Schlagwort-Archive: Obskurantismus

Abtreibungen und die Ideologie der Ewiggestrigen

Die portugiesische Sozialistin Edite Estrela nannte den Sieg ihrer Gegner „Obskurantismus“ und „Heuchelei“. Die Rechte der Frau würden dadurch geschwächt Foto: Fred Marvaux

Im EU-Parlament streiten Politiker seit Monaten dafür, Abtreibungen als Menschenrecht zu definieren. Mit den Europawahlen Ende Mai könnten sich die Gräben in Brüssel noch weiter vertiefen.

pro Medienmagazin

Sie machen mir keine Angst! Sie können mich nicht einschüchtern!“ Die Abgeordnete Edite Estrela muss in das Mikrofon ihres Platzes im Europäischen Parlament schreien, um ihre politischen Gegner zu übertönen. „Und ich habe Recht!“ Es ist so laut, dass die Dolmetscherin Schwierigkeiten hat, Estrelas Portugiesisch zu übersetzen. „Ich möchte, dass mein Name von diesem Abstimmungsergebnis gestrichen wird!“ Es ist der 10. Dezember 2013, 12.54 Uhr. Estrela ist mit ihrem Vorstoß zur Liberalisierung des Abtreibungsrechts gerade gescheitert. Zum zweiten Mal. Trotzdem genießt die Abgeordnete den Applaus ihrer Fraktionskollegen. Sie weiß, dass der Kampf noch längst nicht vorbei ist.

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Staatlich geförderte Esoterik

Symbolbild, Bild: immobilienscout24.de

Symbolbild, Bild: immobilienscout24.de

In Hamburg soll im Schuljahr 2014/15 die erste Waldorfschule in staatlicher Regie eingerichtet werden. Das dürfte ganz im Sinne eines umweltbewussten grünen Mittelstands sein, der die Waldorfpädagogik als antiautoritäre Alternative zum herkömmlichen Schulsystem schätzt.

Von Peter NowakTELEPOLIS

Widerstand hingegen kommt von der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften. Die Organisation beschäftigt sich kritisch mit den verschiedenen Formen von Esoterik, magischen Denken und Aberglauben.

In diese Reihe stellt die GWUP auch die von Rudolf Steiner entwickelte Anthroposophie, die die weltanschauliche Grundlage für die Waldorf-Pädagogik bildet. Mit einer Online-Petition wollen die Skeptiker, wie sich die GWUP-Aktivisten selber bezeichnen, die Waldorfschule in staatlicher Regie noch verhindern. Damit werde antiaufklärerisches und antiwissenschaftliches, im schlimmsten Fall sogar rassistisches Gedankengut in das staatliche Schulsystem eingespeist, befürchten die Initiatoren.

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Charles Darwin kämpft um Platz im US-Kongress

Etwa 4.000 Stimmen hat Charles Darwin, der im 19. Jahrhundert lebte, bei den Wahlen ins Repräsentantenhaus des US-Kongresses bekommen.

radio Stimme Russlands

Am Wahltag, den 6. November, trugen die Wähler des 10. Wahlbezirks in Georgia den Namen von Charles Darwin in den Wahlzettel ein und machten ein Kreuz rechts von seinem Namen.

Der Anlass zur Aktion wurde die Erklärung des Kongressmitgliedes von der Republikanischen Partei Paul Brown. Beim Treffen mit seinen Anhänger sagte er, die Lehre von Darwin und andere wissenschaftliche Theorien, die den Ursprung des Lebens auf der Erde erklären, seien „Lügen, die aus der Hölle selbst stammen“. Im Bezirk, wo der kämpferische Kongressmann gewählt wurde, wurden seine Aussagen als Obskurantismus ausgelegt.

Giordano Bruno: Ein würdiger Namensgeber

Micha Brumlik, 2012, Bild: wikipedia

In deutschen Großstädten kurven derzeit Autos mit einem großen Plakat herum, auf dem ein kindlicher Unterleib zu sehen ist, dessen Schritt von mitleidheischenden Patschhändchen bedeckt wird; ein Gesicht des Kindes ist nicht zu sehen. In großen Lettern steht auf dem Plakat: „Mein Körper gehört mir – Zwangsbeschneidung ist Unrecht – auch bei Jungen.“

Von Micha Brumlik - taz

Gerne würde man wissen, wie und mit welchen guten Worten die Initiatoren ein Kind dazu bekommen haben, sich so fotografieren zu lassen; ob es Eltern eines Kindes waren, die die Kampagne unterstützen, oder ob das Bild in Auftrag gegeben wurde. Aber das ist nebensächlich, interessanter ist es, sich mit den Initiatoren der fahrbaren Plakatwerbung auseinanderzusetzen. Die Giordano Bruno Stiftung versucht sich seit geraumer Zeit im Kampf gegen Religion hervorzutun, die für sie dasselbe wie Obskurantismus ist. Wer aber war Giordano Bruno, der Namensgeber der Stiftung?

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Die Dialektik der Gegenaufklärung

Die Debatte um Beschneidung ist nicht nur eine Debatte zwischen Gegnern und Befürwortern der Beschneidung, sondern viel mehr noch ein Streit zwischen Gegnern und Befürwortern der Debatte selbst.

Von Thierry Chervelperlentaucher.de

Denn viele der Gegner stört an der Debatte bereits, dass sie überhaupt geführt wird. Allein die Problematisierung von Beschneidung gilt ihnen bereits als Antisemitismus oder Islamophobie oder, wie Jörg Lau konstatiert, als beides zugleich und “ein und dasselbe”. Es ist auch die erste Debatte, in der Zaimoglu, Bahners und Broder mit grimmiger Miene Hand in Hand gehen. Viele der Autoren, die eben noch den Islamismus und seine Verharmlosung durch die Toleranzfraktion mit Vernunftargumenten bekämpfen wollten, bescheinigen nun all jenen, die die archaische Sitte der Beschneidung als Körperverletzung sehen, Antisemitismus im Namen eines “Kults der Vernunft“. Hannes Stein findet Antisemitismus bei Voltaire und schließt daraus auf achgut.de, dass Aufklärung antisemitisch ist. Matthias Küntzel, der im Perlentaucher ebenfalls schon die bloße Debatte selbst in den Verdacht des Antisemitismus rückt, opfert ihr gewissermaßen die Vernunft selbst: “Vernunft”, so schreibt er (und die Anführungszeichen sind von ihm), sei keine ethische Größe an sich. Und er möchte den “Kult der Vernunft”, diese “säkulare Ersatzreligion” in die Religionskritik mit einbeziehen.

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