Schlagwort-Archive: Österreich

Österreichs Fundamentalchristen: Gloria-Komplott

Screenshot brightsblog

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Aus der Schweiz wurden die Gestalter eines radikal-klerikalen Internetsenders vertrieben. Nun sammelt sich die katholische Fundamentalistentruppe in Wien

Von Joel Bedetti | Pascal SiggZEIT ONLINE

Das Haus Große Sperlgasse 33 in der Wiener Leopoldstadt wirkt unspektakulär: ein Betonklotz, eingepfercht zwischen Altbauten. Einzig das hellrote Gitter vor dem Eingang sticht ins Auge. Es ist nicht ohne Grund angebracht. Wer hier eingelassen wird, betritt eine Parallelwelt, die Welt der katholischen Fundamentalisten. Das Haus ist Sitz des Österreichablegers von Human Life International (HLI), einer weltweiten Organisation von militanten Abtreibungsgegnern – und ein Zentrum für die Verbreitung von katholischem Glaubensfuror.

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Österreich: Laizisten halten Ethik-Schulversuch für verfassungswidrig

Bild: focus.de

Initiative Religion ist Privatsache: Ethik als Ersatzpflichtgegenstand für Religion “weder gesellschaftlich noch politisch legitimiert und verfassungsrechtlich bedenklich”

derStandard.at

Der Schulversuch Ethikunterricht, den Schüler derzeit an rund 200 Standorten von AHS und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) als Ersatzpflichtgegenstand für den Religionsunterricht besuchen müssen, könnte verfassungswidrig sein. Davon geht die “Initiative Religion ist Privatsache” in einem am Mittwoch veröffentlichten Positionspapier aus.

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Unser täglich Geld gib uns heute

Die Kirche erhält jedes Jahr eine halbe Milliarde Euro. Mit Demokratie hat das nichts zu tun: Staat und Kirche müssen endlich strikt getrennt werden

Von Patrick SpätTELEPOLIS

Wir müssen die Kirche im Himmel lassen. In weltlichen Gefilden hat sie nichts zu suchen – zumindest nicht im öffentlichen Leben, und schon gar nicht in unserer Staatskasse. Und die Kirche greift kräftig ins Steuersäckel: Allein die katholische und evangelische Kirche erhalten jedes Jahr rund 480 Millionen Euro aus den Klingelbeuteln der Steuerzahler. Schluss damit!

Genau das fordern derzeit auch die Österreicher in einem Volksbegehren. (Österreich macht Dampf gegen Kirchenprivilegien). Und die sächsische FDP hat kürzlich auf ihrem Parteitag beschlossen, die Zahlungen an die Kirchen auf den Prüfstand zu setzen. In Sachsen kassieren die Kirchen jährlich 23,5 Millionen Euro. Kurioserweise werden in Sachsen noch immer die Kirchenmitgliedszahlen von 1950 als Berechnungsgrundlage genommen – und die Zahl der Kirchenmitglieder ist bekanntermaßen schneller am Schmelzen als Schokolade im Backofen.

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Österreich: »Die Menschen wollen ihr Leben selbst bestimmen«

Foto:privat

Über die Bevorzugung der katholischen Kirche in Österreich, und wieso man sie beenden sollte. Ein Gespräch mit Christian Fiala

Interview: Thomas EipeldauerjW

Christian Fiala ist einer der Initiatoren des Volksbegehrens gegen Kirchenprivilegien. Informationen unter: www.kirchen-privilegien.at

Ab dem 15. April kann man in Österreich Ihr Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien unterschreiben. Um welche Bevorzugung geht es, was fordern Sie konkret?

Es gibt in Österreich eine aus der Monarchie und dem Faschismus stammende systematische Bevorzugung von Religionsgemeinschaften allgemein und der katholischen Kirche im besonderen. Daraus resultierende Privilegien finden sich auf allen Ebenen. Juristisch genießen Mitarbeiter der Kirche eine Sonderstellung, sie sind quasi einem eigenen Rechtssystem unterworfen. Finanziell genießt sie eine Reihe von Steuerbegünstigungen bis hin zur Grundsteuerbefreiung, was ja zu Lasten aller Steuerzahler geht. Auch im staatlichen Rundfunk sind religiöse Inhalte überrepräsentiert, im Bildungsbereich ist es die Bezahlung der Religionslehrer inklusive deren Ausbildung, die der Staat übernimmt. Gegen dieses umfassende System von Privilegien wollen wir angehen.

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Was interessiert Atheisten das Zweite Vatikanische Konzil, Herr Tück?

Bild: religion.orf.at

Wiener Dogmatiker zum “Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien”: Ohne Kirchen würde “soziale Temperatur in unserem Land wohl kälter werden” – Neuansatz jenseits “auftrumpfender Selbstgewissheit missionarischer Atheisten” und der “Gottprotzigkeit mancher Glaubenseiferer”

kathweb

In der aktuell aufgeheizten Debattenlage zwischen “Volksbegehrern”, “neuen Atheisten” und Religionsvertretern ruft der Wiener Theologe Jan-Heiner Tück zu einem Dialog im Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils auf. Schließlich habe das Konzil dezidiert den Dialog mit dem aufkeimenden Atheismus gesucht, im Wissen darum, dass gerade ernsthafter Glaube nicht ohne den Zweifel auskomme. Das unterstrich der Dogmatiker bei einer Akademischen Feier am Freitag an der Universität Wien. Bei der Gelegenheit äußerte sich Tück auch kritisch zum aktuellen “Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien”.

Heute bestehe laut Tück die Gefahr einer Verflachung des Gesprächs – und zwar auf beiden Seiten: “Die auftrumpfende Selbstgewissheit missionarischer Atheisten und nicht minder die Gottprotzigkeit mancher Glaubenseiferer droht hinter dieses Gesprächsniveau zurückzufallen.” Allein deshalb sei in der aktuellen Situation “eine Rückbesinnung auf das Zweite Vatikanische Konzil und dessen kritisch-konstruktive Auseinandersetzung mit dem Atheismus” auch heute noch lohnend.

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Österreich: Ein unverständliches Volksbegehren

Bild: orf.at

Offenbar wollen die Initiatoren der katholischen Kirche eins auswischen. Den Kollateralschaden nehmen sie in Kauf.

Von Inge BaldingerSalzburger Nachrichten

Gleich zwei Volksbegehren liegen ab kommendem Montag zur Unterschrift auf. Das eine verlangt mehr Demokratie, das andere die Abschaffung von “Kirchenprivilegien”.

Während bei erstgenanntem Begehren klar ist, was die Initiatoren antreibt, wird man beim zweitgenannten den Eindruck nicht los, dass es den Initiatoren nur darum geht, der katholischen Kirche eins auszuwischen. Der Kollateralschaden wird in Kauf genommen.

Der wäre in mehrfacher Hinsicht beträchtlich. Erstens: Die Abschaffung angeblicher Privilegien – gemeint ist damit offenbar das Konkordat – würde in der Folge die Grundrechte aller 14 (und demnächst 15) in Österreich gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften treffen, nicht bloß die “reiche” katholische Kirche.

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Die mühsame Trennung von Staat und Religion

Heiner Boberski, Wiener Zeitung

Ein Kulturkampf um echte oder vermeintliche “Kirchenprivilegien” bringt mehr Schaden als Nutzen.

Von Heiner BoberskiWiener Zeitung.at

Dass es in einer Gesellschaft viele religiöse, viele areligiöse und sehr viele in religiösen Fragen suchende Menschen gibt, ist allgemein bekannt. Je nach ihrem Standort werden diese Menschen mit dem nun aktuellen “Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien” und mit Vorstößen, das Konkordat zwischen Österreich und dem Heiligen Stuhl aufzukündigen, sympathisieren oder nicht. Wenn das Ganze aber nicht zu einem mehr Schaden als Nutzen bringenden Kulturkampf ausarten soll, wäre ein sachlicher und nüchterner Zugang zu dieser Thematik hilfreich. Dabei ist zunächst klarzustellen, dass es nicht nur um die christlichen Kirchen, sondern um alle anerkannten Religionsgemeinschaften geht.

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“Religion ist Privatsache” scheitert mit ORF-Beschwerde

Bild: 2083 - A European Declaration of Indepence

Bild: 2083 – A European Declaration of Indepence

ORF-Rundmail von Robert Ziegler mit Empfehlung, den norwegischen rechtsextremen Massenmörder Breivik nicht als “christlichen Fundamentalisten” zu bezeichnen, verstößt nicht gegen Freiheit journalistischer Berufsausübung

kathweb

Die Initiative “Religion ist Privatsache” ist mit einer Beschwerde wegen einer ORF-internen Empfehlung zur sprachlichen Kennzeichnung des norwegischen rechtsextremen Massenmörders Anders Breivik gescheitert: Der Verfassungsgerichtshof (VfGH) hob einen Bescheid des Bundeskommunikationssenats (BKS) gegen den stellvertretenden Chefredakteur von ORF Niederösterreich, Robert Ziegler, auf. Laut dem nun aufgehobenen Bescheid hätte Ziegler gegen ORF-Gesetz verstoßen, weil er Mitarbeiter per Rundmail gebeten hatte, Breivik nicht als “christlichen Fundamentalisten” zu bezeichnen, sondern als “Rechtsextremisten” oder als “religiösen Fanatiker”. Dieser Sichtweise widerspricht jetzt das VfGH-Urteil und sieht im BKS-Bescheid eine Verletzung des Rechts des ORF auf Meinungs- und Rundfunkfreiheit.

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Atheisten als gefühllose Fanatiker – freiheitsgefährdenter Atheismus

boese_atheisten

Kontra Kirchenprivilegien: Atheismus und Religionsfreiheit. Mit religiöser Inbrunst führen die neuen Atheisten ihren Kampf gegen Religion.

Von Ulricht H.J. KörtnerDie Presse.com

Seit einigen Jahren macht ein neuer Atheismus von sich reden. Auch in Österreich geht er in die Offensive, wie aktuell das Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien gezeigt hat. In einem Artikel sprach der US-Journalist Gary Wolf 2006 von einer neuen „Kirche der Atheisten“ und ihren Oberhäuptern Richard Dawkins, Sam Harris und Daniel Dennett. Zu ihnen wird noch Christopher Hitchens gezählt.

Man gab den vier den Beinamen „the four horsemen“, der auf die vier apokalyptischen Reiter in der Johannesoffenbarung anspielt. Interessanterweise sind es nicht nur die Gegner der neuen Atheisten, die ihr Auftreten in apokalyptisch aufgeladenem Ton kommentieren, sondern diese führen selbst ihren Kampf gegen alle Religion mit geradezu religiöser Inbrunst.

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Christentum: Die verschwundenen Frauen

Bild: zdf

Bild: zdf

Maria Magdalena, einst wichtigste Jüngerin Jesu, wurde als Propagandafigur der katholischen Kirche missbraucht. Junia, eine berühmte Apostelin der Frühkirche, verwandelte sich unter der Feder eines Bibelkommentators in einen Mann. Phöbe, Vorsteherin einer frühen Christengemeinde, wurde als Hilfskraft des Apostel Paulus kleininterpretiert. Lydia, die erste Christin Europas, geriet fast 2000 Jahre lang in Vergessenheit.

ZDF-Doku

Es gab verschiedene Methoden, Frauen des frühen Christentums verschwinden zu lassen. Die Dokumentation versucht, die vergessenen Säulen des Christentums wieder sichtbar zu machen.

Vor 2000 Jahren kündigte Jesus von Nazareth das Reich Gottes an, in dem alle Menschen gleich wären. In einer streng patriarchal geprägten Zeit war das revolutionär. Und so folgten dem charismatischen Wander-Prediger nicht nur Männer, sondern vielfach auch Frauen nach.

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Österreich macht Dampf gegen Kirchenprivilegien

Kirche am Steinhof in Wien. Bild: Ikar.us/CC-BY-2.0

Volksbegehren zeigt: Für die Kirche brechen härtere Zeiten an

Von Arno KleinebeckelTELEPOLIS

“Ist der Berg auch noch so steil, a bisserl was geht allerweil.” So unsre Nachbarn im Fall des Falles. Die gut 8,4 Millionen Einwohner Österreichs wollen in den kommenden Tagen testen, was dran ist an der Weisheit: Ein Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien ruft zum Sturm wider die hohe Geistlichkeit und ihre Pfründe auf. Das Innenministerium in Wien hat die Durchführung bereits angeordnet , die Eintragungswoche läuft vom 14. bis zum 22. April 2013. Die Initiative hatte Anfang Januar die nötige Anzahl Unterschriften für die Erzwingung des Volksbegehrens vorgelegt.

Für die Kirche könnte das heißen: Trocken Brot statt Schmankerln. Denn in der Tat, von der Donau kommen harsche Töne. Der Text des Volksbegehrens lässt keinen Zweifel an der Ernsthaftigkeit des Unterfangens in Sachen Basisdemokratie. Ein Bundesverfassungsgesetz soll her, außerdem ein eigenes Bundesgesetz zur Aufklärung der kirchlichen Missbrauchs- und Gewaltverbrechen. Die stoßen – nicht nur – den Österreichern offenbar besonders übel auf.

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Feiertagsdebatte: Religion ist Privatsache

Zentralrat der Muslime fordert islamische Feiertage © Literaturarchiv Saar-Lor-Lux-Elsass @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Der Zentralrat der Muslime fordert zwei gesetzliche Feiertage für muslimische Mitbürger. Die Politik lehnt ab. In Sachen Feiertage ist sie jedoch weit entfernt von einer Trennung von Staat und Religion.

MiGAZIN

Der Zentralvorsitzende der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, fordert muslimische Feiertage, die gesetzlich festgelegt werden sollen. Konkret geht es dabei um einen Tag im Fastenmonat Ramadan und während des islamischen Opferfests. Da es mittlerweile üblich ist, dass derartige Diskussionen schnell ins Nachbarland überschwappen, wurde kurz danach derselbe Vorschlag auch seitens der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich vorgelegt.

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Lego-Imperium: “Jabba’s Palace” und die Hagia Sophia

Lego-Stein des Anstoßes: Die Türkische Kulturgemeinde in Österreich moniert zu große Ähnlichkeiten des Bausatzes “Jabba’s Palace” mit Sakralbauten.© Lego

Spiel mit Steinchen oder mit Klischees? Die Türkische Kulturgemeinde in Österreich versteht “Jabba’s Palace” in der Lego-Version als “kulturellen Rassismus”. Die Dänen nehmen das Spiel vom Markt.

stern.de

Manchmal steckt hinter der hässlichen Fratze ein wahrhaft gutes oder edles Geschöpf. Nehmen wir den Elefantenmenschen, Hulk, den Grinch, Shrek, Yoda oder gerne auch Chewbakka. Meistens ist es in Filmen aber so: Böse Visage bedeutet schmutziges Wesen. Nehmen wir den Joker, den Weißen Hai, Voldemord, Gollum, Darth Vader oder gerne auch Jabba der Hutte. Letzterer ist in der legendären “Star Wars”-Reihe Anführer einer Verbrecherorganisation, die ihre Kohle mit unerlaubten Waffendeals macht. Er war es, der Han Solo und seine Kumpels dem Sarlacc (ziemlich ätzender Allesfresser) als Futter andienen wollte, weshalb die gute Prinzessin Leia den wabbeligen Jabba ungeachtet seiner megadicken Halsmuskeln erwürgte. Jawoll, erdrosselte! Der raupenartige Fettwanst hatte es – so muss man es sehen, schließlich befanden sich alle im Krieg der Sterne – nicht anders verdient.

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Österreich: Grüne für Aufkündigung des Konkordats

Bild: gruene.at

Während die Regierungsparteien SPÖ und ÖVP hinter dem Konkordat, das die Verhältnisse der Republik zur katholischen Kirchenleitung im Vatikan regelt, stehen, sind die Grünen für eine Aufkündigung des völkerrechtlichen Vertrages.

derStandard.at

Das ergab eine Anfrageserie der Initiatoren des “Volksbegehrens gegen Kirchenprivilegien”. Auch die FPÖ kann sich vorstellen, das Konkordat in einzelnen Punkten zu prüfen und stellt zudem Begünstigungen der Religionsgemeinschaften bei der Grundsteuer infrage. Der Grüne Abgeordnete Peter Pilz ist zudem für ein Schutzalter bei Beschneidungen.

SPÖ gegen Aufkündigung

Der Aussage des Volksbegehrens, das Konkordat stamme aus der Zeit des Austrofaschismus, widerspricht das Kulturministerium, das Claudia Schmied (SPÖ) untersteht.

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Evolutionsbiologie: Muttis Tunte, Papas Lesbe

Bild: thinkprogress.org

Wie werden Menschen homosexuell? Eine neue Theorie soll das Rätsel der gleichgeschlechtlichen Liebe klären.

Von Ulrich BahnsenZEIT ONLINE

Im Base_camp in der Berliner Mittelstraße sitzt Matthias Seilinger* vor einem Latte macchiato und sieht ziemlich schwul aus: Jeans und Stoppelbart, ein grün-rot klein gemustertes Hemd und darüber eine Weste aus demselben Stoff. »Nein«, er lacht, er hätte kein Problem damit, wenn der Eindruck stimmen würde. Doch Seilinger, 40, ist verheiratet – mit einer Frau – und heterosexuell. Das allerdings war schon mal ein Problem für ihn.

Seilinger, ein Kunsthistoriker aus Österreich, hat zwei homosexuelle Cousins, eine lesbische Cousine, und auch sein Bruder ist schwul. Nicht die gesamte Verwandtschaft goutierte es, als er sich zur Heterosexualität bekannte. Gegenüber der gleichgeschlechtlichen Übermacht– »4:3 in meiner Generation« – habe er sich geradezu rechtfertigen müssen. »Zwischen meinen älteren Cousins ist mir meine Heterosexualität in der Pubertät schwergefallen«, berichtet er. »Wenn die Minderheit zur Mehrheit wird, dann muss auf einmal der Hetero auf Toleranz hoffen. Ist das nicht spannend?«

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“Das dreckige Dutzend Kardinäle” und ein Netzwerk(SNAP)

Bild: Katholisches Magazin

Das in Österreich umgangssprachliche gebrauchte Wort Schmäh, trifft die Sache am besten. Im Ausdruck Schmäh hat sich das mittelhochdeutsche Wort smaehe erhalten und meint Beschimpfung und verächtliche Behandlung.

Katholisches Magazin für Kirche und Kultur

Um eine solche verächtliche Behandlung handelte es sich bei der Meldung vom „schmutzigen“ oder „dreckigen Dutzend“. Jener Liste mit den Namen von zwölf Kardinälen, die „Freunde der Pädophilen“ seien, weil sie angeblich pädophile Priester gedeckt oder nicht rechtzeitig entfernt hätten.

Die Liste wurde von der amerikanischen Vereinigung SNAP verbreitet. SNAP steht für Survivors Network of Those Abused by Priests (Netz der Überlebenden, die von Priestern mißbraucht wurden). Veröffentlicht wurde sie kurz vor Beginn des Konklave und enthält – siehe da – den Großteil jener, die in den Medien, ob zu recht oder zu unrecht, als „Papabili“ genannt werden. Hinter der Aktion verbirgt sich blankes Profitdenken.

Anti-Konklave-Liste von Medien mit Genugtuung unkritisch übernommen

Die Liste wurde von vielen Massenmedien mit offensichtlicher Genugtuung völlig unkritisch veröffentlicht (im deutschen Sprachraum: Süddeutsche Zeitung, Die Welt, Hamburger Abendblatt, ORF Online, Der Standard, um nur einige zu nennen).

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Österreich: Katholischer Faschismus

Der Aufstand gegen den austrofaschistischen Ständestaat durch den Republikanischen Schutzbund der Sozialdemokratie im Februar 1934 scheiterte an Zögerlichkeit und schlechter Bewaffnung Foto: akg-images/ dpa

Vor 80 Jahren wurde in Österreich das demokratisch gewählte Parlament durch die christlichsoziale Regierung unter Bundeskanzler Dollfuß entmachtet und in der Folge ein autoritäres Regime nach dem Vorbild Mussolinis etabliert

Von Sabine FuchsjW

Daß in Österreich nicht erst durch die Nationalsozialisten ein faschistisches System etabliert wurde, ist außerhalb des Landes nur wenig bekannt; daß die Entmachtung des Parlaments vom 4. März 1933 ein gut vorbereiteter Coup und eben nicht ein geschäftsordnungstechnischer Lapsus der überforderten Parlamentspräsidenten war, erst recht. Tatsächlich reichte der Konstitutierungsprozeß des austrofaschistischen Systems bis weit in die zwanziger Jahre zurück und hatte seine Ursachen auch in einer Finanzkrise, die von der Weltwirtschaftskrise zwar mit beeinflußt, in weiten Teilen aber hausgemacht war.

Banken in Schieflage

Schon zu Beginn der zwanziger Jahre steckte das Bankensystem der Ersten Republik in großen Schwierigkeiten. Offensichtlich wurden diese aber erst im sogenannten Postsparkassenskandal, der 1926 die Republik erschütterte. Bereits 1922 informierte der österreichische Finanzminister den damaligen Bundeskanzler und katholischen Geistlichen Ignaz Seipel über fragwürdige Devisengeschäfte der staatlichen Postsparkasse. Konsequenzen wurden daraus jedoch nicht gezogen, bis die Bank 1925 eine gefälschte Bilanz veröffentlichte, in der nicht nur Gewinne, sondern zudem ein Reservefonds ausgewiesen wurden. Tatsächlich lagen aber hohe Verluste vor, die nicht nur das Eigenkapital der Bank bei weitem überstiegen, sondern auch etwa 30 Prozent der Einlagen umfaßten.

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Katholische Bischöfe erteilen Predigtverbot

Ausgeladen: der österreichische Kirchenrebell Helmut Schüller. (Foto: picture alliance / dpa)

Kritische Stimmen unerwünscht: Zwei katholische Bischöfe verbieten Auftritte der beiden Kirchenkritiker Helmut Schüller und Sabine Demel in der Nürnberger Frauenkirche. Vor allem Schüller ist mit seinen Forderungen, auch Frauen und Verheiratete zum Priesteramt zuzulassen, unerwünscht. Die Verwunderung über die heftige Reaktion ist dennoch groß.

Von Katja AuerSüddeutsche.de

Die Fastenpredigten haben eine gute Tradition in der Katholischen Stadtkirche Nürnberg, seit vielen Jahren schon. “Kirche – Konzil – Konsequenzen” waren sie in diesem Jahr überschrieben, 50 Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Waren überschrieben, denn sie werden nicht gehalten. Abgesagt “auf Veranlassung der Bistumsleitungen in Bamberg und Eichstätt”, wie es in einer knappen Mitteilung der Stadtkirche vom Freitag heißt.

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Atheismus als theologisches Modell

iamatheistErlösung und Heil verspricht die Atheistische Religionsgesellschaft nicht – sie kämpft um Gleichstellung mit anderen konfessionellen Gruppen

Von Mascha DabićderStandard.at

Gott und Mensch, Götter und Menschen: eine Beziehung, die seit Menschengedenken existiert und unzählige Kunstwerke, Bauten und Erzählungen hervorgebracht hat, aber auch als Vorwand für Kriege herhalten musste. Während die meisten religiösen Vorstellungen den Menschen als eine göttliche Schöpfung sehen, sind Atheisten vom Gegenteil überzeugt: Es ist Gott oder es sind die Götter, die von den Menschen erschaffen wurden. So lautet jedenfalls die Überzeugung von Wilfried Apfalter, Präsidiumsmitglied der Atheistischen Religionsgesellschaft in Österreich.

Kein Widerspruch

Wenn Apfalter über seine Überzeugungen spricht, drückt er sich präzise und bedächtig aus. Den Einwand, Atheismus sei keine Religion und eine atheistische Religionsgesellschaft somit ein Widerspruch in sich, kann er nicht gelten lassen:

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“gloria.tv” : Kreuzzeichen aus Tuvalu

Screenshot brightsblog

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Das Hetzportal kreuz.net ist zwar inzwischen offline, dafür hat die Kirche jetzt Ärger mit der fundamental-katholischen Internetseite gloria.tv. Das Bistums-Fernsehen der Diözese Würzburg kündigte dem Portal bereits jegliche Zusammenarbeit auf, die Fernseh-Stelle der Deutschen Bischofskonferenz prüft derzeit ähnliche Schritte.

Von Rudolf NeumaierSüddeutsche.de

Neben der frohen Botschaft, dem Evangelium, verbreitet das fundamentalistische Internet-Portal gloria.tv Nachrichten. Vergangene Woche berichtete die Sprecherin zum Beispiel über eine Nachfolgerseite von kreuz.net. Zur Erinnerung: Die antisemitische und homophobe Seite kreuz.net geriet wegen ihrer menschenverachtenden Inhalte ins Visier der Justiz und schaltete sich Anfang Dezember ab, weil sich die Schlinge um ihre anonymen Urheber immer enger zusammenzog. Und was sagt die vorgeblich katholische Seite gloria.tv zum kreuz.net-Epigonen? Sie feiert ihn als “mutigen Katholiken”.

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