Schlagwort-Archive: Krieg

Wir sind Weltmeister im Massaker-Zuschauen

Kurden Demo – © Djura Stankovic

In Ruanda haben wir nichts gemacht, auch in Srebrenica und Gorazde, in Halabdscha und Ghouta nicht. Wir haben rote Linien gezogen, nur um zuzusehen, wie sie überschritten wurden. Wir sind weit weg.

Von Henryk M. BroderDIE WELT

Anfang April dieses Jahres, es war ein Freitag und die meisten Abgeordneten waren schon ins Wochenende abgereist, fand im Deutschen Bundestag eine Feier zur Erinnerung an den Völkermord in Ruanda statt, bei dem vor 20 Jahren innerhalb weniger Wochen etwa 800.000 Tutsi von Angehörigen der Hutu-Stämme abgeschlachtet wurden. Bevor das Morden losging, hatte sich eine “Friedenstruppe” aus Ruanda zurückgezogen.

Der Festredner bei der Gedenkfeier war der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Er sagte unter anderem, die “internationale Gemeinschaft” habe versagt, “als sie in Ruanda vor 20 Jahren inmitten der Gewalt ihre Blauhelmsoldaten abzog”. Und er mahnte: “Die eine Lehre, die an einem Gedenktag wie heute zu ziehen ist, heißt: niemals wieder!”

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Aus der Traum vom Frieden

Friede„Was ist Frieden – und was rechtfertigt welchen Krieg unter den realen Bedingungen?“

Von Wolfgang Ockenfelskath.net

Der Traum vom ewigen Frieden ist wieder einmal ausgeträumt. Militärische Konflikte und terroristische Aktionen breiten sich aus und kommen immer näher. Die Ein- und Anschläge haben längst Deutschland, Europa und den „freien Westen“ erreicht.

Dabei waren wir uns nach 1989, nach der Auflösung des sowjetischen Imperiums, ziemlich sicher, daß sich künftige ideologische Differenzen, ökonomische Konkurrenzen und politische Machtkämpfe recht gut mit Dialogen neutralisieren ließen. Oder daß sie wenigstens nach pragmatischen Fairneßregeln eines freien globalen Marktes in zivilisierte Bahnen gelenkt werden könnten.

Religiös-kulturelle Überzeugungen der irrationalen, fanatischen und aggressiven Art lassen sich freilich nicht nach dem diskurstheoretisch-ökonomischen Modell besänftigen. Sie schreien laut in der Sprache der Gewalt, auf die es nur die Antwort der Gegengewalt zu geben scheint. Was sich uns als Problemlösungsmodell anbietet, ist inzwischen selber zum Problem geworden. Unsere politisch-ökonomischen Eliten sind nicht nur „unmusikalisch“, sondern taub, wenn es darauf ankommt, die religiösen, kulturellen und auch moralischen Signale zu hören, die den Konflikten vorausgehen und sie begleiten.

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Salafismus: Wenn die Jugend in den Krieg zieht

Anhänger jubeln in Frankfurt am Main dem umstrittenen Prediger Vogel zu. Der vielfach als islamistisch eingestufte salafistische Prediger hatte zu einer Demonstration unter dem Titel “Islam – die missverstandene Religion !” aufgerufen. picture alliance

Ein Großteil gewaltbereiter Salafisten kommt aus Nordrhein-Westfalen. Das Land hält dagegen. Es setzt auf eine Doppelstrategie aus Repression und Prävention. Doch warum ziehen junge Deutsche in den Krieg? Eine Spurensuche

Von Stefan LaurinCicero

Nirgendwo in Deutschland leben so viele Menschen muslimischen Glaubens wie in Nordrhein-Westfalen. Und nirgendwo in Deutschland ist die Bevölkerungsdichte so hoch wie in NRW. Diesen Umstand nutzen viele gewaltbereite Salafisten. Das Land hält dagegen. Es setzt auf eine Doppelstrategie aus Repression und Prävention. Neben der akuten Gefahrenabwehr werden deswegen auch Projekte unterstützt, die ein Abgleiten von muslimischen Jugendlichen in den Hass verhindern wollen.

Stadtteile wie Dinslaken-Lohberg gibt es viele im Ruhrgebiet. Die Zeche, die früher Tausenden einen Arbeits- und Ausbildungsplatz gab, ist seit 2005 geschlossen und heute ein sogenanntes Kreativquartier. Jobs gibt es seitdem so gut wie keine mehr. Auf dem Marktplatz der Siedlung lungern ein paar Trinker herum. Um die Altpapier- und Glascontainer am Rand häuft sich der Müll. Lohberg ist die Heimat einer der bekanntesten Salafistengruppen Deutschlands. Knapp zehn der mehrere Dutzend Anhänger großen Clique an militanten Gläubigen sind längst in den Irak gezogen. Einer von ihnen, Philipp B., hat im August einen Selbstmordanschlag verübt, bei dem 21 Menschen starben.

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Islamisten und Faschisten: „Sie teilen den Hass“

Bild: nationalreview.com

Bild: nationalreview.com

Zu einem Tag gegen den Hass rufen die deutschen Islamverbände für Freitag, 19. September, auf. Zu spät, zu halbherzig, nicht glaubwürdig – das sagt der deutsch-ägyptische Politologe und Buchautor Hamed Abdel-Samad. Islam, Krieg und Terror – für Abdel-Samad gibt es hier einen engen Zusammenhang:

Von Tibor PeszaHNA.de

Seiner Ansicht nach ist der politische Islam genauso faschistisch wie es die Nazis waren. HNA-Nachrichtenchef Tibor Pézsa sprach mit ihm.

Herr Abdel Samad, warum sagen Sie, dass der Islam dort, wo er politisch wird, faschistisch ist?

Hamed Abdel Samad: Weil die Parallelen mit Händen zu greifen sind. Der politische Islam wie auch der italienische Faschismus und der deutsche Nationalsozialismus sind auf den Trümmern des ersten Weltrkieges entstanden. Beide teilten das Gefühl der Erniedrigung. Aber auch den Traum von der Weltherrschaft.

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Mit Religion ist die Welt ganz heiß—Irak, Syrien, Gaza, Zentralafrika

Großes Interesse an dem Religionen-Gespräch in Zehlendorf, die Plätze in der Kirche reichten kaum. – Foto: Anett Kirchner

Im Zeichen von Krieg und Gewalt sinkt die Toleranz gegenüber anderen Religionen. In Zehlendorf wurde dagegen zum Dialog aufgerufen, es diskutierten vor großem Publikum unter anderem Rabbiner Andreas Nachama, Superintendent Johannes Krug und Imam Ferid Heider.

Von Anett KirchnerDER TAGESSPIEGEL

Zu harmonisch? Geht das? Offensichtlich hat es eine Zuschauerin bei dem „Gespräch der Religionen“ kürzlich in der Kirche des Evangelischen Diakonievereins Berlin-Zehlendorf genau so empfunden. „Wenn ich Sie hier gemeinsam sitzen sehe und reden höre, ist das nett, aber die Realität sieht anders aus“, sagte die sichtlich aufgebrachte Dame und erinnerte an die aktuellen Krisenherde weltweit. „Menschen verschiedener Religionen schlagen sich die Köpfe ein.“ Machtausübungen im Namen des Glaubens seien an der Tagesordnung. Unter anderem deshalb sei sie aus der Katholischen Kirche ausgetreten.

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Wenn es keinen Gott gibt, kann es auch keine Gotteskrieger geben

Klassisches Vorbild für die Bilderstürmer des „Islamischen Staates“ ist der Film „Lawrence of Arabia“. Bild: Imago

Krieg vernebelt die Sinne und trübt das Sprachvermögen. Der Krieg ist die hohe Zeit der Phrasen. Was insbesondere der dümmste aller Gemeinplätze zeigt, der pünktlich zu jedem Kriegsbeginn auftaucht: „Die Wahrheit ist das erste Opfer des Krieges.“ Im Krieg wird am meisten gelogen, heißt es. Tatsächlich aber wird nicht nur im Krieg gelogen. Bereits in der Zeit davor gibt es keine zwingende Wahrheit. Schließlich ist das wesentliche Mittel der Politik die Lüge. Und der Krieg ist nur die Fortsetzung der Politik mit erweiterten Mitteln. Krieg ist die Zeit der forcierten Lüge.

Von Michael Ringeltaz.de

Kürzlich bezeichnete die Süddeutsche Zeitung die Fanatiker des selbsternannten „Islamischen Staats in Irak und Syrien“ (ISIS) als „Pol-Pot-Islamisten“. So wie in den siebziger Jahren die Roten Khmer unter Pol Pot Kambodscha mit ihrer radikalen Ideologie in eine gesellschaftliche Steinzeit befördern wollten und dabei Millionen Menschen töteten, so würden nun die ebenfalls in schwarze Kleidung gewandeten ISIS-Kämpfer einen „neuen Bildersturm“ auslösen, meinte die SZ-Korrespondentin Sonja Zekri und ging nach dem bewährten journalistischen Grundsatz vor, dass man etwas Neues mit alten Bildern erklären muss, um dem Leser ein Phänomen verständlich zu machen. Ähnlich verfuhr kurz darauf der Schriftsteller Navid Kermani, als er in der Berliner Zeitung vor einer „Pol-Pot-Version des Islam“ warnte.

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Papst fordert “politische Lösung” für den Irak

Verehrungswürdige Puppe.

Verehrungswürdige Puppe.

Papst Franziskus hat eine politische Lösung für den Irak gefordert, um der Verfolgung von Christen, Jesiden und Schiiten Einhalt zu gebieten. Er vertraue darauf, dass eine “wirksame politische Lösung auf internationaler und lokaler Ebene diese Verbrechen beenden und das Recht wieder herstellen kann”, sagte er am Sonntag zum Abschluss des traditionellen Angelus-Gebets auf dem Petersplatz.

kathweb

Zugleich dankte er all jenen, die “diesen Schwestern und Brüdern mutig Hilfe leisten”. Auf das militärische Eingreifen der USA im Irak ging Franziskus nicht ausdrücklich ein.

Die Vertreibung der Christen und anderer Minderheiten verurteilte der Papst als “schwerwiegende Beleidigung Gottes und der Menschheit”. Er fuhr fort: “Im Namen Gottes verbreitet man keinen Hass. Man führt keinen Krieg im Namen Gottes!”

Dass Tausende brutal aus ihren Häusern verjagt würden, Kinder auf der Flucht verhungerten oder verdursteten, Männer massakriert und Frauen geraubt würden, sei erschütternd, sagte Franziskus am Sonntag weiter. Er zeigte sich zudem bestürzt über die Zerstörung des religiösen und kulturellen Erbes durch die Terrorgruppe “Islamischer Staat”.

Franziskus kündigte außerdem an, dass sein Sondergesandter für den Irak, Kardinal Fernando Filoni, am Montag in den Irak aufbrechen werde.

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Altbischof Friedrich: Christen können nur für Israel und Gaza beten

In dem Krieg in Israel und Gaza können Christen nach Überzeugung des kirchlichen Nahostexperten Johannes Friedrich zu keiner eindeutigen Position kommen.

evangelisch.de

Denn die Reaktionen der Menschen in Israel und in Gaza seien gleichermaßen verständlich, sagte der frühere bayerische Landesbischof und Nahostbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Christen könnten nur für die Menschen beider Seiten und eine Lösung des Konflikts beten.

Nicht verständlich findet Friedrich die Praxis der radikal-islamischen Hamas, die “Zivilbevölkerung als Schutzschilde” zu nutzen. Die Israelis fühlten sich ständig von Raketen bedroht und “wollen nicht Angst haben, dass Mörder über geheime Tunnel in ihr Land eindringen”, sagte Friedrich, der mehrere Jahre evangelischer Propst in Jerusalem war.

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Zweifeln statt glauben – das müsste eine religiöse Tugend sein

Bereit zum Sterben. Ein islamischer Terrorist. – Foto: AFP

Viele Kriege werden im Namen des Glaubens geführt. Seine Absolutheit ist es, die den Missbrauch erst möglich macht. Dabei müsste eigentlich der Zweifel als die gottgefälligste aller Tugenden verehrt werden. Ein Essay.

Von Hans-Dieter GelfertDER TAGESSPIEGEL

Die apokalyptischen Reiter Hunger, Krieg, Niedergang und Tod, die Albrecht Dürer mit seinem Kupferstich so eindrucksvoll dargestellt hat, sind der Inbegriff von Geißeln der Menschheit. Doch nur der Krieg verdient eine solche Bezeichnung. Der Hunger wird durch Fortschritte in der Landwirtschaft stetig zurückgedrängt und könnte durch gerechtere Verteilung der vorhandenen Nahrungsmittel schon jetzt besiegt werden; Krankheiten werden in zunehmendem Maße durch die moderne Medizin geheilt; und selbst der vierte Reiter, der Tod, erschreckt uns nur gefühlsmäßig, denn die Vernunft sagt uns, dass ohne ihn die Biosphäre längst an sich selbst erstickt wäre.

Warum schaffen es die Menschen dann nicht, den Krieg ebenso entschieden wie Hunger und Krankheit zu bekämpfen?

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Antijudaismus: Arabische Jugendliche und die Doppelmoral Deutschlands

Die Berichte vom Krieg in Gaza erreichen mich im Urlaub in Sarajevo. Auch die Berichte der Demonstrationen in Berlin und in anderen deutschen Großstädten sehe ich. Ich sehe, wie meist junge arabische Männer antijüdische Parolen rufen und lese und höre Kommentare, über den „Antisemitismus“ der arabischen Einwanderer – als seien die Araber selbst keine Semiten.

Nutzerbeitrag von SaltadorosderFreitag

Die Aufregung ist groß über diese Äußerungen, die natürlich alles andere als akzeptabel sind. Kommentatoren ziehen Vergleiche, zum Antijudaismus der Nazis, ohne das offensichtlich jemandem die Absurdität solcher Vergleiche in den Kopf kommt. Es ist ein durchaus einfacher psychologischer Abwehrreflex, jeden und alles in Deutschland zum Nazi zu erklären außer den wirklichen Nazis, die meine Generation wenigstens noch als Familienmitglieder, Lehrer und Nachbarn kennen lernen konnte. Und so wird jeder Diktator zum Hitler stilisiert und jeder, der dumme, antijüdische Äußerungen von sich gibt, zum neuen Nazi.

Ich sehe, die täglichen Angriffe der israelischen Armee auf Gaza und ich sehe und lese über die Opfer, die zum großen Teil Zivilisten sind. Unter ihnen Frauen und Kinder, die nichts mit dem Konflikt zu tun haben außer der Tatsache, am „falschen“ Ort der Welt gelebt zu haben.

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„Heldentod“ und christlicher Glaube

Eine Grafik für die Hinterbliebenen gefallener deutscher Soldaten illustriert die Mischung christlicher Werte mit Nationalismus und Heldenpathos im Heldentod Foto: German Government (Ministry of defence, year 1916) Wikipedia

Im Krieg zu sterben sei eine Ehre, war der Prediger Heinrich Goebel 1916 überzeugt. „Grässlich“ sei diese Überzeugung, sagt dagegen heute sein Enkel, ein Theologe. pro beleuchtet in einer Serie, wie sich Kirchen und Freikirchen im ersten Weltkrieg verhalten haben.

pro Medienmagazin

Heinrich Goebel veröffentlichte 1916 ein Buch unter dem Titel „Unsere Helden im großen Weltkrieg“. Goebel, im Oktober 1864 geboren, war Prediger der Evangelischen Gemeinschaft. Diese Freikirche schloss sich im Verlauf der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts der Evangelisch-Methodistischen Kirche an. Der Kirchenhistoriker Martin Greschat, ein Enkel von Heinrich Goebel, hat sich mit dem Leben seines Großvaters und dessen Buch kritisch auseinandergesetzt.

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Brisante Tagung über “Gewalt im Namen Gottes”

Aufgehetzt. verängstigt, schutzsuchend: Vertriebene auf dem Gelände der katholischen Kirche in Bossangoa. Bild: ap

“Gewalt im Namen Gottes” lautet das Thema der Ökumenischen Sommerakademie vom 9. bis 11. Juli im Stift Kremsmünster. Im Mittelpunkt steht die Verantwortung der Religionen – vornehmlich Christentum und Islam – für Krieg und Frieden.

kathweb

Für inhaltliche Reibeflächen sorgt u.a. der deutsche Philosoph und Religionskritiker Herbert Schnädelbach, der die Religionen als “Quelle von Terror” für eine “verheerende kulturelle Gesamtbilanz” verantwortlich macht. Dem widerspricht der Berliner Theologe Rolf Schieder, der das von den Religionen ausgehende Friedenspotenzial herausarbeitet. Konkrete Beispiele dafür wird der Generalsekretär der Gemeinschaft Sant’Egidio aus Rom, Cesare Zucconi, geben.

Weitere Vortragende sind der Religionswissenschaftler Hans Kippenberg, die Bibelwissenschaftlerin Gerlinde Baumann und die Islamwissenschaftlerin Mariella Ourghi. Ob Friedenssicherung durch Gewaltverzicht erreichbar ist, diskutieren “Pax Christi”-Vizepräsidentin Gotlind Hammerer und Brigadier Walter Feichtinger vom Institut für Friedenssicherung und Konfliktmanagement des Bundesheeres.

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Gauck verteidigt Plädoyer für Auslandseinsätze gegen Kritiker

Joachim_GauckBundespräsident Joachim Gauck hat sein Plädoyer für Auslandseinsätze der Bundeswehr gegen Kritik auch von kirchlicher Seite verteidigt. Soldaten zu schicken, sei die “allerletzte Variante”, um “das Schlimmste zu verhüten”, erläuterte Gauck.

evangelisch.de

“Wir sind keine Insel”, sagte Gauck im ZDF-Sommerinterview. Es gebe in Europa gemeinsame Interessen und “Werte, die uns wichtig sind”. Und Deutschland gehöre internationalen Bündnissen an, die auch dazu dienten, diese Werte unter Umständen zu verteidigen.

“Ich möchte nicht noch einmal erleben, dass in Ruanda Hunderttausende von Menschen abgeschlachtet werden und wir nichts tun. Nichts tun, um Ihnen zu helfen”, sagte Gauck.

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Gauck und Käßmann: Pastoren im Kampf um den Krieg

Das Kreuz mit den Religionen

Das Kreuz mit den Religionen

Die evangelische Kirche ist gespalten, wenn es um Krieg und Frieden geht. Joachim Gauck und Margot Käßmann sind die beiden Protagonisten.

Von Reinhard BingenerFrankfurter Allgemeine

In der Debatte über Deutschlands Verhältnis zum Krieg hat die evangelische Kirche eine erstaunliche Prägekraft. So wären weder die westdeutsche Friedensbewegung noch die in die friedliche Revolution mündende Friedensbewegung in Ostdeutschland ohne engagierte Protestanten denkbar gewesen. Und auch im derzeitigen Streit über Deutschlands neue außenpolitische Rolle führen viele Fäden, teils auf verschlungenen Wegen, zur evangelischen Kirche. Das gilt selbst noch für die Einlassung des brandenburgischen Landtagsabgeordneten Norbert Müller, der Bundespräsident Gauck als „widerlichen Kriegshetzer“ bezeichnet hatte.

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Krater-Geologie: Wie der Krieg die Erde formt

© beide Fotos: Photographisches Bild- und Film-Amt / public domain: Fort Douaumont vor (links) und nach der Schlacht von Verdun Das Fort Douaumont war ein Brennpunkt der Schlacht von Verdun im Jahr 1916. Etwa 400 000 Geschosse sollen hier eingeschlagen sein – allerdings gelang es nie, die Gebäude der Festung zu zerstören.

Der Krieg als geologische Kraft: Auf den alten Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs ist nicht einmal mehr das Grundgestein, was es einst war.

Von Lars FischerSpektrum.de

Der Erste Weltkrieg hat Europa verändert – auch geologisch. Der berüchtigte Grabenkrieg gestaltete Landschaften in einer Weise um wie kein Krieg zuvor, und die Folgen sind noch immer auf den früheren Schlachtfeldern zu erkennen. Nicht nur die Spuren der Gräben selbst sind bis heute an vielen Stellen der alten Front sichtbar, geblieben sind vor allem auch Folgen von Millionen Explosivgeschossen, die in den großen Schlachten wie bei Verdun oder an der Somme monatelang rund um die Verteidigungsanlagen einschlugen.

Die bis zu eine Tonne schweren Granaten zerstören nicht nur Häuser und Vegetation, sie zerwühlen und vermischen auch die Bodenschichten. Wo der Felsuntergrund nahe an der Oberfläche liegt, reißen die Explosionen Gesteinstrümmer heraus und zerbrechen den Fels bis in größere Tiefe. Es sind vor allem diese Krater, die selbst 100 Jahre später die Landschaften entlang der damaligen Schlachtfelder prägen.

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Papst: Der Kapitalismus braucht den Krieg

Papst Franziskus (Bild: AP)

Papst Franziskus (Bild: AP)

Papst Franziskus hat in einem Interview erneut deutlich den Kapitalimus kritisiert.

Von Hans SpringsteinderFreitag

Damit das System fortbestehen kann, müssen Kriege geführt werden, wie es die großen Imperien immer getan haben. Einen Dritten Weltkrieg kann man jedoch nicht führen, und so greift man eben zu regionalen Kriegen.” Das hat Papst Franziskus laut Süddeutscher Zeitung vom 13. Juni 2014 in einem Interview mit der spanischen Zeitung La Vanguardia gesagt. Auf der Homepage des katholischen Senders Domradio ist das Interview auf deutsch zu finden, wenn auch einige Passagen nicht vollständig übersetzt sind.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Papst den Kapitalismus und seine Folgen auf eine deutliche Weise kritisiert, wie es sonst hauptsächlich nur von Marxisten, Materialisten, Kommunisten,  Humanisten und Anarchisten zu hören ist.

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Käßmann fordert Ende der deutschen Rüstungsproduktion

Margot-Kässmann„Wir können doch nicht die Kriege beklagen, die wir mit Waffen erst möglich machen“, sagt Margot Käßmann. Sie freue sich, wie sehr die Deutschen den Krieg ablehnten, äußert die frühere EKD-Vorsitzende.

Frankfurter Allgemeine

Die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann hat deutsche Waffenexporte scharf kritisiert und ein Ende der Rüstungsproduktion in Deutschland gefordert. „Es ist ein unhaltbarer Zustand, dass wir der drittgrößte Waffenexporteur der Welt sind“, sagte Käßmann der „Bild am Sonntag“. „Wir können doch nicht die Kriege beklagen, die wir mit Waffen erst möglich machen.“

Das Argument des Wirtschaftswachstums dürfe bei Rüstungsexporten nicht gelten, sagte die Theologin. „Da geht es um 0,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Es muss doch möglich sein, diese Arbeitsplätze in konstruktive Produktionen zu verlagern“, sagte Käßmann der „BamS“.

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Dschihadist Gauck

Bild: Jürgen Todenhöfer/FB

Bild: Jürgen Todenhöfer/FB

Jürgen Todenhöfer

Liebe Freunde, was haben wir bloß getan, um einen solchen “Jihadisten” als Präsidenten zu bekommen? Der wie ein Irrer alle paar Monate dafür wirbt, dass sich Deutschland endlich wieder an Kriegen beteiligt.Sagt ihm keiner, dass unsere Verfassung Kriege nur zur Verteidigung erlaubt? Dass jede “humanitäre” Intervention auch Frauen und Kinder tötet? Dass unser Land für die nächsten Jahrtausende genug Kriege geführt hat? Ein Bundespräsident als Sprachrohr der Rüstungsindustrie -beschämend!

Unser Ex-Pfarrer erinnert immer mehr an den deutschen Militärpfarrer Adolf Schettler, der noch 1915 im 1.Weltkrieg schwärmte: “Dem Soldaten ist das kalte Eisen in die Faust gegeben. Er soll es führen ohne Schwächlichkeit und Weichlichkeit. Der Soldat soll totschießen, soll dem Feind das Bajonett in die Rippen bohren, soll die sausende Klinge auf den Gegner schmettern. Das ist seine heilige Pflicht. Ja, das ist GOTTESDIENST”.

Nein, Herr Gauck! Das ist Krieg!

Wer stoppt diesen überdrehten Gotteskrieger, der Sarrazins Mut so sehr bewunderte? Der Mann ist doch ein Sicherheitsrisiko für unser Land. Euer JT

Beim stern gibts einen Artikel dazu.

EKD und KRM gegen Missbrauch von Religion

Die Spitzenvertreter von EKD und KRM © Islamrat

Gegen den Missbrauch von Religion zur Legitimation von Kriegen und Gewalt haben sich heute die Spitzen von EKD und KRM ausgesprochen. Außerdem wurde vor einer steigenden Islamfeindlichkeit gewarnt. Ein geplanter Dialogratgeber soll im Herbst erscheinen.

IslamiQ

Die Spitzenvertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und des Koordinationsrates der Muslime (KRM) haben sich gegen den Missbrauch von Religion zur Legitimation von Kriegen und Gewalt ausgesprochen. Religionen hätten grundsätzlich eine übernationale und weltweite Verantwortung für Frieden und Gerechtigkeit, erklärten der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider und KRM-Sprecher Ali Kızılkaya am Montag nach einem Spitzentreffen in Köln.

Mit Blick auf den Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges sprach Schneider von einem Versagen der Kirchen, die den Kriegskurs der jeweiligen Nation damals weitestgehend mitgetragen und sogar unterstützt hätten. Deshalb sei es wichtig, dass Religionen heute dazu beitrügen, Vorurteile abzubauen und einen friedvollen Umgang unterschiedlicher Kulturen zu ermöglichen.

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“Hoffnung Mensch”: Das Hohelied vom Homo sapiens

Das Leben kommt uns kurz und ungerecht vor. Trost bietet vielen die Religion und der Glaube ans ewige Leben. Doch Glaube, Hoffnung, Liebe bietet auch der religionsfreie Humanismus, erklärt der Philosoph Michael Schmidt-Salomon in seinem neuen Buch.

Von Markus C. Schulte von DrachSüddeutsche.de

Mit dem kleinen Wort am Ende seines neuen Buches “Hoffnung Mensch” hat Michael Schmidt-Salomon die Szene der Säkularen in Deutschland irritiert: “Amen” steht dort unter einem Glaubensbekenntnis, das unter anderem lautet: “Ich glaube an den Menschen/Der die Hoffnung der Erde ist.” Ist der bislang durch teils heftige Religionskritik aufgefallene Philosoph mit seinem neuen Buch “Hoffnung Mensch” ins Lager der Religiösen gewechselt?

Nicht wenn es um die traditionellen Religionen geht. Aber was klingt, als würde es theistische Religionen durch eine humanistische ersetzen wollen, löst in der Szene Abwehrreaktionen aus. “Ein Autor, der sich innerlich gedrängt sieht, ein derartiges Glaubensbekenntnis öffentlich abzulegen, hat die Nabelschnur zur Religion seiner Herkunft noch nicht völlig durchtrennt”, schreibt etwa der Philosoph und Religionskritiker Joachim Kahl im Magazin diesseits.de.

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