Das Kreuz und der Halbmond



Diakonie diskriminiert Muslima

Die Diakonie Hamburg muss eine Deutschtürkin entschädigen, weil sie nicht zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wurde. Die kirchlichen Sozialwerke wollen Andersgläubige weiter ablehnen dürfen VON WOLF SCHMIDT -taz Foto: dpa

Der Fall von Yesim F. könnte ein Präzedenzfall werden. Das Arbeitsgericht Hamburg hat das Diakonische Werk verurteilt, der Deutschen türkischer Herkunft 3.900 Euro Entschädigung zu zahlen. Der Grund: Der Muslimin, die nach eigenen Angaben ihre Religion nicht praktiziert, wurde ein Vorstellungsgespräch bei einem Projekt der Diakonie verwehrt, weil sie kein Mitglied einer christlichen Kirche ist.

Die schriftliche Begründung des Urteils steht zwar noch aus. Doch im Kern muss die Diakonie bezahlen, weil sie nach Ansicht des Gerichts gegen das Antidiskriminierungsgesetz verstoßen hat, wie eine Sprecherin sagte. Yesim F. hatte sich in einem von der EU geförderten Integrationsprojekt der Diakonie in Hamburg beworben, das sich um eine bessere Eingliederung von Zuwanderern in den Arbeitsmarkt kümmert. Zuvor hatte sie schon mehrere Jahre als Projektleiterin für MigrantInnenorganisationen gearbeitet, für die Stelle beim Diakonischen Werk sollte sie unter anderem die Homepage betreuen.

10 Comments

  1. Hier findest du einiges, ich glaube Carsten Frerk hat ein ganzes Buch über das Vermögen der Kirchen und deren charitativen einrichtungen geschrieben. Äußerst interessant.

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  2. @nickpol
    Hab es gerade mit ser SuFu der hpd-Seite nicht gefunden. Hast du ein Link dazu oder zumindest einige Hinweise wie ich die suche verfeinern kann?

    Danke dir schonmal!

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  3. Bei Carsten Frerk, vom hpd gibt es eine Bilanzanalyse, demnach haben die charitativen Einrichtingen 2005 rund 48Mrd. Euro eingenommen. Von diesem Geld aber lediglich nur rund 3 Mrd. für die Einrichtungen wieder aufgewendet. Das ganze andere Geld bleibt bei diesen Parasiten, wenn der Staat sich dieser Einrichtungen entledigen würde, könnte man die ganze Sache etwas verbilligen.
    Aber das sind Wunschträumem, stehen doch Bischöfe, die vom Staat bezahlt werden mit jeweils 11.000 Euro moantlich zu Buche. 👿

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  4. Ich muss zugeben das ich falsch lieg und nickpol rechtgeben. Ich dachte die finanzieren sei nicht so sehr durch staatliche Mittel getragen. Hab eben auf deren Seite nachgeschaut:

    „Wie die Arbeit der Diakonie finanziert wird, hängt von der einzelnen Aufgabe ab und ist sehr unterschiedlich: Medizinisch-pflegerische Aufgaben werden in der Regel von den Kranken- und Pflegekassen finanziert. Nach dem Subsidiaritätsprinzip vergibt der Staat die Finanzierung sozialer Aufgaben zum Beispiel auf der Basis des Bundessozialhilfegesetzes an freie Träger.“

    Wenn „Teilaufgaben“ vom Staat abgegeben werden sollte auch gewährleistet werden, daß jeder dort arbeiten kann der die beruflichen Voraussetzungen erfüllt

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  5. Diese ganzen charitativen Einrichtungen leben vom Geld des Staates und somit von den Steuerzahlern. Die sollten überhaupt nicht das Recht haben nach solchen Kriterien Mitarbeiter auszuwählen. Religion ist bis zur Steuererklärung Privatsache, denn da wird dann die Kirchensteuer ersichtlich, zumindestens für die Arbeitgeber.

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  6. Definitiv ein Bereich Bereich in dem Regelungsbedarf besteht. Ich denk die religösen Organisationen sehen es genauso wie wir. Ich kann mir auch keinen Christen als technischen Admin für den Blog vorstellen. Ich kann durchaus verstehen warum die Diakonie das macht, auch wenn es gegen Gesetze verstößt. Schwer zu sagen ob der Arbeitnehmer „alle Chancen auf Gleichstellugn“ vom Staat erhalten soll, oder der Arbeitgeber mehr Freiheiten jemand nach seinen Vorstellungen einzustellen. Ich weiß das ist vielen sicher zuviel Liberalismus, aber wo kämen wir den hin wenn gesetzliche Regelungen festlegen wenn man beschäftigen bzw. suchen muss?

    Aber was, wie pjanotta wieder vortrefflich aufgezeigt hat: Ein Problenm ist das selbst bei geringer kirchlicher Beteiligung eine religöse Ausrichtun vorhanden ist. Denk das liegt aber vorallem am Personal das einfach eine (meist) christliche Grundhaltung hat und diese dann „durchdrückt.

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  7. Meine Schwester machte ihr FSJ an einem von der Kirche mitgetragenen Krankenhaus zu machen. Als die da erfahren haben, dass sie nicht getauft sei hat der Vorstand nochmal mit ihr geredet und ihr letztlich doch die Stelle gegeben. Begründung: Sie sei von Anfang an nicht getauft gewesen, das könne man noch tolerieren, wäre sie aber aus der Kirche ausgetreten hätte man ihr die Stelle nicht gegeben. Solche Krankenhäuser erhalten höchstens ca. 15% der Mittel aus Kirchengeldern. Wie man sieht mit weitreichenden Konsequenzen.

    Im Forum hat sich mal jemand gegen die Moral Bekenntnisfreier argumentiert, es gäbe ja keine explizit atheisthischen Krankenhäuser. Dazu kann ich nur sagen zum Glück. Ich für meinen Teil, will jedem die selbe Chance auf einen Arbeitsplatz gegeben wissen unabhängig von Rasse, Weltanschauung und Religion. Außerdem will ich sichergestellt wissen, dass Bedürftige in ihrer Not keine Missionierungsversuche über sich ergehen lassen müssen.

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