
Pfarrer Jürgen Fliege auf der Terrasse seines Hauses in Tutzing (Bayern) beim Interview mit dem epd. Er fordert die Kirche auf, die Menschen mehr zu lieben als die Liturgie. Foto: epd-bild/Michael McKee
Der TV-Moderator und evangelische Theologe Jürgen Fliege liegt nach wie vor mit seiner Kirche über Kreuz. Diese “labert Gott die Ohren voll”, beklagt er kurz vor seinem 65. Geburtstag. Austreten wolle er dennoch nicht: “Einmal Pfarrer, immer Pfarrer.”
Christiane Ried und Stephan Cezanne – evangelisch.de
Herr Fliege, Sie sind evangelischer Pfarrer, TV-Moderator, Kirchenkritiker und beschäftigen sich mit alternativen Heilweisen. Wo ist der rote Faden in Ihrer Biografie?
Jürgen Fliege: Ich wollte immer ein Jesus-Mann sein, ein Bruder. Ich bin in einer Kirche aufgewachsen, die mir nicht fromm genug und geschwisterlich genug ist, und die all meine Reformversuche vom ersten Tag an nicht mochte.
Außerdem hasse ich Hierarchien, vor allem, wenn sie auf Macht begründet sind. Ich kann Menschen nicht danach beurteilen, ob sie mir unterstellt oder überstellt sind und sortiere sie auch nicht danach, ob sie kirchlich sind oder nicht. Religion ist Heimat und nicht Wahrheit.
Und dann empfinde ich mich in der pietistischen Tradition als Beter. Ich lehre Menschen, wie Beten geht. Die Kirche betet nicht wie Jesus. Sie nimmt seinen Kurs nicht zur Kenntnis. Sie labert Gott die Ohren voll.
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