Schlagwort-Archive: St. Petersburg

Russland Homosexuelle: Radikale Orthodoxe attackieren Homo-Demo

Themenbild Foto: Yuri Kochetkov

Mindestens 200 radikale und orthodoxe Christen haben in St. Petersburg Teilnehmer einer Homosexuellen-Kundgebung attackiert. Die Polizei nimmt 70 Störer und Demonstranten fest.

Frankfurter Rundschau

Nach einer Attacke radikaler Störer auf eine genehmigte Kundgebung für die Rechte Homosexueller in Russland sind in St. Petersburg etwa 70 Menschen festgenommen worden. Die Aktivisten warfen der Polizei der Touristenmetropole vor, sie sei viel zu spät gegen die Angreifer vorgegangen. Das meldete die Agentur Interfax am Samstag. Etwa 200 Störer, darunter orthodoxe Christen, hätten die rund 50 Teilnehmer mit Fäusten attackiert, beschimpft und Regenbogenfahnen – das Symbol der Homosexuellenbewegung – zerrissen.

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Papst beschwört friedliche Lösung in Syrien

pontifex_dePapst Franziskus tritt deutlich politischer auf als sein Vorgänger. In einem Brief an G-20-Gastgeber Wladimir Putin warnt er vor einem militärischen Eingreifen in Syrien.

ZEIT ONLINE

Papst Franziskus hat sich in einem Brief an die Teilnehmer des G-20-Gipfels im russischen St. Petersburg  gewandt. Das “sinnlose Unterfangen einer militärischen Lösung” in Syrien müsse aufgegeben werden, schrieb er an Gastgeber Wladimir Putin. Stattdessen sollten die Konfliktparteien “mit Mut und Entschlossenheit” eine friedliche Lösung suchen, einstimmig unterstützt von der Weltgemeinschaft.

Die Vertreter der G-20-Staaten dürften nicht “untätig” bei der Suche nach einer Friedenslösung bleiben, um “ein Massaker zu verhindern”,  hieß es laut Vatikansprecher Federico Lombardi in dem Schreiben.

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Eine Lanze für Darwins Theorie in Russland

©Oliver Schopf(mfG) derStandard.at

©Oliver Schopf(mfG) derStandard.at

Wissenschaftler der Universität Jena haben gemeinsam mit russischen Fachkollegen ein Buch über die Evolutionstheorie herausgegeben. Der Band „Evoliutzionnyj Sintez: granizy, perspektivy, alternativy“ (deutsch: Evolutionäre Synthese: Grenzen, Perspektiven, Alternativen) erschien jetzt in einem St. Petersburger Verlag.

Pressemitteilung vom 19.07.2013
Friedrich-Schiller-Universität Jena

„Der moderne Darwinismus wird in Russland vielerorts in Frage gestellt“, sagt Dozent Dr. Georgy S. Levit. Der Biologe von der ITMO Universität in St. Petersburg, die eine der neuen Exzellenzuniversitäten Russlands ist, arbeitet zugleich als Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe Biologiedidaktik der Universität Jena. Levit ist Hauptherausgeber des neuen Lehrbuchs zur Evolutionstheorie. Er sagt, es sei dem zunehmenden Einfluss der konservativen klerikalen Kreise geschuldet, dass die Evolutionstheorie in Russland weniger einflussreich geworden ist.

Um dagegen einen Kontrapunkt zu setzen, hat eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern in den letzten Jahren mehrere Bücher herausgegeben und Fachaufsätze veröffentlicht. Das letzte, hier angezeigte Buch entstand u. a. in Kooperation mit der Russischen Akademie der Wissenschaften. Es beschreibt die Geschichte der weniger bekannten nicht-darwinschen Theorien ebenso wie moderne Ansichten über die Evolution. Die Hauptfrage des Bandes sei aber die nach dem Selbstverständnis der Evolutionstheorie heute.

„Wir fragen, wie sich die moderne Evolutionstheorie definieren soll, und wo die Grenzen der Erweiterung der modernen ‘erweiterten Synthese’ liegen“, sagt Levit, der als Fellow der St. Petersburger Partneruniversität in Jena weilt. Neben Levit beteiligten sich von der Universität Jena der Biologiedidaktiker Prof. Dr. Uwe Hoßfeld, der Zoologe Prof. Dr. Lennart Olsson und der Genetiker Prof. Dr. Günther Theißen an dem neuen Buch.

Wie Georgy S. Levit erläutert, sei das Buch als Hilfsmittel für Studierende, Doktoranden der Biologie und Wissenschaftsgeschichte sowie weitere Akademiker gedacht, die sich für die Evolution interessieren. Für die russischen Kollegen sei es wichtig, mit führenden Wissenschaftlern aus dem Westen zusammenzuarbeiten, so Levit. Das erhöhe das Ansehen des Buches in Russland.

Bibliographische Angaben:
Georgy S. Levit, Eduard I. Kolchinsky, Ulrich Kutschera, Uwe Hoßfeld, Lennart Olsson (Hg): Evoliutzionnyj Sintez: granizy, perspektivy, alternativy, Windrose Press, St. Petersburg 2013, 274 Seiten, ISBN: 978-5-903722-20-4

Kontakt:

Prof. Dr. Uwe Hoßfeld
Arbeitsgruppe Biologiedidaktik der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Am Steiger 3 (Bienenhaus), 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949491
E-Mail: uwe.hossfeld[at]uni-jena.de

Homophobie: Evangelikale Missionare des Hasses

Frank Mugisha kämpft in seiner Heimat Uganda für die Rechte von Homosexuellen © Tadej Znidarcic/laif

Religiöse Eiferer aus Amerika schüren in Afrika die Angst vor Homosexuellen. Sie lösen eine Hetzjagd aus.

Von Andrea Böhm | Anna KemperZEIT ONLINE

Kampala. Es gibt Tage, da wird er nicht gehasst und geächtet, sondern gefeiert. Weit weg von zu Hause. Im vergangenen Sommer war Frank Mugisha in Kopenhagen, auf dem Christopher Street Day hielt er eine Rede, fuhr bei der Parade im ersten Wagen, Tausende jubelten ihm zu. Minister und Abgeordnete empfingen ihn, bewunderten seinen Mut. In seinem Büro in Kampala hängen Fotos von diesem Tag und Urkunden aus New York, England, Norwegen. Ehrungen für seine Arbeit. Aber das Büro liegt in einem Haus weitab vom Zentrum der ugandischen Hauptstadt, versteckt hinter Mauern, an der Tür kein Schild mit einem Hinweis auf die Organisation, für die er arbeitet. Es wäre zu gefährlich.

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Plakative Ikone von Putin und Medwedew aus Ausstellung verbannt

Foto: picture-alliance/ dpa/RIA_NOVOSTI

Macher in russischem St. Petersburg dementieren Druck von außen

DIE WELT

Ein als religionsfeindlich eingestuftes Plakat, auf dem eine Ikone mit den Gesichtern von Russlands Präsident Wladimir Putin und Regierungschef Dmitri Medwedew zu sehen war, ist aus einer Kunstausstellung in St. Petersburg entfernt worden. Die Ausstellungsmacher selbst hätten das Poster wenige Stunden nach der Eröffnung der Schau am Montag als “nicht korrekt” erachtet und verbannt, sagte die Sprecherin der betroffenen Galerie, Valentina Wassiliewa, der Nachrichtenagentur AFP. Druck von außen habe es nicht gegeben.

Warum Stalin die Biologie ändern ließ, “proletarische Biologie”

Nikolai Wawilow, Bild: wikipedia/public domain

Vor 125 Jahren wurde der russisch-sowjetische Genetiker und Pflanzenforscher Nikolai I. Wawilow geboren

Von Martin KochND

In Pawlowsk, unweit von St. Petersburg, befindet sich ein wahrer Schatz der Wissenschaft: die älteste und inzwischen drittgrößte Genbank der Welt. Sie umfasst über 330 000 Kulturpflanzensorten sowie deren Vorformen und wildwachsende Verwandte aus allen Regionen der Erde: Kartoffeln aus Chile, Bohnen aus Nordamerika, Getreide aus Äthiopien. Sowohl für die Züchtung neuer als auch für den Erhalt traditioneller Kulturpflanzen ist das in Pawlowsk gesammelte Saatgut von unschätzbarem Wert, wie folgendes Beispiel zeigt: Als Mitte der 1980er Jahre ein Fadenwurm über große Teile der US-amerikanischen Sojafelder herfiel, ließen sich nirgendwo Sojapflanzen auftreiben, die gegen den Parasiten resistent waren. Allein in Pawlowsk lagerte eine solche Sorte, die sowjetische Forscher ihren Kollegen aus den USA kostenlos zur Verfügung stellten – und das zur Hochzeit des Kalten Krieges!

Den Grundstein für die erste Genbank der UdSSR legte 1926 der Botaniker Nikolai Iwanowitsch Wawilow, der vor 125 Jahren, am 13. (25.) November 1887, als Sohn eines wohlhabenden Tuchhändlers geboren wurde. Nachdem er von 1906 bis 1910 am Landwirtschaftlichen Institut seiner Heimatstadt Moskau studiert hatte, reiste er mehrmals ins westliche Ausland, um seine Kenntnisse auf dem Gebiet der Biologie zu vertiefen.

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Madonna in St. Petersburg: „Lesben und Schwule haben dieselben Rechte“

„Man darf Religion nicht missbrauchen, um andere Leute schlecht zu behandeln“, sagte Madonna bei ihrem Konzert in St. Petersburg am Donnerstagabend vor 25.000 Zuschauern. Und außerdem: „Schwule und Lesben haben dieselben Rechte wie alle anderen Menschen auch!“ Für diese Aussage droht ihr nun ein Bußgeld, denn in Russland gibt es seit ein paar Monaten ein Gesetz, das öffentliche „Homosexuellen-Propaganda“ unter Strafe stellt. Foto: dpa

Schon lange nicht mehr schlug dem provozierenden US-Star so viel Hass entgegen – Viele Fans bejubeln Madonnas Reden und ihren Mut im Internet

Echo |online|

Nachdem die „Queen of Pop“ Madonna bereits am Dienstag bei ihrem Konzert in Moskau aneckte, weil sie Freiheit für die Frauen-Punk-Band „Pussy Riot“ forderte und damit Kirchen- und Regierungsvertreter verägerte, hat sie am Donnerstagabend bei ihrem zweiten Russland-Konzert in St. Petersburg vor 25.000 Zuschauern für noch mehr Wirbel gesorgt.
„Wir wollen für das Recht kämpfen, frei zu sein, dafür, sein zu können, wer wir sind. Es ist eine seltsame Zeit gerade, das stelle ich fest, wenn ich reise. Ich habe den Eindruck, es gibt gerade sehr viele Menschen, die Angst haben vor Menschen, die anders sind als sie selbst. Und dann werden sie immer intoleranter.

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Homosexualität in Russland: Hassgesetz in der Duma

Hauptbefürworter des Verbots von "Homo-Propaganda" ist der Abgeordnete Wjatscheslaw Lysakov von der Regierungspartei "Einiges Russland"

Das öffentliche Sprechen über Homosexualität soll in Russland nun auch landesweit unter Strafe gestellt werden. Abgeordnete aus Nowosibirsk brachten einen entsprechenden Gesetzentwurf in das Parlament ein, berichtet die russische Presseagentur Interfax.

QUEER.DE

Ähnliche Gesetze, die “Propaganda für Homosexualität” verbieten, waren zuvor trotz internationaler Proteste in St. Petersburg und anderen Regionen Russlands verabschiedet worden (queer.de berichtete). Wer in der Öffentlichkeit über Homosexualität spricht, muss beispielsweise in St. Petersburg bis zu 500.000 Rubel (ca. 12.800 Euro) Strafe zahlen – mehr als ein durchschnittliches Jahresgehalt.

Erst in der vergangenen Woche verteidigte der russische Außenminister Sergej Lawrow die regionalen Verbote mit der Begründung, dass Russland unabhängig von europäischen Werten das Recht haben müsse, die Gesellschaft vor “Homosexuellen-Propaganda” zu schützen. Auch die einflussreiche russisch-orthodoxe Kirche sowie prominente Vertreter der von Präsident Wladimir Putin geführten Regierungspartei “Einiges Russland” hatten sich zuvor in den Medien für eine landesweite Ausweitung des Gesetzes ausgesprochen.

Patriarch gegen Potentat

DPA

Die gefälschten Parlamentswahlen belasten das sonst einträchtige Verhältnis von Kreml und Kirche. Patriarch Kirill ruft die Regierung zum Dialog mit den Demonstranten auf und warnt vor einer Revolution. Bei der Weihnachtsfeier der Orthodoxen versuchte Premier Putin nun, die Wogen zu glätten.

Von Alina BraunSpON

Als Patriarch Kirill, das Oberhaupt der Russisch-Orthodoxen Kirche (ROK), Freitagnacht die feierliche Weihnachtsmesse in der Christ-Erlöser-Kathedrale unweit des Kreml hielt, war Präsident Dmitrij Medwedew ganz nah bei ihm. Mit seiner Frau Swetlana und einer Gruppe von Kindern der kirchlichen Schule hatte er sich gleich links neben den Altar gestellt.

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Das zoologische Manifest

Pjotr Kropotkin. Quelle: hinter-den-schlagzeilen.de

Der russische Fürst Kropotkin war Naturforscher – und milder Anarchist. Über die Solidarität unter Tieren schrieb er ein Standardwerk. Der Lenin-Gegner starb 1921

Von Cord RiechelmannDer Tagesspiegel

Hunderttausend Menschen folgten dem Sarg, endlos wogte das Meer der schwarzen Fahnen – und sie wurden nicht als Symbol der Trauer getragen. Als Peter Kropotkin am 13. Februar 1921 in Moskau beerdigt wurde, verdrängten zum letzten Mal die schwarzen Fahnen der Anarchisten die roten Banner der Bolschewiki von den Straßen. Die Familie Kropotkins hatte das angebotene Staatsbegräbnis abgelehnt. Anarchistische Gruppen übernahmen stattdessen die Organisation der Bestattung.

Die Beerdigung wurde zu einer Demonstration der Beliebtheit Kropotkins in der russischen Bevölkerung. Gleichzeitig beendete sie die öffentliche Präsenz der anarchistischen Bewegung in Lenins neu gegründetem Staat.

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