Schlagwort-Archive: Humanisten

Gotteslästerung 2.0: Verfolgung von Religionskritik im Netz

In vielen Ländern ist die Freiheit zur Blasphemie nicht selbstverständlich: Schüler-Protest in Pakistan. Bild: imago/ Ilyas Dean

Wer religionskritische Äußerungen im Netz veröffentlicht, lebt in vielen Ländern gefährlich. Laut einer Studie steigt der Zahl derer, die deshalb verfolgt werden.

Von A. Jikhareva & A.Frommeyer - taz

Die Zahl der Atheisten und nicht-religiösen Menschen, die für kritische Äußerungen im Netz verfolgt werden, steigt offenbar. Der Fall Pussy Riot ist hier nur das prominenteste Bespiel. Einem Bericht der Internationalen Humanistischen und Ethischen Union zufolge wurden im Jahr 2012 mehr als ein Dutzend Menschen in zehn Ländern aufgrund von blasphemischen Aussagen auf Facebook oder Twitter verurteilt. In den drei Jahren zuvor waren es der Organisation zufolge weltweit lediglich drei Fälle.

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Eine Ananas namens Mohammed

Die Ananas (Ananas comosus respektive Ananas sativus) ist eine Pflanzenart aus der Familie der Bromeliengewächse (Bromeliaceae).
(Bild: colourbox / Text: Wikipedia)

Wenn eine Ananas «Mohammed» genannt wird, ist Ungemach programmiert. So geschehen an der englischen Elite-Uni Reading, als eine Studentengruppe die Grenzen der Meinungsfreiheit ausloten wollte.

20 minuten ONLINE

«Beleidigt zu sein bedarf es wenig», könnte man in Abwandlung des bekannten Kinderliedes sagen. Eine simple Ananas zusammen mit einem Namensschild reicht bereits, um den gewünschten Reflex auszulösen. Dies hat unlängst «The Reading University Atheist, Humanist and Secularist Society» (RAHS) erfahren: Die atheistische Studentengruppe versah eine Ananas mit dem Etikett «Mohammed», um die Diskussion über die Frage «Sollten wir Religion respektieren?» zu beleben.

Die Aktion, die während einer Einführungsveranstaltung der Studentenfachschaft (RUSU) an der englischen Elite-Uni Reading stattfand, provozierte nachhaltiger, als es sich die religionskritischen Studenten wohl erhofft hatten. Ein RUSU-Vorstandsmitglied erschien am Stand der Atheisten und teilte ihnen mit, die Ananas des Anstosses sei zu entfernen, da mehrere Beschwerden gegen dieses Objekt eingegangen seien.

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Zum Thema «Blasphemie»: Steinigungsszene aus dem Film «Das Leben des Brian» (1979)

Atheistisches Pfingsten in Köln

Screenshot. brightsblog

Nur drei U-Bahn-Haltestellen voneinander entfernt sind über das Pfingstwochenende europäische Atheisten einerseits und die europäischen Apostel der Neuapostolischen Kirche andererseits jeweils für sich zusammengekommen.

Religionsreport

So nah die für die Tagung gewählten Standorte beisammen liegen – für die Standpunkte gilt das nicht. Die folgende Pressemitteilung des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten zeigt dies sehr deutlich.

Global gesehen sind Atheisten heute besser organisiert als je zuvor – und die Entwicklung hin zu einer säkularen Welt, basierend auf Vernunft und wissenschaftlicher Beweisführung, gewinnt weiter an Schwung. Referenten von Weltklasse, Atheisten, Freidenker, Humanisten und Säkularisten werden auf der Europäischen Atheistischen Tagung 2012 „Die atheistische Perspektive – national, regional, global“  noch bis einschließlich Pfingstsonntag in Köln zusammenkommen.

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Aufklärung evangelikal erläutert

Ein "Zeit"-Autor besuchte eine Woche lang das evangelikale Ferienfestival "Spring" und resümmiert: "Nein, es sind keine Extremisten und Fundamentalisten."
Foto: pro

Am letzten Donnerstag fand eine Veranstaltung der “Rosa Luxemburg Stiftung Rheinland-Pfalz” in der Universität Trier statt mit dem Titel: “Die neuen Gegenaufklärer Christlicher Fundamentalismus in Deutschland”. Diese Christen, so wird da lanciert, seien “auf einem Kreuzzug gegen die (Post)Moderne”, im “Kampf gegen Darwin, die (sexuelle) Selbstbestimmung, die Aufklärung oder die Schulpflicht”.

pro Medienmagazin

Seltsam, welchen Begriff von Aufklärung die Veranstalter zu haben scheinen. Wie war das noch? Aufklärung ist doch, nimmt man einen ihrer wichtigsten Exponenten Immanuel Kant beim Wort, “der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit.” Selber denken statt nur nachplappern!, lautet die Devise. Ein Gedanke, den schon der Augustinermönch Martin Luther populär machte, 250 Jahre vor Kant. Lest selber die Bibel! Glaubt nicht, was Euch ein Priester auf unverständlichem Latein vorbetet. Aufklärung ist keine Frage der Religion, sondern der Bereitschaft, seinen eigenen Kopf einzuschalten. Nur weil sich jemand als “aufgeklärt” bezeichnet, liegt er weder mit seiner Meinung automatisch richtig, noch hat er das Recht, den Stempel “Gegenaufklärer” auf jeden zu setzen, dessen Meinung ihm zuwiderläuft.

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Das Christentum und der Untergang der antiken Kultur

Rolf Bergmeier: Schatten über Europa. Der Untergang der antiken Kultur. 290 Seiten, Alibri Verlag, Aschaffenburg 2012.

Die Frage nach den Wurzeln der europäischen Kultur ist höchst aktuell und gerade auch zwischen Humanisten und Christen sehr umstritten. Das Buch des Althistorikers Rolf Bergmeier, der Mitglied der Giordano-Bruno-Stiftung ist, über den Untergang der antiken Kultur könnte aus humanistischer Sicht einen wichtigen Beitrag zu dieser Debatte liefern. Leider vergibt er diese Chance durch eine oftmals zu einseitige und polemische Darstellung.

Von Michael Schmidtdiesseits.de

Gerne wird vor allem von christlich orientierten Politikern das Bild von einer seit der Antike gewachsenen christlich-abendländischen Kultur gebraucht. Mittlerweile wird scheinbar politisch korrekt, historisch aber angesichts seiner über 2000 Jahre anhaltenden Ausgrenzung äußerst fragwürdig, auch das Judentum in diese Kontinuitätslinie einbezogen. Dass es mehr Brüche als Kontinuitäten im Übergang von der antiken zur christlichen Kultur gab und viele kulturelle Errungenschaften der Antike, die als unsere gemeinsamen europäische Wurzeln gelten, zunächst im Zuge des Aufstiegs des Christentums beseitigt wurden, ist das Thema des Buchs von Rolf Bergmeier.

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Nahles gegen strikte Trennung von Staat und Kirche

Andrea Nahles, Foto: wikipedia

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles ist gegen eine strikte Trennung von Staat und Kirche. Diese sei „weder eine hinreichende noch eine notwendige Bedingung von Demokratie“, schreibt Nahles in einem Beitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Dienstag).

domradio.de

Im Gegenteil: ein strenger Laizismus verzichte sogar auf alle Möglichkeiten, Religionen „an ihr friedensstiftendes und integrationsförderndes Potenzial zu erinnern“. Zudem ermögliche ein kooperatives Verhältnis „auch kritische Rückfragen an Lehre und Struktur von Religionsgemeinschaften“, so die bekennende Katholikin. Nahles wendet sich gegen eine „Rückkehr zur alten, antiklerikalen Haltung der SPD“. Eine „Rolle rückwärts in das Zeitalter der Ideologien“ dürfe und werde es nicht geben, erklärt die Generalsekretärin mit Blick auf die parteiinterne Debatte um die religionspolitische Ausrichtung.

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Staatszeremoniell: Hut ab – zum Gebet

Über 100 Interessierte kamen, um über feierliche Staatsakte nachzudenken

Die Humanistische Akademie Berlin hat sich bei ihrer diesjährigen Tagung in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Ebert-Stiftung mit der Rolle von Religionen und Weltanschauungen bei Staatsakten befasst.

Von Thomas Hummitzschdiesseits.de

Eine Binse ist, dass ungeschriebene Gesetze unseren Alltag regeln. Dass aber auch inoffizielle Regeln den politischen Alltag wesentlich bestimmen, kann man als durchaus bemerkenswert einschätzen. Eine solche, nicht amtliche Regelung, auf die jedoch immer wieder zurückgegriffen wird betrifft die so genannte staatliche Rangfolge in der Bundesrepublik bei Staatsakten. Diese hat beträchtliche Auswirkungen auf die staatliche Einladungspolitik und damit auch darauf, welche Religions- und Weltanschauungsvertreter bei Staatsakten anwesend sind.

Demzufolge hat der Bundespräsident die wichtigste Stellung. Es folgen Staatsoberhäupter fremder Staaten, die Regierungschefs anderer Staaten, der Kanzler bzw. die Kanzlerin. Es folgen der/die Präsident/-in des Deutschen Bundestags, Bundesrates und des Bundesverfassungsgerichts. Und nun wird es spannend: Denn noch vor den Fraktionsvorsitzenden des Bundestags und des Europäischen Parlaments und den Vizepräsidenten dieser Parlamente stehen seltsamerweise der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche Deutschlands und der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland sowie die Kardinäle der katholischen Kirche. Zu finden ist diese Liste in Jürgen Hartmanns Grundlagenbuch Staatszeremoniell, Seite 126.

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Papst tauscht sich mit EU-Ratspräsident über Religionsfreiheit aus

EU-Institutionen und Vatikan - Europas organisierte Säkulare bewerten das Verhältnis als viel zu nah | Grafik: Thomas Hummitzsch

Während der Konflikt zwischen den europäischen Institutionen und der Europäischen Humanistischen Föderation (EHF) weiter schwelt, trifft sich EU-Ratspräsident Herman van Rompuy mit Papst Benedikt XVI. und tauscht sich mit ihm über Fragen der Religionsfreiheit aus.

Von Thomas Hummitzschdiesseits.de

Wie das Pressebüro des Vatikanstaats miteilte, hat sich Papst Benedikt XVI. am Samstag mit EU-Ratspräsident Herman van Rompuy getroffen, um sich mit ihm über die allgemeine internationale Lage auszutauschen und um über den Beitrag zu sprechen, den die katholische Kirche in der Europäischen Union leisten wolle. Disbezüglich wurden die Gespräche nach dem Zusammentreffen von Joseph Ratzinger und Herman van Rompuy mit dem Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone und dem vatikanischen Sekretär für zwischenstaatliche Beziehungen, Erzbischof Dominique Mamberti, fortgesetzt.

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Neuigkeiten aus dem religiösen Paralleluniversum

 

Quelle: bruedergemeinde.de

Pius-Gesindel: Papst MUSS alle Nicht-Katholen in Assisi bekehren :-D
[...]Die traditionalistische Piusbruderschaft hält das für Donnerstag in Assisi geplante Weltfriedenstreffen der Religionen für “äußerst kritikwürdig”. Papst Benedikt XVI. müsse die Vertreter der anderen Religionen fragen, ob sie mit dem Evangelium übereinstimmten, das “die katholische Kirche bewahrt” oder nicht. Falls der Papst in Assisi diesen Anspruch nicht verkünde, “missachtet er seine Sendung”. Die Piusbruderschaft zeigte sich am Mittwoch in Stuttgart überzeugt, dass es Benedikt XVI. möglich sei, den Wahrheitsanspruch “den verirrten Schafen” so zu vermitteln, dass “seine Einladung zum Umdenken auf offene Herzen stößt”. Ein Friedenstreffen ohne Lobgesang auf Christus diene der Ideologie der Freidenker, die eine neue Weltreligion ohne Christus begründen möchten.[...]

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Konfessionslosigkeit – die dritte(vierte) Konfession?

Klassische Bestuhlung: Sitzblöcke aus Pappe, aufgebaut von freiwilligen Helfern, haben Tradition bei Kirchentagen. Foto: dpa/Nietfeld

Der langjährige Referent bei der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, Andreas Fincke, ist so etwas wie ein Spezialist zum Thema Konfessionslosigkeit in Deutschland. Seit Jahren forscht und publiziert er über Agnostiker, Freidenker, Atheisten oder Humanisten wie kaum sonst jemand im deutschsprachigen Raum.

Von Thomas KlattND

Das Sujet scheint durchaus lohnenswert: Immerhin ein knappes Drittel der deutschen Bevölkerung – deutlich mehr als 20 Millionen Bürger – ist konfessionslos. Sie gehören keiner Glaubensgemeinschaft an. »Ich glaube, dass die Kirchen die Wucht des Themas unterschätzen«, meint Andreas Fincke, der heute als Pfarrer im brandenburgischen Bötzow arbeitet. »Ich kann nicht nachvollziehen, wieso kirchliche Akademien, Bildungshäuser und Forschungsstätten sich so wenig mit der Konfessionslosigkeit beschäftigen. Es kann sie doch nicht kalt lassen, dass hochgerechnet ein vollbesetzter ICE mit 17 Wagen jene Personenzahl umfasst, die täglich die beiden großen Kirchen verlassen.« Es gebe zwar zahlreiche soziologische Milieustudien, sagt Fincke, aber meist nur innerhalb der Mitgliederschaft der beiden großen Kirchen. Erschreckend sei, dass man im Grunde relativ wenig über die dritte große Konfession in Deutschland wisse – die Konfessionslosen.

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USA: Atheisten, Humanisten wollen Seelsorger werden

Gottesleugner streben Anerkennung als Militärseelsorger an

kath.net

Es klingt wie ein Widerspruch: Atheisten wollen Geistliche werden. Doch in den USA streben Atheisten und Humanisten danach, Seelsorger in die Streitkräfte zu entsenden.

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Die SPD in der religiösen Zwangsjacke

Der Streit um die Gründung eines laizistischen Arbeitskreises bewegt die SPD noch immer. Am Montag diskutierten laizistische und christliche Parteimitglieder, aber auch Theologen und Humanisten in Berlin über die Frage: Ist der Neue Atheismus eine Alternative zu den Religionen?

pro Medienmagazin

Michael Bauer vom Sprecherkreis der Laizisten und Laizistinnen der SPD erklärte bei der Debatte in der Friedrich-Ebert-Stiftung, in einer modernen Welt sei der Bezug auf die Kirchen in der Politik nicht aufrechtzuerhalten. Der Staat habe bei der Verteilung seiner Mittel alle gleich zu behandeln. Das sei derzeit etwa beim Religionsunterricht an Schulen nicht der Fall. Die Durchsetzung des Laizismus sei eine “Frage der Emanzipation”. Werner Schultz vom Humanistischen Verband in Berlin erklärte, die SPD bemühe sich derzeit um die Vermeidung der Debatte um den Laizismus. In einem Land, in dem immer weniger Jugendliche an Gott glaubten, müsse sie genau das Gegenteil tun, wenn sie nicht belanglos werden wolle.

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Neuigkeiten aus dem religiösen Paralleluniversum

Quelle: bruedergemeinde.de

SPD: Die Partei der kirchlichen Würdenträger in politischen Spitzenämtern
[...]Kirche und Politik – Bildung als christliche Verantwortung: Der EKD-Beauftragte für die Lutherdekade, Stephan Dorgerloh, wird Kultusminister in Sachsen-Anhalt. Die Vereidigung ist für den 19. April geplant. Stephan Dorgerloh hat seit Jahren Pflöcke in der Politik eingeschlagen. Die Vermutung, ein Prälat und Beauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für die Lutherdekade sei streng innerkirchlich ausgerichtet, bestätigt sich bei dem 45-Jährigen nicht. Dorgerloh hat schon als Direktor der Evangelischen Akademie in Sachsen-Anhalt immer politische Themen angesprochen. Für seine Partei, die SPD, konnte er nun in Koalitionsgesprächen erfolgreich verhandeln. Am Montag wurde er von der schwarz-roten Koalition, die voraussichtlich weiter Sachsen-Anhalt regieren wird, als künftiger Kultusminister benannt. Der Pfarrer soll im Kulturressort der Wirtschaftswissenschaftlerin Birgitta Wolff (CDU) nachfolgen … Bei den Koalitionsgesprächen konnte Dorgerloh als Verhandlungsführer seiner Partei für die Themenbereiche Bildung und Kultur SPD-Forderungen wie etwa ein längeres gemeinsames Lernen in Gemeinschaftsschulen durchsetzen … In der Arbeit des Bildungskonvents sei ihm bei aller Klarheit der eigenen Überzeugung immer auch die Suche nach gangbaren Wegen wichtig gewesen, sagt Steinhäuser über Dorgerloh. Dass er nun in die Politik wechselt, sei für die EKD jedenfalls ein Verlust, erklärt deren Sprecher Reinhard Mawick. Seine Berufung ins Amt des Ministers sei zugleich aber auch ein Zeichen der Anerkennung. Über Dorgerlohs Nachfolge habe die EKD noch nicht entschieden[...]

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Kirchensteuer: Freiwilligkeit führt zum Zusammenbruch

Reinhold Mokrosch. Foto: Martens

Der Grund für die Entstehung des staatlichen Einzugs von Kirchensteuern geht auf den Reichsdeputationsschluss von 1803 zurück. Im Zuge der Säkularisierung hatten die deutschen Fürsten alle Kirchengüter enteignet. Für den Finanzbedarf der Kirchen, so meinten sie, sollten die Kirchenmitglieder selbst aufkommen. Allerdings erklärten sie sich bereit, bei der Eintreibung der Steuern gegen eine Verwaltungsgebühr behilflich zu sein. So ist es noch heute: In 15 Bundesländern (außer Bayern) „kassiert“ der Staat die Kirchensteuer. Das ist für die Kirchen finanziell günstig.

Osnabrücker Zeitung

Acht bis neun Prozent der Lohn- beziehungsweise Einkommensteuer wird von Berufstätigen, Rentnern und Pensionären als Annexsteuer einbehalten. Das sind bei Geringverdienern etwa 350 Euro, bei Superverdienern bis zu zwei Millionen Euro pro Jahr. Letztere finden aber Schlupflöcher und zahlen oft nur drei Prozent. Arbeitslose und nicht erwerbstätige Ehepartner zahlen nichts, weil sie kein Einkommen haben. Weil aber auch sie von der Kirche profitieren, wird von ihnen (und anderen) ein Kirchgeld von zwölf Euro pro Jahr erhoben.

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Aus dem Spektrum der säkularen Szene

Unter dem Lack der Zivilisation befindet sich immer die Barbarei

Das Jahr 2010 hatte es politisch wirklich in sich. Das Aufkochen der Islamdebatte, angeheizt durch Thilo Sarrazin und Co, brachte das erste Mal nach Ende des zweiten Weltkrieges wieder deutsche Ansichten zu Tage, die man zu Recht von rechtspopulistisch bis rechtsradikal einstufen kann. Was in den letzten Jahrzehnten ausschließlich von den im Verhältnis wenigen und machtlosen Protagonisten der NPD, DVU und den Republikanern zu vernehmen war und allgemein verpönt war, wird in der Bevölkerung mittlerweile selbstbewusst unter dem Motto eines neuen Konservativismus laut vertreten. Damit möchte Mann und Frau sich natürlich nach wie vor von den “Rechtsradikalen” abgrenzen, die es immer noch zu bekämpfen gilt. Auf das wachsende Bedürfnis, sich wieder gegen das kulturell “Fremde” abgrenzen zu wollen, folgt nun ein Religionsdiskurs, der absurderweise davon ausgeht, dass es aus historischen Gründen und zur Stärkung des eigenen Nationalbewusstseins auch noch nötig sei, wieder Christ zu sein. Sozusagen als beste Waffe gegen die Ausbreitung bzw. auch zur Eindämmung des Islams.

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