werden. Innerhalb der ersten sechs Monate nach der Geburt kommen dafür auch spezielle Beauftragte von Religionsgemeinschaften in Frage.

Die Neuregelung soll die Verunsicherung nach dem Urteil des Landgerichts Köln beseitigen. Das Gericht hatte im Mai Beschneidungen von Jungen aus rein religiösen Gründen als strafbare Körperverletzung gewertet. Die Entscheidung war von jüdischen und muslimischen Verbänden scharf kritisiert worden.

Beschneidung: Geist und Fleisch

Beschneidungsbesteck: Juden und Muslime wundern sich über den aktuellen Furor über den Ritus ©DPA

Die Praxis wie auch die Ablehnung der Beschneidung sind in hohem Maß kulturrelativ. Die Unterstellung aber, ganze Bevölkerungsgruppen vergingen sich am Wohl ihrer Kinder, ist abwegig und anmaßend.

Von Reinhard BingenerFrankfurter Allgemeine

Vernunft und Zivilisation können auf archaische Riten rückständiger Minderheiten keine Rücksicht nehmen! Im Namen des Rechts ist es sogar geboten, unaufgeklärte Minderheiten vor der Verstümmelung ihrer Kinder zu schützen! In etwa so legten sich – zwei Jahrtausende vor Erfindung von Talkshow und Internetforum – auch schon griechische und römische Autoren die Sache mit der Beschneidung zurecht. In der longue durée hat sich also wenig geändert: Viele Europäer halten für fortschrittlich, was sie schon immer für fortschrittlich hielten.

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Beschneidungen passen nicht in eine moderne Gesellschaft

Verletzt die Beschneidung Kinderrechte? Darüber streiten sich die Experten. – Foto: dpa

Seit Generationen werden fast alle Männer in der Familie von Leser Avi Steinberg beschnitten. Er hält diese Tradition für nicht mehr zeitgemäß.

Von Avi SteinbergZEIT ONLINE

In unserer Familienchronik genießt mein Ur-Ur-Ur-Großvater, der 1762 in Frankfurt am Main geborene Rabbiner Moses Schreiber, besonderes Renommee. Er war zu seiner Zeit die bedeutendste Instanz des orthodoxen Judentums in Europa und ein entschiedener Gegner der Reformbewegung, die das Judentum im Geist der Aufklärung modernisieren wollte. Er setzte sich gegen jene zur Wehr, die unter anderem eine Abkehr von der Beschneidung propagierten.

Vor Kurzem berichtete mir eine Verwandte mit Stolz: “Weißt Du, dass Moses Schreiber kurz vor seinem Tod als letztes Kind noch seinen Enkel, also unseren Urgroßvater, beschnitten hat?” Drei Wochen später starb der Rabbiner im Alter von 77 Jahren. Donnerwetter, dachte ich, der Mann hat sich in dem Alter noch an das Glied eines Babys gewagt! Offensichtlich schützt Gott die Kinder unserer Familie.

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Beschneidung ist ein religiös konstitutives, körperlich sichtbares Siegel des Bundes mit Gott

Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden ©dpa

Das Thema Beschneidung darf im Judentum kein Tabu sein. Im Interview spricht sich Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden, für eine offene Debatte aus.

Von Mariam LauZEIT ONLINE

ZEIT ONLINE: Herr Kramer, inzwischen hat das Bundeskabinett einem Entwurf zugestimmt, der Beschneidungen in Deutschland künftig unter bestimmten Bedingungen möglich macht. Haben Sie gewonnen?

Stephan Kramer: Triumphgeheul verkneife ich mir. Wir sind einen wichtigen Schritt weiter, aber der Weg ist noch lang. Trotzdem: Das Gesetz ist eine Verschlechterung des bisherigen Zustands und die Diskussion ist ja keineswegs mit dem Gesetzentwurf erledigt.

Erstens müssen jetzt die Abgeordneten des Deutschen Bundestags sich in Ruhe ihre Meinung bilden, und ich bin keineswegs sicher, wie die sich entscheiden werden, auch wenn wir viel Unterstützung aus der Politik erhalten haben. Aber nicht immer ist das Meinungsbild der Parteibasis identisch mit der Position der Parteiführung.

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