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»Kirchen ebneten Nazi-Mördern den Weg«

12. April 1933: Hermann Göring (m.) berät mit Papst Pius XI (r., neben ihm) über das Konkordat zwischen Vatikan und Deutschem Reich. Der Vertrag ist bis heute gültig Foto: akg-images

Gespräch mit Dirk Verhofstadt. Über das Schweigen der christlichen Konfessionen zum Mordprogramm der Hitler-Regierung an Behinderten und die Sympathie des Vatikans für ­faschistische Regime

Interview: Reinhard JellenjW

Dirk Verhofstadt ist Professor für Medien und Ethik an der Universität im belgischen Gent. Im Sommer erschien sein Buch »Pius XII. und die Vernichtung der Juden« auf deutsch (Alibri Verlag, Aschaffenburg 2013, 450 Seiten, 26 Euro)

Sie schreiben in Ihrem Buch »Pius XII. und die Vernichtung der Juden«, daß der Vatikan sich weigert, seine Archive des Pontifikats Papst Pius XII. für die wissenschaftliche Forschung zu öffnen? Ist das ungewöhnlich?

Der Vatikan hat zahlreiche Papiere zum Zweiten Weltkrieg veröffentlicht. Sie werden in den »Actes et Documents du Saint Siège relatifs à la Seconde Guerre Mondiale« (»Gesetze und Dokumente des Heiligen Stuhls in Bezug auf den Zweiten Weltkrieg«) gebündelt. Darin sind Briefe und Telegramme enthalten, die von kirchlichen und weltlichen Führern an den Vatikan geschickt wurden sowie die Antworten. Dieses Konvolut wird allgemein als die bisherig umfassendste Wiedergabe wichtiger Ereignisse und als unstrittige Dokumentation, die kein Historiker ignorieren kann, betrachtet. Dabei ist sie nicht vollständig, sondern nur das Ergebnis einer bewußten Auswahl durch eine Gruppe Jesuiten im Auftrag der damaligen Kirchenführer. Obwohl behauptet wird, daß in diesen Akten die wichtigsten Fragen behandelt werden, fehlen entscheidende Dokumente. So vermissen wir einen Teil der Korrespondenz des Berliner Bischofs und späteren Kardinals Konrad von Preysing mit Papst Pius XII., sowie fast alle Dokumente über die Ereignisse in Osteuropa, mit Ausnahme von Polen und den baltischen Staaten. Die »Actes et Documents« sind also sehr wichtig, aber sie sind offensichtlich nur eine Auswahl. Dies zeigt sich unter anderem anhand der vielen Verweise auf nicht enthaltene Dokumente.

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Alternative Heilverfahren: Kritiker sind Extremisten

Bei der Akupunktur gibt es Hinweise auf Wirksamkeit. Deshalb sollte sie weiter erforscht werden, sagt Edzard Ernst. Für andere sogenannte alternative Heilverfahren wie Homöopathie sollte dagegen endlich Schluss sein. (© OBS)

Sogenannte alternative Heilverfahren sind auf dem Vormarsch. Doch für viele Methoden fehlen Belege für eine Wirksamkeit, andere widersprechen den Naturgesetzen. Wer darauf hinweist, muss sich derzeit auf ruppige Reaktionen aus der Szene gefasst machen. Besonders betroffen davon ist Edzard Ernst, einer der renommiertesten Kritiker der Paramedizin.

Interview: Markus C. Schulte von DrachSüddeutsche.de

Edzard Ernst ist einer der bekanntesten Wissenschaftler im Bereich der sogenannten alternativen Heilverfahren, die er an der University of Exeter in Großbritannien erforscht hat. Zugleich ist er einer der schärfsten Kritiker von Verfahren wie der Homöopathie oder der anthroposophischen Medizin. Das verschafft ihm wenig Freunde in der Szene. Und derzeit weht der Gegenwind besonders scharf.

SZ.de: Sie hätten heute in München einen Vortrag zum Thema Akupunktur halten sollen. Aber der Veranstalter, das Wissenschaftszentrum der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur, hat den Vortrag überraschend abgesagt. Warum?

Edzard Ernst: Ich bin vom Vorsitzenden mit einer äußerst seltsamen Begründung ausgeladen worden: Man wolle nicht den Eindruck erwecken, in ein laufendes Verfahren an der Universität Zürich einzugreifen. Dort wird zurzeit entschieden, wer den Lehrstuhl für Naturheilkunde übernehmen soll.

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