Religion: Kokain fürs Volk


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In einer provokanten Kolumne greift Umberto Eco die neue Enzyklika von Papst Benedikt XVI. an. Umberto Eco hat sich mit dem Vatikan angelegt. Der italienische Paradeintellektuelle hat in seiner Kolumne im römischen Wochenmagazin „L’espresso“ auf die neue Enzyklika von Papst Benedikt XVI. geantwortet – und darin die Religion als „Kokain fürs Volk“ verdammt.

Der 75-jährige Philosoph und Romanautor schreibt darin, Joseph Ratzinger liege mit seiner Einschätzung völlig falsch, dass der Atheismus Antrieb für Ideologien wie Nationalsozialismus und Kommunismus gewesen sei und so für die größten Grausamkeiten des 20. Jahrhunderts gesorgt habe.

„Spur schrecklicher Zerstörungen“

In „Spe salvi“, seiner zweiten Enzyklika, beschäftigt sich Benedikt mit der christlichen Hoffnung. Daneben verurteilt er den Atheismus und macht ihn für einige der schlimmsten Verbrechen in der Geschichte verantwortlich.

Der Atheismus sei vor allem im 19. und 20. Jahrhundert als moralischer Protest gegen Ungerechtigkeit gewertet worden, schreibt der deutsche Papst. Eine von Ungerechtigkeit, dem Leiden Unschuldiger und der Arroganz der Macht geprägte Gesellschaft könne nicht das Werk eines gütigen Gottes sein, zitierte Benedikt atheistische Autoren.Jedoch habe die Geschichte den Gott leugnenden Marxismus als Irrlehre widerlegt: „Es ist kein Zufall, dass dieses Konzept zur größten Grausamkeit und Verletzung der Gerechtigkeit geführt hat.“ Der Marxismus habe eine „Spur schrecklicher Zerstörungen“ hinterlassen, weil er verkannt habe, dass der Mensch nicht ausschließlich das Produkt wirtschaftlicher Verhältnisse sein könne.

Franco, die Nazis und die Religion
Eco sieht im Text des Papstes eine indirekte Replik auf Jose Saramago und dessen Aussage, dass wir, wären wir alle Atheisten, in einer friedlicheren Gesellschaft leben würden. Saramago wurde vom Vatikan öffentlich als Blasphemiker bezeichnet.

Eco schreibt in „L’espresso“, er teile Saramagos Ansicht nur bedingt. Doch nicht ohne Grund hätten sich die Nationalsozialisten „Gott mit uns“ auf die Fahnen geschrieben.

Außerdem wolle er darauf hinweisen, dass „die Militärkapläne der Falangisten die faschistischen Wimpel segneten, dass der Massenmörder Francisco Franco von religiösen Prinzipien inspiriert war, (…) dass sich Katholiken und Protestanten über Jahre hinweg fröhlich massakrierten, dass sowohl die Kreuzritter als auch ihre Feinde aus religiösen Gründen handelten …“

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spe salvi (offizielle deutsche Version)

3 Comments

  1. „Religion ist Opium für´s Volk“, bei all jenen, die sich von den selbsternannten Gottesinterpreten, Sternenguckern, Pfaffen, Päpsten und ihrer Spießgesellen der verantwortungslosen Scharlatanerie einlullen und schließlich entmündigen lassen, weil sie zu feige und/oder zu faul zur Selbstreflexion sind. „Schlaft Kindchen, schlaft ein…“
    „Religion ist Kokain für´s Volk“, bei all den selbsternannten Kämpfern und Streitern „für den rechten Glauben, die Wahrheit“ oder was immer sich diese Gotteskrieger auf ihre mordlüsternen Fahnen geschrieben haben. Es mordet sich nirgends so inbrünstig, so leidenschaftlich und so selbstvergessen, wie bei den von Gott Beauftragten, deren Gewissen bei solch abscheulichen Verbrechen durch Gottes Güte vollständig außer Kraft gesetzt wurde…

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  2. Schön zu sehen, dass Umberto Eco sich nicht zu sehr durch seine postmodernistischen Umtriebe hat verwirren lassen.

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