Sind Verfechter der Evolution wissenschaftsfeindlich?


Der Geschäftsführer des christlich-konservativen Vereins „Lernen für die Deutsche und Europäische Zukunft“, Wolfram Ellinghaus. (idea.de)

Vertreter der Evolutionslehre erteilen Denkverbote, und das wirkt sich wissenschaftsfeindlich aus.

Diese Ansicht vertrat der Geschäftsführer des christlich-konservativen Vereins „Lernen für die Deutsche und Europäische Zukunft“, Wolfram Ellinghaus (Harsewinkel bei Gütersloh), Mitte November auf einer Diskussionsveranstaltung in Bielefeld. Versuche, die Evolution in der Schule alternativlos darzustellen, stellten eine Gefahr für den Wissenschaftsstandort Deutschland dar. Zugleich widersprach Ellinghaus der Auffassung, dass die Bibel wissenschaftsfeindlich sei. Das Gegenteil sei richtig, sagte er und verwies auf die Bibelstelle „Macht euch die Welt untertan“ (1. Mose 1,28). Das sei eine Aufforderung, Naturwissenschaft zu betreiben. Gerade christlich geprägte Länder seien in Wissenschaft und Technik führend, so Ellinghaus. Der Verein vergibt in unregelmäßigen Abständen den Deutschen Schulbuchpreis. Vor fünf Jahren zeichnete er ein Biologiebuch aus, das sich kritisch mit der Evolution auseinandersetzt und im Zuge der in diesem Jahr neu aufflammenden Debatte massiv in die Kritik geriet.

Kreationismus hat in Lehrplänen keinen Platz
Unterdessen hat die Landesregierung Nordrhein-Westfalens in der Antwort auf eine Kleine Anfrage darauf hingewiesen, dass die Schulaufsicht im Blick auf die Verbreitung kreationistischer Lehren „jedem Hinweis einer möglichen Beeinflussung von Schülern“ nachgehen werde. Der Kreationismus geht davon aus, dass Gott die Welt so erschaffen hat, wie es die biblischen Schöpfungstexte beschreiben. Die Landesregierung stellte klar, dass ein solches Gedankengut besonders im Fach Biologie in den Lehrplänen nicht zugelassen sei. Eine SPD-Landtagsabgeordnete hatte in ihrer Anfrage unter anderem behauptet, Kreationisten seien „vor allem in Sekten organisiert“ und gehörten „sogenannten fundamental-religiösen Gruppen“ an.

17 Comments

  1. @myron

    === schnipp ===
    “certain” bedeutet hier “bestimmt”, nicht “unbestimmt”.
    === schnapp ===

    eben ;->

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  2. @myron

    === schnipp ===
    which continue to be identified with a certain approach to evolutionary questions.
    === schnapp ===

    das war mein Punkt :-))

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  3. El Schwalmo: „Mein Punkt war, dass das eben nicht klar ist.“

    „DARWINISMUS: Die von Darwin entwickelten Begriffe und Theorien (vor allem die natürliche Auslese), auf die seine Nachfolger ihre Erklärungen über die Evolution stützen.“
    (Mayr, Ernst. Das ist Evolution. München: Goldmann, 2005. S. 347)

    „[L]ike every historical entity, theories undergo change through time. Indeed a scientific theory might undergo such significant changes that the only point of continuing to name it after its source is to identify its lineage and ancestry. This is decidedly *not* the case with Darwinism. (…) Darwinism identifies a core set of concepts, principles and methodological maxims that were first articulated and defended by Charles Darwin and which continue to be identified with a certain approach to evolutionary questions.“
    (http://plato.stanford.edu/entries/darwinism)

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  4. @myron

    === schnipp ===
    Es ist hinreichend klar, worauf sich die Bezeichnung “Darwinismus” oder “darwinistische Evolutionstheorie” bezieht.
    === schnapp ===

    mein Punkt war, dass das eben nicht klar ist.

    Ich plädiere dafür, sich in der Diskussion mit Evolutionsgegner nicht mit einem Nebenkriegsschauplatz (‚ist das, was Darwin lehrte, heute noch gültig?‘ zu belasten.

    Aus dem selben, warum man moderne Physik nicht als ‚Newtonismus‘ bezeichnet, könnte man, ohne Darwins Leistung irgendwie zu schmälern, auf dessen Namen verzichten, wenn man mechanismische Aussagen über Evolution macht.

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  5. @El Schwalmo:
    Ich weiß nicht, worauf Du eigentlich hinauswillst.
    Es ist hinreichend klar, worauf sich die Bezeichnung „Darwinismus“ oder „darwinistische Evolutionstheorie“ bezieht.

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  6. @myron

    === schnipp ===
    (Mayr, Ernst. Das ist Evolution. München: Goldmann, 2005, S. 114ff.)
    === schnapp ===

    schön, dass Du ausgerechnet Mayr zitierst.

    BTW, andere Autoren als Mayr kommen auf andere Zahlen an Theorien, die Darwin vertrat.

    Mayr bezeichnet seine Darstellung explizit als ‚whiggish‘, es wäre nun eine interessante Frage, zu klären, ob das, was Mayr als ‚zeitgenössischer Darwinismus‘ bezeichnet, das darstellt, was man unter ‚moderner Evolutionstheorie‘ versteht und wie weitgehend die Übereinstimmungen sind.

    Ich kann Dir gerne eine ganze Reihe ganz aktueller Bücher nennen, die hier Zweifel aufkommen lassen. Mayr verstarb 2005.

    Ich bin mir auch nicht sicher, ob Dir das, was Mayr in seinem letzten Buch

    Mayr, E. (2004) ‚What Makes Biology Unique? Considerations on the autonomy of a scientific discipline‘ Cambridge, Cambridge University Press

    schrieb, besonders gefallen würde.

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  7. @El Schwalmo: „Kleiner Tipp: lies Darwin und formuliere die ‘darwinistische Evolutionstheorie’.“
    (…)
    2. sehr viel von dem, was Darwin lehrte, ist heute nicht mehr akutell.
    Wahlweise musst Du Dich fragen lassen, warum Du von einer ‘darwinistischen Evolutionstheorie’ redest, obwohl das, was Darwin lehrte, damit nicht mehr viel zu tun hat.“

    Die Evolutionstheorie Darwins umfasst fünf große Theorien:
    „1) Veränderlichkeit der Arten (die grundlegende Evolutionstheorie)
    2) Abstammung aller Lebewesen von gemeinsamen Vorfahren (Evolution durch Verzweigung)
    3) Allmählicher Ablauf der Evolution (keine Sprünge, keine Diskontinuitäten)
    4) Vermehrung der Arten (Entstehung biologischer Vielfalt)
    5) Natürliche Selektion
    (…)
    Die Theorie, die sich seit der Synthese der Evolutionsforschung allgemein durchgesetzt hat, bezeichnet man am besten als Darwinismus, denn sie stimmt in den meisten entscheidenden Aspekten mit dem Darwinismus von 1859 überein.“
    (Mayr, Ernst. Das ist Evolution. München: Goldmann, 2005, S. 114ff.)

    Mit „Darwinismus“ oder „darwinistische Evolutionstheorie“ ist nicht Darwins eigener Urdarwinismus gemeint, sondern der zeitgenössische Darwinismus, welcher über den Urdarwinisimus hinausgeht, mit diesem aber, wie Mayr betont, weitestgehend übereinstimmt.

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  8. @myron

    Ellinghaus liegt natürlich neben der Kappe, wenn er eine ‚alternativlosen Darstellung der Evolution in Schulen‘ kritisiert. Er meint mit ‚Evolution‘ vermutlich naturalistische Evolution. Dazu gibt es nun wirklich keine Alternative, zumindest keine, die so ausformuliert wäre, dass man sie außerhalb des Religionsunterrichts lehren sollte.

    Aber Du machst den Fehler, ‚Evolution‘ mit ‚darwinistischer Evolution‘ gleichzusetzen:

    === schnipp ===
    Doch Tatsache ist, dass wir derzeit über keine wissenschaftliche Evolutionstheorie verfügen, die besser ist als die darwinistische. Wer Gegenteiliges behauptet, hat entweder keine Ahnung oder lügt.
    === schnapp ===

    Kleiner Tipp: lies Darwin und formuliere die ‚darwinistische Evolutionstheorie‘.

    Dann lies akutelle evolutionstheoretische Publikationen und formuliere ‚aktuelle Evolutionstheorie‘.

    Dabei ist ein Aspekt interessant, den beispielsweise Dorit in seiner Rezension von Behes ‚Black Box‘ erwähnt hat: „Molecular biologits and biochemists often have no training in evolution. Given my conference experience, however, that does them not always stop from voicing a personal opinion about the evolutionary process.“

    Dann wirst Du zwei Dinge bemerken:

    1. es ist sehr schwer, herauszufinden, was ‚die‘ Evolutionstheorie aktuell eigentlich behauptet und was nicht

    2. sehr viel von dem, was Darwin lehrte, ist heute nicht mehr akutell

    Wahlweise musst Du Dich fragen lassen, warum Du von einer ‚darwinistischen Evolutionstheorie‘ redest, obwohl das, was Darwin lehrte, damit nicht mehr viel zu tun hat.

    Das wäre dann in etwa so, als würdest Du sagen, dass wir über keine Physik verfügen, die besser ist als die newtonsche. Genauso wie es eine ‚Newton-Mechanik‘ gibt, die in eine Physik eingebunden ist, die viel umfassender ist, gilt das auch für darwinistische Ansätze in den modernen Evolutionstheorien (es ist kein Zufall, dass ich den Plural verwende).

    Daher kann ich eine Formulierung wie ‚hat keine Ahnung oder lügt‘ nicht nachvollziehen.

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  9. Ellinghaus: „Versuche, die Evolution in der Schule alternativlos darzustellen, stellten eine Gefahr für den Wissenschaftsstandort Deutschland dar.“

    Selbstverständlich gibt es zu jeder wissenschaftlichen Theorie eine mögliche Alternative: eine bessere wissenschaftliche Theorie. Doch Tatsache ist, dass wir derzeit über keine wissenschaftliche Evolutionstheorie verfügen, die besser ist als die darwinistische. Wer Gegenteiliges behauptet, hat entweder keine Ahnung oder lügt.

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  10. genau, weg mit der Evolutionslehre und her mit Koboldologie und Elfologie.
    Sehen die Mysthizisten ihre Felle davon schwimmen? Oder sind die einfach wirklich so blöde?

    Verbrecher sind es meiner Meinung nach, der ganze Religionszirkus im Schulunterricht hat doch nur den Grund, die Kinder schon von klein auf auf den Schwachsinn zu konditionieren.

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  11. „Versuche, die Evolution in der Schule alternativlos darzustellen, stellten eine Gefahr für den Wissenschaftsstandort Deutschland dar“ — das ist besser, als jede Satire es sein könnte!

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  12. Und wieder die Behauptung „christlich geprägte Länder“ seien in der wissenschaftlichen Forschung führend. Dies sind sie ja erst, seitdem die Herrschaft der christlichen Sekten gebrochen und der Säkularismus Einzug gehalten hat.
    Nein, Herr Ellinghaus, was „christliche geprägte Länder“ in Sachen Fortschritt zu bieten haben zeigt ja das europäische Mittelalter: Aberglaube, Unwissen und die Entwicklung von Folterinstrumenten zur Enttarnung von Hexen.

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  13. Angesichts des Mottos „Lernen für die Deutsche und Europäische Zukunft“ und einer solchen Einstellung ist man geneigt doof bleiben zu wollen. 🙂

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