Reflexionen


John Micklethwait über Religion und Politik The Economist

John Micklethwait, Chefredakteur der Wochenzeitschrift, macht zwei Gruppen aus, die sich mit der veränderten Rolle der Religion in der Politik schwer tun: „Zum einen sind es Politiker, vor allem Außenpolitiker. Realpolitik kann mit dem Irrationalen nicht viel anfangen. Im Inhaltsverzeichnis von Henry Kissingers Buch „Diplomacy“, seinem 900-Seiten-Meisterwerk über die Staatskunst, taucht das Wort ‚Religion‘ nicht ein einziges Mal auf… Die andere Gruppe, die sich mit der Rolle der Religion im öffentlichen Leben schwer tut, sind Liberale. Wenn die religiöse Überzeugung schlicht unvernünftig erscheint ? zum Beispiel wenn Schulen Kreationismus lehren ?, ist es leicht, Einwände zu erheben. Aber in vielen Fällen gibt es liberale Argumente auf beiden Seiten.

Wer heute eine Religion annimmt, tut dies aus freier Wahl. Ist es liberal, einen Angestellten der British Airways davon abzuhalten, ein Kruzifix zu tragen? Wessen Rechte werden beeinträchtigt, wenn die Mehrheit der Insassen in einem türkischen Bus den Fahrer darum bittet anzuhalten, weil sie beten möchten?“

6 Comments

  1. „Wer heute eine Religion annimmt, tut dies aus freier Wahl.“
    Bei uns ist das sogar zum guten Teil so, glücklicherweise. Das kann man aber vom ganzen Rest der Welt nicht behaupten, und hier kommen die Probleme… ein säkularer Staat mit Religionsfreiheit funktioniert nur, wenn auch die Religionen mit der Religionsfreiheit umgehen können.

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  2. „Wessen Rechte werden beeinträchtigt, wenn die Mehrheit der Insassen in einem türkischen Bus den Fahrer darum bittet anzuhalten, weil sie beten möchten?”“

    Die Rechte der Minderheit!

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  3. Wer heute eine Religion annimmt, tut dies aus freier Wahl.

    Oder wird als Kind indoktriniert…

    Ist es liberal, einen Angestellten der British Airways davon abzuhalten, ein Kruzifix zu tragen?

    Das ist Sache der Firma…

    Wessen Rechte werden beeinträchtigt, wenn die Mehrheit der Insassen in einem türkischen Bus den Fahrer darum bittet anzuhalten, weil sie beten möchten?”

    Das Recht der Leute die bezahlt haben um z.B. pünktlich am Flughafen zu sein.

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  4. fehler Malte liberal hat nur wenig mit Toleranzentum zutun, auch der Liberalismus hat werte zu verteidigen, nämlich vor allem die Freiheit und die Trennung von Staat und Kirche, das geringere Opfer wäre es die Religion in das private zu verbannen, als sie immer und überall zuzulassen, den dann finden wir uns schnelle im Mittelalter und den Glaubenskriege wieder.

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  5. Dann seien wir mal richtig liberal und lassen alle religiösen ihren Willen. Das bedeutet: Homeschooling, Lehrerinnen mit Kopftuch, Kruzifixe in öffentlichen Gebäuden, Kreationismus im Biologie-Unterricht, verschärften Gotteslästerungsparagraphen §166 StGB und religiöse Parallelgesellschaften. Und nach dem Vorbild mancher US-Bundesstaaten sollten Atheisten keine öffentlichen Ämter bekleiden dürfen! Ich beantrage, unsere Staatsform in „Parlamentarische Theokratie“ umzubenennen…

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