Strafanzeige wegen Tatort-Folge gestellt


Quelle: Welt Online
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„Wem Ehre gebührt“ hieß die Tatort-Folge an diesem Sonntag. Darin ging es um Inzest in einer schiitischen Religionsgemeinschaft, den Aleviten. Diese haben nun einen Strafantrag gegen den Norddeutschen Rundfunk gestellt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, der NDR beruft sich auf die Pressefreiheit.
Die Alevitische Gemeinde Deutschland hat bei der Berliner Polizei Strafanzeige wegen Volksverhetzung gestellt. Das erfuhr WELT ONLINE aus ranghohen Sicherheitskreise. Mit dem Strafantrag will die Gemeinde gegen die Ausstrahlung der Tatort-Folge „Wem Ehre gebührt“ protestieren. In dem TV-Krimi, den die ARD am Sonntag gesendet hatte, war es um Inzest in einer alevitischen Familie gegangen. Die Aleviten sind eine schiitische Religionsgemeinschaft.
Zunächst versuchte die alevitische Dachorganisation noch, die Ausstrahlung zu verhindern, der Norddeutsche Rundfunk berief sich allerdings auf die Pressefreiheit und hielt an seinem Programm fest, wie es in dem Bericht weiter heißt. Weil über die Feiertage hinweg keine zivilrechtliche Entscheidung möglich gewesen sei, sei nun vom Berliner Verein Anatolischer Aleviten im Auftrag der der Alevitischen Gemeinde Deutschland Stafantrag gestellt worden. Das Landeskriminalamt ermittelt.
Angelina Maccarone, Drehbuchautorin und Regisseurin, verteidigte den „Tatort“: „Dieser Fall – denn es handelt sich um einen Krimi – könnte so in jeder Familie überall auf der Welt passieren, egal ob deutsch oder türkisch“, sagte sie. Die Vorurteile, die alle Gruppierungen gegeneinander hegen, lassen letztendlich alle nur in die Irres laufen und tragen zur Aufklärung nicht bei.“

11 Comments

  1. Schön zu sehen, wie sich diese Religionsgemeinschaften alle selbst bis aufs Messer hassen. Religion macht ja offenbar dumm, aber so schlimm? Was die deutsche Öffentlichkeit nun über die Aleviten weiß, ist ja nur, dass ihnen seit Jahrhunderten Inzest vorgeworfen wird. Prima, ich werde es mir merken! Durch Toleranz und Weltoffenheit sind sie mir jedenfalls hierbei nicht aufgefallen.

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  2. Den Protest der Aleviten halte ich für berechtigt, da hier offensichtlich Vorurteile und Verläumdungen gegen ihre Glaubensgemeinschaft unterstützt werden. Die Situation ist wohl vor allem deshalb so prekär, weil die Aleviten in vielen Ländern aufgrund ihrer relativ liberalen Einstellung unterdrückt werden.
    Daher hätte die Klarstellung des NDR durchaus auch eine etwas deutlichere Entschuldigung enthalten können.

    Andererseits muß ganz klar gesagt werden, dass es sich um einen fiktiven Einzelfall handelt, der durchaus realistisch ist!
    Dass die Aleviten versuchten die Ausstrahlung zu verhindern halte ich daher für weit über’s Ziel hinausgeschossen. Dies war eine Aufforderung zur Selbstzensur an die ARD, die in keinem Verhältnis zur Meinungsfreiheit in diesem Land steht.

    Auch die Anzeige wegen Volksverhetzung halte ich für lächerlich und stark übertrieben. Es ist gut so, dass in diesem Land die Produktion solcher Filme nicht von vorneherein verboten ist. Genauso ist es gut, dass nach der Ausstrahlung offen darüber diskutiert und kritisiert werden kann, ohne dass irgendjemand deshalb Diskriminierung oder Unterdrückung fürchten muss!
    Dieser Umstand ist ein Vorteil gegenüber den meisten islamischen Ländern, den gerade die Aleviten zu schätzen wissen sollten.

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  3. habe jetzt auch die Stellungnahme der „Aleviten“ gelesen und was wohl wirklich nit so dolle ist, ist dass hier Vorurteile aufgegriffen werden, die schon in genau dieser Form zur Verfolgung geführt haben (sollen)..
    (sollen) => weil ich jetzt nicht nachprüfen werde ob es wirklich der „Inzestvorwurf“ war, der dazu führte….

    dennoch finde ich die Diskussion en bisschen übertrieben,
    als wenn eine Frau die rote Haare hat und kleine Kinder frisst nicht gezeigt werden darf, weil so damals die Hexen verfolt wurden…

    Mein Gott 😉 es ist doch nunmal eine Geschichte,
    ich bin dagegen, dass immer von männlichn Kinderschändern in Filmen gesprochen wird, als gäbs keine weiblichen und ich werde da mal gegen klagen müssen glaub ich 😉

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  4. Ach kommt,
    bald sind alle Filme politsch so korrekt, dass man gar keine mehr drehen darf…

    ist doch lächerlich die Diskussion find ich…

    ok die Aleviten sind eine Minderheit und OK, das ganze ist vllt nicht toll recherchiert aber was wäre denn wenn die „Club für die Gleichberechtigung der Männer“ bald klagt, dass ein Mörder ein Mann war ?
    Oder der Mörder kam aus der Obdachlosenszene, ist dann auch der Aufschrei gross, weil man diesen Menschen diffamiert mit der Geschichte ?

    oder seh ich das jetzt wirklich so falsch ?

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  5. Hmmm TP klingt wirklich sehr böse. Wobei TP (leider) auch öfters bullshit oder einfach „eingefärbtes“ schreibt. Richtig ist das „umgedrehte“ Rollen (Sunnite betreibt Inzest und Alevit ist „der gute Schwiegersohn“) sicher für einen größeren Aufschreib gesorgt hätten

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  6. Die Vorwürfe in dem TP-Artikel sind wirklich recht gravierend. Unklar ist jedoch inwiefern die Thematisierung der Aleviten in der Folge gezielt war. Ich kann mir da keine Bewertung erlauben, da ich die Folge nicht gesehen habe.

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  7. Das war schon eine miese Aktion gegen die Aleviten. Dieser Tatort ist ja nicht etwa kritisch gegen den Islam, sondern spezifisch gegen die Aleviten — eine von Sunniten bedrohte Minderheit ohne erwähnenswerte Lobby. Lest erstmal den Artikel hier, bevor ihr voreilige Schlüsse zieht:
    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/26/26943/1.html

    „In einem [extern] Forumsbeitrag schreibt der Bochumer Arzt Dr. med. Kerem Bulut polemisch:

    Ich nehme an, daß Ihre Drehbbuchautorin Frau A. Macarone offensichtlich beim Schreiben des Drehbuches von sunnitischen Beratern instrumentalisiert worden ist. Als plausibles Indiz ist hier die subtile Botschaft, nämlich „der Rettungsanker sunnitischer Islam“ für das arme, vom alevitischen Inzest-Papa missbrauchte Kind. (Motto: „Lieber Kopftuch, als von Papa missbraucht zu werden“). Der Schwiegersohn, ebenfalls ein anständiger Sunnite – klar, was sonst? -, war hier ein durchweg gläubiger und integrer Mann. Applaus! Bravo! DITIB und Milli Görüs danken! Soviel Propaganda vom deutschen Fernsehen ist mehr als man zu träumen wagte.“

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  8. Im Vergleich zu Hagen, Kerner und dem ZDF find ich es nicht Dodowürdig. Vorschlagen kan man es natürlich!

    Aufjedenfall wieder ein sehr schönes Beispiel von Empfindungen und Überreaktion. Klinisch sauberes TV brauchen wir! Es darf sich auch niemand in keinster weise, auch nicht indirekt, angegriffen fühlen. Ich bin für die Ausstrahlung des Wetters 24 Stunden am Tag. Für ein sauberes Fernsehen!

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  9. Ich finde, der Dodo passt hier nicht so recht.

    Auch wenn das sicherlich eine lächerliche Aktion ist, sollte der Dodo nicht zu inflationär vergeben werden.

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