Halloween, Kelten, Christen – Business



Streit um die Herkunft von Halloween – Bonner Professor: Christen widmeten den Tag einst dem Totengedenken
Von Knut Teske Berliner Morgenpost

Jetzt kommen sie wieder, die Gruselgestalten, halbhoch, mit hellen Stimmchen, aber gewaltigen, überdimensionierten Köpfen – Hohlköpfen, Kürbisköpfen. Die kleinen Hände fordernd ausgestreckt: „Süßes oder Saures!“ Halloween naht, und niemand wagt zu widersprechen. Amerikas jüngster Export ergreift jedes Jahr Scharen kleiner Anhänger und zieht nicht nur deren Eltern in den Bann, sondern genauso Wissenschaftler und Theologen.

Unter ihnen eskaliert der Streit über die Herkunft des Events, das am 31. Oktober gefeiert wird. Zur Freude der Kleinen – unter süß-saurem Lächeln der evangelischen Kirche. Der 31. Oktober ist auch der Reformationstag. Schlägt Halloween Martin Luther? Das genau ist für den Halloween-Forscher aus Deutschland, den Völkerkundler Prof. Alois Döring aus Bonn, reiner Zufall. Er bestreitet die schädlichen Nebenwirkungen für die evangelische Kirche nicht, hält sie aber für irrelevant. Der Halloween-Brauch leite sich schon deshalb nicht vom Reformationstag ab, weil er rund 700 Jahre älter sei. Womit Döring der herrschenden Meinung widerspricht, die den Ursprung dieses gruseligen Festes noch einmal um 800 Jahre in die Zeit der Kelten zurückverlegt. Dieser dem Dunkel der Geschichte bis heute kaum entronnene Stamm hätte schon immer den 31. Oktober als Tag des Winterbeginns gefeiert, mit Masken, Tänzen und Totenkult, bis dieser Tag rund 2000 Jahre später als merkantile Idee in den USA wieder zum Leben erweckt wurde.

Alles Unsinn, behauptet Döring. Nie hätten die Kelten den 31. als Tag des Totenkults begangen. Dafür gebe es keinerlei Beweise. In Wahrheit sei Halloween christlichen Ursprungs, leite sich vom „All Hallows Evening“ ab, vom Allerheiligen-Tag, den Papst Gregor im Jahr 835 auf den 1. November gelegt habe. Also christlich-katholisch, wenn auch nicht christlich-evangelisch. Auf jeden Fall sei es der christliche Kalender gewesen, der dem Fest seinen Namen gab und auch sein Thema, das Gedenken an die Toten. Dörings Meinung zum Trotz beharren die Halloween-Bücher auf dem heidnischen Totenkult, wie der Titel eines der wichtigsten Werke ausweist: „Halloween – Kelten-Revival“.

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8 Comments

  1. was ist eigentlich aus der guten alten hexennacht zum 1. Mai geworden? wird das irgendwo noch gefeiert/gemacht?
    da gab es doch auch streiche… allerdings keine verkleidungen oder süßkrams..

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  2. Nebenbei gemerkt ist die Ansicht Prof. Alois Dörings eher eien Minderheitenmeinung. Oder er hat dann recht, wenn man es wörtlich nimmt: Natürlich hatten die ollen Kelten ihr Fest Samhain nicht am 31. Oktober gefeiert – klar, sie hatten einen anderen Kalender. Aber es gab im Herbst ein Totenfest bzw. Ahnenfest, bei denen echt keltisch „feucht“ die Verstorbenen aus der Anderswelt zu einem leckeren Schluck eingeladen wurden. Zu “All Hallows Evening” mischen sich eben heidnische und christliche Bräuche, wie zu Weihnachten, Karneval, Ostern, Erntedank. Hauptsache, man hat einen Anlass zum Feiern (und saufen).
    Da frag ich mich doch glatt, wann in Würzburg die Kirche mit Unterstützung des königlich bayerischen Innenministeriums alle Weihnachtsmänner und Osterhasen verbietet.

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  3. Ich finde Halloween besser als Fasching, auch wenn die Streiche nicht in Ordnung sind. Aber es freut doch die Kinder, die sich endlich mal wieder richtig betrinken können.

    In Würzburg hat die Kirche mal eben mit Unterstützung des bayerischen Innenministeriums alle Halloween-Feiern verbieten lassen.

    Offenbar dürfen sich diese Demokratiefeinde alles erlauben. Was interessiert mich denn als Atheisten die „Heiligkeit“ von Allerheiligen? Was haben solche Leute im Innenministerium verloren, wo sie Ungläubigen ihre Rechte nehmen können?

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  4. glücklicherweise gibt es bei einer geschenkladenkette diverse ungenießbare bonbons zu kaufen: geschmacksrichtungen chili, knoblauch oder auch pfeffer.
    also ich freue mich auf diese nervenden plagen…. *GGG*

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