Mensch, bastle Dich selbst


Mensch, bastle Dich selbst – Richard Dawkins und seine Fehde mit der Religion – Von Stefan Rehder

WÜRZBURG, 17. Dezember 2007 (Die-Tagespost.de/ ZENIT.org).- Richard Dawkins ist ein Phänomen. Eines, für das es eigentlich keine Erklärung gibt. Zumindest keine einfache. So nimmt sich etwa der Erfolg, den der Biologe mit seinem jüngsten Buch „Der Gotteswahn“ (The God Delusion) einheimst, über weite Strecken nahezu umgekehrt proportional zu der Schärfe der dort niedergelegten Gedanken aus. Seit etlichen Wochen hält sich das im Ullstein-Verlag editierte Werk auf den oberen Rängen der Bestseller-Liste. Und das, obwohl es sich bei der 575 Seiten umfassenden Schmähschrift um ziemlich triviale Krawallprosa handelt. Wie anders ließe sich ein Buch charakterisieren, in dem der Autor die Grundüberzeugung der monotheistischen Religionen auf eine Stufe mit dem fiktiven Glauben an eine zwischen Erde und Mars kreisende Teekanne aus Porzellan stellt, und pubertär orakelt: „Wäre Jesus vor zwanzig Jahren getötet worden, dann würden die katholischen Schulkinder heute kein Kreuz, sondern einen kleinen elektrischen Stuhl um den Hals tragen“?

Dass ein – intellektuell betrachtet – über weite Strecken derart unerhebliches Buch einen solch reißenden Absatz findet, verrät natürlich auch einiges über den geistigen Zustand unserer Gesellschaft. Denn dass dem „Gotteswahn“ trotz zahlreicher geradezu vernichtender Rezensionen ein solcher Erfolg beschieden ist, lässt sich kaum allein mit dem Bekanntheitsgrad und einem gewissen Kultstatus erklären, den Dawkins nicht ganz zu Unrecht besitzt. 1941 in Nairobi geboren, wohin sein Vater als Angehöriger der Alliierten Streitkräfte versetzt worden war, kehrte Dawkins 1949 nach England zurück. Nach Schule und College begann er in Oxford bei dem niederländischen Ethologen Nikolaas Biologie zu studieren, wurde 1966 im Fach Zoologie promoviert und heiratete ein Jahr später zum ersten Mal. Seine Ehe mit der Autorin Marain Stamp siebzehn Jahre. 1984 heiratete Dawkins, längst Dozent für Zoologie am New College der Universität Oxford, zum zweiten Mal. Aus der Ehe mit Eve Barham, die später ebenfalls geschieden wurde, geht eine Tochter hervor. Auf einer Party lernt Dawkins dann seine jetzige Frau, die Schauspielerin Lalla Ward kennen, die er 1992 heiratet.

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Es muss also etwas anderes sein als die Verteidigung der Evolutionstheorie, die einen Wissenschaftler wie Dawkins dazu bringt, sein angestammtes Gebiet zu verlassen und auf dem ihm fremden Terrain von Philosophie und Theologie einen Kreuzzug gegen die Religion zu starten. Und dieser Grund hat weniger mit dem Glauben als solchem, als vielmehr mit der daraus abgeleiteten Moral zu tun. So ist es etwa interessant, dass Dawkins den Hinduismus und den Buddhismus ausdrücklich aus seiner Religionskritik ausnimmt. Eigentlich bekämpft Dawkins gar nicht, obwohl der mitunter diesen Eindruck zu erwecken sucht, so sehr gegen die Idee der Transzendenz als solche, die er als Aberglaube ablehnt, sondern vielmehr gegen die Vorstellung, dass die Menschen einem Schöpfergott Rechenschaft für ihr Tun schulden.

Der Grund dafür ist schnell gefunden, weiß man, dass Dawkins zu den Apologeten der so genannten Dritten Kultur gehört, die von dem Literaturagenten John Brockman weltweit vermarktet werden und die vorgeben, Natur- und Geisteswissenschaften miteinander versöhnen zu wollen, in Wirklichkeit jedoch die intellektuelle Speerspitze des Transhumanismus bilden; einer Bewegung, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Evolution des Menschen mit Mitteln der Technik in die eigene Hand zu nehmen. Der Genforscher, der Dawkins auch ist, nimmt es den monotheistischen Religionen – und hier vor allem dem Christentum übel, dass sie sich dem Projekt der Selbstevolutionierung des Menschen mit Hilfe der Technik und insbesondere der Gentechnik in den Weg stellen. Wie Dawkins, der sich auch zum Klonen von Menschen bekennt, in seinen früheren Werken darlegt, folgt aus dem Wissen, dass die Biologen über die Evolution gewonnen haben, so etwas wie ein Zwang, die Natur zu verbessern. Jetzt, da die Technik bereit steht, auch dem Menschen zu Leibe zu rücken, ist es für Leute wie Dawkins einfach ausgesprochen schmerzhaft und geradezu unerträglich, dass gläubige Menschen vor ihrer Anwendung warnen und sie zu unterbinden suchen. Wer wie Dawkins selbst „Gott spielen“ will, muss daher zunächst jene bekämpfen, die sich seinem Nebenbuhler verpflichtet wissen. Dann und nur dann wird der Weg frei, nach Belieben Schalten und Walten zu können..

15 Comments

  1. Zit.: …die Grundüberzeugung der monotheistischen Religionen auf eine Stufe mit dem fiktiven Glauben an eine zwischen Erde und Mars kreisende Teekanne aus Porzellan stellt”

    Hehe,
    ja dann erkläre er uns mal den Unterschied “

    Ist doch klar: wenn ER uns nach seinem Bilde schuf, und ER wäre ne Teekanne, hätten wir jetzt alle einen Rüssel aus Porzellan. Wenn das kein Beweis ist! 🙂

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  2. „die Grundüberzeugung der monotheistischen Religionen auf eine Stufe mit dem fiktiven Glauben an eine zwischen Erde und Mars kreisende Teekanne aus Porzellan stellt“

    Hehe,
    ja dann erkläre er uns mal den Unterschied 😉

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  3. Der Autor und ich sind auch aus Wü. Leider ist Würzburg wirklich Katholizismus pur. Unsere Oberbürgermeisterin Pia Beckman ist zu allem Überfluss auch noch Opus Dei-Anhängerin.

    @Athe: Schreib mir doch mal eine PN im Forum! In Würzburg tut sich vllt demnächst was. Eine HVD-Ortsgruppe gibt es bereits.

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  4. bin auch aus Würzburg.
    Eine Hochburg des Katholizismus, regelrecht verseucht.
    Keine Industrie, nur die Universität, Verwaltung und…die Kirche.

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  5. Als ich den Atikel zu lessen begann dachte ich noch das würde das übliche Dawkins=Dumm Blabla….als ich dann zu der Verschwörungs Stelle kam hab ich mich krank gelacht und den Artikel für eine Verarsche gehalten…..mir blieb das Lachen dann irgendwann im Halse stecken.
    @nickpol
    Tja das anstehende Fest lösst bei hardcore Christen einen Hormon-Schwall aus *g*.

    Merry Mithras

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  6. Ich werde das Gefühl nicht los, dass der Herr Rehder einer der Mitbewerber des Dodos Dezember 2007 ist. Die Kandidaten drängeln sich diesen Monat regelrecht. Ist das saisonal bedingt?

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  7. Der Herr Rehder scheint eine etwas vernebelte Sicht auf die Dinge zu haben:
    Das Buch von Dawkins findet deshalb solchen Absatz, weil das Thema leider immer noch aktuell ist, weil im Jahre 2007 eben tatsächlich viele Menschen diesem Wahn anhängen! Insofern verrät der Absatz tatsächlich etwas über den Zustand unserer Gesellschaft.

    Und selbstverständlich bekämpft Dawkins überhaupt niemanden und verschmäht auch nicht, sondern er nennt das Kind beim Namen.

    Sofern in dem Buch die Ableitung von Moral aus dem bloßen Glauben kritisiert wird, wird damit nur eine der besonders gravierenden Endstufen intellektuellen Verfalls durch Religion aufgezeigt.

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  8. „Die Tagespost“ firmiert als „Katholische Zeitung für Politik, Gesellschaft und Kultur“.

    Der Autor des Arikels war Stichwortgeber für Kardinal J. Meissners Werk „Mit dem Herzen Sehen“ und hat sich ansonsten mit Veröffentlichungen hervorgetan, in denen er laut Klappentext Schauerliches zur Vermarktung von Embrios und zu den Schrecken der Gentechnik zu berichten weiß.

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  9. Beim lesen hab ich wirklich wut bekommen.
    „Dass ein – intellektuell betrachtet – über weite Strecken derart unerhebliches Buch einen solch reißenden Absatz findet, verrät natürlich auch einiges über den geistigen Zustand unserer Gesellschaft“
    in was für einem geistigen Zustand bin ich und meine freunde, die wir dieses buch gekauft haben, bitte schön?

    naja meine wut legte sich dann wieder als ich sah dass der artikel einer kat. zeitung entstammt. schlimm wäre es für mich wenn ich den artikel in einer „neutralen“ zeitung gelesen hätte zb. die zeit, welt etc.

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  10. Sind die Behauptungen also haltlos? Nach einer Recherche bin ich auf folgenden Text von Dawkins gestoßen, wo er allerdings auf die wirklichen Gefahren der Gentechnik hinweist:
    http://www.simonyi.ox.ac.uk/dawkins/WorldOfDawkins-archive/Dawkins/Work/Articles/1998-08-19dangers.shtml

    Hier ist nicht von einer „Bewegung, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Evolution des Menschen mit Mitteln der Technik in die eigene Hand zu nehmen“ zu erkennen. Gibt es also noch andere Aussagen von Dawkins, die in diese Richtung interpretiert werden können?

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  11. Verdammt billiger Versuch eine Verschwörungstheorie aufzubauen und Rufmord zu begehen. Lächerlich niedriges Niveau, aber man kann daraus lernen, dass man Dawkins als Gefahr ansieht und deswegen nicht einmal solch ein Vorgehen mehr ausgeschlossen wird.

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