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Forschung zur Ernährung – Weniger Tier, mehr Technik, Snacks aus dem 3D-Drucker

Bild: süddeutsche.de

Pulver statt Ei, Mehlwürmer aufs Brot, sprechende Messer – die kulinarische Zukunft wird spannend. Unsere Bildergalerie gibt sieben Einblicke.

Von Maja Beckers und Charlotte DietzSüddeutsche.de

Schokolade geht schon. Nudeln auch. Sogar eine Pizza hat ein 3-D-Drucker der NASA bereits produziert. Im Bild: gewürzte Snacks, die der niederländische Think Tank TNO Research “ausgedruckt” hat. Sie schmecken nach Curry, Zimt oder Paprika und kommen fertig aus dem Drucker. Die Curry-Würfel enthalten auch Mehlwürmer. Die Forscher bei TNO Research wollen zeigen, dass sich auch alternative Zutaten mit der neuen Technik vereinbaren lassen.

Der Drucker nutzt einzelne Bestandteile von Nahrung, die als Pulver zur Verfügung stehen, vermischt diese mit Wasser oder Öl und baut dann Schicht für Schicht das Essen auf. Verarbeitet werden können zum Beispiel Algen, Gras oder Insekten, also Material, das fast überall zur Verfügung steht, aber in seiner ursprünglichen Form nicht immer für den Menschen geeignet ist.

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Necla Kelek – die deutsche Haustürkin

Bild: Reuters

Auch als Minderheit hat man Privilegien. Beispielsweise dann, wenn man sich in der Öffentlichkeit bewegt. Dort haben wir eine Deutungs- und Meinungshoheit über unsere Leute, unsere Minderheit. Das ist unsere Geldmaschine. Unsere Macht.

Von Kübra Gümüsaytaz

Ich könnte jeden Schwachsinn erzählen, ich würde immer irgendwo Menschen finden, die ihn bereitwillig glauben. Denn wenn ich es sage, „die Türkin“, „die Muslimin“, dann wird es schon stimmen. Ich muss nichts beweisen. Das fängt an bei ironischen Märchen wie: „Na klar duschen wir mit dem Kopftuch“ (schon passiert). Und hört tatsächlich nirgendwo auf. Er geht so weit, wie „der Türke“ oder „die Türkin“ ihn gerne treiben mag.

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Ohne den Tod wäre das Leben ein Horror

Sargträger bei einer Beerdigung: Mitten im Leben vom Tode umfangen zu sein, ist nichts Selbstverständliches mehr – der Gedanke, dass der Mensch sterben muss, wird ausgesperrt dpa

Es ist schwer, sich mit der Willkür des Todes abzufinden. Heutzutage wird er hinter einem Schleier der Diskretion verborgen. Und doch muss sich der Mensch mit der Sterblichkeit versöhnen.

Von Eckhard FuhrDIE WELT

Wir wissen, dass wir sterben müssen. Das macht uns zu Menschen. Im Lichte der Wissenschaft ist nicht viel übrig geblieben von den angeblich prinzipiellen Unterschieden zwischen Mensch und Tier.

Nach der zoologischen Systematik handelt es sich beim Homo sapiens um eine von drei derzeit auf der Erde existierenden Schimpansenarten. Je weiter wir die vielstimmige Schrift der Genetik entschlüsseln, desto fragwürdiger wird die von uns Menschen beanspruchte Sonderstellung in dem, was auch in aufgeklärten Zeiten von vielen trotzig noch “Schöpfung” genannt wird.

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Tiere und andere Menschen-Tiere

Krähen stellen Werkzeuge her, um Maden zu angeln, Schimpansen erkennen sich im Spiegel, Elefanten trauern um ihre Toten, Gorillas entwickeln Traditionen. Die, laut Noam Chomsky, angeborene menschliche Grammatik erscheint als letzte Bastion der menschlichen Einzigartigkeit.

Von Utz Anhalt - sopos

Vom planvollen Handeln über den Werkzeuggebrauch, vom Bewusstsein, ein Selbst zu haben, vom Hineinversetzen in einen Anderen bis zur sinnvollen Anwendung von Symbolen verwischt die Grenze zwischen Mensch und Tier. Darwin löste einen Aufschrei aus, als er erkannte, dass Menschen aus Tieren entstanden und Arten veränderbar sind. Im Darwin-Jahr 2009 rückte die Bedeutung der Evolution für das Bild vom Menschen und das Mensch-Tier-Verhältnis in die Öffentlichkeit. Der Philosoph Peter Singer stieß 1975 mit “Animal Liberation” und der Forderung nach Menschenrechten für die großen Menschenaffen die Debatte um Rechte für Tiere an.

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Gezähmte Barbaren

Zeichnung der Schlacht bei den Thermopylen, ©Hulton Archive

Steven Pinkers optimistisches Buch “Gewalt” behauptet, die Welt sei friedlicher geworden. Aber hat der Mensch tatsächlich gelernt, sich selbst zu kontrollieren?

Von Eva IllouzZEIT ONLINE

An Steven Pinkers wuchtigem neuen Buch Gewalt gibt es vieles zu bewundern. Zum einen wird seine zentrale These, der zufolge wir aufgrund eines Rückgangs der Gewalt in besseren Zeiten leben als je zuvor, in ihrer Gewagtheit Konservative wie postmoderne Untergangsapostel gleichermaßen ärgern.

Dass jemand so unerschütterlich wie unmissverständlich an der Idee des moralischen Fortschritts festhält, ist zwar nicht neu. Erfrischend unmodisch aber ist es allemal. Hinzu kommt, dass uns das Buch auf eine atemberaubende Bildungsreise mitnimmt, durch Moralphilosophie, Geschichte, Statistik, Soziologie, Anthropologie, Neurowissenschaften, Evolutionsbiologie, Kognitionspsychologie und Spieltheorie. Alle diese Disziplinen werden mit leichter Hand ins Feld geführt, um zu beweisen, dass Ihr und mein Risiko, durch die Gewalttat eines Fremden oder Nachbarn ums Leben zu kommen, aufgrund beträchtlicher Veränderungen unserer Denk- und Gefühlsmuster erheblich gesunken ist.

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Hirnforschung und Philosophie

Während die Geisteswissenschaft den qualitativen Sprung in der Evolution, der sich mit der Entwicklung des menschlichen Gehirns vollzieht, eher phänomenologisch ableitet als wissenschaftlich begründet, verallgemeinern die Naturwissenschaftler die jeweils aktuellen Ergebnisse ihrer empirischen Forschung auf unzulässige Weise und unterschlagen dabei vor allem die kulturelle Entwicklungsfähigkeit als Folge menschlichen Bewusstseins. Mit seinem Buch Bewusstsein – der Abgrund zwischen Mensch und Tier versucht Alexander Braidt zwischen den Fronten zu vermitteln.

Von Reinhard Jellentp

Herr Braidt, Sie schreiben in ihrem Buch, dass Geistes- und Naturwissenschaften in Bezug auf das Bewusstsein konträre Positionen vertreten. Welche sind das?

Alexander Braidt: Verkürzt ließe sich antworten: Die Geisteswissenschaft sieht im Bewusstsein die Einzigartigkeit des Menschen begründet. Dagegen hat sich die Hirnforschung erst in ihrer jüngsten Geschichte an das Bewusstsein herangewagt und gefunden, dass es den Menschen nur graduell vom Tier unterscheide. Die Geisteswissenschaft erkennt einzigartige, kognitive Leistungen des Menschen, kann sie aber nicht neuronal erklären. Die Hirnforschung erkennt lediglich eine höhere Intelligenz des Menschen, kann aber damit das Entwicklungspotenzial seiner kognitiven Leistungen nicht überzeugend erklären. Bildlich gesprochen: Der Geisteswissenschaft stellt ihre Erdferne, der Naturwissenschaft ihre Erdnähe ein Bein.

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Kreationistisches Geschwafel

Quelle:brightsblog

Es ist ein alter Traum der Zauberer und Alchimisten, Leben aus der Retorte zu erzeugen. Auch die moderne Wissenschaft muss eines ihrer Ziele darin sehen, künstliches Leben entstehen zu lassen, “Leben aus dem Reagenzglas”, um es mit einem Schlagwort zu sagen.

Von P. Dr. Bernhard Sirchkath.net

Um den Ursprung des Lebens zu erforschen, rekonstruierte im Forschungszentrum der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA ein Forscherteam eine irdische “Ur-Atmosphäre”, also ein Gasgemisch, wie sie vor etwa 3 1/2 Milliarden Jahren die Erde umgab und schickten nun ultraviolettes Licht als Ersatz für die Sonnenstrahlung und beobachteten dann, was geschah. Die Forscher wurden nicht enttäuscht. Das ultraviolette Licht ließ chemische Verbindungen entstehen, die einen Bestandteil der gesuchten Nucleinsäuren bildeten, die in der lebenden Zelle eine Schlüsselposition innehaben.

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Der Zoo Gottes – wir sitzen alle im Käfig

Alles Viecher – oder was? Über Mensch, Tier, die Krone der Schöpfung, das Mittelmaß aller Dinge

Von Wolfgang FreitagDie Presse

Was unterscheidet Mensch von Tier? Gute Frage. Nur mit der Antwort ist’s so eine Sache. Rein materiell nämlich ist da aufs Erste so gut wie gar nichts auszumachen. Und 150 Jahre nach Darwins Evolutionstheorie sind es auch nur mehr die allerletzten Rindviecher, die unsereinen streng physiologisch für die Krone der Schöpfung halten. Das große Gehirn? Das haben andere auch. Der aufrechte Gang, den noch ein Herder ernst bemühte? Der beschert uns unstreitig besseren Überblick, als es unserer Größe angemessen wäre, und freien Gebrauch der Vorderbeine, aber zugleich Bandscheibenschäden und Krampfadern, ein zweifelhaftes Zeichen von Vorzüglichkeit.

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Der Mensch und andere Tiere

Die Kulturgeschichte des Okzidents kann als mühsamer Prozess der Demystifikation und Emanzipation beschrieben werden, der die christlich fundierte zentrale Stellung des Menschen innerhalb der Schöpfung sukzessive korrigiert und relativiert hat. Läutete bereits Kopernikus’ Vorschlag, das überkommene geozentrische zugunsten eines heliozentrischen Weltbildes aufzugeben, den Niedergang der anthropozentrischen Hegemonie ein, so vollendete Charles Darwin drei Jahrhunderte später die Entmythisierung des homo sapiens sapiens, indem er seine Abstammung von tierischen Vorfahren nachwies. Er lieferte gewissermaßen die „naturwissenschaftliche Bestätigung einer empirischen Gleichheit von Mensch und Tier“, die als Doxa den biowissenschaftlichen Diskurs bis in unsere Tage dominiert. Dabei liegt die Gefahr dieses Dogmas nicht unbedingt in einem potenziellen Angriff auf den in der Philosophie viel diskutierten Kultur-Natur-Dualismus. Gefährlich wird eine derartige These dann, wenn sie übersieht, „daß die alltägliche Unterscheidung von Mensch und Tier selbst eine hervorragende Aufklärungsleistung ist“.

Von Walter Wagner

Selbst wenn sich eine derartige wissenschaftlich sanktionierte Annäherung positiv auf das prekäre ethische Mensch-Tier-Verhältnis auswirkt, bleibt, wie Janich betont, Folgendes zu bedenken: „Was Verantwortung angeht, bleibt das Tier, im Unterschied zum Menschen, stets ein Naturgegenstand.“ Mitglieder anderer Spezies werden demnach nie den Status juristischer Subjekte innehaben können und von daher auch nie Rechte einfordern können beziehungsweise Pflichten einhalten müssen. Fragen von Recht und Moral sind in dieser Perspektive stets als genuin menschlich zu betrachten und zementieren trotz aller physiologischen und genetischen Ähnlichkeiten die Sonderstellung des Menschen. Beide, Tier und Mensch, werden einander also nie ‚in Augenhöhe‘ begegnen können, wiewohl diesbezügliche Forderungen von radikalen Tierschützern und Tierphilosophen verschiedentlich vorgetragen worden sind.

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