Der Schwarze Kanal: Aufklärungsfundis


Von Werner Pirker

Das christliche Abendland steht vor dem Untergang. Islamische Sturmscharen haben es umzingelt. Schlimmer noch: Der Kulturislamismus verrichtet mitten unter uns sein Zersetzungswerk. Willenlos ergibt sich Europa seinem Schicksal. »Es wimmelt nur so von Priestern der Erschlaffung. Sie sind die Symptome eines müden und von Selbstzweifeln geplagten Europas, das beim leisesten Ansturm in Deckung geht. Hinter ihrer klebrigen Gutmenschenrhetorik spielt eine andere Musik: die der Kapitulation!« Das könnten die Worte eines christlichen Haßpredigers sein. Ein wenig erinnern sie auch an die Tiraden eines Joseph Goebbels gegen Kulturbolschewismus und verfaulten Liberalismus.

Tatsächlich stammen sie aus einem Essay von Pascal Bruckner, veröffentlicht im Online-Magazin Perlentaucher.Der französische »nouveau philosophe« hat sich für die somalische »Islamkritikerin« Ayaan Hirsi Ali in die Schlacht geworden. Mit einer wütenden Polemik gegen den holländisch-britischen Publizisten Ian Buruma und den brititischen Historiker Timothy Ash, die Hirsi Ali vorwerfen, einem »Fundamentalismus der Aufklärung« anzuhängen. Gemeint ist eine »Aufklärung«, die in fundamentalistischer Besessenheit eine neue Kreuzzugsideologie begründet hat. In diesem Religionskrieg stehen einander die Religionen nicht direkt gegenüber. Er äußert sich vielmehr darin, daß die eine Seite sich im Vollbesitz der zivilisatorischen Errungenschaften wähnt und der anderen Seite alle Verwerfungen der Religion anzulasten trachtet.Der Angriff auf den Islam erfolgt vordergründig nicht im Zeichen des Kreuzes, sondern im Namen der aufgeklärten, säkularen Gesellschaft. Vor einer solchen Aufklärung geht selbst der römische Papst demütig in die Knie. Das Christentum habe das Kreuz der Aufklärung längst auf sich genommen, ließ er die Muslime in seiner Regensburger Rede wissen. Nun läge es an ihnen, dem göttlichen Willen nachzukommen und sich der Moderne anzupassen. Der oberste Marienverehrer weiß die »aufgeklärte westliche Gesellschaft« als Synonym für das »christliche Abendland« zu nutzen. Und so läßt sich dann auch die Aufklärung mühelos aus der christlichen oder christlich-jüdischen Tradition herleiten und in einen Gegensatz zum religiösen Irrweg des Islam stellen.

In Bruckners Schrift erscheint Ayyan Hirsi Ali als der Inbegriff des »freien Individuums«, das sich todesmutig aller kollektiven Zwänge einer tradierten Gesellschaft entledigt hat. Daß sie ihre Individualität auf eine unsolidarische Weise auslebte, sie in Holland einer restriktiven Ausländerpolitik huldigte, die letztlich zu ihrer eigenen Abschiebung führte, erscheint nicht als Makel, sondern als Ausdruck individueller Überlegenheit. »Als Somalierin«, schreibt Bruckner, »verkündete sie die Überlegenheit Europas über Afrika«. Das ließ sie die Unterlegenen auch spüren. Bruckners trägt seinen europäischen Kulturchauvinismus mit dem Gestus des Kulturpessimisten vor. »Es läßt sich nicht leugnen«, schreibt er, »die Feinde der Freiheit kommen zuerst aus den freien Gesellschaften, aus jenem Teil der aufgeklärten Eliten, die der übrigen Menschheit – ja sogar den eigenen Mitbürgern – den Genuß demokratischer Rechte verwehren, falls diese das Pech haben, einer anderen Religion oder Ethnie anzugehören als sie selbst.« An Europas Überlegenheit haben alle teilzuhaben, so lange ihnen eine Frau Hirsi nicht die Ausländerpolizei ins Haus schickt.

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2 Comments

  1. Was will der Artikel sagen? Es lebe der Kulturrelativismus?
    Ich, für meinen Teil, bin froh Europäer zu sein und kein Iraner zu sein, oder was es da sonst noch für zu Grunde gewirtschaftete Gottesstaaten gibt.

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