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US-Arzneimittelbehörde FDA warnt vor homöopathischen Mitteln

Bild: brightsblog

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Die US-Arzneimittelbehörde FDA warnt vor homöopathischen Mitteln gegen Infektionen, weil darin Penicillin entdeckt wurde. Das könnte sie zwar zu wirksamen Medikamenten machen. Aber Homöopathika sind sie so eben nicht mehr.

Von Markus C. Schulte von DrachSüddeutsche.de

Skeptiker werden sich ein Grinsen nicht verkneifen können, wenn sie auf die Ironie dieser Meldung stoßen: Die amerikanische Arzneimittelzulassungsbehörde FDA hat einen Rückruf für sechs homöopathische Mittel der Firma Terra-Medica veröffentlicht, weil diese offenbar Wirkstoffe enthalten.

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Edzard Ernst: “Schätze in der Pflanzenmedizin”

Image:mistletoe.org.uk

Seit mehr als 20 Jahren untersucht Edzard Ernst alternative Heilmethoden. Er erklärt, was die Schulmedizin von Homöopathie und Co. lernen kann und welche Verfahren wirklich helfen.

Das Interview führten Annette Bruhns und Eva-Maria SchnurrSpON

SPIEGEL: Herr Ernst, viele Menschen empfinden die Schulmedizin als herzlose Reparaturanstalt, die an Symptomen herumdoktert, ohne den Menschen als Ganzes zu sehen. Können Sie das verstehen?

Ernst: Wenn ich sehe, was meine kranke Frau jetzt manchmal bei Arztbesuchen erlebt, dann schon. Aber das liegt nicht an der sogenannten Schulmedizin: Empathie und Hingabe sind Kennzeichen jeder guten Medizin. Wenn sie fehlen, ist es schlechte Medizin – egal, ob Neurologie, Gynäkologie oder Naturheilkunde. “Schulmedizin” ist übrigens eine Begriffsschöpfung des Homöopathie-Erfinders Samuel Hahnemann und seiner Anhänger, die damit die etablierten Doctores verunglimpfen wollten.

SPIEGEL: Als junger Arzt waren Sie Homöopath. Wie kam es dazu?

Ernst: Ich stamme aus einer Arztfamilie. In Bad Tölz, wo wir wohnten, lebte einer der berühmtesten deutschen Homöopathen, Willibald Gawlik. Der war unser Hausarzt. Ich habe als Kind jede Menge Globuli geschluckt, für mich war das Medizin.

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Alternative Heilverfahren: Kritiker sind Extremisten

Bei der Akupunktur gibt es Hinweise auf Wirksamkeit. Deshalb sollte sie weiter erforscht werden, sagt Edzard Ernst. Für andere sogenannte alternative Heilverfahren wie Homöopathie sollte dagegen endlich Schluss sein. (© OBS)

Sogenannte alternative Heilverfahren sind auf dem Vormarsch. Doch für viele Methoden fehlen Belege für eine Wirksamkeit, andere widersprechen den Naturgesetzen. Wer darauf hinweist, muss sich derzeit auf ruppige Reaktionen aus der Szene gefasst machen. Besonders betroffen davon ist Edzard Ernst, einer der renommiertesten Kritiker der Paramedizin.

Interview: Markus C. Schulte von DrachSüddeutsche.de

Edzard Ernst ist einer der bekanntesten Wissenschaftler im Bereich der sogenannten alternativen Heilverfahren, die er an der University of Exeter in Großbritannien erforscht hat. Zugleich ist er einer der schärfsten Kritiker von Verfahren wie der Homöopathie oder der anthroposophischen Medizin. Das verschafft ihm wenig Freunde in der Szene. Und derzeit weht der Gegenwind besonders scharf.

SZ.de: Sie hätten heute in München einen Vortrag zum Thema Akupunktur halten sollen. Aber der Veranstalter, das Wissenschaftszentrum der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur, hat den Vortrag überraschend abgesagt. Warum?

Edzard Ernst: Ich bin vom Vorsitzenden mit einer äußerst seltsamen Begründung ausgeladen worden: Man wolle nicht den Eindruck erwecken, in ein laufendes Verfahren an der Universität Zürich einzugreifen. Dort wird zurzeit entschieden, wer den Lehrstuhl für Naturheilkunde übernehmen soll.

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Wie Homöopathie plötzlich Krebskranken hilft

Bild: brightsblog

Eine Studie untersucht, ob eine zusätzliche Homöopathie-Behandlung Krebskranken hilft, kommt aber zu keinem klaren Ergebnis. Doch dann erhält die Untersuchung einen Preis – und plötzlich klingt alles wie der Beweis dafür, dass die Methode Tumorpatienten mehr Lebensqualität beschert.

Von Nina Weber - SpON

Homöopathie ist in Deutschland beliebt. Auch Krebskranke greifen darauf zurück – in der Regel zusätzlich zur der konventionellen Therapie, die je nach Fall Operation, Bestrahlung und Chemotherapie umfassen kann. Hilft ihnen das?

Ja, schreiben unter anderem das “Hamburger Abendblatt” und eine Schweizer Klinik und beziehen sich dabei auf eine Studie, die kürzlich mit einem Forschungspreis ausgezeichnet wurde. Sie soll die Wirksamkeit belegen, ist dort zu lesen – doch das tut sie nicht. Vor dem Hintergrund, dass erbittert darüber gestritten wird, ob Homöopathie eine über den Placeboeffekt herausgehende Wirkung hat, ist der Fall pikant.

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Warum Esoterik so erfolgreich ist: Von Engeln und bunten Karten

Foto: Bayern2

Esoterik hat die Mitte der Gesellschaft erreicht: Laut Umfragen ist jeder Dritte hierzulande aufgeschlossen gegenüber esoterischen Lehren und Praktiken. Wieso erleben esoterische Angebote heute wieder einen Boom – und was taugen sie?

Von Yvonne MaierBayern2

Der Begriff “Esoterik” kommt aus dem Griechischen und heißt eigentlich “das Innere”, also das Wissen, in das nur ein “innerer Zirkel” eingeweiht ist. Heute ist dieses Geheimwissen gar nicht mehr so geheim: Wer will, findet eine Antwort auf jede nur erdenkliche esoterische Frage – sei es im Internet oder auf einer der zahlreichen Esoterikmessen.

Wikipedia und der Religionsfilter

So viele Sprache, so viele Sichtweisen: Braucht Wikipedia, aus dem Geist westlicher Aufklärung hervorgegangen, einen moralischen Filter? ©DPA

Bei der Online-Enzyklopädie Wikipedia wird darüber nachgedacht, einen Bildfilter einzubauen – um religiösen Geboten Rechnung zu tragen.

Von Jörg WittkewitzFrankfurter Allgemeine

Gibt es eine „gereinigte“ Bibel, die ohne Gewalt und blutrünstige Geschichten auskommt? Kaum vorstellbar. Ist doch vor allem das Alte Testament gespickt mit Geschichten, die zumindest Kinder erschrecken. Aber kein seriöser Pädagoge käme auf die Idee, für den Religionsunterricht eine „saubere“ Bibel zu fordern. Bei dem Online-Lexikon Wikipedia passiert aber genau das.

Die Wikimedia Foundation aus San Francisco, sozusagen die Mutter aller Wikipedia-Versionen, stellt die organisatorische und technische Infrastruktur bereit, damit Hunderttausende Nutzer gemeinsam die Millionen Artikel in 270 Sprachen erstellen können. Und ausgerechnet im Zentrum der digitalen Aufklärung will man nun einen Bilderfilter einführen. Jeder Nutzer kann dann sein Wikipedia personalisieren. Gedacht ist dies für Kulturen, in denen die Darstellung von nackten Körpern oder Gewaltszenen unerwünscht oder gar verboten ist. Die Gemeinschaft der Wikipedia-Autoren diskutiert diesen Filter vor allem in Deutschland sehr kontrovers und fühlt die Ideale der Aufklärung verraten. Einige Nutzer fassen sogar eine Abspaltung vom amerikanischen Mutterschiff ins Auge – eine Idee, der Dirk Franke, prominentester Wikipedianer in Deutschland, etwas Positives abgewinnen kann, da so das Wissensmonopol der Wikipedia eingeschränkt würde.

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Die Vermessung des Glaubens

Quelle: Badische Zeitung

Wissenschaftler untersuchen das Phänomen religiöser Erfahrung – ihre Ergebnisse polarisieren.

Von Ulrich SchnabelBadische Zeitung

Vor einigen Jahren kam es in der rumänischen Stadt Timisoara zu einem kuriosen Prozess: Ein Mörder wollte Gott vor Gericht verklagen. “Während meiner Taufe bin ich einen Vertrag mit dem Beschuldigten eingegangen, der mich vor dem Bösen bewahren sollte”, schrieb Mircea Pavel in seiner Klageschrift. Doch Gott habe seinen Teil dieses Vertrags nicht eingehalten; deshalb müsse er, Pavel, nun eine zwanzigjährige Haftstrafe absitzen. Dafür wollte er “den genannten Gott, wohnhaft im Himmel und in Rumänien vertreten durch die orthodoxe Kirche”, haftbar machen. Das Gericht zeigte sich allerdings wenig beeindruckt. Gott sei keine juristische Person und habe nicht einmal eine Adresse, argumentierte die Staatsanwaltschaft. Die Klage wurde deshalb postwendend abgewiesen.

Der Fall verdeutlicht, dass Verpflichtungen im religiösen Bereich stets nur vom Menschen ausgehen können, niemals jedoch vom Gegenstand des menschlichen Glaubens. Gott gibt keine Garantie, er unterliegt nicht der Logik eines Gebrauchtwagenhändlers. Niemand kann ihn für ausstehende Leistungen haftbar machen oder ihm unterlassene Lieferungen in Rechnung stellen. Letztlich kommt es auf das Verhalten der Gläubigen an.

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Placebo: Neue Erkenntnisse in der Medizin

Placebo sind besser als ihr Ruf. Das legt eine Stellung­n­ahme des wissenschaftlichen Beirats der Bundesärzte­kammer (BÄK) nahe, die nun auch als Buch erschienen ist.

aerzteblatt.de

„Mit dem Einsatz von Placebo lassen sich erwünschte Arzneimittelwirkungen maximieren, unerwünschte Wirkungen von Medikamenten verringern und Kosten im Gesundheitswesen sparen“, betonte Robert Jütte, Medizinhistoriker und Leiter der zuständigen Arbeitsgruppe des BÄK-Beirats, bei der Vorstellung der Stellungnahme am Mittwoch in Berlin.

„Placebo wirken stärker und sehr viel komplexer als bisher angenommen. Ihr Einsatz ist von enormer Bedeutung für die ärztliche Praxis“, unterstrich Christoph Fuchs, Hauptgeschäftsführer der Bundesärztekammer.

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Medizin ist keine Naturwissenschaft!

Eine Wand. Herr Müller sitzt bequem im Stuhl. Die Wand mit einem riesigen Regal, kleine Fächer, fast wie in einem Setzkasten der Drucker. Statt Bleilettern befindet sich in jedem Fach eine kleine Flasche mit Zuckerkügelchen. Globulis.

Sein Arzt hat ihm erklärt, dass er zur weiteren Behandlung des nicht heilbaren Reizhustens nun herausfinden will, auf welches homöopathische “Medikament” denn der Herr Müller besonders reagiere.  Zu diesem Zweck wird der Puls gefühlt und der Dok nimmt einzelne Fläschchen in die Hand. Bei einem beschleunigtem Puls würde er eine Beziehung von Körper und “Medikament” feststellen.  Wie das wirken soll ist dem Herrn Müller ein Rätsel, aber in Vertrauen auf seinen Arzt lässt er sich die Prozedur gefallen und die Hoffnung den lästigen Reizhusten loszuwerden wird stärker.

So, oder ähnlich werden in Deutschland tagtäglich die kleinen runden Zuckerkügelchen zur Behandlung von Leiden separiert und dann eingesetzt.

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