Schlagwort-Archive: Perser

Beschneidung: Geist und Fleisch

Beschneidungsbesteck: Juden und Muslime wundern sich über den aktuellen Furor über den Ritus ©DPA

Die Praxis wie auch die Ablehnung der Beschneidung sind in hohem Maß kulturrelativ. Die Unterstellung aber, ganze Bevölkerungsgruppen vergingen sich am Wohl ihrer Kinder, ist abwegig und anmaßend.

Von Reinhard BingenerFrankfurter Allgemeine

Vernunft und Zivilisation können auf archaische Riten rückständiger Minderheiten keine Rücksicht nehmen! Im Namen des Rechts ist es sogar geboten, unaufgeklärte Minderheiten vor der Verstümmelung ihrer Kinder zu schützen! In etwa so legten sich – zwei Jahrtausende vor Erfindung von Talkshow und Internetforum – auch schon griechische und römische Autoren die Sache mit der Beschneidung zurecht. In der longue durée hat sich also wenig geändert: Viele Europäer halten für fortschrittlich, was sie schon immer für fortschrittlich hielten.

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Apokalyptik ohne Ende?

Bernd U. Schipper und Georg Plasger (Hg.): Apokalyptik und kein Ende? Biblisch-theologische Schwerpunkte Band 29. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2007. ISBN 987-3-525-61594-2.

Bereits in der Einleitung weisen die Herausgeber Bernd U. Schipper und Georg Plasger darauf hin, dass diese 2007 erschienene Aufsatzsammlung zur Apokalyptik „ganz bewusst eine Vielzahl an Positionen [bietet], die zum Weiterdenken über ein Phänomen anregen wollen, das immer die Gegenwart prägen wird.“

EANN.de

Der Band enthält 14 Artikel, die das Phänomen Apokalyptik aus der Perspektive unterschiedlicher theologischer Disziplinen sowie vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Trends aufarbeiten. Die Würdigung jedes einzelnen Artikels im Rahmen einer Rezension ist daher nur schwer möglich. Exemplarisch sollen deshalb an dieser Stelle lediglich drei Artikel vorgestellt und diskutiert werden.

Bernd U. Schipper stellt in seinem Artikel „Endzeitszenarien im Alten Orient – Die Anfänge apokalyptischen Denkens“ dar, dass für die traditionsgeschichtliche Verortung des Beginns apokalyptischen Denkens keineswegs erst bei den Persern und der zoroastrischen Religion begonnen werden muss. Vielmehr zeigt er zunächst grundsätzlich die protoapokalyptischen Motive auf, die im altorientalischen Weltbild insgesamt verankert sind. „Die Vorstellung vom Ende der Welt ist wesentlich verbunden mit der Idee von ihrem Anfang. Schöpfung und Chaos, die Ordnung der Welt und der drohende Untergang – das sind im Alten Orient zwei Seiten einer Medaille.“ Bereits in den religiösen Texten der Sumerer finden sich so Spuren protoapokalyptischer Vorstellungen.

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Jerusalem –Die Stadt der Religionen

Jerusalems Geschichte bedeutet über 3000 Jahre Glauben, Fanatismus und Kampf, aber auch das Zusammenleben unterschiedlichster Kulturen. (Foto: S. Fischer Verlag)

Jerusalem – Stadt des Friedens und der immerwährenden Kriege. Wie passt das zusammen? Denn wer nach Jerusalem kommt, wird überwältigt vom Licht, der Luft, der Atmosphäre, den Kirchenglocken und den Rufen der Muezzin. Jerusalem hat nur dies.

The European Circle

Es gibt keine Bodenschätze, kein Gold und kein Öl. Es gibt nur Religionen. Sie alle predigen den Frieden auf Erden und bekämpfen sich bis aufs Blut. Seit Römerzeiten gab es immer wieder Kriege um diese Stadt mitten in den Bergen von Judäa, 700 Meter über dem Meeresspiegel. Und weil Jerusalem die Hauptstadt zweier Völker, von Juden und Arabern, der Schrein dreier Weltreligionen (Judentum, Christentum und Islam) ist, prallt hier alles aufeinander. Und das seit 2000 Jahren! Jerusalems Geschichte bedeutet daher 2000 Jahre Glauben, Fanatismus und Kampf. Der britische Historiker mit jüdischen Wurzeln in die Stadt Jerusalem hinein, Sebag Montefiore, hat jetzt eine Geschichte der Stadt geschrieben. Es ist auch “seine” Stadt.

Denn einer seiner Vorfahren, Moses Montefiori, war ein berühmter britischer Jude. Wer heute vom King David Hotel zur Altstadt hinübergeht, der durchquert den Montefiori Park. Hier steht die Kutsche seines Urahn Moses Montefiori, mit der dieser Palästina durchquerte. Ein Viertel in Jerusalem heißt Montefiore und Moses Montefiore hat es gebaut. Jerusalem hat sechs Vororte, die nach ihm benannt sind. Nun wagte sich der Nachkomme daran, dieses Jerusalem, das sein Vorfahr in moderner Form mitbegründet hat, zu beschreiben. Und es ist ein ganz anderes Buch geworden, als man es gewöhnlich bekommt. Es ist kein Stadtführer, kein Reiseführer herkömmlicher Art. Das Buch beschreibt eben nicht, wer was wann in welcher Form in welchem Teil Jerusalems gebaut hat und warum. Es erzählt in ungeheuer sanfter und zugleich spannender Form die Geschichte der gelebten Bewohner, der schon längst verstorbenen Menschen in der Heiligen Stadt.

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“Ich, der Jude aus der Türken-Gang”

Arye Sharuz Shalicar, Bild: brightsblog

Ayre Sharuz Shalicar wuchs als jüdischer Deutsch-Iraner in Berlin-Wedding auf. Er musste erleben, wie sehr die dortigen Muslime jemanden hassen, der einen Davidstern trägt. Doch er konnte sich gegen alle Widerstände Respekt im Kiez verschaffen. Heute ist Shalicar Armeesprecher in Israel. Auszüge aus seiner Autobiografie

Von Arye Sharuz ShalicarWELT Online

Im jüdischen Morgengebet heißt es: “Gesegnet seiest Du, Herr, unser Gott, König der Welt, dass Du mich nicht als Heiden erschaffen hast.” Täglich danken mehrere Millionen gläubige Juden in der Welt Gott dafür, dass sie nicht als Heiden, als Menschen ohne Religion, das Licht der Welt erblickt haben. Ich hätte bis vor einigen Jahren noch denjenigen gehasst, dem ich es zu verdanken hatte, nicht als Heide zur Welt gekommen zu sein.

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