Brights zum Kreuzzug der neuen Atheisten (Spiegel)


Spiegel-CoverLiebe Spiegel-Redaktion,

zunächst einmal bedanke ich mich für Ihren Leitartikel über die Neuen Atheisten. Ich freue mich, dass Sie das Thema aufgegriffen haben und bin überzeugt, dass es viele Interessenten finden wird.

Leider kann ich Ihnen, wie das so ist mit Skeptikern, auch ein wenig Kritik nicht ersparen. Was, von dem was wir tun, ist zum Beispiel ein „Kreuzzug“? Unsere Waffe ist unser Verstand, wir brauchen und wollen keine Soldaten, um den Leuten den Atheismus aufzuzwingen, dieser Vergleich ist nun wirklich unfair. Die Artikel zum Thema haben des Weiteren eine Neigung, verschiedene Begriffe durcheinander zu mischen. Zunächst einmal sind die „Neuen Atheisten“ nicht das Selbe wie die Brights. Was die Neuen Atheisten sind, versuche ich in einer Artikelreihe des Humanistischen Pressedienst über das Thema zu definieren:

„Neu am Atheismus ist die offene und direkte Art und Weise, mit der er propagiert wird, wie man es von den Religionskritikern der Aufklärung kennt, deren Nachfolger aber lange Zeit kein großes Medieninteresse mehr erzeugen konnten. Neu ist auch, dass sich nun explizit Naturwissenschaftler äußern und nicht mehr in erster Linie Philosophen.“

Ihr Bericht über den „Kreuzzug der Gottlosen“ beginnt mit den Worten „Der Papst der ‚Neuen Atheisten‘ […]. Es wird Sie nicht weiter verwundern, dass ich Ihnen hier widerspreche: Die neuen Ungläubigen haben keinen Anführer, keinen Vordenker, keinen Guru und mit Sicherheit keinen Papst. Man kann allerdings wohl mit Recht behaupten, dass Richard Dawkins Initiator der Bewegung war, zumindest was das mediale Interesse betrifft, das der Biologe erwecken konnte.

Schön dagegen, dass mein Spruch, der Gotteswahn sei „größer als so manche Bibel“ bei Ihnen Anklang gefunden hat und dass Sie auf den Humanistischen Pressedienst verweisen. Weniger schön finde ich Ihre Behauptung, die Definition der Brights, die Sie auf S. 58 geben, stünde in einem Manifest. Tatsächlich haben die Brights kein Manifest. Sie meinen vermutlich das „Manifest des evolutionären Humanismus“ von Michael Schmidt-Salomon. Dieses könnte man vielleicht als Arbeitsgrundlage der Giordano Bruno Stiftung bezeichnen, aber nicht der Brights, die einige Jahre vor der GBS gegründet wurden, und zwar in den USA von Paul Geisert und Mynga Futrell. Die Treffen unserer Ortsgruppen sind gewiss auch keine „Selbsterfahrungsgruppen anonymer Atheisten“ – ganz im Gegenteil! Die Brights sind eine Bewegung, unsere Website dient der Koordination von Aktionen und nicht der Planung von Häkelstunden und Kaffeefahrten. Sie fahren fort, Prinzipien aufzulisten, die angeblich unsere sind: „ER ist nicht. ER ist unlogisch. ER ist überflüssig. Und schlimmer noch: ER ist gefährlich.“ Da wissen Sie offenbar mehr als ich, denn die Prinzipien der Brights, sehr leicht zu finden auf unserer Website (www.brights-deutschland.de), lauten gänzlich anders. Sie finden diese auch, nebst weiteren Informationen über die Bewegung, in einer Infomappe, welche diesem Brief beiliegt.

Weiter behaupten Sie, Richard Dawkins sehe „den Gottesglauben hinter allem Übel“, dabei betonte er nun schon in unzähligen Interviews und Artikeln, dass er keineswegs ALLES Übel in der Religion begründet sieht. Religion ist vielmehr die Legitimation von vielem Übel und die Ursache von so manchem. Sie schreiben: „Es ist, als würde nun auch die Aufklärung ihre Fundamentalisten hervorbringen“. Wenn ich das nicht schon so oft gelesen hätte, es würde mich vielleicht aufregen. Sie werden in der Mappe auch einen Artikel des kanadischen Journalisten Dan Gardner finden, „Diese fanatischen Atheisten“, in der er sich mit dieser Frage auseinandersetzt. Kurz gesagt: Warum nennen Sie uns Fundamentalisten, obwohl wir nichts weiter tun, als auf intellektueller Ebene Kritik zu üben? Wir fliegen keine Flugzeuge in Türme, wir steinigen keine Frauen, wir sprengen keine Zivilisten in kleine Stücke und wir essen auch nicht unseren eigenen Heiland auf. Sie zitieren später Terry Eagleton, einen britischen Literaturwissenschaftler, den ich, nebenbei erwähnt, für einen der besten halte, auch wenn er unseren „Vordenker“ Richard Dawkins nicht leiden kann. Er gibt in seinem Buch „Holy Terror“ eine Definition von Fundamentalismus, sinngemäß: Fundamentalismus meint den Glauben, dass die wörtliche Lesart eines heiligen Buches dem vollkommenen, unfehlbaren Wort Gottes entspricht. Man liest die Bibel oder den Koran und erfährt unmittelbar, was Gott befiehlt. Was könnten Sie nun damit meinen, wenn Sie uns als Fundamentalisten bezeichnen? Welches „heilige“ Buch sollten wir denn in einer wörtlichen Lesart für das Wort welches Gottes halten? Es gibt keine heiligen Bücher, es gibt keinen Gott und wörtlich verstehen wir nach Möglichkeit nur, was auch wörtlich gemeint ist. Was ist so fundamentalistisch daran, nach Belegen zu fragen, wenn jemand behauptet, dass Gott ein Drittel von sich als Mensch auf die Erde gesandt hat, um ihn von einer antiken Besatzungsmacht hinrichten zu lassen, um uns unsere Sünden zu vergeben? Welche Sünden habe ich denn überhaupt vor über 2000 Jahren begangen, für die man mich erlösen müsste? Wenn damit die Ursünde gemeint ist, dann frage ich mich, wie diese ohne Adam und Eva jemals stattgefunden haben soll. Und so weiter. Ein kleiner Funke Skeptizismus lässt das gesamte Glaubensgebäude in sich zusammenbrechen.

Sie schreiben, Hitchens sei kein „fucking liberal“. Es interessiert Sie gewiss, dass er
Ehrenmitglied der National Secular Society ist und mit Sicherheit kein Falke, Neokonservativer oder sonstwas in dieser Richtung. Er fühlt sich keiner politischen Linie zugehörig und nur seiner Vernunft verpflichtet. Ob diese bei seiner Befürwortung des Irak-Kriegs einen Aussetzer hatte, darüber kann man sicherlich streiten. Ich habe mich außerdem etwas gewundert über Ihre Hervorhebung von Piergiogio Odifreddi, denn für die Bewegung der Neuen Atheisten hat er außerhalb Italiens keine Bedeutung, aber das ist Ihre Entscheidung. Ich möchte auch darauf hinweisen, dass die Spiegel-Redaktion sich die zehn Gebote der Neuen Atheisten selbst ausgedacht hat, obgleich ich sie nicht so schlecht finde. „Kein ungeschützter Verkehr mit Gläubigen“ hinterlässt dabei einen fahlen Beigeschmack, denn es klingt fast so, als würden Atheisten nicht mit Gläubigen verkehren, dabei redet Onfray im Interview von seinen „katholische[n] Freunde[n]“. Außerdem halten wir den Menschen nicht für einen Gott, insofern ergibt „Du sollst keine Götter neben dir dulden“ nicht viel Sinn. Wenn sich der Mensch für Gott halten würde, dann wäre das eine Selbstüberschätzung. Wir brauchen einfach gar keinen Gott. Mensch ist Mensch und das ist gut so.

Trotzdem: Bis zu der Stelle „Der Totalangriff der Aufklärer“ gefällt mir der Artikel recht gut. Doch plötzlich dichten Sie uns ein „Reich des Bösen“ an. Im Brights-Shop (http://www.cafepress.com/brightsshop) gibt es ein T-Shirt mit der Aufschrift: „Supers. Brights. One Humanity. One World.“ („Supers“ ist das Brights-Wort für Leute, die an Übernatürliches glauben). Die Ziele der französischen Revolution waren: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Das hätten auch die Neuen Atheisten gerne, nur ist es eben nicht sehr brüderlich, Frauen zu steinigen, Homosexuelle zu verdammen und Selbstmordattentate zu verüben, also kritisieren sie das.

Hierauf behaupten Sie, es entstehe durch den Glauben an Liebe kein Schaden für das Gemeinwohl. Schön und gut, aber das sagt auch niemand. Außerdem muss man nicht an Liebe „glauben“, das halte ich sogar für einen Fehler, sonst glaubt man noch an die Liebe von jemanden, der diese Liebe nicht erwidert. Liebe existiert, die Belege sind offensichtlich: Nervöse Blicke der Geliebten, Liebesbriefe, Küsse, Sex. All dies sind gute Beweise für die Existenz der Liebe, dafür ist kein irrationaler Glaube nötig.

Sie schreiben weiter „die wenigsten Christen würden ernsthaft behaupten, Gott sei eine Art Telefonzentrale, die pausenlos Gebete entgegennimmt und abarbeitet.“ Warum sollten Christen beten, wenn sie nicht glaubten, dass Gott ihre Gebet auch vernimmt?

Dawkins ist sich über die Existenz von gläubigen Wissenschaftlern entgegen Ihrer Darstellung sehr wohl im Klaren, er wirft ihnen nur vor, dass sie mit zweierlei Maß messen und die Richtlinien ihrer Forschung nicht auf ihr persönliches Weltbild anwenden. Sie bezichtigen Dawkins und Harris, dass sie die Bibel genau so buchstabengläubig interpretieren wie die „vernagelsten Adventisten“. Sein wir doch ehrlich: Theologie ist eine akademische Disziplin. Sie erkennen an Umfragen, dass die Amerikaner genau das glauben, was die Neuen Atheisten kritisieren. Außerdem: Wozu die unzähligen Verweise auf das Alte Testament im NT, wenn das doch alles nur metaphorische Märchen sind? In der Tat ergibt die wörtliche oder beinahe-wörtliche Auslegung der Bibel für das Glaubensverständnis sehr viel mehr Sinn als jede moderne theologische Verdrehung und die Gläubigen merken das, weshalb sich die Reihen der Evangelikalen füllen und die Kirchenbänke leeren.

Zu den Ausführungen des Vatikan-Gelehrten Brandmüller erspare ich mir höflicherweise ein Kommentar und was ich von der erhabenen Intellektualität des Papstes halte, können Sie sich gewiss denken. Nur so viel: Benedikt XVI glaubt an die Existenz einer „sehr realen“ Hölle und bildet Exorzisten aus, um keineswegs metaphorische Dämonen auszutreiben.

Nun zu Ihrem Artikel „Beten verboten!“: Die Giordano Bruno Stiftung ist ein Think-Tank der Aufklärung, wohl wahr. Aber sie ist nicht „der“ Think Tank aller Atheisten. Atheisten „thinken“ selbst, wenn es Recht ist. Nicht alle Anhänger der Brights-Bewegung haben außerdem mit der GBS zu tun, sondern die Wenigsten. Ich muss Ihnen aber auch einmal Recht geben: Die Aktiven unter den kritischen Geistern sind in der Tat nicht übermäßig zahlreich, obwohl die Ungläubigen an sich sehr zahlreich sind. Deshalb sind die Aktiven oft in mehreren Organisationen gleichzeitig am Werk, wofür ich selbst ein gutes Beispiel bin. Die Lage beginnt sich jedoch zu ändern. Die Zahl der Aktiven steigt täglich. Wie schon gesagt haben die Brights als basisdemokratische Bewegung und Aktionsplattform für Naturalisten natürlich keinen Chefdenker. Michael Schmidt-Salomon ist ein prominenter Bright, aber er übernimmt für uns nicht das Denken und ist auch kein Guru. Die Taz vermutete von Daniel Dennett, dass er unser Chefdenker sei und auch dies musste ich in einem Leserbrief richtigstellen. Wer weiß, eines Tages werden die Leute vielleicht aufhören, uns ständig Autoritäten voran zu stellen und ich kann aufhören, ständig Richtigstellungen zu schreiben. Wir brauchen weder Vordenker noch Chefdenker, was wir brauchen sind Mitdenker. Als solcher ist Herr Schmidt-Salomon in der Tat sehr willkommen.

„Der Herr segne dieses Haus“, heißt es am Ende des Artikels. Ist natürlich nett, dass die Christen auch an uns denken. Oder? Vielleicht gibt es auch Leute, die gar nicht vom Herrn gesegnet werden wollen? Vielleicht kümmert das die christlichen Missionare nur nicht und sie schicken uns sogar Kinder vor die Tür, die noch gar nicht wissen, woran sie da glauben sollen und für wen sie da arbeiten? Ist Ihnen schon einmal ein atheistisches Sternsingerkind begegnet und hat Ihnen „Always Look On the Bright Side of Life“ vorgesungen? Nein? Vermutlich darum nicht, weil wir Kinder selbst entscheiden lassen, was sie glauben oder nicht glauben, wenn sie alt genug dazu sind.

Am Ende des Leitartikels ruft Herr Smoltczyk dazu auf, die Aufklärung einfach bleiben zu lassen, weil der Glauben sowieso nicht ausstirbt und ohnehin Privatsache sei. Hierzu folgendes: Die Demokratie setzt ein aufgeklärtes Bürgertum voraus. Wie eine Theokratie aussieht, das erfahren Sie mit einem Blick auf Saudi-Arabien oder das europäische Mittelalter. Ist Glauben Privatsache? Schön wäre es. Gläubige jedoch werden nicht müde, gegen Abtreibung, Sterbehilfe, Stammzellenforschung, Homosexuelle, Frauenrechte, Selbstbestimmung, die Wissenschaft und so weiter vorzugehen. Nein, für sehr viele Gläubige ist ihre Religion keine Privatsache und so lange sie uns nicht in Ruhe lassen, werden wir sie auch nicht in Ruhe lassen. Ist das fair? Oder ist das „fundamentalistisch“?

Mit freundlichen Grüßen,
Andreas Müller

(Pressesprecher von Brights Deutschland,
HPD-Redakteur und
Fördermitglied der Giordano Bruno Stiftung)

14 Gedanken zu “Brights zum Kreuzzug der neuen Atheisten (Spiegel)

  1. pjanotta

    Unter dem Wikipediaartikel über Phyrrhonische Skepsis findet man:

    „Zum Begründer der Skepsis bzw. des philosophischen Skeptizismus wurde er durch die von ihm vertretene Ansicht, dass der Wahrheitsgehalt weder unserer Sinneswahrnehmungen noch unserer Urteile eindeutig feststellbar sei.“

    Diese Aussage lehne ich in der Tat ab, da sonst Wissenschaft überhaupt nicht möglich wäre. Sie ist es aber und stellt Vorhersagen auf, die jeder notwendig so erfahren kann, wenn er entsprechende Experimente durchführt. Damit ist auch ein Wahrheitsgehalt feststellbar.

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  2. Lieber Herr M.K. Hochschullehrer für Philosophie i.R.,

    ich wollte an sich mit Gegenargumenten kontern, bevor mir nach einigem Suchen klar wurde, dass sie leider kein einziges Argument vorbringen. Sie stellen eine These auf – wir sind Dogmatiker und keine Skeptiker – und begründen diese in keiner Weise, belegen sie nicht einmal anhand von Beispielen. Wenn diese Herangehensweise „skeptisch“ sein soll, so bin ich doch heilfroh, Ihre Definition dieses Begriffs nicht zu erfüllen.

    Glücklicherweise wurde schnell klar, was Sache ist: „Gottgläubigen vom Rang Spinozas oder Goethes oder der Christen vom Rang eines Descartes, Leibniz, Hegel, Kant“

    Spinoza war als Pantheist keiner vernünftigen Definition zufolge „gottgläubig“. Wenn alles Gott ist, dann ist nichts Gott. Das Gleiche gilt für Goethe. Auf diese Art und Weise argumentieren meiner Erfahrung nach nur Theologen oder Menschen, die glauben, dass Philosophie dasselbe wäre wie Theologie.

    Schöne Grüße,
    Andreas Müller

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  3. M.K.

    Als Freund des philosophischen Skeptizismus – verdießt mich vieles hier vorgenrachte boshaft Klingende und manches in Herrn Müllers Artikel so Einfältige, dass ich nur schwer glauben kann, dass er das für die Meinung derer von intellektuellem Niveau hält, gegen die er grundsätzlich polemisiert – etwa der Gottgläubigen vom Rang Spinozas oder Goethes oder der Christen vom Rang eines Descartes, Leibniz, Hegel, Kant oder – um mal drei höchst professionelle und kundige moderne Logiker zu nennen: des Gottgläubigen Whitehead – Mitverfasser der „Principia Matematica“, des Grundbuches der modernen Logik und Mathematik – oder Bochenski – eines Logikhistorikers von höchstem Rang – oder der anerkannt geniale, von Einstein ständig konsultierte Mathematiker und bahnbrechende Logiker Goedel. Es ist ein alter Trick, ganze Gruppen erst mal schlecht oder lächerlich zu machen, um sie dann desto besser als GRUPPE verleumden zu können, und das hat mit Skepsis einfach ganz und gar nichts mehr zu tun, sondern mit der faschistoiden Grundidee von „ausmerzen“. Hiermit fangen diese angeblichen Skeptiker an, eine Idee zu agieren, deren Praxis sie bei ihren Gegnern angreifen. Die alte Geschichte: Orwell: „Farm der Tiere“! Und soweit ist die Metapher „Kreuzzug“ nicht falsch und zeigt warnend in die gefährliche Richtung.

    Obgleich man unter den Zuschriften hier mancherlei offenbar ehrlich erbitterte Äußerung finden kann, deren Erbittertheit mich berührt hat, möcht ich doch gerne wissen, wieso sich viele, die hier argumentieren, für Skeptiker halten – sie sind es allem Anschein nach nicht, sondern zum Teil ziemlich enge Dogmatiker mit überdies einer einfältigen Vorstellung von der Überzeugung ihrer ebenso dogmatischen theistischen Gegner. Ich würde allen, die hier argumentieren oder mitdenken, raten, sich über die skeptische Einstellung mal kritisch zu informieren (sehr gut geignet: Sextus Empiricus: „Grundriss der pyrrhonischen Skepsis“, Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft Nr.499) , ehe sie sich als Skeptiker sehen, Sprechdurchfall bekommen und die Sache der Skepsis so unskeptisch und dogmatisch eng verfechten, dass sie schon am Anfang des Weges zu sein scheinen zu dem, was in Orwells „Farm der Tiere“ das Schicksal der Schweine wurde: ihren Gegnern nach und nach immer mehr zu ähneln und schließlich deren Rolle zu übernehmen.

    M.K. Hochschullehrer für Philosophie i.R.

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  4. Folgenden Songtext der Punkband „SLIME“ möchte ich hier mal veröffentlichen. Obwohl er natürlich nicht auf intellektuell hohem Niveau ist, bringt er die ganze Diskussion um Gott doch auf den Punkt.

    RELIGION

    Erzählt mir nichts von euren Göttern
    Denn die haben niemals existiert
    Auch Jesus Christus oder Mohammed
    Verhinderten nie einen Krieg
    Behauptet nicht, daß ihr die Antwort habt
    Auf die Frage, die ihr niemals gewußt
    Behauptet nicht, daß ihr die Wahrheit sagt
    Weil eure Wahrheit gelogen ist
    Religion – Bedeutet Unterdrückung
    Religion – Ist Opium für das Volk
    Religion – Hat Millionen von Menschen getötet
    Religion – Doch die Kirchen

    Sind immer noch voll
    Ihr habt die Bombe gesegnet
    Die auf Hiroshima fiel
    Auch mit Hitler und Mussolini
    Habt ihr euch solidarisiert
    Es ist egal, wer an der Macht ist
    Denn ihr seid immer dabei
    Ihr nehmt den Menschen das Denken ab
    Mit eurer Heuchelei
    Religion – Bedeutet Unterdrückung
    Religion – Ist Opium für das Volk
    Religion – Hat Millionen von Menschen getötet
    Religion – Doch die Kirchen
    Sind immer noch voll

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  5. arouetlj

    Herr Kaiser: Herzlichen Dank für die Zusicherung, dass Sie mich mit zudringlicher Frömmigkeit in Ruhe lassen. Werden Sie auch Ihr Versprechen halten, wenn es um Themen geht, wie Sterbehilfe und Abtreibung, wo doch die Frommen immer am besten Bescheid wissen und sich erlauben, auch zu nicht rein argumentativen Mitteln zu greifen? Oder war das gar nicht so gemeint? Sind Sie nur hochnäsig genug, zu meinen, dass es auf die „Athis“ nicht ankommt? – – Und das Gott mich nicht in Ruhe lassen wird, das nehme ich gelassen. Ich werde mit ihm schon einig werden – wenn er wirklich allgütig und allwissend ist. Allmächtig – das kann man nach Auschwitz ja nur noch schwer glauben, oder? Und allgütiger Gott, das kann nicht der Zornigel aus dem Alten Testament oder aus der Apokalypse sein.

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  6. Ein „stringent wissenschaftliches-logisches Denken führt zur Vernunft und die sagt, Religion ist überflüssig, für ein sinnvolles Leben.
    Danke für den Eintrag beim Stammtisch, genauso habe ich mir das vorgestellt :mrgreen:

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  7. helmutmniegemann

    Herr Kaiser: Können Sie bitte begründen, was an A. Müllers Klarstellung zum Spiegelbeitrag überheblich ist? Wo ist etwas unlogisch in der Argumentation? In der Tat sind Brights der Meinung (nehme ich jedenfalls an), dass ein stringent wissenschaftlich-logisches Denken dazu führt, dass die Annahme eines Gottes nicht begründbar und überflüssig ist. Der Meinung sind wir solange, bis es überzeugendere Argumente gibt. Was ist übrigens „selig werden“? Lohnt sich das?

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  8. 10% der Weltbevölkerung sind bereits offiziell Atheisten, von den zahlreichen verdeckten Atheisten abgesehen, die aus anderen Gründen einer Kirche angehören, obwohl sie nicht wirklich an deren Dogmen glauben – sehr zahlreich übrigens, schauen sie mal bei fowid nach.

    Was Sie in ihrer Kirche machen interessiert hier eigentlich niemanden, jeder kann glauben, was er will. Aber wenn er ankommt und gegen Schwule, Abtreibung, Sterbehilfe, Evolution, Sex, Satire, Kritik, Wissenschaft, freie Meinungsäußerung und so weiter hetzt, wenn er deren Abschaffung oder Einschränkung fordert, dann ist er für mich ein Feind der Freiheit, ein Feind der Demokratie und ein Feind unserer Zivilisation.

    Natürlich machen das nicht alle „Gläubigen“ (vor allem diejenigen, die nicht wirklich glauben, schließlich ist Gottes Wort angeblich für immer wahr und nicht durch zivilisatorische Errungenschaften einzuschränken…) und ich habe gar kein Problem mit Gläubigen, die sich an die Regeln halten. Ich denke, sie sind im Unrecht, aber das ist ihr gutes Recht, so zu sagen. Komischerweise ist Religion aber für kaum jemanden wirklich Privatsache…

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  9. Ich danke Ihnen für diese Erwiederung, denn sie listet alle Überheblichkeiten der Atheisten uns Gläubigen gegenüber auf, wie es besser nicht sein kann. Grundtenor: Wer wirklich denkt, ist Atheist. Naja, wenn sie meinen, werden Sie selig damit. Mich stört Ihr Unglaube übrigens kein bißchen, aber es freut mich wahnsinnig, jeden Tag mit Atheisten zu tun zu haben, die sich über die böse Welt ausheulen, die auf ihre angebliche Weisheit nicht hört, weil niemand sie braucht. Die Zahl der Athis mag zunehmen, sie sind noch immer eine verschwindend kleine Gruppe der Menschheit. Und ich gehe derweil gerne mit Freunden in die Kirche, die erst durch den Kontakt zu mir wieder in Berührung mit dem Glauben gekommen sind. Sie glauben nicht an Gott, aber Gott glaubt an Sie, und er wird Sie nicht in Ruhe lassen. Gott sei Dank.

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  10. Pingback: Brüder und Schwestern, jetzt mal ehrlich... « m.arschflugkoerper

  11. Stephan

    Sehr gute, umfassende Richtigstellung. Ich würde mir wünschen, dass der Speigel sie abdruckt. Aber ich bin pessimist 😉
    Solltest du eine Antwort bekommen veröffentliche die doch bitte auch hier (vorrausgesetzt natürlich, dass der Spiegel dem zustimmt).

    Gruß,
    Stephan

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